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Tanja Börzel

deutsche Politikwissenschaftlerin

Tanja Anita Börzel (* 5. Juli 1970 in Langen, Hessen) ist eine deutsche Politikwissenschaftlerin, deren Schwerpunkt in Forschung und Lehre im Bereich der Europa-, Governance- und Diffusionsforschung liegt. Sie hat eine Professur für Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin und ist Leiterin der Arbeitsstelle Europäische Integration sowie Inhaberin eines Jean Monnet Lehrstuhls.

Inhaltsverzeichnis

WerdegangBearbeiten

Börzel besuchte das Neue Gymnasium Stuttgart-Feuerbach, wo sie 1989 das Abitur erlangte. Noch im selben Jahr begann sie ein Studium der Politik- und Verwaltungswissenschaft an der Universität Konstanz, das sie 1995 mit dem Erwerb eines Diploms beendete. 1999 wurde sie am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz zum Doktor der Politik- und Gesellschaftswissenschaften promoviert. Der Titel ihrer von Adrienne Héritier betreuten Dissertation lautet: The Domestic Impact of Europe. Institutional Adaption in Germany and Spain.

Von 1999 bis 2001 arbeitete Börzel als Koordinatorin des Forschungsprogramms für Umwelt am Robert-Schuman-Centre for Advanced Studies des Europäischen Hochschulinstituts Florenz sowie von 1999 bis 2002 als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Max-Planck-Projektgruppe für das Recht der Gemeinschaftsgüter in Bonn. Von 2002 bis 2003 leitete Börzel an der Humboldt Universität zu Berlin eine im Rahmen des Emmy Noether-Programms von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Nachwuchsgruppe zur Einhaltung des Europäischen Rechts in den Mitgliedsstaaten. 2003 folgte sie dem Ruf auf eine Professur für Internationale Politik und Europäische Integration am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Heidelberg, wechselte jedoch bereits im Dezember 2004 an das Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin, wo sie seither lehrt und forscht. Sie betreute unter anderm die Dissertation[1] von Franziska Giffey.

Von 2006 bis 2007 trat Börzel zudem eine Gastprofessur am Department of Government der Harvard Universität in den USA an. Seit 2008 leitet sie gemeinsam mit ihrem Ehemann[2] Thomas Risse die von der DFG geförderte Kolleg-Forschergruppe „Transformative Power of Europe“ sowie das Berlin Center for European Studies[3] und das Jean Monnet Center of Excellence „Europe and its Citizens“[4]. Tanja Börzel ist zudem Sprecherin des Projektbereichs Governance Institutionen des Sonderforschungsbereichs 700: „Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit: Neue Formen des Regierens?“ und Mitglied des Vorstandes des SFB 700.

ForschungsschwerpunkteBearbeiten

Die Forschungsschwerpunkte sowie die Lehrerfahrung von Börzel liegen bei der Europäischen Integrations-, Governance- und Diffusionsforschung. Sie hat sich vor allem mit Fragen institutionellen Wandels als Folge der Europäisierung sowie der Diffusion europäischer Institutionen und Politikprogramme in und außerhalb der EU beschäftigt.

Dabei liegt ein besonderes Interesse bei den folgenden Fragen:

  1. Wie und unter welchen Bedingungen fördert die EU bestimmte Institutionen und Politikprogramme innerhalb und außerhalb Europas? Welche Mechanismen der Diffusion kommen in bestimmten Kontexten zur Anwendung?
  2. Inwiefern unterliegt die EU selbst globalen Diffusionsprozessen? Welche Mechanismen der Diffusion fördern transformativen Wandel innerhalb der EU und unter den Mitgliedsländern?
  3. Welche institutionellen Auswirkungen politischer, ökonomischer und kultureller Diffusionsprozesse können innerhalb der EU beobachtet werden? Welche Faktoren befördern bzw. begrenzen die Diffusion und wie kann diese Wirkung erklärt werden?

Werke (Auswahl)Bearbeiten

  • 2012. Business and Governance in South Africa, co-edited with Christian Thauer, Houndmills: Palgrave.
  • 2012. Convergence without Accession? Explaining Policy Change in the EU's Eastern Neighbourhood, Special Issue of Europe-Asia Studies, co-edited with Julia Langbein.
  • 2012. From Europeanization to Diffusion, Special Issue of West European Politics, co-edited with Thomas Risse.
  • 2012. Roads to Regionalism. Genesis, Design, and Effects of Regional Organizations, co-edited with Lukas Goltermann, Mathis Lohaus and Kai Striebinger. Aldershot: Ashgate.
  • 2011. Wozu Staat? Governance in Räumen begrenzter und konsolidierter Staatlichkeit, co-edited with Marianne Beisheim, Philipp Genschel und Bernhard Zangl. Nomos: Baden-Baden.
  • 2010. Civil Society on the Rise? EU Enlargement and Societal Mobilization in Central and Eastern Europe, Special Issue of Acta Politica.
  • 2009. Coping with Accession to the European Union. New Modes of Environmental Governance, Houndmills: Palgrave Macmillan.
  • 2006. The Disparity of European Integration. Revisiting Neofunctionalism in Honor of Ernst Haas, London: Routledge.
  • 2003. Environmental Leaders and Laggards in Europe. Why There is (not) a Southern Problem. Aldershot, Burlington, Singapore, Sydney: Ashgate.
  • 2002. States and Regions in the European Union. Institutional Adaptation in Germany and Spain. Cambridge: Cambridge University Press.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Franziska Giffey (2010): Europas Weg zum Bürger – Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft, Dissertation an der Freien Universität Berlin, Online-Veröffentlichung.
  2. Risse, Thomas. Artikel in: Ulrich Menzel (Hrsg.): Personenlexikon Internationale Beziehungen, Institut für Sozialwissenschaften der TU Braunschweig.
  3. Berlin Center for European Studies
  4. Jean Monnet Center of Excellence „Europe and its Citizens“