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Emmauskirche (Berlin)

Kirchengebäude in Berlin
Emmauskirche
Berlin-kreuzberg emmauskirche 20050309 380.jpg
Adresse Berlin-Kreuzberg,
Lausitzer Platz
Konfession evangelisch
Gemeinde Emmaus-Ölberg Kirchengemeinde
Aktuelle Nutzung Gemeindekirche; Kulturort
Alte Kirche
Baubeginn 1891
Fertigstellung 1893
Einweihung 27. August 1893
Stil Rundbogenstil
Architekt August Orth
Neues Kirchenschiff
Baubeginn 1957
Fertigstellung 1959
Einweihung 6. Dezember 1959
Stil Nachkriegsmoderne
Architekten Werner und Ludolf v. Walthausen

Die Emmauskirche (auch Emmaus-Kirche) der Evangelischen Emmaus-Ölberg-Kirchengemeinde im Kirchenkreis Berlin Stadtmitte der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz wurde nach Plänen und unter Leitung von August Orth von 1890 bis 1893 am Lausitzer Platz im Berliner Ortsteil Kreuzberg erbaut. Sie bildete mit dem gegenüberliegenden, ebenfalls von August Orth geplanten Görlitzer Bahnhof ein Bauensemble. Das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirchenschiff wurde abgetragen, ebenso die Annexe des Kirchturms. Ende der 1950er Jahre wurde ein neues Kirchenschiff gebaut.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Die Emmaus-Gemeinde war zunächst eine Tochter der St.-Thomas-Gemeinde. 1872 wurde zunächst eine Notkirche auf dem Lausitzer Platz aufgebaut, um der künftigen neuen Gemeinde eine eigene Gottesdienstmöglichkeit zu bieten. Am 1. April 1887 trennte sich die Gemeinde formell von der St.-Thomas-Gemeinde. Bei der Gründung hatte die Emmaus-Gemeinde rund 70.000 Mitglieder. Die Wahlen zum Reichstag 1877 brachten einen Stimmenzuwachs für die Sozialdemokraten in diesem Stadtgebiet. Dies führten die Herrschenden auf die sinkende Bindung des Volkes zur Kirche zurück. Die zunehmende Armut und Proletarisierung der Bevölkerung hatte massenhafte Kirchenaustritte zur Folge. Die Herrschenden versuchten ihren Einfluss durch Unterstützung der Kirche der Altpreußischen Union wieder zu verstärken und förderten deshalb den Bau großer Kirchen. Die Kreissynode stellte 200.000 Mark für den Bau einer Kirche zur Verfügung, der Magistrat übernahm die gleiche Summe und stellte das Grundstück auf dem Lausitzer Platz zur Verfügung. Am 5. Juni 1890 war die Grundsteinlegung. Wegen Einspruchs der für die Prüfung der Baustatik zuständigen Bauakademie und der Baupolizei musste die Bauausführung bis zum Frühjahr 1891 ausgesetzt werde. Am 27. August 1893 war die Einweihung der Kirche. Auf den Kirchenbänken fanden 2400 Personen Platz. Beim Gottesdienst sang der Königliche Hof- und Domchor.

Im Jahr 1944 wurden durch die Detonationen von Bomben in der Nähe der Kirche deren Fenster zerstört. Im Winter war sie dadurch unbenutzbar. Am 3. Februar 1945 brannte das Kirchenschiff nach einem Luftangriff vollständig aus. Die Gottesdienste fanden nun im Luftschutzkeller der Kirche statt. Seit dem 1. Juli 1949 wurde das Kirchenschiff und die Annexe des Turms wegen Einsturzgefahr abgetragen. Nur der Turm mit dem Mosaik über dem Eingangsportal blieb erhalten.

Von 1957 bis 1959 wurde ein neues Kirchenschiff mit nur noch 500 Plätzen errichtet, das am 6. Dezember 1959 eingeweiht wurde. Die Vorplanung machte Werner v. Walthausen, die Bauausführung lag in den Händen von Ludolf v. Walthausen. Von 1990 bis 1995 wurde nach Plänen von Wulf Eichstädt der Kirchturm für Gemeindeaktivitäten, Büros und eine Pfarrdienstwohnung umgebaut. Am 27. August 1995 fusionierte die Emmaus-Gemeinde mit der naheliegenden Ölberg-Gemeinde zur Emmaus-Ölberg Kirchengemeinde.

ArchitekturBearbeiten

Alte KircheBearbeiten

Orth entwarf ein Kirchengebäude, das eine Synthese aus Längs- und Zentralbau war. Den ganzen Raum, außer dem Chor, füllten Emporen auf zwei Ebenen. Den Kern des Baus bildete ein Oktogon, in dessen Mitte die Kanzel angeordnet war. Auf acht freistehenden Bündelpfeilern ruhte eine Kuppel, durch deren seitliche Fenster Tageslicht fiel. Eine kleine Laterne zierte die Kuppel außen. An fünf Seiten des Achtecks schlossen sich Apsiden an. Die mittlere in Längsachse der Kirche war der Altarraum. An den drei übrigen Seiten des Oktogons schloss sich ein dreischiffiges Langhaus von vier Achsen an. Diesem war der 74 Meter hohe, von polygonalen Gebäudetrakten eingefasste Turm mit dem Portal vorgelagert. Über dem Eingang gestaltete Paul Mohn ein Mosaik mit Christus und den Emmaus-Jüngern und dem Spruch: „Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden“. Gefertigt wurde es von der Deutschen Glasmosaik-Gesellschaft Puhl & Wagner, damals in Rixdorf.

