Albert von Thurn und Taxis (Unternehmer)

deutscher Unternehmer und Milliardär

Albert von Thurn und Taxis (* 24. Juni 1983 in Regensburg), amtlich Albert Maria Lamoral Miguel Johannes Gabriel Prinz von Thurn und Taxis, seit 1990 der Tradition gemäß meist als Fürst von Thurn und Taxis bezeichnet, ist ein deutscher Unternehmer und Rennfahrer. Er ist Familienoberhaupt des ehemaligen Fürstenhauses Thurn und Taxis.

Albert von Thurn und Taxis in Assen 2011

LebenBearbeiten

Albert von Thurn und Taxis ist das jüngste Kind von Johannes und Gloria von Thurn und Taxis, geborene Gräfin von Schönburg-Glauchau. Er hat noch zwei ältere Schwestern, Maria Theresia und Elisabeth. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1990 erbte er gemeinsam mit seinen Schwestern und der Mutter dessen Privatvermögen, dessen Verwaltung er als Familienoberhaupt – bis 2001 unter der Vormundschaft seiner Mutter – übernahm.

Er verbrachte seine Kindheit in Regensburg und besuchte dort von 1993 bis 1998 das private Gymnasium Pindl sowie anschließend von 1998 bis 2003 die Deutsche Schule Rom, welche er mit dem Abitur abschloss. Nach Beendigung des Wehrdienstes bei der Deutsch-Französischen Brigade[1] studierte er von 2004 bis 2008 an der University of Edinburgh Volkswirtschaft und Theologie und erlangte den Abschluss als Master of Arts. Danach zog er nach Zürich in der Schweiz.[2] Dort absolvierte er eine Ausbildung zum Chartered Financial Analyst. Ab 2010 betrieb er Studien an der Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin in Rom.

Aktivitäten im MotorsportBearbeiten

 
Albert von Thurn und Taxis beim Norisring-Rennen 2008

Albert von Thurn und Taxis fährt Autorennen und ist Vize-Meister (2007&2008) und Meister (2010) in der ADAC GT Masters. Durch den Erfolg des Rennteams von Reiter Engineering stieg er 2009 mit dem Team in die Le Mans Series auf. Dort war er auf einer GT2-Version des Lamborghini Gallardo gemeldet. Allerdings wurde das Projekt seitens Reiter bereits nach einem Meisterschaftslauf eingestellt. Thurn und Taxis wechselte daher zu JMB und pilotierte für ein weiteres Rennen der Serie einen Ferrari F430 GT in derselben Rennkategorie, bevor er sich aus der Saison vorzeitig zurückzog. Auch sein Engagement bei Reiter in der FIA GT3-Europameisterschaft mit Klaus Ludwig war nach zwei Rennen vorzeitig beendet. Im Jahr 2010 gewann er mit seinem Partner Peter Kox die ADAC GT Masters in einem Reiter Lamborghini.

Chef des Hauses Thurn und TaxisBearbeiten

 
Wappen des Fürstenhauses von Thurn und Taxis

Nach dem Genealogischen Handbuch des Adels wäre seine traditionelle Anrede in der Monarchie: Seine Durchlaucht der 12. Fürst von Thurn und Taxis, Fürst zu Buchau und Fürst von Krotoszyn, Herzog zu Wörth und Donaustauf, gefürsteter Graf zu Friedberg-Scheer, Graf zu Valle-Sássina, auch zu Marchtal, Neresheim usw., Erbgeneralpostmeister.[3] Mit dem Artikel 109 der Weimarer Reichsverfassung vom 11. August 1919[4] wurde festgelegt, dass die öffentlich-rechtlichen Vorrechte oder Nachteile der Geburt oder des Standes aufzuheben sind. Adelsbezeichnungen gelten seitdem als Teil des Namens, die Weitergabe oder Verleihung der vordem in Primogenitur gewährten Erstgeburtstitel wie hier Fürst ist seitdem in der Regel nur als Pseudonym möglich. Amtlich sind Adelstitel als Namensbestandteil nur, wenn sie schon historisch als Namensbestandteile aller Familienmitglieder Verwendung fanden. Daher ist die traditionell benutzte Bezeichnung „Fürst“ im Falle des Hauses Thurn und Taxis lediglich als Kennzeichnung des jeweiligen Oberhaupts der Familie zu verstehen. Die Anrede Durchlaucht, die historisch allen hausgesetzmäßig geborenen bzw. verheirateten Mitgliedern fürstlicher Häuser zustand, wird zwar weiterhin von manchen Kreisen der Gesellschaft als Höflichkeitsform verwendet, es besteht aber seit der Abschaffung der Monarchie kein Rechtsanspruch dafür.

