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St.-Jacobi-Kirche (Berlin)

Kirchengebäude in Berlin
St.-Jacobi-Kirche

Die St.-Jacobi-Kirche des Kirchenkreises Berlin Stadtmitte ist eine 1844/1845 im Stil einer altchristlichen Basilika erbaute evangelische Kirche im Berliner Ortsteil Kreuzberg in der Oranienstraße 132–134.

NameBearbeiten

In alten Bauplänen ist das Kirchengebäude mit Neue Louisenstadtkirche ausgewiesen.[1] König Friedrich Wilhelm IV. als Patron verlieh der Kirche ihren Namen,[2] in Anlehnung an das Jakobs-Hospital, ein Altenheim der Petri-Gemeinde an der Alten Jakobstraße, der ältesten Straße im neuen Gemeindegebiet. Dabei ist nicht klar, ob Jakobus der Ältere oder Jakobus der Jüngere gemeint ist.

GeschichteBearbeiten

 
St.-Jabobi-Kirche und Pfarrhaus;
Zeichnung von Therese Brandin[3]
 
Ordination durch Bischof Neander, 1857
 
St.-Jacobi-Kirche, 19. Jahrhundert

Die Oranienstraße führte in den 1840er Jahren durch ein gerade entstehendes Vorstadtviertel, die Luisenstadt. 1843 wurde die St.-Jacobi-Kirchengemeinde von der Luisenstadt-Gemeinde abgetrennt; es war die erste Teilung innerhalb Berlins, die erst nach langwierigem Kampf und Widerstand durchgesetzt wurde. Die weitere Ausdehnung des Gemeindebezirks und die ständig zunehmende Bevölkerungszahl machten diese jedoch notwendig.

Im Jahr 1843 wurde unter der Federführung Pfarrer Bachmanns, der von der Luisenstadt-Gemeinde in die St.-Jacobi-Parochie wechselte, der Kirchbauverein gegründet. Als Bauplatz war der Waldeckplatz, ein damals schon geschlossener Kirchhof der St.-Petri-Gemeinde, vorgesehen. Die Petri-Gemeinde stellte dieses Gelände jedoch nicht zur Verfügung. So erwarb der Bauverein mit Mitteln des Königs Friedrich Wilhelm IV. für 26.000 Reichstaler ein damals auf freiem Feld liegendes Kirchengrundstück. Am 2. Juli 1844 erfolgte die Grundsteinlegung in Anwesenheit des Königs, städtischer und staatlicher Behördenvertreter. Am 23. November 1844 war Richtfest des Kirchenrohbaus (unter Ausschluss des Turmes und des Atriums). Bischof Daniel Amadeus Neander, altpreußischer General-Superintendent der Kurmark und Propst an St. Petri weihte das Gotteshaus am 5. Oktober 1845. Der Patron König Friedrich Wilhelm IV., seine Frau und andere Würdenträger reisten per Sonderzug aus Potsdam an. Anwesend waren ebenfalls Deputationen des Magistrats und der Stadtverordneten.

BaustilBearbeiten

Die St.-Jacobi-Kirche ist ein Beispiel für die konsequente Anwendung des altchristlichen Basilikenbaus. Der Entwurf für diese frühchristlich byzantinische – das heißt italienisch-frühromanische – Basilika stammt vom Leiter der preußischen Oberbaudeputation, Friedrich August Stüler, dem Nachfolger Karl Friedrich Schinkels und Jürgen Emmerich.[1] Gustav Holtzmann wurde mit der Bauausführung betraut.

Es entstand eine Gesamtanlage mit einer dreischiffigen Basilika und einem an der nordwestlichen Ecke stehenden Campanile, mit Atrium und verbindenden Arkadengängen sowie symmetrischen Nebenbauwerken an der Straßenseite, die 1859 (Pfarrhaus) bzw. 1865/1866 (Predigerhaus) errichtet wurden.

InneresBearbeiten

Ursprünglich wurde das Hauptschiff von Säulenreihen in zwei Geschossen übereinander getragen, von korinthischen und dorischen Säulen über und unter den Emporen, die die ganze Tiefe der Seitenschiffe ausfüllten. Zwei Reihen von Bibelsprüchen waren als Schmuck entlang der Innenwände der ganzen Kirche angebracht. Ein blaugrundiger Sternenhimmel schmückte die Apsis. 1882 wurde der Innenraum renoviert, 1906 erfolgte eine Umgestaltung. Das Gestühl, bisher in Längsrichtung, wurde in Richtung auf den neuen Standort der Kanzel umorientiert.

 
Statue des Kirchenpatrons

Die Apsis, in der sich der Altar und ein rundbogig gerahmtes Ölbild befanden, wurde unter der nun hell gestrichenen Einwölbung mit einem umlaufenden starkfarbigen Mosaik belegt, das den segnenden Jesus in der Mitte der Apostel Petrus, Paulus, Johannes und Jakobus zeigte.

