Zhou Zuoren

chinesischer Übersetzer und Autor
Zhou Zuoren

Zhou Zuoren (chinesisch 周作人, Pinyin Zhōu Zuòrén, W.-G. Chou Tso-jen; * 16. Januar 1885 in Shaoxing, Provinz Zhejiang; † 6. Mai 1967 in Peking), Bruder von Lu Xun (chinesisch 鲁迅; eigentlich: chinesisch 周樹人, Pinyin Zhōu Shùrén, 1881–1936), war ein chinesischer Übersetzer und Schriftsteller. Er war ein wichtiger Vertreter der Bewegung für eine Neue Kultur und gilt als Schlüsselfigur der ersten chinesischen Massenprotestbewegung, der Bewegung des vierten Mai.

Leben (Chronologie)Bearbeiten

  • 1901 Eintritt in die Nanking Naval Akademie
  • 1906–1911 Studium in Tokyo
  • 1909 Heirat mit Hata Nobuko (1887–1962)
  • 4. Mai 1919 Studentendelegation in Peking im Nachgang des Friedensvertrags von Versailles
  • 1923 Zerwürfnis mit Lu Xun aufgrund seiner Frau
  • 1941 Eintritt in das Pro-japanische Parlament (Wang Jingwei 1883–1944)
  • 1966 im August von Rotgardisten gefangen genommen und in einen Schuppen eingesperrt.

Zhou wuchs in der ostchinesischen Großstadt Shaoxing auf. Seine Familie war wohlhabend, sein Großvater väterlicherseits, Zhou Fuqing, nahm eine hohe Position als kaiserlicher Beamter ein. Zhou Zuoren bekam Privatunterricht in traditionell konfuzianischer chinesischer Kultur. 1901 folgte er seinem Bruder Lu Xun auf die Marineakademie, wo er über technisches Gerät englische Fachliteratur kennenlernte. 1906 folgte er dem Bruder nach Japan, um dort Architektur und Ingenieurswesen zu studieren. 1909 erschien sein erstes Buch mit Kurzgeschichten. Es folgten zahlreiche Übersetzungen von Literatur aus dem Englischen in Chinesische.

1911 zog er nach China zurück und wurde Englischlehrer, 1918 Professor für griechische und römische Literatur. Er gründete das Institut für orientalische Sprachen an der Universität von Peking.

RezeptionBearbeiten

Zhou Zuoren steht im Westen bisher noch im Schatten seines Bruders Lu Xun. Er wird derzeit jedoch wiederentdeckt. Nach der Ausbildung an der Jiang Nan Akademie folgte er seinem Bruder nach Japan, wo er Englisch und (Alt-)Griechisch lernte. Dort entstanden die ersten Übersetzungen ins Chinesische. Auch nach der Rückkehr nach China blieben die Brüder eng verbunden. Sie bewohnten in Beijing dasselbe Haus, bis es zu einem Zerwürfnis kam, an dem Hata Nobuko schuld sein soll.

Im Gegensatz zu Lu Xun vertrat Zhou Zuoren einen Lokalismus. Er legte großen Wert auf eine Form von Diversität, die gerade die Erfahrungen von Heimat und die lokalen Eigenheiten würdigte. Er kritisierte elitäre chinesische Traditionen wie die Peking-Oper und nannte sie „widerlich, ekelerregend, angeberisch“ und ihren Klang „krankhaft unmenschlich“.[1] Nach dem zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg wurde Zhou 1945 von der nationalistischen Regierung unter Chiang Kai-shek wegen Landesverrats verhaftet, was auf seine angebliche Zusammenarbeit mit der Regierung Wang Jingwei während der japanischen Besetzung Nordchinas zurückzuführen war. Zhou wurde zu 14 Jahren Haft verurteilt, wurde aber 1949 von der kommunistischen Regierung nach einer Begnadigung freigelassen. Er kehrte daraufhin nach Peking zurück, schrieb aber wenig und konzentrierte sich auf das Übersetzen. Er starb während der Kulturrevolution nachdem er von Roten Garden erst verhaftet und später geschlagen wurde. In den ersten Jahrzehnten der Volksrepublik China waren Zhou Zuorens Schriften aufgrund seiner angeblichen Kollaboration chinesischen Lesern nicht zugänglich (dies war auch der Fall in Taiwan). Erst in den relativ liberalen achtziger Jahren wurden seine Werke wieder verfügbar. Der chinesische Gelehrte und ehemalige Professor der Universität Peking Qian Liqun 錢理群 veröffentlichte 2001 eine umfangreiche Biografie über Zhou Zuoren mit dem Titel 周作人传.