Albert von Thurn und Taxis ist als Chef des Hauses automatisch Träger des Haus-Ordens De Parfaite Amitié. Seit dem 15. November 2007 ist er auch Rechtsritter des Konstantinischen Militärischen Ordens des Heiligen Georg. Bereits 2005 wurde er als Sodale in die Marianische Männer-Congregation Regensburg aufgenommen, in der zuvor schon zahlreiche frühere Fürsten von Thurn und Taxis Mitglieder waren.[5]

VermögenBearbeiten

Laut der Forbes-Liste 2014 belief sich das Vermögen von Albert von Thurn und Taxis auf ca. 1,5 Milliarden US-Dollar. Damit belegte er Platz 1.190 auf der Forbes-Liste weltweit und Platz 76 in Deutschland.[6] 2019 war er nicht mehr auf der Forbes-Liste der Milliardäre gelistet.[7]

Die Familie von Thurn und Taxis ist bis heute der größte private Grundbesitzer Deutschlands sowie mit knapp 20.000 Hektar Wald in Deutschland der größte Privatwaldbesitzer Deutschlands.[8] Im Jahr 2004 hatte Gloria von Thurn und Taxis mehr als 5.000 Hektar Waldfläche an die Firma Blauwald von Adolf Merckle verkauft, um das Familienvermögen zu diversifizieren.[9] Bis dahin war das Haus Thurn und Taxis noch im Besitz von ca. 28.000 Hektar Wald.[10]

Orden und EhrenzeichenBearbeiten

VeröffentlichungenBearbeiten

  • John Stuart Mill and the Criterion of Morality: The Good, the Self and the Other. In: Nicolaus U. Buhlmann, Peter Styra (Hg.): Signum in Bonum, Festschrift für Wilhelm Imkamp zum 60. Geburtstag, Thurn und Taxis Studien, Neue Folge Band 1, Regensburg 2011, S. 1121–1139.
  • Triumph of the Will? Rationality and Freedom in Aquinas' Theory of Agency. Lizentiatsarbeit an der Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin, Rom 2014.

VorfahrenBearbeiten

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Albert von Thurn und Taxis (1867–1952)
Fürst
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Karl August von Thurn und Taxis (1898–1982)
Prinz (traditionell seit 1952 „Erbprinz“, seit 1971 „Fürst“)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Margarethe Klementine von Österreich (1870–1955)
Erzherzogin
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Johannes Prinz von Thurn und Taxis (1926–1990)
(traditionell seit 1971 „Erbprinz“, seit 1982 „Fürst“)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Michael II. von Braganza (1853–1927)
Herzog
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Maria Anna von Braganza (1899–1971)
Prinzessin von Portugal
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Maria Theresia zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (1870–1935)
Prinzessin
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Albert Prinz von Thurn und Taxis (* 1983)
(traditionell seit 1983 „Erbprinz“, seit 1990 „Fürst“)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Karl von Schönburg-Glauchau (1899–1945)
Graf
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Joachim Graf von Schönburg-Glauchau (1929–1998)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Maria Anna Baworowska (1902–1988)
Gräfin
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Gloria Gräfin von Schönburg-Glauchau (* 1960)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Valentin Széchenyi von Sárvár-Felsövidék (1893–1954)
Graf
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Beatrix Maria Gräfin Széchenyi de Sárvár-Felsövidék[11](1930–2021)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Maria Gallitzin (1895–1976)
Prinzessin
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Der amtliche Name der Familie lautet Prinz von Thurn und Taxis. Weibliche Familienmitglieder und somit auch Gloria von Thurn und Taxis tragen den amtlichen Namen Prinzessin von Thurn und Taxis. Der letzte Fürst hatte von 1918 bis 1952 als Chef des Hauses weiterhin den Namen Fürst von Thurn und Taxis führen dürfen, seine Frau Fürstin von Thurn und Taxis. Seit 1952 handelt es sich bei den früheren Titeln Fürst und Erbprinz um pseudonyme Namensbestandteile, die traditionell vom jeweiligen Chef des Hauses und dessen designiertem Nachfolger anstelle des Namensbestandteils Prinz verwendet werden, ohne dass damit eine öffentlich-rechtliche Wirksamkeit einhergeht.

WeblinksBearbeiten

Commons: Albert Prinz von Thurn und Taxis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Manager Magazin: Familie von Thurn und Taxis - Donner und Gloria, abgerufen am 8. Dezember 2009.
  2. Zwei Milliardäre sind nach Zürich gezogen - News Zürich: Region - tagesanzeiger.ch. 5. Dezember 2009, archiviert vom Original am 5. Dezember 2009; abgerufen am 20. Dezember 2020.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.tagesanzeiger.ch
  3. Genealogisches Handbuch des Adels, Fürstliche Häuser Band XV, Limburg/Lahn 1997, S. 474.
  4. Artikel 109 Weimarer Reichsverfassung (1919) auf wikisource.org
  5. http://www.mmc-regensburg.de/ Marianische Männer-Congregation Regensburg
  6. Forbes-Liste 2014, abgerufen am 15. September 2014.
  7. Forbes-Liste 2019, abgerufen am 24. Mai 2019.
  8. Waldbesitzer: Wem gehört der Wald? wald-prinz.de, abgerufen am 13. Juli 2016.
  9. Interview mit Gloria von Thurn und Taxis in der Wirtschaftswoche, 26. Dezember 2010.
  10. Karl-Reinhard Volz: Waldeigentum im Spannungsfeld von privatem und allgemeinem Interesse, in Der Deutsche Wald, Heft 1, 2001.
  11. Online Gotha der Familie Széchényi
VorgängerAmtNachfolger
JohannesChef der Familie Thurn und Taxis
seit 1990
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