Die im Atrium aufgestellte Sandsteinplastik, ein Werk des Berliner Bildhauers Emil Hopfgarten, ist ein Geschenk des königlichen Patrons zur Einweihung 1845.

Das Gotteshaus seit dem Wiederaufbau 1957Bearbeiten

Am 3. Februar 1945 wurde die Kirche bei einem schweren Luftangriff zerstört. Leicht beschädigt erhalten blieben nur die Wohnhäuser, der Turm und das Atrium. Von 1947 bis 1957 fanden die Gottesdienste in einer neben der Ruine errichteten Notkirche statt. 1953 begann der Wiederaufbau mit der Beseitigung der Schäden am Campanile. Im April 1957 wurde die im Außenbau historisch getreu wiederhergestellte Kirche geweiht.

Die St.-Jacobi-Kirchengemeinde wurde 1981 mit der geteilten Luisenstadt-Kirchengemeinde vereinigt. 2013 schlossen sich die Gemeinden der Melanchthonkirche, der Kirche St. Simeon und der Jacobikirche zur Evangelischen Kirchengemeinde in Kreuzberg-Mitte zusammen.[4]

Der Innenraum wurde von den verantwortlichen Architekten Paul Emmerich und dessen Sohn Jürgen stark vereinfacht: Die Emporen fehlen nun ganz, die Arkaden wurden auf Seitenschiffhöhe gebracht, die ohne Kapitell in Mauerpfeiler quadratischen Grundrisses übergehen. In der unzerstörten Apsis ist die Mosaikdarstellung des segnenden Christus erhalten geblieben.

OrgelBearbeiten

Die Orgel wurde 1959 von der Firma E. F. Walcker & Cie. errichtet. Die 40 Register des Instruments verteilen sich auf drei Manuale und Pedal. Die Spieltrakturen der Schleifladen sind mechanisch, die Registertrakturen sind elektropneumatisch. Die Disposition lautet:

I Rückpositiv C–
1. Gedackt 8′
2. Gemshorn 4′
3. Prinzipal 2′
4. Quinte 113
5. Spitzflöte 1′
6. Terzzimbel III
7. Krummhorn 8′
II Hauptwerk C–
08. Pommer 16′
09. Prinzipal 08′
10. Rohrflöte 08′
11. Gemshorn 08′
12. Großnasard 0513
13. Oktave 04′
14. Blockflöte 04′
15. Quinte 0223
16. Schweizer Pfeife 02′
17. Mixtur V–VI
18. Trompete 08′
III Schwellwerk C–
19. Koppelflöte 08′
20. Schwebung 08′
21. Prinzipal 04′
22. Nachthorn 04′
23. Hohlquinte 0223
24. Bachflöte 02′
25. Terz 0135
26. Quinte 0113
27. Scharff V
28. Dulcian 16′
29. Rohrschalmei 08′
Pedal C–
30. Praestant 16′
31. Subbass 16′
32. Oktavbass 08′
33. Gedacktpommer 08′
34. Rohrpfeife 04′
35. Spillflöte 02′
36. Mixtur VI
37. Bombarde 32′
38. Posaune 16′
39. Trompete 08′
40. Clairon 04′

LiteraturBearbeiten

  • Matthias Hoffmann-Tauschwitz: Alte Kirchen in Berlin. 33 Besuche bei den ältesten Kirchen im Westteil der Stadt. Wichern-Verlag: Berlin 2. überarb. Aufl. 1991; ISBN 3-88981-048-9; S. 274–281.
  • Matthias Hoffmann-Tauschwitz: Wege zu Berliner Kirchen. Vorschläge zur Erkundung kirchlicher Stätten im Westteil Berlins. Wichern-Verlag: Berlin 1987; ISBN 3-88981-031-4; S. 57 f.
  • Günther Kühne/Elisabeth Stephani: Evangelische Kirchen in Berlin. CZV-Verlag: Berlin 2. Aufl. 1986; ISBN 3-7674-0158-4; S. 58 f.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Marina Wesner: Kreuzberg und seine Gotteshäuser. Berlin-Story Verlag, Berlin 2007, ISBN 3-929829-75-4, auf www.googlebooks.de; abgerufen am 10. April 2016.
  2. Magistrat von Berlin (Hrsg.): Bericht über die Gemeinde-Verwaltung der Stadt Berlin … Berlin 1853, S. 47, Online in der Google-Buchsuche
  3. Aus Seite 1 eines Briefes, den Therese Brandin am 27. Januar 1897 an Pastor Heußinger schrieb.
  4. Drei Gemeinden feiern ihre Vereinigung. In: Der Tagesspiegel, 21. Mai 2013.

Koordinaten: 52° 30′ 16″ N, 13° 24′ 23″ O