Therese von Lisieux

französische Karmelitin, Heilige, Jungfrau
Hl. Therese von Lisieux

Thérèse von Lisieux (* 2. Januar 1873 in Alençon, Frankreich; † 30. September 1897 in Lisieux, Frankreich), Ordensname Thérèse de l’Enfant Jésus et de la Sainte Face (Theresia vom Kinde Jesus und vom heiligen Antlitz),[1] war eine französische Unbeschuhte Karmelitin. Sie wird in der römisch-katholischen Kirche als Heilige und Kirchenlehrerin verehrt. Ihre Eltern Zélie und Louis Martin wurden 2015 ebenfalls heiliggesprochen, für ihre Schwester Léonie wurde im selben Jahr der Seligsprechungsprozess eröffnet.

LebenBearbeiten

 
Therese im Alter von 15 Jahren, kurz vor ihrem Eintritt in den Karmel

Thérèse wurde als jüngstes von neun Kindern von Zélie und Louis Martin als Marie-Françoise-Thérèse Martin geboren. Schon als Fünfzehnjährige wollte sie, von ihrer Familie unterstützt, in den Karmel eintreten, ihre Aufnahmegesuche wurden jedoch mehrfach abgelehnt, zum einen wegen ihres jugendlichen Alters, zum anderen, weil bereits mehrere leibliche Schwestern Thérèses im Konvent von Lisieux lebten. Erst nachdem Bischof Hugonin von Bayeux eine Dispens gewährt hatte, folgte sie ihren Schwestern Pauline und Marie in den Karmel von Lisieux. Als Ordensnamen wählte sie Thérèse de l'enfant Jesus (Therese vom Kinde Jesus), am 10. Januar 1889 fügte Therese diesem noch das Attribut et de la Sainte Face („und vom Heiligen Antlitz“) hinzu. Am 9. Juni 1895, bei der Heiligen Messe zum Dreifaltigkeitsfest, weihte sie sich der barmherzigen Liebe Gottes.

Thérèse sah ihren Lebensweg als einen Weg der Hingabe an Gott und die Mitmenschen, die sich gerade in den kleinen Gesten des Alltags äußere (ihr sogenannter „kleiner Weg“ der Liebe). Ihr eigenes Leben war die unauffällige, von der Welt kaum bemerkte Existenz einer in strenger Klausur lebenden Ordensfrau. Nach ihrem Tod verbreitete sich ihr Ruf als einer der größten Heiligen, da unzählige Menschen ihrer Fürbitte Gebetserhörungen zuschrieben. Ihre Daseinsauffassung, dass sie den Himmel damit verbringen werde, Gutes für die Erde zu tun, fördert eine dynamische und vitale Auffassung von der ewigen Bestimmung des Menschen („Nach meinem Tod werde ich Rosen regnen lassen“). Sie hat den Gedanken der Gotteskindschaft auf eine Art und Weise aktualisiert, die viele Millionen Menschen nachhaltig fasziniert hat. Papst Pius XI. nannte sie „den Stern“ seines Pontifikats.

Ihre Lebensgeschichte, die sie auf Anordnung ihrer Priorin niederschrieb, wurde unter dem Titel Geschichte einer Seele (L'histoire d'une âme) zwei Jahre nach ihrem Tod veröffentlicht: sie ist das nach der Bibel meistgelesene spirituelle Buch in französischer Sprache überhaupt. Im Jahr 1897 starb Thérèse – gerade vierundzwanzigjährig – nach heftigem Leiden an Tuberkulose. Ihre letzten Worte waren: „Mein Gott, ich liebe dich!“

VerehrungBearbeiten

Schon 1923 wurde Thérèse von Liseux selig- und am 17. Mai 1925 von Papst Pius XI. heiliggesprochen. Papst Pius XI. erklärte sie am 14. Dezember 1927 neben dem hl. Franz Xaver auch zur Patronin der Weltmission. Die katholische Kirche feiert ihren Gedenktag am 1. Oktober. Am 19. Oktober 1997 wurde Therese von Lisieux von Papst Johannes Paul II. neben Katharina von Siena und Teresa von Ávila zur Kirchenlehrerin erhoben. Zur Unterscheidung von Teresa von Ávila wird diese oft als die „große heilige Theresia“ und Therese von Lisieux als die „kleine heilige Theresia“ bezeichnet.

Die der hl. Therese geweihte Basilika in Lisieux ist jährlich Ziel von zwei Millionen Pilgern. Seit den 1990er Jahren ist ein Reliquienschrein der kleinen heiligen Theresia auf einer Reise um die ganze Welt, so dass auch die Menschen, denen es nicht möglich ist, nach Lisieux zu reisen, Gelegenheit zur Verehrung haben.

Am 19. Oktober 2008 wurden ihre Eltern Louis und Zélie Martin in der Basilika der hl. Therese in Lisieux seliggesprochen[2] und am 19. Oktober 2015 in Rom durch Papst Franziskus heiliggesprochen.[3]

Therese von Lisieux hielt Barmherzigkeit für diejenige Eigenschaft Gottes, die der menschlichen Armut entspreche. Ihr Wunsch, sogar die Sünder zu lieben, würde auf diese Weise von Gott erfüllt.[4]

Der deutsche Theologe Andreas Wollbold sieht in Therese von Liseux eine hochbegabte, kühne Frau, die ihrer Zeit voraus gewesen sei. Darum sei sie immer wieder missverstanden worden, so als habe sie eine andere Lehre entwickelt: „Man sagt von ihr, sie habe anstelle des Bildes vom gerechten Gott das des barmherzigen Vaters gesetzt, an die Stelle der Leistung das blinde Vertrauen, an die Stelle von Sünde, Umkehr und Streben nach Vollkommenheit das einfache Sich-Lieben-Lassen. Wenn das so wäre, wäre mit ihr der Quietismus wieder auferstanden, also eine mächtige, gegen Ende des 17. Jahrhunderts verbreitete Strömung einer Mystik ohne Askese und eigenes Bemühen.“[5] Sie hat nach Wollbold vielmehr der Spiritualität neu eine Mitte gegeben, nämlich Vertrauen und Liebe.

