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Stare Osieczno (deutsch Hochzeit) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Lebus. Es ist der Gmina Dobiegniew (Stadt- und Landgemeinde Woldenberg) im Powiat Strzelecko-Drezdenecki (Friedeberg, Driesen) angegliedert.

Stare Osieczno
Stare Osieczno führt kein Wappen
Stare Osieczno (Polen)
Stare Osieczno
Stare Osieczno
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Strzelecko-Drezdenecki
Gmina: Dobiegniew
Geographische Lage: 53° 0′ N, 15° 57′ OKoordinaten: 53° 0′ 0″ N, 15° 57′ 0″ O
Einwohner: 120 (31. März 2011[1])
Telefonvorwahl: (+48) 95
Kfz-Kennzeichen: FSD



Inhaltsverzeichnis

Geographische LageBearbeiten

Die Ortschaft Stare Osieczno (Hochzeit) liegt in der Neumark in der Nähe der Einmündung des Płociczna (Plötzenfliess) in die Drawa (Drage), die hier für größere Kähne schiffbar wird und bei Drawsko (Dratzig) in die Netze mündet, etwa 60 Kilometer nordöstlich der Stadt Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe), 15 Kilometer nordöstlich der Stadt Dobiegniew (Woldenberg) und 40 Kilometer südöstlich der Stadt Choszczno (Arnswalde). Bei Stare Osieczno führt die Landesstraße 22 (droga krajowa 22) von Gorzów Wielkopolski nach Elbląg (Elbing) über die Drawa.

GeschichteBearbeiten

 
Hochzeit nordöstlich der Stadt Landsberg an der Warthe und nordöstlich der Stadt Woldenberg auf einer Landkarte von 1905
 
Polnisches Gedenkkreuz am Rand eines Weges bei Hochzeit, den der Pfarrer Karol Józef Wojtyła und spätere Papst Johannes Paul II. in den Jahren 1955 bis 1967 regelmäßig benutzt hatte

An der Stelle der heutigen Ortschaft befand sich im 14. Jahrhundert ein Städtchen mit Schloss, das später jedoch zu einem Vorwerk herunterkam.[2] Der Ort wird 1328 in einem Wedelschen Lehnsbrief erwähnt, dessen Echtheit jedoch fraglich ist. 1337 gab Markgraf Ludwig der Brandenburger das castrum Hochgezit (Schloss Hochzeit) zusammen mit der Hälfte des dabei befindlichen Städtchens (oppidum) an Ludewig von Bertecowe. 1350 gelangten Schloss und Städtchen Hochezit durch Ludwig den Römer an Hasso von Wedel, mit der Erlaubnis, hier ein Schloss errichten zu dürfen.[2] 1355 wird das Städtchen Hochzit erwähnt, 1364 heißt es Hochtzeit. 1374 kommt es als Städtchen Hochtyd mit dem Hause Hochtit vor. Das Städtchen ist zu einem unbekannten Zeitpunkt untergegangen. Einem zu Friedeberg ausgefertigten Lehnsbrief zufolge befand sich die halbe wüste Feldmark Hochzeit 1499 im Besitz der Familie Bornstedt in Woldenberg.[3] Im Jahr 1608 war hier nur noch ein Vorwerk. 1770 wurde das Vorwerk aufgelöst, parzelliert und an Kolonistem vergeben. Gutsbesitzer war ein Herr Hoffmeyer.[2]

Durch die preußische Verwaltungsreform von 1815 wurde Hochzeit in den brandenburgischen Landkreis Arnswalde eingegliedert. Im 19. Jahrhundert erfolgte die Anbindung an bedeutende Verkehrswege. Die 1829 angelegte Chaussee von Berlin nach Königsberg (Preußen), die spätere Reichsstraße 1, führte bei Hochzeit über die Drage.

Die Dragebrücke bei Hochzeit ist ein historischer Ort, da (höchstwahrscheinlich) hier in der Nähe der letzte souveräne Herzog von Pommerellen, Mestwin II., im Vertrag an der Dragebrücke von den Markgrafen von Brandenburg einen Teil Hinterpommerns zum zweiten Mal zu Lehen nahm.[4][5] Außerdem spielte sich hier eines der letzten militärischen Kapitel des Untergangs des „Dritten Reichs“ ab.[6]

1938 wurde Hochzeit zusammen mit dem Landkreis Arnswalde in die Provinz Pommern eingegliedert. Dies geschah im Zuge der verwaltungstechnischen Umwandlung der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen in den Regierungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen.

Im Frühjahr 1945 wurde das Dorf von der Roten Armee besetzt und bald darauf von der sowjetischen Militärkommandantur unter polnische Verwaltung gestellt. Es begann die Zuwanderung von Polen. Die eingesessenen Dorfbewohner wurden in der Folgezeit vertrieben. Das deutsche Dorf Hochzeit wurde in Stare Osieczno umbenannt.

EinwohnerzahlenBearbeiten

  • 1858: 572[2]
  • 1871: 701[7]
  • 1925: 537, darunter vier Katholiken und ein Jude[8]
  • 1933: 512[9]
  • 1939: 445[9]

ReligionBearbeiten

Bis 1945 waren die Dorfbewohner mit wenigen Ausnahmen evangelisch. Um 1790 gehörten die Evangelischen zum Kirchspiel Regenthin (Radęcin).[10]

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz, Band 3, Brandenburg 1856, S. 511–512.
  • W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 447.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Stare Osieczno – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

FußnotenBearbeiten

  1. GUS 2011: Ludność w miejscowościach statystycznych według ekonomicznych grup wieku (polnisch), 31. März 2011, abgerufen am 4. Juli 2017
  2. a b c d Riehl und Scheu (1861): S. 447.
  3. Karl Kletke: Regestae Historiae Neomarchicae. Die Urkunden zur Geschichte der Neumark und des Landes Sternberg, in Auszügen mitgetheilt. Band 2, Berlin 1868, S. 365.
  4. Wolfgang Podehl: Burg und Herrschaft in der Mark Brandenburg. Böhlau Verlag, 1975, S. 673.
  5. Hans-Joachim Fey: Reise und Herrschaft der Markgrafen von Brandenburg. Böhlau Verlag, 1981, S. 129.
  6. Helmut Lindenblatt: Pommern 1945 – Eines der letzten Kapitel der Geschichte des Unterganges des Dritten Reiches. Verlag Rautenberg, 1984, S. 67.
  7. Preußisches Statistisches Landesamt: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Brandenburg und ihre Bevölkerung. Berlin 1873, S. 132, Nr. 15.
  8. http://gemeinde.hochzeit.kreis-arnswalde.de/
  9. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Arnswalde. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  10. Johann Ernst Fabri: Geographie für alle Stände. Teil I, Band 3, Leipzig 1791, S. 1197.