Theo Sommer

deutscher Journalist

Theo Sommer (* 10. Juni 1930 in Konstanz) ist ein deutscher Historiker und Publizist. Von 1973 bis 1992 war er Chefredakteur der Wochenzeitung Die Zeit, danach bis 2000 zusammen mit Marion Gräfin Dönhoff und Helmut Schmidt deren Herausgeber. Zudem veröffentlichte er zahlreiche Bücher und Beiträge zu Politik und Zeitgeschichte.

Theo Sommer (1967)

LebenBearbeiten

AusbildungBearbeiten

Sommer war von August 1942 bis Mai 1945 Schüler an der Adolf-Hitler-Schule (AHS) auf der Ordensburg Sonthofen.[1] Zu seinen Schulkameraden gehörten unter anderem Hardy Krüger und Jakob Muth. Im Jahre 1949 legte er in Schwäbisch Gmünd die Abiturprüfung ab. Anschließend studierte er Geschichte und politische Wissenschaften an der Åsa Folkhögskola, Schweden, an der Universität Tübingen, am Manchester College in Indiana, USA, und an der University of Chicago. Sommer wurde 1960 bei Hans Rothfels in Tübingen zum Dr. phil. mit einer Arbeit über Deutschland und Japan zwischen den Mächten, 1935–1940 promoviert. Anschließend nahm er im Sommer 1960 an Henry Kissingers Internationalem Seminar an der Harvard-Universität teil.

JournalistBearbeiten

Sommer arbeitet seit 1949 als Journalist. Seine Karriere begann bei der Rems-Zeitung in Schwäbisch Gmünd, für die er von 1952 bis 1955 als Lokalredakteur tätig war. Er wurde 1958 durch Vermittlung von Marion Gräfin Dönhoff politischer Redakteur bei der Zeit, deren Chefredakteur er vom 1. Januar 1973 bis zum 30. September 1992 war. Danach fungierte er vom 1. Oktober 1992 bis zum 31. März 2000 neben Marion Gräfin Dönhoff und Altbundeskanzler Helmut Schmidt als Herausgeber. Seit 2004 ist Sommer Herausgeber im Verlagshaus Times Media GmbH unter der Geschäftsführung von Detlef W. Prinz. Er ist Herausgeber der The Atlantic Times und der The German Times. Außerdem arbeitete Sommer für ausländische Presseorgane, u. a. als Kolumnist bei Newsweek International, Yomiuri Shimbun (Tokio), JoongAng Ilbo (Seoul).

Weitere Ämter und TätigkeitenBearbeiten

Sommer hatte von 1967 bis 1970 einen Lehrauftrag für Politische Wissenschaften an der Universität Hamburg. Im Wintersemester 1972 lehrte er am Center for European Studies an der Harvard University.

1969/1970 war er unter Bundesverteidigungsminister Helmut Schmidt Leiter des Planungsstabes im Bundesministerium der Verteidigung. Von 1970 bis 1972 war er Mitglied der Wehrstrukturkommission der Bundesregierung.

Darüber hinaus war Sommer in den Jahren 1999 und 2000 stellvertretender Vorsitzender der Weizsäcker-Kommission „Gemeinsame Sicherheit und Zukunft der Bundeswehr“ und von Januar 2001 bis Juni 2001 Leiter des „Arbeitsstabes Dr. Sommer“ zur Untersuchung des Umgangs der Bundeswehr mit Gefahrstoffen und Gefährdungen wie Uranmunition, der Röntgenstrahlung aus Radaranlagen sowie Asbest.

Von 1990 bis 1996 gehörte er dem Beirat der gemeinnützigen Bertelsmann Stiftung an.[2]

Von 1992 bis 2004 war Sommer im Vorstand der Welthungerhilfe.

SonstigesBearbeiten

Sommer ist in dritter Ehe verheiratet und hat fünf Kinder. Er lebt mit seiner Ehefrau in Hamburg-Volksdorf. Er ist der Onkel von Ariane Sommer.

2014 wurde Sommer vom Amtsgericht Hamburg wegen Steuerhinterziehung und Betrugs im besonders schweren Fall zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten verurteilt; als Bewährungsauflage musste er zudem 20.000 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen.[3] In dem Verfahren ging es um eine Steuerschuld von 649.917,99 Euro[4] aus den Jahren 2005 bis 2011 durch seine Tätigkeit als Herausgeber für das Verlagshaus Times Media GmbH und dessen Produkte wie The Atlantic Times, die er zunächst vor dem Fiskus verborgen, aber bis zum Prozess weitgehend getilgt hatte. Sommer hatte sich geständig gezeigt, das Fehlverhalten bedauert und damit erklärt, dass er zunächst die Rentabilität des Engagements abwarten wollte und dann das Problem verdrängt habe. Ihm sei die Sache „peinlich vor meiner Familie, den Kollegen, Freunden und Kritikern, vor allem aber mir selbst gegenüber“.[5]

MitgliedschaftenBearbeiten

Auszeichnungen (Auswahl)Bearbeiten

Werke (Auswahl)Bearbeiten

Als Autor
Als Herausgeber
  • Denken an Deutschland: Zum Problem der Wiedervereinigung, Ansichten und. Einsichten. Nannen, Hamburg 1966.
  • Allianz im Umbruch? Das Verhältnis zwischen Europa und Amerika. Heyne, München 1982, ISBN 3-453-01724-2.
  • Reise ins andere Deutschland. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1986, ISBN 3-498-06210-7.
  • (mit Marion Gräfin Dönhoff, Helmut Schmidt) Zeit-Geschichte der Bonner Republik 1949–1999. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, ISBN 3-498-01314-9.
  • Leben in Deutschland: Die Anatomie einer Nation. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2004, ISBN 3-46203-414-6.
  • My idea of the land of ideas: How the world sees Germany. Droemer, München 2006, ISBN 3-426-27410-8.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Vgl. Setzen, Sechs! – Schulgeschichten aus Deutschland (1/3). Verlorene Kindheit. Dokumentarfilm von Dora Heinze im Auftrag des SWR. Deutsche Erstausstrahlung am 8. Dezember 2005
  2. Chronik. Bertelsmann Stiftung, abgerufen am 15. Mai 2020.
  3. Theo Sommer erhält Bewährungsstrafe Website MEEDIA, Artikel 22. Januar 2014, von Felix Disselhoff. Abgerufen 31. Januar 2014.
  4. Ehemaliger "Zeit"-Chef Theo Sommer "Ich habe einen Riesenfehler begangen", sueddeutsche.de vom 22. Januar 2014
  5. Steuerhinterziehung – Ehemaliger ZEIT-Chef Sommer zu Bewährungsstrafe verurteilt, FAZ.net, abgerufen am 22. Januar 2014.
  6. http://www.trilateral.org/download/doc/Dec_1973_Jan_1974_North_American_European_Japanese_Affairs.pdf
  7. Theodor-Wolff-Preis (Memento vom 11. Juli 2013 im Internet Archive) Preisträger der Jahre 1962 bis 1997. Website BDZV, Preisträger & Preisverleihung. Abgerufen 31. Januar 2014.
VorgängerAmtNachfolger
Leiter des Planungsstabes im Bundesministerium der Verteidigung
1969–1970
Hans-Georg Wieck