Der tschechische Theologe Tomáš Halík bezieht sich in seinem Geduld mit Gott auf die entsetzliche Leere, die Thérèse kurz vor ihrem Tod erfahren habe: „Ich glaube nicht mehr an das ewige Leben: mir scheint, dass auf dieses sterbliche Leben nichts folgt“. Halík bringt dies in Verbindung mit Jesu Aufschrei am Kreuz „warum hast du mich verlassen?“. Bei Thérèse sei nur die Liebe bis zum Ende geblieben.[6]

PatrozinienBearbeiten

In Wien steht die ihr geweihte Pfarr- und Wallfahrtskirche zur Heiligen Theresia vom Kinde Jesu, in Innsbruck die Theresienkirche, in Berlin die Kirche Sankt Theresia vom Kinde Jesu, in Hamburg-Altona die St.-Theresien-Kirche, in Stuttgart-Weilimdorf die Sankt Theresia vom Kinde Jesu, in Friesenberg St. Theresia und in Mannheim-Pfingstberg St. Theresia. In Bruckberg (Niederbayern) gibt es die katholische Kindertagesstätte Hl. Theresia vom Kinde Jesu. In Erlangen gibt es im Ortsteil Sieglitzhof die katholische Pfarrkirche St. Theresia, in Ahlten eine weitere der Heiligen geweihte Kirche. Auch die Kirche St. Josef und St. Theresia vom Kinde Jesu in Weferlingen untersteht dem Patrozinium der heiligen Therese. In Kaiserslautern wurden 1994 Kirche und Pfarrzentrum der heiligen Therese geweiht.

Die albanische Missionarin Anjezë Gonxha Bojaxhiu erhielt zur Einkleidung 1929 den Ordensnamen Mary Teresa nach der kleinen heiligen Therese[7] und wurde später unter dem Namen „Mutter Teresa“ bekannt.

Die Kirchen St. Theresia vom Kinde Jesu (Bornum), St. Theresia vom Kinde Jesu (Cremlingen) und St. Theresia vom Kinde Jesu (Eschede), alle im Bistum Hildesheim gelegen, wurden profaniert.

WerkeBearbeiten

  • Selbstbiographische Schriften. 15. Auflage. Johannes-Verlag Einsiedeln, Freiburg 2003, ISBN 978-3-89411-280-6.
  • Ich gehe ins Leben ein. Letzte Gespräche der Heiligen von Lisieux. 5. Auflage. Johannes Verlag Leutesdorf, Leutesdorf 1998, ISBN 3-7794-0718-3.
  • Therese von Lisieux (= Reihe Mystiker). Hrsg. v. Andreas Wollbold. marix, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-7374-1013-7.

Filmische RezeptionBearbeiten

Das Leben Thereses wurde mehrfach verfilmt:

  • Geschichte einer Seele. Original: Proces du Vatican (1951). Mit France Descaut, Regie André Haguet.[8]
  • Thérèse (1986). Mit Catherine Mouchet, Regie Alain Cavalier.[9] Der Film gewann 1987 mehrere Césars, unter anderem als bester Film.
  • Thérèse: The Story of Saint Thérèse of Lisieux (2004). Mit Lindsay Younce, Regie Leonardo Defilippis.[10]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Therese von Lisieux – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Johannes Pauls II.: Divini amoris scientia. Apostolisches Schreiben zur Proklamation der hl. Theresia vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz zur Kirchenlehrerin. In: vatican.va. 19. Oktober 1997, abgerufen am 15. März 2016.
  2. Frankreich: Seliges Ehepaar. In: Radio Vatikan. 18. Oktober 2008, abgerufen am 19. März 2020.
  3. Vatikan: Eltern der Heiligen Therese von Lisieux heilig gesprochen. In: Zeit Online. 18. Oktober 2015, archiviert vom Original am 25. Oktober 2015; abgerufen am 19. März 2020.
  4. Michael Jakel: Thérèse de Lisieux. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 9. Herder, Freiburg im Breisgau 2000, Sp. 1491.
  5. Andreas Wollbold: Therese von Lisieux. Auf dem kleinen Weg. Topos plus, Kevelaer 2012, S. 116.
  6. Tomáš Halík: Geduld mit Gott. 8. Auflage. Herder, Freiburg 2016, ISBN 978-3-451-30382-1, S. 49.
  7. Mother Teresa of Calcutta (1910–1997). In: vatican.va. 19. Oktober 2003, abgerufen am 19. März 2020 (englisch).
  8. Sascha Imme: Geschichte einer Seele. In: OFDb.de. 11. September 2010, abgerufen am 19. März 2020.
  9. Sascha Imme: Thérèse. In: OFDb.de. 20. Juli 2003, abgerufen am 19. März 2020.
  10. Thérèse: The Story of Saint Thérèse of Lisieux (2004) in der Internet Movie Database (englisch)