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Heidelberger Akademie der Wissenschaften

Gelehrtengesellschaft in Heidelberg, gegründet 1909

Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften (HAdW) ist die Landesakademie[2] der Wissenschaften von Baden-Württemberg. Sie ist eine traditionsreiche Gelehrtengesellschaft, deren Mitglieder sich – laut Satzung – jeweils durch „hervorragende wissenschaftliche Leistungen“ in ihrem Fach vor der Wahl zum Mitglied ausgewiesen haben müssen. Die Akademie betreibt als außeruniversitäre Forschungseinrichtung in Zusammenarbeit mit den Universitäten des Landes Baden-Württemberg sowie bedeutenden anderen Forschungseinrichtungen, vor allem Projekte im Bereich der geisteswissenschaftlichen Grundlagenforschung. Durch das 2002 eingerichtete WIN-Kolleg und die Vergabe von mehreren Forschungspreisen fördert die Akademie den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Logo
Gründung 1909[1]
Trägerschaft KdöR
Ort Heidelberg, Deutschland
Präsident Thomas Holstein
Website www.hadw-bw.de
Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Stiftungsurkunde von 1909

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Die Akademie wurde 1909 durch eine Stiftung des Industriellen Heinrich Lanz als großherzoglich-badische Akademie gegründet. Diese Gründung verstand sich als Neugründung der 1763 gegründeten, aber schon 1803 wieder erloschenen Kurpfälzischen Akademie Mannheim.

Seit 1920 ist die Akademie im ehemaligen Großherzoglichen Palais unmittelbar unter dem Heidelberger Schloss ansässig. Seit 1958 ist sie die Landesakademie von Baden-Württemberg und seit 1966 eine eigenständige Körperschaft des öffentlichen Rechts. Ihre Sitzungsberichte gehören zu den bedeutendsten Schriftenreihen der Geisteswissenschaften. Von 2013 bis zum 31. März 2015 war Paul Kirchhof Präsident. Seit 1. April 2015 ist Thomas Holstein Präsident. Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften ist Mitglied der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften.

ForschungBearbeiten

Die Akademie betreibt derzeit 19 Forschungsvorhaben mit mehr als 200 Mitarbeitern vornehmlich aus dem Bereich der geisteswissenschaftlichen Grundlagenforschung. Dazu zählen mehrere international renommierte Wörterbuch-Projekte wie das Deutsche Rechtswörterbuch (DRW) und das Goethe-Wörterbuch und ein besonderer Schwerpunkt auf Texteditionen aus der Zeit des Humanismus und der Reformation, darunter das Luther-Register – welches 2009 erfolgreich abgeschlossen wurde und somit aus dem Akademienprogramm ausschied – und die Werkausgaben von Martin Bucer (2016 erfolgreich beendet) und Philipp Melanchthon sowie dem 2017 hinzugewonnenen Projekt Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550–1620). Hinzu kommen kritische Editionen bedeutender Philosophen, wie der Nietzsche-Kommentar und die Karl Jaspers-Gesamtausgabe. Ferner werden auch Forschungsprojekte von der Akademie betreut, deren Forschungsfeld weltweit angesiedelt ist, wie z. B. The Role of Culture in Early Expansions of Humans, „Buddhistische Steininschriften in Nord-China“, „Edition literarischer Keilschrifttexte aus Assur“, „Epigraphische Datenbank Heidelberg“ oder „Der Tempel als Kanon der religiösen Literatur Ägyptens“.

PreiseBearbeiten

Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften vergibt jährlich:

  • Akademiepreis; Turnus abwechselnd natur- und geisteswissenschaftlich; Dotierung: 6.000 Euro; Zielgruppe: deutsche Nachwuchswissenschaftler unter 40
  • Ökologiepreis der Sigrid-und-Viktor-Dulger-Stiftung (vormals Sigrid-und-Viktor-Dulger-Preis); Dotierung: 6.000 Euro; Zielgruppe: seit 2013 für wissenschaftliche Arbeiten aus geistes-, sozial- und natur- sowie ingenieurwissenschaftlichen Fächern, die sich mit Umweltproblemen und deren Lösung befassen; gestiftet von der Sigrid-und-Viktor-Dulger-Stiftung
  • Karl-Freudenberg-Preis; Dotierung: 6.000 Euro; Zielgruppe: naturwissenschaftliche Nachwuchswissenschaftler aus Baden-Württemberg, vorzugsweise die Fächer Biologie und Chemie; Stifter ist die Unternehmensgruppe Freudenberg
  • Walter-Witzenmann-Preis; Dotierung: 6.000 Euro; Zielgruppe: deutsche Nachwuchswissenschaftler aus dem Bereich der Kulturwissenschaften; benannt nach dem Stifter Walter Witzenmann
  • Manfred-Fuchs-Preis; Dotierung: 10.000 Euro; Zielgruppe: seit 2015 vergeben für qualifizierte Nachwuchsforscher, die sich im Rahmen des WIN-Programms der Heidelberger Akademie in den Geisteswissenschaften habilitieren oder in den Natur- und Ingenieurwissenschaften als Forschungsleiter arbeiten und sich in der Regel auf eine Professur vorbereiten; benannt nach dem Stifter Manfred Fuchs.
  • Otto-Schmeil-Preis (wird in der Regel alle zwei Jahre vergeben); Dotierung 15.000 Euro; Zielgruppe: deutsche Nachwuchswissenschaftler bis 40 Jahre; für herausragende Arbeiten aus dem Bereich der Biologie oder den Grundlagen der Medizin; gestiftet von der Schmeil-Stiftung.
  • Reuchlin-Preis (wird in der Regel alle zwei Jahre vergeben); Dotierung: 10.000 Euro; Zielgruppe: seit 1955 als Ehrung für hervorragende deutschsprachige Arbeit auf dem Gebiet der Geisteswissenschaft; benannt nach Johannes Reuchlin; gestiftet von der Stadt Pforzheim.
  • Karl-Jaspers-Preis (wird in der regel alle 3 Jahre vergeben); Dotierung: 25.000 Euro; Zielgruppe: seit 1983 für ein wissenschaftliches Werk von internationalem Rang verliehen, das von philosophischem Geist getragen ist. Die wissenschaftliche Bedeutung soll die Grenzen einer geisteswissenschaftlichen oder psychiatrischen Fachdisziplin zugunsten einer interdisziplinären Verständigung überschreiten; benannt nach Karl Jaspers; gestiftet von der Stadt Heidelberg, der Universität Heidelberg und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Udo Wennemuth: Wissenschaftsorganisation und Wissenschaftsförderung in Baden. Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften 1909–1949 Winter, Heidelberg 1994. (Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse: [Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse / Supplemente] 8). ISBN 3-8253-0138-9
  • Udo Wennemuth: Heidelberger Akademie der Wissenschaften. In: Christoph J. Scriba (Hrsg.), Die Elite der Nation im Dritten Reich. Das Verhältnis von Akademien und ihrem wissenschaftlichen Umfeld zum Nationalsozialismus. (Acta historica Leopoldina 22). Halle/Saale 1995, S. 113–132.
  • Volker Sellin, Sebastian Zwies (Hrsg.): 100 Jahre Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Winter, Heidelberg 2009.
    • Band 1: Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften im Spiegel ihrer Antrittsreden 1944–2008. Mit einem Verzeichnis ihrer ordentlichen Mitglieder 1909–2008. ISBN 978-3-8253-5568-5
    • Band 2: Die Forschungsvorhaben der Heidelberger Akademie der Wissenschaften 1909–2009. ISBN 978-3-8253-5569-2

WeblinksBearbeiten

FußnotenBearbeiten