Hauptmenü öffnen
Typische Nutzung eines Bogens, in diesem Fall das früher einem Handwerker dienende Gewölbe Nummer 96
Zeitgenössische Übersicht der Bögen samt Bezirkszuordnung in Adolph Lehmann's allgemeinem Wohnungs-Anzeiger von 1913
Bogen Nummer 6 der Galerie kunstBOGEN am Gumpendorfer Gürtel
McDonald’s bewirtschaftet die Bögen 82A und 83 bis 87, wobei der im Vordergrund sichtbare Bogen 82A als Drive-in genutzt wird
Innenansicht der Gaststätte Brandauers Bierbögen in den Gewölben 204–216
Bewachsene Bögen am Döblinger Gürtel
Das offene Gewölbe 77 ist ein Fußgängerdurchgang
Gewölbe 193 dient der Straßenbahn als Durchfahrt

Die Stadtbahnbögen in Wien sind historische Verkehrsbauwerke, die von der ehemaligen Wiener Dampfstadtbahn beziehungsweise der aus dieser hervorgegangenen Wiener Elektrischen Stadtbahn stammen und heute Teil der S-Bahn Wien beziehungsweise der U-Bahn Wien sind. 2017 existieren noch insgesamt 402 dieser Viaduktbögen, davon 394 historische aus der Zeit um 1900 und acht Nachbauten aus den 1980er Jahren. Erstere Gewölbe beziehungsweise Arkaden wurden – zusammen mit den Stationsgebäuden – vom Jugendstil-Architekten Otto Wagner als Nebenprodukt der zwischen 1892 und 1901 erbauten Stadtbahn entworfen und sind denkmalgeschützt. Vereinzelt werden sie deshalb auch Otto-Wagner-Bögen genannt. Da die allermeisten Wiener Stadtbahnbögen im Zuge der ehemaligen Stadtbahn-Gürtellinie anzutreffen sind, das heißt entlang des westlichen Gürtels, lauten weitere Alternativbezeichnungen Gürtelbögen respektive Gürtelviadukt. Als Vorbild dienten die Berliner Stadtbahnbögen, die schon 1882 fertiggestellt wurden.

Die Gürtellinie wird gegenwärtig von der U-Bahn-Linie 6 befahren, während die Obere Wientallinie von der U-Bahn-Linie 4 und die Vorortelinie von der S-Bahn-Linie 45 bedient wird. Somit dient ein Großteil der Bögen noch ihrem ursprünglichen Zweck als Verkehrsbauwerk. Im Gegensatz dazu sind der Abschnitt Nußdorfer StraßeHeiligenstadt der Gürtellinie seit 1996 sowie ein Großteil des Verbindungsbogens zwischen Gürtellinie und Donaukanallinie seit 1991 stillgelegt. Auf diesen beiden Abschnitten sind daher zusammen 121 Bögen mittlerweile ohne Schienenverkehr.

BeschreibungBearbeiten

Die Stadtbahnbögen sind teilweise mit Naturstein verkleidet, wobei sich glatte und rustizierte (raue) Oberflächen streifenartig abwechseln, teils folgen Stein- auf Ziegellagen. Die Außenhaut der Bauwerke besteht in der Regel aus einer Schicht exakt gemauerter, doppelt geschlämmter böhmischer Klinkerziegel, wobei eine Fugenbreite von acht Millimetern einzuhalten war.[1] Otto Wagner hatte dabei verschiedene Fassaden zur Schließung der Gewölbe entworfen. Immer unterteilte er die Fassadenfläche mit einer Horizontalen in Bogenfeld und darunter liegendes Rechteck. Die übrigen Teilungen ergeben sich aus der Bogengröße, die mit dem welligen Terrainverlauf des Gürtels wechselt.[2] Die Sichtziegel der Viadukte stehen dabei in hartem Kontrast zu dem weißen Putz der Stationen, Wagner hat außer bei der Stadtbahn keine Ziegelfassaden geplant oder ausgeführt.[3]

NummerierungBearbeiten

Die historischen Bögen sind mit arabischen Zahlen durchnummeriert, wobei neben Lücken auch Doppelnummerierungen existieren und bei einem Teil der Bögen keine Nummer angeschrieben steht. Vereinzelt werden auch Zusatzbuchstaben verwendet. Die Nachbauten wiederum werden mit römischen Zahlen unterschieden. Die Wiener Linien kennzeichnen ihre Gewölbe dabei mit ovalen Nummernschildern mit schwarzer Schrift auf weißem Grund, während die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) rechteckige blaue Tafeln mit weißer Schrift verwenden. Die Bezeichnung „Stadtbahnbogen + Nummer + Postleitzahl + Ort“ ersetzt dabei teilweise die reguläre Postanschrift respektive Gebäudeadresse, das heißt, Straße und Hausnummer entfallen. Allerdings wird zur besseren Orientierung meist noch die jeweils benachbarte Straße zusätzlich angegeben.

NutzungBearbeiten

Die Stadtbahnbögen dienen teilweise als Nutzfläche, die Erbauer der Stadtbahn haben die Räume in den Viaduktbögen dabei von Anfang an als vermietbare Immobilie betrachtet. Dies mildert den barrierehaften Charakter einer gemauerten Hochbahntrasse mitten im Stadtgebiet beträchtlich.[2] Hierbei bewirtschaften die betreffenden Unternehmer oft gleich zwei oder mehrere nebeneinanderliegende Gewölbe. In den Randlagen wurden sie dabei ursprünglich meist als Lager und Magazine genützt, in den dichter besiedelten Wohngebieten siedelten sich hingegen Handwerks- und andere Gewerbebetriebe an, die jedoch im Laufe der Zeit zunehmend verschwanden. Viele Bögen standen daraufhin jahrzehntelang leer. Ende der 1990er Jahre setzte die Stadt Wien eine Initiative zur Wiederbelebung der Stadtbahnbögen, worauf sich im Bereich des 8. und 9. Bezirks einige Szenelokale und erneut Handwerksbetriebe ansiedelten. Genutzt wurde dabei unter dem Namen URBAN Wien – Gürtel Plus die EU-Gemeinschaftsinitiative URBAN. Auch entlang des Donaukanals wurden in den Jahren 2008 und 2009 beim Zaha-Hadid-Haus 13 Bögen als Teil einer neugeschaffenen Kunst- und Gastronomiemeile revitalisiert.[4]

Teilweise nehmen die Pächter mit ihrem Firmennamen explizit Bezug auf ihre besondere Lage. Darunter beispielsweise die Galerie kunstBOGEN, die Textilwerkstatt Schnittbogen, die Bar B72 in den Bögen Nummer 72–73, der Verein Kulturbogen, das Bierlokal Brandauers Bierbögen, der Rote Bogen der SPÖ Ottakring, die Veranstaltungsstätten Venster 99 und Lichtbogen 334 in den entsprechenden Gewölben Nummer 99 und 334 oder das Fitnessstudio CrossZone, das seine Räumlichkeiten in fünf sogenannte Trainingsbögen, einen Therapiebogen und einen Outdoorbogen aufgeteilt hat.[5]

ÜbersichtBearbeiten

Eine Übersicht über alle noch vorhandenen Bögen gibt die folgende Tabelle:

