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GeographieBearbeiten

Das Dorf Sindersfeld mit seinen knapp 400 Einwohnern (282 Einwohner im Jahr 1939) liegt rund 7 km nordwestlich von Kirchhain und an den südlichen Ausläufern des Burgwaldes. Die nördliche Grenze zu Sindersfeld bildet die Stadt Rauschenberg, im Süden von Sindersfeld liegt der Kirchhainer Stadtteil Anzefahr. Sindersfeld liegt in einer Höhe von 280 m und zählt so mit den Dörfern Emsdorf, Burgholz und Himmelsberg zu den höchstgelegenen Punkten der Stadt Kirchhain.

GeschichteBearbeiten

Die erstmalige historische Erwähnung von 1241 als Sindelasfelt erfolgte anlässlich einer Schenkung durch Dietrich von Sindersfeld an das Kloster Haina. Sindersfeld war 1267 hessisches Lehen und wurde später Bestandteil des mainzischen Amtes Amöneburg.

In erhaltenen Urkunden wurde Sindersfeld unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]: Sindelasfelt (1241); Sindelatsfelde (1254); Sindelagesfelt (1259); Sindelarsvelde (1264); Sindelosfelde (1289); Syndersfelden (1300); Synderatsfelde (1324); Sindirsfelde (1394); Symmersfeld (1500); Sindersfelden (1571)

Am 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Sindersfeld im Rahmen der Gebietsreform in Hessen in die Stadt Kirchhain eingegliedert.[3]

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Sindersfeld lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][4]

Gerichte seit 1821Bearbeiten

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. Der Kreis Kirchhain war für die Verwaltung und das Justizamt Rauschenberg war als Gericht erster Instanz für Sindersfeld zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[6]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Justizamt Rauschenberg 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Rauschenberg. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[7] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Rauschenberg. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[8]

Das Amtsgericht Rauschenberg wurde 1932 geschlossen. Sein Bezirk ging im Bezirk des Amtsgerichts Kirchhain auf. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[1]

• 1585: 14 Hausgesesse
• 1664: 15 Hausgesesse
• 1838: 279 Einwohner (29 nutzungsberechtigte, 11 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 3 Beisassen).
• 1961: 259 römisch-katholisch, 2 evangelisch-lutherisch, 1 evangelisch-reformierter Einwohner. Erwerbspersonen: 75 Land- und Forstwirtschaft, 57 Produzierendes Gewerbe, 13 Handel und Verkehr, 14 Dienstleistungen und Sonstiges.
Sindersfeldwidth=450: Einwohnerzahlen von 1747 bis 1967
Jahr  Einwohner
1747
  
114
1834
  
246
1840
  
257
1846
  
290
1852
  
266
1858
  
241
1864
  
276
1871
  
227
1875
  
215
1885
  
211
1895
  
228
1905
  
225
1910
  
222
1925
  
228
1939
  
281
1946
  
379
1950
  
326
1956
  
319
1961
  
322
1967
  
341
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1861: 259 römisch-katholische, 2 evangelisch-lutherisch, ein evangelisch-reformierter Einwohner
• 1885: 4 evangelische (= 1,90 %), 207 katholische (= 98,10 %) Einwohner
• 1961: 5 evangelische (= 1,55 %), 310 katholische (= 96,27 %) Einwohner

ErwerbstätigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1838: Familien: 15 Ackerbau, 14 Gewerbe, 9 Tagelöhner.
• 1961: Erwerbspersonen: 172 Land- und Forstwirtschaft, 133 Produzierendes Gewerbe, 26 Handel und Verkehr, 20 Dienstleistungen und Sonstiges.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Pfarrkirche Sindersfeld

Die 1913 errichtete katholische Kirche ist weithin sichtbar und dürfte zu den interessantesten Kirchen in der Umgebung zählen. Die heutige Kirche wurde Anfang des 20. Jahrhunderts an Stelle einer Kapelle erbaut, über deren Aussehen heute nichts mehr bekannt ist. Die Kirche ist dem Heiligen Matthäus geweiht und gehört zu den wenigen Sakralbauten in dieser Gegend, die im Jugendstil errichtet wurden. In den letzten Jahren wurde das Gebäude innen und außen renoviert. Die helle großzügige Kirche zeigt in dem Medaillon über dem Hochaltar die Abnahme des Gekreuzigten vom Kreuz. Der Volksaltar wurde in den 1970er-Jahren aus Elementen der Kommunionbank errichtet.[9]

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist das Sindersfelder Sühnekreuz. Einer Sage nach sollen zwei Bauern in Streit geraten sein, in dessen Verlauf einer den anderen mit dem Pflugsech (früherer Teil eines Pfluges) erschlug. Das Sühnekreuz steht etwa 400–500 Meter nordöstlich des Dorfes am Waldrand.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g Sindersfeld, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Haushaltsplan 2018. In: Internetauftritt. Stadt Kirchhain, S. 3, archiviert vom Original; abgerufen im Mai 2018.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 402.
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223–224.
  6. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  7. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  8. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)
  9. Kirchengemeinde St. Matthäus, Sindersfeld. Pastoralverbund St. Bonifatius Amöneburg, abgerufen am 6. August 2009.