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Web.de
Logo von web.de
web.de
Beschreibung Portal, Suchmaschine und E-Mail-Dienst
Eigentümer 1&1 Mail & Media GmbH
Erschienen 1995

Web.de ist ein 1995 gegründetes deutsches Internetportal, das als redaktionell betreutes Webverzeichnis gestartet ist und nach und nach vor allem um Kommunikationsdienstleistungen erweitert wurde. Im Jahr 2005 war Web.de nach Branchenangaben das reichweitenstärkste Webportal und lag insgesamt auf dem zweiten Platz hinter T-Online.

Inhaltsverzeichnis

GeschäftsmodellBearbeiten

Das Geschäftsmodell der Web.de GmbH basiert auf den beiden Säulen Onlinewerbung und digitale Dienstleistungen. Zu letzterem gehört zum Beispiel der Web.de Club, ein Abonnement für Kommunikationsdienste. Im Rahmen der Stärkung der Säule Onlinewerbung wurde 2004 mit Ad Europe ein Netzwerk mehrerer Webportale gegründet, das mittlerweile Mitglieder in 60 Ländern umfasst. Die Onlinewerbung wird jedoch vor allem in E-Mails platziert.

Bekanntestes Produkt von Web.de ist der kostenlose E-Mail-Dienst FreeMail, der kostenpflichtig mit dem genannten Web.de Club erweiterbar ist und bereits früh Unified-Messaging-Funktionen enthielt. Das heißt, dass neben E-Mails unter anderem auch Faxe und Sprachnachrichten über eine eigene Rufnummerngasse (mit der Vorwahl 03212) empfangen und versendet werden können.

GeschichteBearbeiten

Die Brüder Michael und Matthias Greve gründeten die Cinetic Medientechnik GmbH. Das Unternehmen beschäftigte sich mit Medientechnik für das Kino. Aus dieser Gesellschaft wurde Web.de im Januar 1999 ausgegliedert, im Februar 2000 erfolgte der Börsengang. Im Juni 2000 wiederum gliederte Web.de die vorher eigenständige Werbeagentur Websolute New Media AG zu 100 % in sein Konsortium ein und erweiterte sein Angebot um E-Commerce und Kundendienstleistungen für den B2B-Bereich.[1] Zu den Kunden gehörten z. B. Siemens, BASF oder das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg. Gründer Urs Keller und Lars Bauer verblieben zunächst als Manager in der Firma, verließen aber Web.de 2004, um die neue Firma Solute GmbH zu gründen.[2] Diese betreibt das Preisvergleichsportal Billiger.de.

1995 ging das Deutsche Internet Verzeichnis mit 2500 redaktionell bearbeiteten Eintragungen online. In den folgenden Jahren wurde das Portal um weitere Dienste erweitert, wobei einige (wie ein „Trustcenter“ für kostenpflichtige Mail-Adressen) auch wieder eingestellt wurden. Im Oktober 2002 führte die Web.de AG den Internettelefoniedienst Com.Win ein, um „das Telefonieren zu revolutionieren“. Mäßige Abonnentenzahlen und ein weit hinter den Erwartungen zurückgebliebener Umsatz führten dazu, dass Com.Win nach zwei Jahren nicht mehr weiterentwickelt und mit dem Design eines Nachfolgeprodukts begonnen wurde. Dieses Nachfolgeprodukt ComBOTS ist im Juli 2006 der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

Im Mai 2005 genehmigte das Bundeskartellamt die Übernahme des Webportals in Form der Web.de GmbH, einer vollständigen Tochter der Web.de AG durch die United Internet AG. Der Kaufpreis betrug 330 Millionen Euro, davon 130 Millionen in Aktien. Mit Wirkung zum 31. Oktober 2005 vollzogen die United Internet AG und Web.de AG die angekündigte Transaktion.

Die Web.de AG als alte Besitzerin firmiert – nach Intermezzi als ComBOTS AG und Kizoo AG – mittlerweile als Atevia AG. Deren Aktien befinden sich nach einem Squeeze-out seit August 2016 zu 100 % im Besitz der Cinetic Gesellschaft zur Entwicklung und Vertrieb von Medientechnik GmbH, was mit einem Rückzug der AG von der Börse einherging.

Am 8. Dezember 2006 kündigte Web.de die Einstellung des Internettelefoniedienstes Web.de Freephone zum 22. Dezember an. Den Kunden wurde nahegelegt, zum hauseigenen Pendant von GMX zu wechseln.[3]

Im August 2010 firmierte die Web.de GmbH in die 1&1 Mail & Media GmbH um, unter deren Dach auch GMX geführt wird. Die Marke Web.de blieb erhalten.

2013 wurde Web.de durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) als Diensteanbieter für De-Mail akkreditiert.[4]

Im August 2015[5] integrierte Web.de die Möglichkeit einer sicheren Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der E-Mail-Kommunikation, basierend auf dem anerkannten PGP-Standard. Um die Verwendung möglichst einfach und zugänglich zu halten, wird die Verschlüsselung auf dem Desktop-PC durch eine angepasste Version der freien OpenPGP-Software Mailvelope realisiert. Für die Nutzung auf mobilen Geräten verfügt die Web.de Mail App für iOS und Android automatisch über die PGP-Erweiterung, so dass der Nutzer mit allen gängigen Endgeräten ver- und entschlüsseln kann.

