Alejandro Aravena

chilenischer Architekt und Maler
Alejandro Aravena (2015)

Alejandro Gaston Aravena Mori (* 22. Juni 1967 in Santiago de Chile) ist ein chilenischer Architekt und Träger des Pritzker-Preises für Architektur.

LebenBearbeiten

 
Die „Siamesischen Türme“ auf dem Campus San Joaquin der PUC

Alejandro Aravena studierte Architektur an der Päpstlichen Katholischen Universität von Chile (Universidad Católica de Chile PUC). Seit 1994 arbeitete er in seinem eigenen Büro, 2001 übernahm er die Leitung von Elemental, einem Planungs- und Architekturbüro für Infrastruktur, Verkehrswesen, Städtebau und Wohnungsbau.

Er hatte Gastprofessuren an der Harvard Graduate School of Design (2000 und 2005) inne und ist Elemental-Copec Professor an der PUC. 2015 übernahm er die Leitung der Abteilung Architektur der Biennale di Venezia für das Jahr 2016.

Seine Arbeiten wurden an der Harvard Graduate School of Design (2004), der Biennale von São Paulo (2007), der Milan Triennale (2008), der Architektur-Biennale in Venedig (2008) sowie im MoMA, New York (2010) ausgestellt.

Von 2009 bis 2015 war er Mitglied der Jury des Pritzker-Preises, mit dem er am 4. April 2016 im UNO-Hauptquartier in New York selbst ausgezeichnet wurde.[1]

Ehrungen und AuszeichnungenBearbeiten

Würdigung und KritikBearbeiten

Aravenas Ernennung zum Leiter der Architekturbiennale Venedig 2016 wurde allgemein als Trendwende, weg von der an einzelnen Großbauten orientierten Repräsentationsarchitektur hin zu einer Alltagsarchitektur, die sich der Lösung konkreter Probleme der Bewohner verschrieben hat, begrüßt. In diesem Sinne ist auch das Motto der von ihm geleiteten Biennale zu verstehen. Insbesondere Aravenas Konzept des „Halben Hauses“, dass er in der Siedlung Quinta Monroy in Iquique, Chile umgesetzt hat, steht hier paradigmatisch für einen scheinbar neuen, die zukünftigen Bewohner mit einbeziehenden, Ansatz des sozialen Wohnungsbaus.

Die Kehrseiten von Aravenas Projekt, die Verwandlung staatlicher Aufgaben des sozialen Wohnungsbaus in Gesten großherziger Fürsorge der Ölindustrie – in diesem Fall AntarChile, welche zugleich Miteigner der als do-tank bezeichneten Firma Aravenas ist – für die eigenen MitarbeiterInnen, hat die monde diplomatique auf den Punkt gebracht.[4]

Noch umfassender kritisiert Olivier Namias in der französischen Architekturzeitschrift DÁ[5] Alejandro Aravena als soziales Aushängeschild neoliberaler Politikkonzepte. Zudem bemängelt Namias, Aravena habe sein Projekt in Iquique als neues Konzept darstellt, ohne dessen Vorläufer zu erwähnen oder zu zitieren. Der Deutsche Pavillon der Architekturbiennale in Venedig zeigte nebeneinander Bildtafeln des „Halben Hauses“ in Quinta Monroy 2004 und des „Selbsthilfe-Hauses“ von Ernst May in Frankfurt am Main 1925.[6]

Werke (Auswahl)Bearbeiten

  • Mathematikgebäude, Universidad Católica de Chile, Santiago de Chile (1999)[7]
  • Wohnsiedlung Quinta Monroy, Iquique, Chile (2004)
  • Torres Siamesas, Universidad Católica de Chile, Santiago, Chile (2005)[8]
  • Wohnsiedlung und Gemeindezentrum in Temuco, Chile (2008)
  • Wiederaufbauprojekt und öffentliche Gebäude für die Stadt Constitución nach ihrer Zerstörung durch einen Tsunami, Chile (seit 2010)
  • Wohnsiedlung in Monterrey, Mexiko (2010)
  • Wohnsiedlung und Gemeindezentrum Lo Barnechea II, Lo Barnechea, Santiago, Chile (2012)
  • Aurelia Rojas Burgos Schule, La Pintana, Santiago, Chile (2013)
  • UC Innovation Center, San Joaquín Campus, Universidad Católica de Chile, Santiago, Chile (2013)
  • Parque Periurbano, Calama, Chile (im Bau)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ulf Meyer: Pritzker-Preis: Ein Architekt für die grossen lateinamerikanischen Metropolen, NZZ vom 14. Januar 2016.
  2. Global Award for Sustainable Architecture. Cité de l’architecture et du patrimoine, abgerufen am 4. Juni 2020 (englisch).
  3. Award Winners: 2017 – Alejandro Aravena. gothenburgaward.com, abgerufen am 25. April 2017 (englisch).
  4. Robin des boîtes. In: Le Monde diplomatique. März 2016. Paris, S. 28.
  5. Namias, Olivier: Qui est vraiment Alejandro Aravena, lauréat 2016 du Pritzker Prize ? In: DÁ; Januar 2016. Abgerufen am 3. Juni 2016.
  6. P. Körner, P. Sturm: Neues Bauen in Frankfurt am Main und Iquique. In: P. Cachoala Schmal et al. (Hrsg.): Making Heimat. Germany, Arrival Country, Deutscher Pavillon auf der 15. internationalen Architekturausstellung 2016 – La Biennale di Venezia. 2016, S. 161–171.
  7. siehe Projekte auf der Website von Elemental (englisch/spanisch, abgerufen am 15. Januar 2015).
  8. Zur Idee zweier sich berührender gefalteter Glashüllen um Gebäudekerne herum vgl. auch den WTC-Wettbewerbs-Entwurf von Foster+Partners

WeblinksBearbeiten

Commons: Alejandro Aravena – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien