Stadtkirchenverband Hannover

Kirchenkreis der Landeskirche Hannovers

Der evangelisch-lutherische Stadtkirchenverband Hannover ist ein Zusammenschluss von 60 Kirchengemeinden der Städte Hannover, Garbsen und Seelze. Er gehört zur Ev.-luth. Landeskirche Hannovers und liegt im Sprengel Hannover. Er repräsentiert damit rund 170.000 Gemeindemitglieder.[1] Die Leitung des Stadtkirchenverbandes wird von Haupt- und Ehrenamtlichen über die Gremien des Stadtkirchenvorstandes und des Stadtkirchentages übernommen. Zum Leitungsteam gehören der Stadtsuperintendent, die Superintendentin und zwei Superintendenten.[2] Neuer Stadtsuperintendent ist seit Oktober 2020 Rainer Müller-Brandes[3]. Verbunden mit dem Stadtkirchenverband sind weitere Einrichtungen wie das Diakonische Werk Hannover gGmbH, der Stadtjugenddienst, Kindertagesstätten, die Stadtakademie, Krankenhaus-, Telefon- oder Gefängnisseelsorge.[4]

Der Stadtkirchenverband Hannover befindet sich am Hanns-Lilje-Platz 3, neben der Buchhandlung an der Marktkirche.

GeschichteBearbeiten

Der Stadtkirchenverband Hannover wurde am 26. August 1902 auf Anordnung des königlichen Konsistoriums und auf der Grundlage des Kirchengesetzes vom 7. Juni 1900 als Zusammenschluss von 13 evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden gebildet.

Die Anordnung trat am 15. Oktober 1902 in Kraft. Hauptaufgabe war die Finanzierung neuer Kirchen, Pfarrhäuser und Konfirmandensäle. 1922 gründete das Landeskonsistorium einen neuen Gesamtverband mit einem stark erweiterten Mitglieder- und Aufgabenbereich, der zugleich Rechtsnachfolger des alten Verbands war. Neben dem Gesamtverband wurde 1928 der Stadtkirchenverband Hannover als Zusammenschluss der Kirchenkreise errichtet. 1959 wurden Gesamtverband und Stadtkirchenverband durch das Hannover Gesetz zum Evangelisch-lutherischen Stadtkirchenverband Hannover zusammengeführt.

Zum 1. Januar 2001 wurden die Strukturen des Stadtkirchenverbandes erneut reformiert. Die bis dahin acht Kirchenkreise und ihre Leitungsgremien wurden in vier Amtsbereiche (Mitte, West, Ost und Garbsen-Seelze) überführt. Seit Januar 2013 ist der Stadtkirchenverband in drei Amtsbereiche unterteilt (Nord-West, Mitte und Süd-Ost), jedem Amtsbereich steht ein Superintendent vor. Die alleinige parlamentarische Vertretung der derzeit (2013) rund 202.000 Mitglieder ist der Stadtkirchentag (entspricht einem Kirchenkreistag), welcher aus 55 gewählten Repräsentanten sowie 10 vom amtierenden Stadtkirchenvorstand berufenen Mitgliedern gebildet wird.[5] Dem Stadtkirchentag steht ein fünfköpfiges Präsidium mit Präsidentin Wencke Breyer an der Spitze vor. Spitzenrepräsentant des Stadtkirchenverbandes ist der/die Stadtsuperintendent/in.[6]

Zu seiner 100-Jahr-Feier zählte der Stadtkirchenverband in Hannover, Garbsen und Seelze insgesamt 72 Kirchengemeinden. Infolge rückläufiger Mitgliederzahlen und sinkender Gemeindeetats haben seitdem mehrere kooperierende Kirchengemeinden die Zusammenlegung (=Fusion) beschlossen oder bereits vollendet. 2020 gehören dem Verband 60 Kirchengemeinden an.[7]

Übergemeindlich-funktionale Einrichtungen stehen für ein breitgefächertes Spektrum an Hilfs- und Beratungsangeboten. Seit 1966 steht die Eichenkreuzburg, eine Jugendburg bei Bissendorf, im Eigentum des Stadtkirchenverbandes. Er nutzt sie als Tagungs- und Seminarhaus für die Jugendarbeit. Ursprünglich gehörte das 1928 errichtete Bauwerk der Vahrenwalder Kirchengemeinde, die es wegen des hohen Renovierungsbedarfs nicht mehr unterhalten konnte.

Verwaltung/StadtkirchenkanzleiBearbeiten

Zentrale Verwaltungsstelle des Stadtkirchenverbandes ist die Stadtkirchenkanzlei in der Hildesheimer Straße 165/167 in Hannover, die sich in den Amtsleiter, seit Dezember 2015 Andreas Bergen, seinen Stellvertreter und fünf Abteilungen gliedert.[8] Die Kanzlei hat etwa 90 Mitarbeitende.