Im Sommer 2016[6] wurde Web.de gemeinsam mit den anderen De-Mail-Diensten von United Internet als erster europäische Dienste-Anbieter durch TÜViT und die Bundesnetzagentur nach der eIDAS-Verordnung der Europäischen Union zertifiziert. Seitdem ist Web.de qualifizierter Vertrauensdiensteanbieter für elektronische Zustelldienste in Europa.

Ende 2017[7] erweiterte Web.de auch seinen Online-Speicher um eine Möglichkeit zur sicheren Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Daten werden dabei auf dem Endgerät des Nutzers verschlüsselt und über einen gesicherten Transportweg in den Online-Speicher übertragen, wo sie als unlesbare Zeichenfolge in einem speziellen Tresor-Ordner abgelegt werden. Die Verschlüsselung erfolgt nach dem Advanced Encryption Standard (AES) mit einer Schlüssellänge von 256 Bit. Realisiert werden Ver- und Entschlüsselung auf dem Endgerät des Nutzers. Für die Verwendung auf dem PC wird dazu eine eigene Tresor-Software installiert. Dabei handelt es sich um eine individuell angepasste Version des quelloffenen Programms Cryptomator. Auch in die Web.de Mail App für iOS und Android ist die Tresor-Funktionalität integriert, um dem Nutzer auch unterwegs Zugriff auf seine sicher verschlüsselten Daten zu geben. Bei der Entwicklung der Tresor-Software arbeitete Web.de eng mit Skymatic, dem Hersteller von Cryptomator zusammen.

KritikBearbeiten

AbonnementBearbeiten

Die als Geschenkaktion angepriesene dreimonatige kostenlose Web.de-Club-Mitgliedschaft wurde Web.de wegen irreführender Blickfangwerbung mit sich nahtlos anschließendem, kostenpflichtigem Abonnement untersagt: Am 18. März 2009 gab das Oberlandesgericht Koblenz einer Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) gegen Web.de statt.[8] Das Urteil wurde rechtskräftig.[9] Einer weiteren Klage vor dem Landgericht Koblenz in einem weitgehend identischen Fall wurde am 25. Juni 2009 ebenfalls stattgegeben.[10]

Im August 2012 sprach der Verbraucherzentrale Bundesverband eine Abmahnung gegen Web.de aus, weil der Verband die Button-Lösung (gemäß § 312g BGB) nicht korrekt umgesetzt sah. Web.de hatte zwar die Bezeichnung „zahlungspflichtige Bestellung“ für den Bestellknopf übernommen, wichtige Vertragsbestandteile waren aber nicht direkt daneben platziert, so dass Kunden nicht über die Folgen der Bestellung informiert wurden. Die Abmahnung richtete sich auch an die Marke GMX.[11]

Aufsehen erregte im Herbst 2010 die Einschaltung eines Inkassobüros zur Beitreibung einer Forderung gegen eine Minderjährige, die angeblich ein Abonnement abgeschlossen hatte.[12] Die Methoden von Web.de, offene Rechnungen von Mitgliedern einzutreiben, bewegen sich laut einigen Anwälten und Verbraucherschützern am Rande der Legalität.[13]

Symbolleiste (Browsererweiterung)Bearbeiten

Web.de bietet eine Symbolleiste namens MailCheck für den Webbrowser an, damit Kunden sofort über eingehende Emails informiert werden. Tatsächlich überschreibt diese Browsererweiterung die vom Benutzer vorgenommenen Einstellungen für die gewünschte Startseite und Suchmaschine jeweils mit Web.de. Darüber hinaus wird im Falle von falsch eingegebenen Adressen ebenfalls auf Web.de verwiesen. Diese Änderungen lassen sich schwer oder gar nicht abschalten. Selbst nach Entfernung der Symbolleiste verbleiben Programmteile im Browser.[14] Bei der Web.de-Suchmaschine handelt es sich um den Google-Suchdienst, jedoch laufen Anfragen über Web.de. Dadurch und bereits durch die Installation einer solchen Symbolleiste wird der Herausgeber in die Lage versetzt, jede Suchanfrage bzw. aufgerufene Webadresse nachzuvollziehen und dadurch weitere persönliche Details über die Kunden zu erfahren.

EinschränkungenBearbeiten

Web.de wurde viele Jahre für die strenge Größenbeschränkung des Postfachs beim kostenfreien E-Mail-Angebot kritisiert, die zur kostenpflichtigen Erweiterung verleiten sollte. Im Februar 2000 wurde der Speicherplatz auf acht Megabyte erhöht[15], später auf zwölf Megabyte mit gleichzeitiger Beschränkung auf 500 Nachrichten im Postfach. Im November 2014 wurde der Speicherplatz für Bestandskunden sowie Neukunden auf 1 GB sowie unbegrenzter Anzahl an speicherbaren E-Mails erweitert. Seit November 2014 lässt sich zusätzlich der verfügbare Speicher dauerhaft auf 10.000 MB (10 GB) und die maximale Zahl der gespeicherten Nachrichten auf „Unbegrenzt“ erhöhen, sofern man der Installation des WEB.DE MailCheck-Symbolleiste (siehe oben) zustimmt.[16] Im Frühjahr 2013 kam eine Option hinzu, durch Installation eines entsprechenden Zugriffsprogramms auf einem Mobiltelefon und auf einem Windows-Rechner den Online-Speicher um je weitere vier Gigabyte dauerhaft zu vergrößern.