Strecke Aufnahme Anzahl Nummerierung parallelführende Straße Abschnitt
Obere Wientallinie
10 Bögen
  07 1U–7U Hackinger Kai Brücke über den Wienfluss > Unterführung Zufferbrücke
Koordinaten
  03 8U–10U Hietzinger Kai Unterführung Zufferbrücke > Überführung St. Veiter Brücke
Koordinaten
Gürtellinie
290 Bögen
  08 I–VIII
nicht angeschrieben
Dunklergasse Station Längenfeldgasse > Brücke über die Zeile
Koordinaten
  08 3–10 westlich: Sechshauser Gürtel
östlich: Gumpendorfer Gürtel
Brücke über die Zeile > Station Gumpendorfer Straße
Koordinaten
04 11–14
nicht angeschrieben
Mariahilfer Gürtel Station Gumpendorfer Straße, von der Stationsfassade überblendet
Koordinaten
  04 15–18
nicht angeschrieben
Lerchenfelder Gürtel Station Thaliastraße > Unterführung Thaliastraße / Lerchenfelder Straße
Koordinaten
  10 19–28 Lerchenfelder Gürtel Unterführung Thaliastraße / Lerchenfelder Straße > Unterführung Pfeilgasse
Koordinaten
  08 29–36 Lerchenfelder Gürtel Unterführung Pfeilgasse > Unterführung Sanettystraße
Koordinaten
  05 37–41 Lerchenfelder Gürtel Unterführung Sanettystraße > Unterführung Josefstädter Straße
Koordinaten
  07 42–48
nicht angeschrieben
Lerchenfelder Gürtel Unterführung Josefstädter Straße > Unterführung Friedmanngasse
(Station Josefstädter Straße, von der Stationsfassade überblendet)
Koordinaten
  09 49–57 Hernalser Gürtel Unterführung Friedmanngasse > Unterführung Laudongasse
Koordinaten
  10 58–67 Hernalser Gürtel Unterführung Laudongasse > Unterführung Breitenfelder Gasse
Koordinaten
  10 68–77 Hernalser Gürtel Unterführung Breitenfelder Gasse > Unterführung Alser Straße
Koordinaten
  11 78–82, 82A, 83–87 Hernalser Gürtel Unterführung Alser Straße > Unterführung Hernalser Hauptstraße Station Alser Straße
Koordinaten
03 88, 88A, 89
nicht angeschrieben
Hernalser Gürtel Unterführung Hernalser Hauptstraße > Unterführung Lazarettgasse
(Station Alser Straße, von der Stationsfassade überblendet)
Koordinaten
  11 90–100 Währinger Gürtel Unterführung Lazarettgasse > Unterführung Borschkegasse
Koordinaten
  11 101–111 Währinger Gürtel Betriebsbahnhof Michelbeuern > Unterführung Severingasse
Koordinaten
  03 112–114 Währinger Gürtel Unterführung Severingasse > Unterführung Klammergasse
Koordinaten
  05 115–119 Währinger Gürtel Unterführung Klammergasse > Brücke über die Schulgasse, Währinger Straße und Fuchsthallergasse
Koordinaten
  04 120–123
nicht angeschrieben
Währinger Gürtel Brücke über die Schulgasse, Währinger Straße und Fuchsthallergasse > Unterführung Gentzgasse
(Station Währinger Straße, von der Stationsfassade überblendet)
Koordinaten
  07 124–130 Währinger Gürtel Unterführung Gentzgasse > Unterführung Säulengasse
Koordinaten
  11 131–141 Währinger Gürtel Unterführung Säulengasse > Unterführung Michaelerstraße
Koordinaten
  09 142–150 Währinger Gürtel Unterführung Michaelerstraße > Unterführung Sternwartestraße
Koordinaten
  07 151–157 Währinger Gürtel Unterführung Sternwartestraße > Unterführung Anastasius-Grün-Gasse
Koordinaten
  08 158–165 Währinger Gürtel Unterführung Anastasius-Grün-Gasse > Unterführung Marsanogasse
Koordinaten
  02 166–167 Währinger Gürtel Unterführung Marsanogasse > Unterführung Lustkandlgasse
Koordinaten
  07 168–174 Währinger Gürtel Unterführung Lustkandlgasse > Station Nußdorfer Straße
Koordinaten
04 175–178
nicht angeschrieben
Währinger Gürtel Station Nußdorfer Straße, von der Stationsfassade überblendet
Koordinaten
  06 179–184 Währinger Gürtel Station Nußdorfer Straße > Unterführung Nußdorfer Straße
Koordinaten
  09 185–193 Döblinger Gürtel Unterführung Nußdorfer Straße > Unterführung Glatzgasse
Koordinaten
  14 194–207 Döblinger Gürtel Unterführung Glatzgasse > Abzweig Verbindungsbogen
Koordinaten
  11 208–218 Döblinger Gürtel Abzweig Verbindungsbogen > Unterführung Heiligenstädter Straße
Koordinaten
  43 219–261 Heiligenstädter Straße Unterführung Heiligenstädter Straße > Franz-Ippisch-Steg
Koordinaten
  21 262–282 Heiligenstädter Straße Franz-Ippisch-Steg > Überführung über die Franz-Josefs-Bahn
Koordinaten
Vorortelinie
48 Bögen
  09 283–291 keine Überführung über die Franz-Josefs-Bahn > Unterführung Heiligenstädter Straße
Koordinaten
  05 292–296
nicht angeschrieben
keine Unterführung Heiligenstädter Straße > Überführung Döblinger Hauptstraße
Koordinaten
  01 297
nicht angeschrieben
keine neben der Station Hernals
Koordinaten
  10 298–307 Weinheimergasse Unterführung Arnethgasse > Unterführung Ottakringer Straße
Koordinaten
  01 308
nicht angeschrieben
keine in die Station Hernals integriert
Koordinaten
  07 309–315 Weinheimergasse Unterführung Ottakringer Straße > Unterführung Thaliastraße
Koordinaten
  07 316–322
nicht angeschrieben
keine Unterführung Thaliastraße > Station Ottakring
Koordinaten
  01 323
nicht angeschrieben
keine Goldschlagstraßenbrücke > Unterführung Linzer Straße
Koordinaten
  07 324–330
nicht angeschrieben
keine Unterführung Linzer Straße > Station Penzing
Koordinaten
Verbindungsbogen
54 Bögen
  06 301–306
nicht angeschrieben
Spittelauer Lände Station Friedensbrücke > Unterführung beim Zaha-Hadid-Haus (westliche Auffahrtsrampe)
Koordinaten
  16 307–322
nicht angeschrieben
Spittelauer Lände Station Friedensbrücke > Unterführung beim Zaha-Hadid-Haus (östliche Auffahrtsrampe)
Koordinaten
  14 323–335, 335A
nicht angeschrieben
Spittelauer Lände Unterführung beim Zaha-Hadid-Haus > Unterführung Spittelauer Lände
Koordinaten
  10 336–345
nicht angeschrieben
keine Unterführung Spittelauer Lände > Station Spittelau
Koordinaten
  01 347
nicht angeschrieben
keine Station Spittelau > Unterführung Heiligenstädter Straße (Durchlass Wiener Gürtel Straße, Auffahrt Gürtelbrücke)
Koordinaten
  07 348–354 Döblinger Gürtel Unterführung Heiligenstädter Straße > Einmündung in die Gürtellinie
Koordinaten
 
