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Vladimir Plahotniuc

moldauischer Oligarch und Politiker
Vladimir Plahotniuc 2018

Vladimir Plahotniuc (* 1. Januar 1966 in Pituşca, Rajon Călărași, Moldauische SSR) ist ein moldauischer Oligarch und Politiker.

Er galt 2016 als der reichste Mann des Landes[1][2] und besitzt großen Einfluss auf die moldauische Politik und Wirtschaft.[3][4][5]

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Plahotniuc kam als Sohn einer kinderreichen Lehrerfamilie in Pituşca zur Welt, wuchs in Grozești im Rajon Nisporeni auf[6] und absolvierte dort 1983 das Gymnasium. Daraufhin nahm er ein Ingenieurstudium an der Technischen Universität von Moldau (rumänisch Universitatea Tehnică a Moldovei) in Chișinău auf, das er 1991 mit dem Bachelor für Technologie der Lebensmittelindustrie abschloss. An gleicher Universität wurde er 2002 Master of Business Administration (Verwaltungswirtschaft) und 2006 wurde er an der Universität für Europäische Studien Moldaus Master in Zivilrecht.

In Chișinău leitete er zwischen 1991 und 1993 eine Organisation zur Prävention und Rehabilitation verwahrloster Jugendlicher. Von 1995 bis 1998 beteiligte er sich an der Gründung der moldauisch-amerikanischen Finanzgruppe Angels, deren Manager er bis 2001 war.[7] Durch seine Nähe zur Politik im Erdöl- und Bankensektor brachte er es nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu einem beachtlichen Vermögen.[8] Von 2001 an arbeitete er bei der moldauischen Tochter des rumänischen Erdölkonzerns Petrom, Petrom Moldova als kaufmännischer Direktor. Unter seiner Leitung als Generaldirektor entwickelte er das Unternehmen bis 2010 zum führenden moldauischen Unternehmen für Handel und Import.[7] Außerdem war er zwischen 2006 und Januar 2011 Präsident der Victoriabank, einer führenden Bank in Moldawien.[9] Nach seinem Einstieg in die Politik im Jahr 2010 stieß er seine Besitztümer, darunter einen Medienkomplex, zwar offiziell ab, jedoch übt er, über komplizierte Offshore-Konstrukte, weiterhin Kontrolle über diese aus.[8]

Bei der Parlamentswahl in der Republik Moldau 2010 wurde er, auf Listenplatz 2. der Demokratischen Partei Moldaus (PDM) ins Moldauische Parlament gewählt. Auf selben Listenplatz der Partei stehend, wurde er, inzwischen einer der Vize-Parlamentspräsidenten, bei der Parlamentswahl 2014 erneut gewählt. Nachdem das Moldauische Parlament dem Ministerpräsident Valeriu Streleț am 29. Oktober 2015 sein Misstrauen ausgesprochen hatte,[10] stürzte das Land im Januar 2016 bei der Suche nach einem Nachfolger Strelețs in eine Verfassungskrise, da Vladimir Plahotniuc, als der von der PDM vorgeschlagenen Kandidat, vom Präsidenten Nicolae Timofti aus „Gründen der Integrität“ abgelehnt wurde.[11][12] Auf dem VIII. Kongress der PDM am 10. Dezember 2016 wurde Plahotniuc einstimmig zum Parteivorsitzenden gewählt.

Der ukrainische Innenminister Arsen Awakow berichtete am 7. April 2017 über die Verhinderung des mutmaßlichen Mordes an Vladimir Plakhotnyuk als Ergebnis einer gemeinsamen internationalen Strafverfolgungsoperation zwischen der Ukraine und der Republik Moldau.[13] Rechtzeitig zu den Parlamentswahlen 2019 strengte Russland eine Klage an wegen eines jahrealten Geldwäschereifalls – Plahotniuc gilt als EU-freundlich und warnte vor Russland.[14]

Plahotniuc besaß im Jahr 2016 ein Vermögen von etwa 2 bis 2,5 Mrd. US-Dollar, was etwa einem Drittel des BIP der Republik Moldau entsprach.[15]

Seine Partei verlor bei der Parlamentswahl 2019 Stimmanteile und erreichte Platz zwei. Nachdem keine Partei mit Plahotniuc's Partei koalieren wollte, wurde am 8. Juni 2019 Maia Sandu von der Partei Aktion und Solidarität vom Parlament der Republik Moldau, gegen den Willen des Verfassungsgerichts und gegen den Widerstand von Plahotniuc, der die Legitimität des Parlaments und der Regierung nicht anerkennt, zur neuen Regierungschefin gewählt.[16]

KritikBearbeiten

Plahotniuc, so Igor Munteanu, Leiter der Denkfabrik Die Zukunft in Chisinau, nutzt seine Position, „um sich Einfluss im Staat zu sichern und Ressourcen anzuzapfen, um sich ein Imperium aufzubauen.“[8] Der Oppositionspolitiker Andrei Năstase bezeichnete die PDM im Februar 2019 als „Eine kriminelle Gruppe, die das Land regiert und sich Demokratische Partei nennt“ und „in allem allein die Interessen ihres Vorsitzenden, des Oligarchen Vladimir Plahotniuc vertrete“. Seiner Aussage nach, die auch von weiteren Kennern der moldauischen Innenpolitik geteilt wird[1][17], ist Moldau inzwischen ein captured state, ein gekaperter Staat, den Plahotniuc zu seinem Unternehmen gemacht hat und diesen, gemeinsam mit seiner Entourage, auf den Gebiet der Politik, dem Energiesektor, der Wirtschaft, der Justiz und der Medien kontrolliere.[12]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Moldawien-Krise: Ein Elitemachtgriff? in BBC-News vom 27. Januar 2016; abgerufen am 18. Februar 2019 (englisch)
  2. Financial Times über die Oligarchen aus Osteuropa: Plahotniuc, der reichste Mann aus Moldawien, eroberte vor langer Zeit die Macht; abgerufen am 18. Februar 2019 (englisch)
  3. Das politische Theater der Republik Moldau. Das Kräfteverhältnis in einem Wahljahr in Centre for Eastern Studies (OSW) vom 31. Januar 2018; abgerufen am 19. Februar 2019 (englisch)
  4. Der mächtige Tycoon sieht Moldawien unabhängig vom Wahlergebnis auf dem Weg der EU, Reuters, 11. November 2016; abgerufen am 18. Februar 2019 (englisch)
  5. Inside the Uprising Against Moldova’s Donald Trump The Daily Beast, 27. Januar 2016; abgerufen am 18. Februar 2019 (englisch)
  6. Vlad Plahotniuc: Moldawiens Mann im Schatten auf opendemocracy.net vom 25. Februar 2016; abgerufen am 21. Februar 2019 (englisch)
  7. a b Biografie Vladimir Plahotniuc auf munzinger.de; abgerufen am 17. Februar 2019
  8. a b c Der Staat bin ich in der Wiener Zeitung vom 16. Mai 2016; abgerufen am 17. Februar 2019
  9. Parlamentsabgeordnete auf der Webseite der Moldauischen Parlaments; abgerufen am 18. Februar 2019 (englisch)
  10. Moldauische Regierung durch Misstrauensantrag gestürzt. 29. Oktober 2015, abgerufen am 10. Februar 2016.
  11. Moldova’s president rejects PM nominee, cites ‘integrity’. In: euobserver.com. 13. Januar 2016, abgerufen am 10. Februar 2016.
  12. a b Moldaus Mafia-Demokratie in zeit.de vom 16. Februar 2019; abgerufen am 17. Februar 2019
  13. Die nationale Polizei verhinderte die Ermordung des ehemaligen Vizepremiers der Republik Moldau Plakhotnyuk auf ukranews vom 7. April 2017; abgerufen am 17. Februar 2019 (ukrainisch)
  14. Weg mit dem "Wäschereisystem", Nowaja Gaseta, 23. Februar 2019
  15. Moldawien: vom oligarchischen Pluralismus bis zur Hegemonie von Plahotniuc in Center for eastern studies vom 11. April 2016; abgerufen am 19. Februar 2019 (polnisch)
  16. Krise in Moldau: Pro-europäische Regierungschefin gewählt auf stol.it vom 8. Juni 2019; abgerufen am 5. Juni 2019
  17. Republik Moldau: Der gekaperte Staat in piqd.de, 9. Dezember 2015; abgerufen am 18. Februar 2019