Diakonisches Werk HannoverBearbeiten

Das Diakonische Werk Hannover gGmbH ist das Diakonische Werk des Stadtkirchenverbandes Hannover. Es ist Mitglied im Diakonischen Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen. 1865 gründete Gerhard Uhlhorn in Hannover einen evangelischen Verein, der sich u. a. für die Einrichtung von Anstalten und Häusern der Inneren Mission (IM) verantwortlich fühlte und die diakonischen Aktivitäten in den Gemeinden förderte. 1877 verschmolz der Verein mit dem Landesverein für Innere Mission Hannover. 1920 folgte die Gründung der Stadtmission Hannover. Am 16. Dezember 1954 bestätigte der Stadtkirchenausschuss per Beschluss den Stadtverband für Innere Mission als Einrichtung der Kirchengemeinden. In den Stadtverband wurden die bisherige Stadtmission, der Stadtwohlfahrtsdienst und das Ev. Hilfswerk integriert. 1963 gründeten Pastoren und Laien einen Trägerverein. Am 6. Februar 1976 folgte die Umbenennung der Stadtmission Hannover e.V. in Das Diakonische Werk – Stadtverband für Innere Mission – in Hannover e.V. Ab 2007 hieß der Verein Diakonisches Werk, Stadtverband Hannover e.V[9]. In der zweiten Jahreshälfte 2015 wurde der Verein in die Diakonisches Werk Hannover gGmbH[10] überführt. Zum 1. Januar 2016 folgte der Betriebsübergang der Abteilungen und Mitarbeitenden der stadtkirchenverbandlichen Diakonischen Werks. Aufgaben und Strukturen wurden davon nicht berührt. Alleingesellschafter dieser gGmbH ist der Ev.-luth. Stadtkirchenverband Hannover.

Das Werk gliedert sich in zehn Fachabteilungen, die sich um die verschiedenen Arbeitsfelder, wie beispielsweise Kirchenkreissozialarbeit, offene Altenarbeit Sucht- und Suchtprävention, die Wohnungslosenhilfe, Pflegeheime u.ä kümmern. In ihm arbeiten 340 Hauptamtliche und mehr als 800 Ehrenamtliche Mitarbeitende. Geleitet wird das Werk von einem Pastor, der Diakoniepastor von Hannover und Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Hannover ist und mit dem Kaufmännischen Leiter den Geschäftsführenden Vorstand bildet. Ein Aufsichtsrat begleitet und beaufsichtigt die Arbeit.[11] Das Diakonische Werk ist einer der Gesellschafter des Straßenmagazins Asphalt und ist u. a. beteiligt am Sozialkaufhaus fairKauf, an der Familienbildungsstätte Hannover e.V und an Resohelp-Hilfe für Haftentlassene.

Stadtsuperintendenten (Auszug)Bearbeiten

Der Stadtsuperintendent ist per Amt Inhaber der ersten Pfarrstelle der Marktkirche Hannover.

 
Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann spricht auf der Bühne zur Solidaritätstafel 2012, hier gemeinsam mit Regionaldechant Martin Tenge, unter anderem Propst an der Basilika St. Clemens

Schriften (Auszug)Bearbeiten

  • Wolfgang Puschmann, Wolfgang Reinbold, Insa Becker-Wook: Lange Nacht der Kirchen, hrsg. vom Ev.-luth. Stadtkirchenverband Hannover, Hannover: Hora-Verlag, 2007, ISBN 978-3-936692-09-9
  • Wolfgang Puschmann, Herbert Schmalstieg (Hrsg.), Wolfgang Reinbold, Rolf Grave: Stadt und Kirche im demographischen Wandel [ein Symposium des Ev.-Luth. Stadtkirchenverbandes und der Landeshauptstadt Hannover], Hannover: Ev.-luth. Stadtkirchenverband, 2006, ISBN 3-00-018136-9
  • Jürgen Doppelstein, Ev.-Luth. Stadtkirchenverband Hannover, Ernst-Barlach-Gesellschaft Hamburg (Hrsg.): Lost Paradise lost. Kunst und sakraler Raum [anlässlich der vom Ev.-Luth. Stadtkirchenverband Hannover und der Ev.-Luth. Marktkirchengemeinde Hannover in Zusammenarbeit mit der Ernst-Barlach-Gesellschaft Hamburg in der Zeit vom 14. Juli bis zum 12. November 2000 durchgeführten gleichnamigen Ausstellung], Hannover: Ev.-Luth. Stadtkirchenverband; Hamburg: Ernst-Barlach-Gesellschaft, 2000, ISBN 3-930100-13-4
  • Insa Becker-Wook, Joachim Stever: Die 9. Lange Nacht der Kirchen in Hannover. Programm am 21. September 2012 durch die Nacht, Broschüre des Ev.-luth. Stadtkirchenverbandes Hannover, Fachbereich Citykirche, Lutherisches Verlagshaus GmbH, Hannover 2018

LiteraturBearbeiten

ArchivBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Evangelisch-lutherischer Stadtkirchenverband Hannover – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. o.V.: Wir über uns, auf der Seite des Stadtkirchenverbandes Hannover, [1]
  2. o.V.: Leitung des Stadtkirchenverbandes, auf der Seite des Stadtkirchenverbandes Hannover, [2]
  3. Freiluftgottesdienst für neuen Kirchenchef. Abgerufen am 19. Oktober 2020.
  4. o.V.: Einrichtung von A bis Z, auf der Seite des Stadtkirchenverbandes Hannover, [3]
  5. Ev.-luth. Stadtkirchenverband Hannover: Einblicke - 1902-2002
  6. http://www.kirche-hannover.de
  7. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 24. November 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www2.kirche-hannover.de
  8. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 29. August 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www2.kirche-hannover.de
  9. http://www.diakonisches-werk-hannover.de/ueber_uns/rueckblick_diakonie_in_hannover.html
  10. https://www.diakonisches-werk-hannover.de/ueber-uns/wer-wir-sind/struktur/
  11. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 15. März 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.diakonisches-werk-hannover.de
  12. LkAH H 8 - Arcinsys Detailseite. Abgerufen am 21. Dezember 2019.
  13. Thorsten Fuchs: Stadtsuperintendent / Heinemann ist neuer Kirchenchef von Hannover in der online-Ausgabe der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 10. März 2010, zuletzt abgerufen am 18. Oktober 2013.
  14. o.V.: Wahl des Stadtsuperintendenten in Hannover / Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes und Pastor Sven Waske kandidieren auf der Seite vom Kirchenkreis Burgdorf