Der Radetzkyplatz samt der ehemaligen Station dort um 1900, als die Verbindungsbahn ein Teil der Stadtbahn war. Rechts im Bild die heutigen Bögen 5 und 6.
 
Nummerierung eines Bogens an der Verbindungsbahn

Zusammen 55 weitere Viaduktbögen existieren an der Verbindungsbahn, die heute einen Teil der S-Bahn-Stammstrecke bildet und ab 1899 teilweise zum Stadtbahnnetz gehörte. Sie wurde schon 1859 eröffnet, wobei die Bögen aber erst 1884 im Zusammenhang mit dem Neubau der Verbindungsbahnbrücke entstanden, die eine Anhebung der Trasse erforderte:[6]

Strecke Aufnahme Anzahl Nummerierung parallelführende Straße Abschnitt
Verbindungsbahn
53 Bögen
  06 1–6 westlich: Obere Viaduktgasse
östlich: Untere Viaduktgasse
Durchgang Kolonitzgasse > Unterführung Radetzkyplatz
Koordinaten
  18 7–24 westlich: Obere Viaduktgasse
östlich: Untere Viaduktgasse
Unterführung Radetzkyplatz > Unterführung Obere Weißgerberstraße
Koordinaten
  01 25 westlich: Obere Viaduktgasse
östlich: Untere Viaduktgasse
Unterführung Obere Weißgerberstraße > Unterführung Dampfschiffstraße
Koordinaten
  01 ? keine Unterführung Dampfschiffstraße
Koordinaten
  01 ? keine Unterführung Schüttelstraße
Koordinaten
  28 1–28 westlich: Helenengasse
östlich: Stoffellagasse
Unterführung Schüttelstraße > Praterstern
Koordinaten

Darüber hinaus verkehrt im Wiener Stadtgebiet auch die 1916 eröffnete Floridsdorfer Hochbahn überwiegend auf Viaduktbögen, insgesamt 114 an der Zahl. Hierbei flossen die Erfahrungen aus dem Bau der Stadtbahn ein.[7]

Abgerissene BögenBearbeiten

 
Die 1985 abgerissene Bogengruppe im Anschluss an die Brücke über die Zeile
 
Ehemalige Viaduktbögen auf dem Praterstern

Zusammen 36 weitere Stadtbahnbögen auf der südlichen Gürtellinie fielen ab 1985 dem Neubau der 1989 eröffneten U-Bahn-Station Längenfeldgasse und dem damit verbundenen Umbau der Zulaufstrecken zum Opfer:

  • 8 Bögen zwischen der Station Meidling Hauptstraße und der ehemaligen Brücke über die Storchengasse / Gierstergasse
  • 11 Bögen zwischen der ehemaligen Brücke über die Storchengasse / Gierstergasse und der ehemaligen Brücke über die Stiegergasse / Längenfeldgasse
  • 4 Bögen zwischen der ehemaligen Brücke über die Stiegergasse / Längenfeldgasse und der ehemaligen Brücke der Gürtellinie über die Untere Wientallinie
  • 5 Bögen zwischen der ehemaligen Brücke der Gürtellinie über die Untere Wientallinie und der ehemaligen Brücke über die Koblingergasse
  • 8 Bögen zwischen der ehemaligen Brücke über die Koblingergasse und der Brücke über die Zeile

Die letztgenannte Bogengruppe wurde dabei durch die Neubaubögen I–VIII ersetzt, die jedoch im Gegensatz zu ihren historischen Vorbildern ein wesentlich stärkeres Gefälle aufweisen.

Der Einzelbogen 346 im Bereich des Verbindungsbogens wiederum wurde nach Stilllegung dieses Abschnitts im Jahr 1991 abgerissen. Er musste der neuen Verkehrsstation Wien Spittelau weichen, die 1995/1996 in Betrieb ging.

Darüber hinaus erfolgte früher auch die Querung des Pratersterns auf Viaduktbögen, diese mussten aber schon in den 1950er Jahren dem neuen Bahnhof Wien Praterstern weichen.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten