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Theodor Curtius (Chemiker)

deutscher Chemiker
Theodor Curtius, 1907
Theodor Curtius (3. v.l.) mit Christian Klucker (4. v.l.) vor der Fornohütte, um 1920

Julius Wilhelm Theodor Curtius (* 27. Mai 1857 in Duisburg; † 8. Februar 1928 in Heidelberg) war ein deutscher Chemiker.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Curtius studierte unter anderem Chemie in Heidelberg und Leipzig und promovierte an der Universität Leipzig 1882 bei Hermann Kolbe mit dem Thema Über einige neue der Hippursäure analog constituirte, synthetisch dargestellte Amidosäuren [1] und habilitierte sich 1886 an der Universität Erlangen[2]. Er wirkte anschließend als Professor in Kiel (1889–1897), für ein Jahr in Bonn und ab 1898 in Heidelberg als Nachfolger Victor Meyers. Er war Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, der Göttinger Akademie der Wissenschaften (seit 1919)[3], der Preußischen und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (seit 1907).[4]

Er untersuchte vor allem Stickstoffverbindungen und entdeckte das Hydrazin, die Stickstoffwasserstoffsäure und die Diazoverbindungen. Nach ihm benannt ist die Curtius-Reaktion von Carbonsäureaziden.

In seiner Freizeit komponierte er, sang in Konzerten und war aktiver Bergsteiger. Mit dem Bergführer Christian Klucker gelangen ihm unter anderem die Erstbesteigungen des Piz Bacun (1883) im Fornogebiet und der Sciora di Dentro (1888) im Bergell. Curtius stiftete dem Schweizer Alpen-Club die 1889 erbaute Fornohütte am Fornogletscher im Bergell. Mit seinem befreundeten Kollegen Eduard Buchner zusammen gründete er 1893 die Sektion Kiel des Deutschen Alpenvereins[5] mit 20 Mitgliedern.

Theodor Curtius fand seine letzte Ruhestätte auf dem Bergfriedhof (Heidelberg) in der Waldabteilung: (Abt. WA). Sein Grabstein wird von einem Bronzerelief, das Profil Curtius darstellend, geschmückt.

Der Politiker Julius Curtius war sein Neffe.

Das Universitätsarchiv Heidelberg hat ein Fotoalbum zum 25-jährigen Doctor-Jubiläum von Theodor Curtius 1907 im Bestand. Es zeigt wissenschaftliche Schüler, Gebäude, Labors wie den Physikalisch-chemischen, Pharmazeutischen, Organischen Arbeitssaal und vieles mehr.

LiteraturBearbeiten

  • Berthold Peter Anft: Curtius, Julius Wilhelm Theodor. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 445 (Digitalisat).
  • Margot Becke-Goehring (Hrsg.): Freunde in der Zeit des Aufbruchs der Chemie: der Briefwechsel zwischen Theodor Curtius und Carl Duisberg. Springer, Berlin 1990, ISBN 3-540-52219-0.
  • Christian Klucker: Erinnerungen eines Bergführers. Rentsch, Erlenbach 1930; Neuauflage: AS, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-73-2.
  • Dagmar Drüll: Heidelberger Gelehrtenlexikon 1803-1932. Hrsg. vom Rektorat der Ruprecht-Karls-Universität-Heidelberg. Springer, Berlin 2012, ISBN 978-3-642-70761-2.
  • Ingo Runde: "Es giebt sehr viel zu tun, nur fehlen die älteren Praktikanten für die Doctorarbeiten..." Anmerkungen zu Theodor Curtius und der chemischen Forschung im Ersten Weltkrieg, in: Die Universität Heidelberg und ihre Professoren während des Ersten Weltkriegs. Beiträge zur Tagung im Universitätsarchiv Heidelberg am 6. und 7. November 2014 (= Heidelberger Schriften zur Universitätsgeschichte 6), hrsg. von dems., Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2017, S. 337–343, ISBN 978-3-8253-6695-7.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Lebensdaten, Publikationen und Akademischer Stammbaum von Theodor Curtius bei academictree.org, abgerufen am 28. Januar 2018.
  2. Universität Kiel – Große Forscher von der Förde: Theodor Curtius (Memento vom 4. Oktober 2013 im Internet Archive)
  3. Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 60.
  4. Mitgliedseintrag von Theodor Curtius bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 16. Januar 2017.
  5. DAV-Kiel gegründet am 8. Dezember 1893 mit eigener Kieler Wetterhütte im Verwall (im Paznauntal (Österreich))

WeblinksBearbeiten