Das Einrichten von alternativen Absender-Adressen ist über die Funktion „Sammeldienst“ bei WEB.DE auch für Fremdanbieter möglich.

Die Startseite von Web.de präsentiert scheinbar tagesaktuelle Nachrichten. Oft sind die Überschriften zu Meldungen jedoch reißerisch und sachlich falsch, wodurch es sich tatsächlich um ein Boulevardmedium handelt. Zum Beispiel meldete Web.de am Nachmittag des 4. Oktober 2013, dass Berlusconi seinen Senatorensitz aufgeben müsse[17], obwohl zu dem Zeitpunkt erst noch eine Plenarentscheidung des italienischen Senats getroffen werden musste.[18]

Einen weiteren Kritikpunkt stellt die Vorgangsweise von Web.de bei der Behandlung von Nutzern dar, die keinen Internetzugang über eine deutsche IP-Adresse haben. Dies gilt sowohl für Kunden, die das kostenfreie E-Mail-Angebot, als auch für jene, die die kostenpflichtige Web.de-Club-Mitgliedschaft nutzen. Will man etwa das angepriesene „Web.de Club SmartFax“ als Nutzer außerhalb Deutschlands verwenden, so erfährt man erst nach der Installation und beim Versuch der ersten Nutzung: „Leider ist dieser Service derzeit nur für Mitglieder in Deutschland verfügbar.“ Ähnlich ist es bei den angepriesenen „zwei lebenslang beitragsfreien Kreditkarten mit Rabatten auf Ihre Online-Käufe und beim Tanken“.

VerschiedenesBearbeiten

Das Logo von Web.de ziert eine stilisierte Abbildung des Brandenburger Tors in Berlin.

BeteiligungenBearbeiten

  • B.TV (Privater Fernsehsender, eingestellt)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Web.de übernimmt Websolute New Media. 30. Juni 2000, abgerufen am 4. August 2012.
  2. Ingrid Weidner: „Wir waren alle so naiv“. In: Computerwoche. 9. August 2001, abgerufen am 4. August 2012.
  3. Web.de stellt VoIP-Dienst FreePhone ein. In: Teltarif. 8. Dezember 2006, abgerufen am 28. Januar 2008.
  4. Detlef Borchers: Fortschritte bei De-Mail. In: heise.de. Abgerufen am 11. Februar 2019.
  5. Axel Kossel: Web.de und GMX führen PGP-Verschlüsselung für Mail ein. In: heise online. 20. August 2015, abgerufen am 11. Februar 2019.
  6. Detlef Borchers: Elektronische Signaturverordnung eIDAS ist gestartet – wie geht es weiter? In: heise online. 2. Juli 2016, abgerufen am 11. Februar 2019.
  7. Detlef Berger: GMX und Web.de bieten verschlüsselten Cloud-Speicher. In: heise online. 27. November 2017, abgerufen am 11. Februar 2019.
  8. OLG Koblenz, Urteil vom 18. März 2009, Az. 4 U 1173/08, Volltext.
  9. Irreführende Geschenkwerbung für web.de Club-Mitgliedschaft. In: Verbraucherzentrale. 18. März 2009, abgerufen am 26. Dezember 2011.
  10. Web.de erneut wegen irreführender Treueaktion verurteilt. In: Verbraucherzentrale. 25. Juni 2009, abgerufen am 26. Dezember 2011.
  11. Urs Mansmann: Verbraucherschützer mahnen GMX und Web.de ab. In: Heise Online. 28. August 2012, abgerufen am 29. August 2012.
  12. Verkehrte Welt – Vertrag mit einer Minderjährigen. In: c't. 11. September 2010, abgerufen am 22. November 2010.
  13. Geburtstagsgeschenk von web.de – Erst lesen, dann auspacken! (Memento vom 3. März 2007 im Internet Archive)
  14. Diana Kossack: Web.de: Toolbar löschen – so geht's. In: Helpster. Abgerufen am 9. Dezember 2013.
  15. Web.de erweitert Freemail-Service. In: Heise Online. 7. Februar 2000, abgerufen am 28. Januar 2008.
  16. 1000 MB Für FreeMail Nutzer. In: WEB.DE. 2013, abgerufen am 11. April 2014.
  17. Berlusconi muss seinen Senatorensitz aufgeben (Memento vom 10. April 2014 im Internet Archive)
  18. Spiegel Online vom 4. Oktober 2013: Senatsausschuss stimmt für Berlusconis Rauswurf

Koordinaten: 48° 59′ 59,5″ N, 8° 23′ 8,6″ O