Neues KirchenschiffBearbeiten

Zwischen 1957 und 1959 entstand nach Plänen von Werner von Walthausen eine Saalkirche mit abgestumpften Stirnwänden in axialer Ausrichtung. Sie ist nach Norden vom Turm abgerückt. Ihre Grundfläche entspricht annähernd der des alten Kirchenschiffs. Mit dem Turm ist sie nur durch eine Galerie verbunden. Der Dachfirst des Satteldachs bleibt mit 16 Metern unter der Höhe des Portals. Die Seitenwände sind durch schmale, traufhohe Fensterbänder gestaffelt, die schräg angeordnet sind. Im Sommer 1998 wurden die Kirchenbänke durch Stühle ersetzt.

AusstattungBearbeiten

GlockenBearbeiten

Im Turm hängen drei Gussstahlglocken der Glockengießerei Bochumer Verein. In einer Inventarliste der Gießerei sind folgende Angaben zu finden: das dreistimmige Geläut kam in je eine Glockenstube, die nebeneinander angeordnet sind und ein regelmäßiges Achteck ergeben. Die Herstellung aller drei Glocken samt Zubehör wie Klöppel, Achsen, Lager und Läutehebel kostete 7160 Mark.[1]

Größe Gießjahr Schlag­ton Gewicht (kg) unterer Durch­messer (mm) Höhe (mm) Inschrift Anmerkung
größte 1892 b0 2550 1885 1655 EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE / UND FRIEDE AUF ERDEN / UND DEN MENSCHEN EIN WOHLGEFALLEN.
mittlere 1964 des1 2010
(1560)
1680
(1570)
1380 + KOMMT, DENN
ES IST ALLES BEREIT +
Die erste mittlere Glocke wurde ebenfalls 1882 hergestellt (Daten in Klammern) und musste offenbar später erneuert werden.[1]
kleinste 1892 f1 1019 1385 1185 EIN FESTE BURG IST UNSER GOTT / SEIN REICH MUSS DOCH BLEIBEN.

OrgelBearbeiten

Die Emmauskirche besitzt eine besondere Orgel, bei der eine Pfeifenorgel mit einer elektronischen Orgel kombiniert wurde.

Die Pfeifenorgel wurde 2002 eingeweiht. Das Instrument wurde 1960 von dem Orgelbauer G. A. C. de Graaf für die Noach-Kerk in Amsterdam gebaut, und nach deren Profanierung nach Berlin verkauft. Die Pfeifen-Orgel hat 22 Register auf zwei Manualen und Pedal. Das erste Manual ist ein Koppelmanual. In den Jahren 2002–2004 wurde das Instrument um 24 elektronische Register erweitert.[2]

II Hauptwerk C–g3
1. Prestant 08′
2. Rohrflöte 08′
3. Viola di Gamba 08′
4. Oktave 04′
5. Flöte 04′
6. Nasard 0223
7. Gemshorn 02′
8. Mixtur IV
9. Trompete 08′
III Brustwerk C–g3
10. Holpijp 08′
11. Spielflöte 04′
12. Prestant 02′
13. Quinte 0113
14. Tertz 0135
15. Oktave 01′
16. Krummhorn 08′
Tremulant
Pedal C–g1
17. Subbass 16′
18. Gemshorn 08′
19. Nachthorn 04′
20. Spitzgedeckt 02′
21. Fagott 16′
22. Klaroen 04′
HW elektronisch
Sektion A
Bordun 16′
Hohlflöte 08′
Gedackt 04′
Trompete en ch. 16′
Trompete 04′
Sektion B
Bordun 16′
Konzertflöte 08′
Spitzflöte 04′
Trompete 16′
Cornett V
BW elektronisch
Sektion A
Prinzipal 08′
Oktave 04′
Gemshorn 02′
Mixtur III
Dulcian 16′
Sektion B
Flauto traverso 16′
Holzflöte 08′
Gambe 08′
Salizional 08′
Flauto traverso 04′
Pedal elektronisch
Contrabass 32′
Prinzipal 16′
Bombarde 32′
Regal 16′
  • Koppeln: Koppelmanual für die Pfeifenorgel (II, III/I), II/P, III/P

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Emmauskirche (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Zusammenstellung der nach Berlin und Umgegend gelieferten Geläute; Bochumer Verein, um 1900. Im Archiv der Köpenicker Kirche St. Josef, eingesehen am 6. August 2019.
  2. Eine neue Orgel in Emmaus

Koordinaten: 52° 29′ 59,4″ N, 13° 25′ 51,7″ O