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Technische Universität Nürnberg

Universität in Nürnberg

Die Technische Universität Nürnberg (kurz: TUN) ist eine seit 2018 im Aufbau befindliche Technische Universität in Nürnberg, Bayern. Im Jahr 2025 soll die neue Universität den Lehrbetrieb aufnehmen.

Technische Universität Nürnberg
Trägerschaft staatlich
Ort Nürnberg
Bundesland BayernBayern Bayern
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
Leiter der Strukturkommission Wolfgang A. Herrmann
Studierende 0

Inhaltsverzeichnis

HintergrundBearbeiten

Die Neugründung ist Teil eines Bildungsinvestionspaketes der bayerischen Staatsregierung für den Großraum Nürnberg. Darüber hinaus sind Investitionen von 1,5 Milliarden Euro in die Universität Erlangen-Nürnberg und 300 Millionen Euro in die Technische Hochschule Nürnberg vorgesehen.[1]

Leiter der Strukturkommission zum Aufbau der Hochschule ist Wolfgang A. Herrmann, Präsident der Technischen Universität München (TUM).[2] Unterstützt wird er unter anderem von Gerhard Casper, von 1992 bis 2000 Präsident der kalifornischen Stanford University und seit Juli 2015 Präsident der American Academy in Berlin.[3]

Nach Angabe der Bayerischen Staatsregierung sind derzeit 1,2 Milliarden Euro für den Aufbau der TUN vorgesehen.

LageBearbeiten

Im Süden Nürnbergs, im statistischen Stadtteil 4 Südliche Außenstadt, im statistischen Bezirk 41 Rangierbahnhof, soll der 37,5 ha große Universitäts-Campus entstehen. Dieser soll Teil des neuen Stadtteils Lichtenreuth werden.[4] Das für die TUN vorgesehene Areal liegt an der Brunecker Straße, im Bereich der alten Umladehallen des stillgelegten Güterbahnhofs Nürnberg Süd, zwischen Eisenbahnausbesserungswerk und Münchener Straße.[5] Das Areal wurde in den letzte 20 Jahren im Wesentlichen nur als Großparkplatz und Schrottplatz genutzt.

StudienkonzeptBearbeiten

Die neue Technische Universität Nürnberg soll mit ihrem interdisziplinären Ansatz zwischen Technik-, Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften "bundesweiten Modellcharakter" haben und "ein völlig neues universitäres Denken" entwickeln.[6]

Eine Gliederung in klassische Fakultäten ist nicht geplant, sondern es wird fokussiert auf Forschungsdepartments mit interdisziplinärem Charakter in den Bereichen: Mechatronic Engineering, Quantum Engineering, Biological Engineering, Computer Science and Engineering, Humanities and Social Sciences, Natural Sciences und Mathematics.[7]

Geplant ist ein Volumen von ca. 200 bis 240 Professoren, ca. 1800 bis 2000 Mitarbeiter und ca. 5000 bis 6000 Studierenden um ein Betreuungsverhältnis von einer Professorin bzw. Professor zu 25 Studierenden sicherzustellen. Die Lehre und Forschung soll international ausgerichtet sein; Vorlesungen sollen überwiegend auf Englisch gehalten werden.[2]

KritikBearbeiten

Doppelangebote in der RegionBearbeiten

Kritik kommt von den Oppositionsparteien im Bayerischen Landtag.

Hier werden Doppelangebote geschaffen, deren Sinn sich mir nicht erschließt. Wir haben weder eine Bedarfs- noch eine Machbarkeitsstudie für die geplante neue Universität zu Gesicht bekommen.“ (Isabell Zacharias, hochschulpolitische Sprecherin der bayerischen SPD-Landtagsfraktion)[1]

Die Technische Hochschule Nürnberg (THN) zählt mit rund 13.000 Studenten bereits zu den zwanzig größten Fachhochschulen Deutschlands. Die Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist mit rund 40.000 Studenten die zehntgrößte Universität Deutschlands, mit der bedeutenden Technischen Fakultät (TechFak) und interdisziplinär arbeitende Exzellenzcluster im mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Bereich.[1]

In die FAU sollen 1,5 Milliarden Euro investiert werden, in die THN 300 Millionen Euro und nun in die TUN zudem 1,2 Milliarden Euro, also insgesamt in die Region für Hochschulen 3 Milliarden Euro.

„So schön kann Landespolitik sein: Ein strahlender Markus Söder, der das freistaatliche Füllhorn über der Region ausschüttet […] Der danach in Erlangen reflexartig erfolgte Katzenjammer - die FAU fürchtete nicht zu Unrecht unliebsame Konkurrenz für ihre wohl bedeutendste Fakultät (die TechFak) - ist dank freundlicher Finanzspritzen seitens des Freistaates längst verstummt. Nur noch hinter den Kulissen wird vereinzelt kräftig geschimpft […] Kein Wunder, dass FAU-Präsident Prof. Joachim Hornegger mit dem Mitbewerber keine Probleme mehr hat. Ob er sich wirklich, wie er betont hat, auf die Konkurrenz freut, sei dahingestellt.“[8]

Abbruch der UmladehallenBearbeiten

 
"Städtisch gebilligter Vandalismus", 2018 abgebrochene Umladehallen

Die alten Umladehallen am Südbahnhof wurden abgerissen, statt wie vorgeschlagen, sie nach Vorbild der Station F in Paris in die Technische Universität zu integrieren.[9] Die Stadtbild-Initiative Nürnberg erhob schwerste Vorwürfe, u. a. des "Vandalismus" – bereits im selben Jahr war zuvor der historische Kopfbau der unter Denkmalschutz stehenden Hauptpost abgerissen worden.

Verweigerung parlamentarischer Rechte!
Seit einigen Tagen wird die Abrissbirne gegen die Umladehallen am ehemaligen Nürnberger Südbahnhof geschwungen. Der „Rückbau“ (Wortlaut Aurelis) hat begonnen. In einem beispiellosen Akt staatlich herbeigeführten und städtisch gebilligten Vandalismus werden Fakten geschaffen. Um einen Monat schneller als angekündigt und genehmigt! Im Landtagsausschuss für Wissenschaft und Kunst standen am Mittwoch, 13.6.18, eine Petition und ein Antrag eines Ausschussmitgliedes auf der Tagesordnung: Es sollte geprüft werden, inwieweit die Hallen erhalten und in den Planungsprozess für die Neue Nürnberger Universität hätten einbezogen werden können. Die beiden Tagesordnungspunkte wurden "aus Zeitgründen" nicht behandelt. Etwa gleichzeitig wurde die Abrissbirne in Schwung gebracht. Um irreversible Fakten zu schaffen hat Aurelis (im Auftrag der Staatsregierung) den laut Bautafel wohl genehmigten Abrisstermin kurzerhand um einen Monat vorgezogen. Beachtenswert: Etwa zur gleichen Zeit treffen sich die beiden Akteure, die die Aktion mit einem Fingerschnipp hätten stoppen können, MP Dr. Söder und OB Dr. Maly, im Rathaus zum großen Akt des Eintrages des neuen Ministerpräsidenten ins Goldene Buch der Stadt Nürnberg.[10]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Mareike Knoke: TU Nürnberg: Neue Universität für Ingenieure ist umstritten. In: DIE WELT. 17. September 2018 (welt.de [abgerufen am 18. September 2018]).
  2. a b „Nürnberg bekommt Technische Uni mit "Modellcharakter"“, Münchner Merkur vom 9. Juli 2018, abgerufen am 18. August 2018
  3. „Elite-Präsident: Was Nürnberg von Stanford lernen kann. Ehemaliger Stanford-Kopf plant die neue Technische Universität.“ auf nordbayern.de vom 15. August 2018; abgerufen am 19. August 2018
  4. Stadtentwicklungs-Projekt Lichtenreuth/Übersicht. Abgerufen am 17. Januar 2019.
  5. Stadtentwicklungs-Projekt Lichtenreuth/Planungsstand, mit Lageplan der TUN. Abgerufen am 17. Januar 2019.
  6. Hochschulgründung: Bayern spendiert Nürnberg eine neue Uni. In: Spiegel Online. 4. Juli 2018 (spiegel.de [abgerufen am 18. September 2018]).
  7. Bericht aus der Kabinettssitzung vom 3. Juli 2018: | Bayerisches Landesportal. Abgerufen am 18. September 2018.
  8. nordbayern.de: Warum die Nürnberger Unipläne Grund zum Jubeln sind. 4. Juli 2018, abgerufen am 17. Januar 2019.
  9. nordbayern.de: Pariser Vorbild: So könnten Nürnbergs Umladehallen aussehen, 25. April 2018. Abgerufen am 17. Januar 2019.
  10. Stadtbild-Initiative Nürnberg: Pressemitteilung zum Abriss der Umladehallen am Südbahnhof, 20. Juni 2018. Abgerufen am 17. Januar 2019.