WerkeBearbeiten

  • Yuwai xiaoshuoji

LiteraturBearbeiten

  • Georges Bê Duc: "Zhou Zuoren et l'essai chinois moderne", L'Harmattan, Paris, 2010 ISBN 2-296-11221-8.
  • Susan Daruvala: "Zhou Zuoren and an alternative Response to Modernity". Harvard University Press, Cambridge, Mass. [u. a.] 2000. (Harvard East Asian monographs ; 189) Zugl.: Univ. of Chicago, Diss., 1989 ISBN 0-674-00238-5.
  • Michael Leonard Laurens Gerard Hockx: "A snowy morning : eight Chinese poets on the road to modernity". Centre of Non-Western Studies, Leiden, Leiden Univ., 1994. @CNWS publications, ISSN 0925-3084 ; 18 ISBN 90-73782-22-8 - ISBN 90-73782-21-X.
  • David E. Pollard: "A Chinese look at literature: the literary values of Chou Tso-jen in relation to the tradition". University of California Press, Berkeley 1973. ISBN 0-520-02409-5.
  • Ernst Wolff: "Chou Tso-jen." Twayne, New York 1971. Twayne's world authors series; 3.
  • Lawrence Wong (Wang-chi Wong): ""The Beginning of New Literature from Exotic Countries into China": Zhou Zuoren and Yuwai xiaoshuoji." Hongkong ??.

Chinesische LiteraturBearbeiten

  • Zhang Enhe: "Zhou-Zuoren-sanwen-xinshang", Guangxi Jiaoyu Chubanshe, Nanning 1989. (Zhongguo-xiandai-zuojia-zuopin-xinshang-congshu) ISBN 7-5435-0710-2.
  • Qian Liqun: "Zhou-Zuoren-lun." Shanghai Renmin Chubanshe, Shanghai 1992. (Renwen yanjiu congshu) ISBN 7-208-00502-8.
  • Ni Moyan: "Zhongguo-de-pantu-yu-yinshi-Zhou-Zuoren". Shanghai Wenyi Chubanshe, Shanghai 1990. (Zhongguo xiandai wenxue yanjiu congshu - Übers. d. Hauptsacht.: Ein chinesischer Renegat und Eremit: Zhou Zuoren) ISBN 7-5321-0387-0.
  • Qian Liqun: "Zhou-Zuoren-zhuan". Beijing Shiyue Wenyi Chubanshe, Beijing 1990. (Zhongguo xiandai zuojia zhuanji congshu - Übers. d. Hauptsacht.: Biographie Zhou Zuorens) ISBN 7-5302-0175-1.
  • Zhao Jinghua: "Xunzhao-jingshen-jiayuan. Zhou Zuoren wenhua sixiang yu shenmei zhuiqiu". Zhongguo Renmin Daxue Chubanshe, Beijing 1989. Übers. d. Hauptsacht.: Auf der Suche nach der geistigen Heimat ISBN 7-300-00701-5.
  • Li Jingbin: "Zhou-Zuoren-pingxi". Shanxi Renmin Chubanshe, Xi’an 1986. (Zhongguo xiandai zuojia yanjiu congshu - Übers. d. Hauptsacht.: Kritische Analyse zu Zhou Zuoren).
  • Zhang Juxiang: "Zhou-Zuoren-yanjiu-ziliao". Tianjin Renmin Chubanshe, Tianjin (Zhongguo xiandai wenxueshi ziliao huibian : Yizhong).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Nicholas D. Krsitof: Beijing Opera Is 200 and Facing a Crisis. In: The New York Times, Nov. 1, 1990