Thomas Sydenham

englischer Arzt der Barockzeit
Thomas Sydenham

Thomas Sydenham (auch Syndenham) (* 10. September 1624 in Wynford Eagle bei Dorchester, Dorset; † 29. Dezember 1689 in London) war ein englischer Arzt. Er wird auch als „englischer Hippokrates“ bezeichnet.

LebenBearbeiten

Sydenham, fünftes Kind eines Gutsherren aus Dorset, wurde puritanisch erzogen. Bis 1646 diente er im parlamentarischen Heer Oliver Cromwells.[1] Der Arzt Thomas Coxe überredete ihn nach der Versorgung Verwundeter, ab 1642 in Magdalen Hall in Oxford Medizin zu studieren. Er war aber auch Wundarzt auf dem Schlachtfeld, später eröffnete er mit seiner Abfindung aus dem Militärdienst eine Praxis im Londoner Stadtteil Westminster. Sein Assistent war der Philosoph und Arzt John Locke, der später berühmt werden sollte.[2]

Wirken und WerkBearbeiten

Sydenham war praktisch orientiert, galt als unorthodox und rebellisch. Er verfolgte die induktive Denk- und Forschungsweise und empfahl auch abwartendes Vorgehen bzw. Vertrauen auf die Selbstheilungskräfte.[2]

Er erforschte die Infektionskrankheiten, die damals im Sumpfgebiet der Themse grassierten,[2] und legte eine Reihe klassischer Beschreibungen dieser Krankheiten vor - einschließlich der von ihm erstmals 1686 beschriebenen und auch nach ihm benannten Chorea minor. Er beschäftigte sich auch mit neurologischen und psychiatrischen Krankheiten wie der Epilepsie und der Hysterie.

1660 und 1664 wütete eine Masernepidemie in London. Sydenham grenzte die Masern als Fieberausbruch und ansteckende Krankheit ab, so wie er im Wesentlichen zur Abgrenzung von Fieberkrankheiten (Scharlach oder febris scarlatina, Wundbrand) beitrug.

1666 veröffentlichte er sein in London herausgegebenes Hauptwerk Methodus curandi febres propiis observationibus suprastructa. Ab der 3. Auflage 1676 erschien es unter dem Titel Observationes medicae. In seinen Arbeiten von 1683 (etwa dem Tractatus de podagra et hydrope) unterschied er erstmals zwischen Rheumatismus und Gicht, an welcher er selber litt und die er wegweisend auf einen Fehler der Niere bei der Reinigung des Organismus[3] zurückführte.

Therapeutisch grenzte Sydenham die Indikation von Chinin auf das freie Intervall bei Malaria ein.[4]

Sydenham war verheiratet mit Mary Gee. Einer seiner drei Söhne studierte ebenfalls Medizin.[4]

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • Opera omnia. 1683–1685.
  • Schedula monitoria de novae febris ingressu. London 1686.
  • Thomas Sydenham's sämmtliche medicinische Schriften in die deutsche Sprache übersetzt von J. Kraft herausgegeben mit einer Lebensbeschreibung von Dr. R. Rohatzsch. Hrsg.: R. Rohatzsch. Erster Band. Ebnersche Buchhandlung, Ulm 1838 (Volltext in der Google-Buchsuche).
  • Thomas Sydenham's sämmtliche medicinische Schriften in die deutsche Sprache übersetzt von J. Kraft herausgegeben mit einer Lebensbeschreibung von Dr. R. Rohatzsch. Hrsg.: R. Rohatzsch. Zweiter Band. Ebnersche Buchhandlung, Ulm 1839 (Volltext in der Google-Buchsuche – Stichwörter und wichtige Sätze Pocken, Laudanum, Latwerge, Aderlaß, Podagra, Fieber, Muskatnuß, Kops, Wassersucht, Absühren, Zusälle, hestig, Nierenstein, Schweiß, Quentchen, solgenden, Ansall, Dekokt, Brechmittel, Kräste).
 
Opera medica

LiteraturBearbeiten

  • H. Kushner, D. Cortes: Sydenham's chorea. In: Peter J. Koehler u. a. (Hrsg.): Neurological Eponyms. Oxford University Press, Oxford 2000, ISBN 0-19-513366-8, S. 350–357.
  • Andrae Heinrich: Über die Medizin Thomas Sydenhams (1624–1689). Dissertation Universität Zürich (Jahresverz. 1903/04 Nr. 29).

WeblinksBearbeiten

Commons: Thomas Sydenham – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Barbara I. Tshisuaka: Sydenham. Thomas. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1369 f.
  2. a b c Sabine Schuchart: Berühmte Entdecker von Krankheiten: Thomas Sydenham, Rebell am Krankenbett. In: Deutsches Ärzteblatt. Band 115, Heft 12, 23. März 2018, S. 60.
  3. Wolfgang Miehle: Gelenk- und Wirbelsäulenrheuma. Eular Verlag, Basel 1987, ISBN 3-7177-0133-9, S. 45 f.
  4. a b Axel W. Bauer: Thomas Sydenham. In: Wolfgang U. Eckart, Christoph Gradmann (Hrsg.): Ärztelexikon. Von der Antike bis zur Gegenwart. 3. Auflage. Springer Verlag, Heidelberg/ Berlin/ New York 2006, S. 316. (katalog.ub.uni-heidelberg.de), doi:10.1007/978-3-540-29585-3.