Überetsch

Hügellandschaft in Südtirol

Als Überetsch (italienisch Oltradige) wird eine Hügellandschaft in Südtirol auf der orographisch rechten, westlichen Seite des Etschtals bezeichnet. Diese liegt im Südwesten Bozens, zu Füßen des Mendelkamms größtenteils in rund 250–600 m Höhe. Im Westen überragt wird das Gebiet vom Gantkofel (1866 m s.l.m.) und vom Penegal (1737 m), der Mendelpass (1363 m) vermittelt einen Übergang ins Nonstal. Östlich wird das Überetsch durch den Mitterberg vom Unterland bzw. dem Talboden der Etsch abgegrenzt.

Das Überetsch umfasst die Gemeinden Eppan und Kaltern und ist das bedeutendste Weinbaugebiet Südtirols. Zusammen mit dem Unterland bildet das Überetsch die Bezirksgemeinschaft Überetsch-Unterland.

Für das gesamte Überetsch gibt es ein gemeinsames Gemeindeblatt (Wochenzeitung), die Raiffeisenkasse Überetsch und eine Sektion des Rettungsdienstes Weißes Kreuz.

Zwischen 1898 und 1974 verband die Überetscher Bahn das Gebiet mit Bozen.

Im sogenannten Überetscher Baustil wurden zwischen 1550 und 1650 herrschaftliche, ansitzähnliche Landhäuser erbaut. Typisch ist ein großer Mittelsaal, um den sich verschiedene kleinere Räume gruppieren. Der Saal ist mit Rundbogenfenstern versehen. Oft sind Erker oder eine Loggia vorhanden. Anspruchsvolle Holztäfelungen schmücken und isolieren die Räume. Im Überetscher Stil vereinen sich nördliche und südliche Elemente.

Im Überetsch befindet sich an der Grenze zwischen Eppan und Kaltern am Fuß des Gandbergs ein Bergsturzgelände, das wohl gegen Ende der letzten Eiszeit entstanden ist. Die Felstrümmer aus Rhyolith bedecken eine Fläche von gut 1 km², haben einen Rauminhalt von insgesamt ca. 10 Millionen m³ und sind teilweise mit Wald bewachsen. Auf diesem Gelände befinden sich die Eppaner Eislöcher. Die schon 1491 urkundlich belegte Bezeichnung „in der Gand[1] (Geröllhalde, mundartlich „Gont“) ging später auf die im Gebiet entstandene Siedlung über und hat auch Anlass zu Sagenbildungen gegeben[2].

Panoramablick von Schloss Boymont in südöstliche Richtung auf das Überetschgebiet um Eppan – links das Etschtal mit Bozen im Hintergrund

LiteraturBearbeiten

  • Magdalena Hörmann (Hrsg.): Tiroler Burgenbuch. Band 10: Überetsch und Südtiroler Unterland. Bozen-Innsbruck: Athesia-Tyrolia 2011, ISBN 978-88-8266-780-1.
  • Günther Kaufmann (Hrsg.): Archäologie im Überetsch – Archeologia dell'Oltradige. (= Schriften des Südtiroler Archäologiemuseums 5). Innsbruck: Wagner 2015, ISBN 978-3-7030-0895-5.
  • Gunther Langes: Überetsch und Bozner Unterland: Landschaft und Leben im unteren Etschtal (= Südtiroler Landeskunde. Band 3). 5. Auflage, Athesia, Bozen 1991, ISBN 88-7014-215-9.
  • Helmut Stampfer (Hrsg.): Bauernhöfe in Südtirol. Band 5: Bozner Weinleiten, Überetsch und Etschtal. Athesia, Bozen 2004, ISBN 88-8266-229-2.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Band 2. Bozen: Stadt Bozen 2008. ISBN 978-88-901870-1-8, S. 212 Nr. 1275.
  2. Website Sagen.at: „Die verschüttete Stadt in der Gand“, aufgerufen am 26. Dezember 2014

Koordinaten: 46° 26′ N, 11° 15′ O