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Simplon-Orient-Express

britische Organisation
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Werbeplakat für den Simplon-Orient-Express

Der Simplon-Orient-Express der Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL, Schlafwagengesellschaft) auf der Strecke Paris-Simplontunnel-Venedig-u. a. verkehrte als Luxuszug aus Schlafwagen und einem Speisewagen je Wagenklasse täglich etwa von 1920 bis 1939/40. Nach dem Zweiten Weltkrieg wagte sich erst in den 1980er ein Unternehmen, allerdings nicht mehr täglich, erneut an Teile dieser europaweiten Form einer luxuriösen Zugverbindung zwischen London und Venedig bzw. Istanbul.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs knüpfte die CIWL an die Geschichte des Orient-Express an. Nun war es aber nicht mehr das Hauptziel der Planungen, Istanbul über München und Wien zu erreichen. Die Verursacher des Kriegs, Deutschland und Österreich, sollten an der Verbindung nicht beteiligt werden. Die CIWL war anfangs vom Erfolg des neuen Zuglaufs nicht überzeugt.[1] Als ein für den Zugverkehr wichtiges Ergebnis der Pariser Friedenskonferenz 1919 und der begleitenden Verhandlungen wurde die Verbindung an den Aggressorstaaten vorbei über den Simplontunnel, Oberitalien und Triest geführt. Für Venedig begann mit dem Simplon-Orient-Express eine Blütezeit des (Eisenbahn-)Tourismus. Viele der Reisende waren dort am Ziel ihrer Urlaubsreise.[2]

Am 11. April 1919 verkehrte erstmals der Simplon-Orient-Express von Paris über die Schweiz, den Simplontunnel und Mailand bis nach Triest. Ab Januar 1920 fuhr der Simplon-Orient-Express durchgehend bis Belgrad und im Sommer des gleichen Jahres bis Istanbul der jungen türkischen Republik sowie mit Kurswagen nach Bukarest. Ein Jahr später erhielt der Zug auch einen Schlafwagen nach Athen, das damit erstmals eine umsteigefreie Bahnverbindung von und nach Westeuropa erhielt.

Um den Simplon-Orient-Express herum entstand in den Folgejahren ein ganzes System von Zubringerzügen mit Kurswagen (bedeutend für den Verkehr mit England die Wagen von Calais, auch mit Athen, Ostende und Straßburg). Ab 1932 bestand schließlich ein System aus drei verschiedenen Zugläufen in Richtung Istanbul, alle ausgehend von Paris, das bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges Bestand hatte.[3] Der Endbahnhof am Goldenen Horn liegt direkt unterhalb des Sultanspalastes Topkapı Sarayı nahe an der Brücke zum Europäer-Viertel Pera um das Wahrzeichen des Galata-Turms. Hier bot eine elektrische Straßenbahn der Stadt den direkten Transfer in die Hotels, Botschaften etc.

Ab 1930 bestand der per Fähre über den Bosporus am Bahnhof Istanbul Haydarpaşa erreichbare Anschluss an den Taurus-Express nach Aleppo und Rayak (Libanon), der ebenfalls unter Regie der CIWL betrieben wurde.

Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs verkehrte vom Simplon-Orient-Express für wenige Monate nur ein Zugrest bis Oktober 1940 zwischen Lausanne und Istanbul. Der Abschnitt ab Paris war bereits gegen Ende des deutschen Westfeldzugs eingestellt worden.[4]

Nach dem 2. Weltkrieg verkehrte auf der Strecke bis 1962 ein herkömmlicher Schnellzug unter Regie der beteiligten Staatsbahnen. Und es blieben von dem ehemaligen Zubringernetz bis 1977 einige Schlafwagenkursläufe übrig.

 
Zugbildung des Simplon-Orient-Express 1921 im Abschnitt Mailand-Triest







LaufzeitenBearbeiten

 
Der CIWL-Zug Flèche d’Or/Golden Arrow bringt Reisende von der Fähre aus Calais zur Bahnstation Paris-Nord, 1927

Der Simplon-Orient-Express fuhr als einziger Zug des Orient-Express-Systems in der Zwischenkriegszeit täglich. In Paris verkehrte er abends ab dem Gare de Lyon, wo die mit dem Flèche d’Or kommenden Kurswagen von Calais zugestellt wurden. Über Dijon, den Genfer See, Lausanne und Sitten erreichte er Brig und durchfuhr den namensgebenden Simplontunnel.

Am nächsten Morgen erreichte er Stresa und fuhr über Mailand, Venedig. Von dort weiter nach Triest. Hinter Triest begann die zweite Nachtstrecke, die über Ljubljana, Zagreb und Vinkovci nach Belgrad führte. In Vinkovci wurde der Zugteil nach Bukarest ausgesetzt, der dorthin unter Umgehung ungarischen Gebiets über Subotica und Timișoara geführt wurde.[5]

Die Wagen nach Athen wurden an einen normalen Schnellzug abgegeben. Der Simplon-Orient-Express erreichte schließlich über Sofia bei Svilengrad die Türkei. Nach der dritten Nacht wurde in Istanbul der Bahnhof Sirkeci erreicht.

Bei seiner Einführung war der Simplon-Orient-Express aufgrund der nach dem Krieg heruntergewirtschafteten Strecken und der zeitraubenden, gegenüber der Vorkriegszeit erheblich ausgeweiteten Pass-, Zoll- und Devisenkontrollen eine Nacht und einen Tag länger unterwegs als der Orient-Express im letzten Friedensfahrplan von 1914.

UnfälleBearbeiten

Der folgenschwerste Unfall traf einen Simplon-Orient-Express genannten Fernzug am 21. Oktober 1957. Kurz hinter Istanbul stieß er frontal mit einem Nahverkehrszug zusammen. In dem Regionalzug starben 95 Menschen und wurden 150 verletzt.

 
1983 im Gare d Austerlitz, Paris

Venice-Simplon-Orient-Express (VSOE, Belmond, LVMH)Bearbeiten

Die Neuauflage als Luxuszug, allerdings nur monatlich einmal angeboten und nicht von CIWL, startet 1982 als Venice-Simplon Orient-Express (VSOE). Das war ein von James Sherwood (Jg. 1933, englischer Unternehmer aus New Castle, Pennsylvania, war auch im Bahngeschäft aktiv) initiiertes Unternehmen. Teilstrecken sind Boulogne-sur-Mer bzw. Calais (beide von/zu den Fähren nach England) nach Paris (Gare de l'Est), Innsbruck bzw. anfangs via Simplon-Strecke nach Mailand, Verona, zum Zielort Venedig. Der Anbieter erweiterte das „Abenteuer“ durch eine maritime Kombination im Mittelmeer per Schiff unter der Bezeichnung Orient-Express (Piräus und Istanbul). Betreiber ist die britische Gesellschaft Belmond Ltd., die seit 2018 zu Moët Hennessy Louis Vuitton (LVMH) gehört.[6]

Ähnlich lautende ZugnamenBearbeiten

Zur Abgrenzung der Zugläufe ähnlich lautender Zugnamen und ihrer Bedeutung siehe auch die Artikel:

  • Balt-Orient-Express, Schnellzug, vom Ende der 1940er Jahre an zwischen Schweden und Istanbul, seit 1962 — 1995 ab Berlin
  • Istanbul-Express, ab 1965, DB
  • Rome-Express, 1883 — 1939, CIWL
  • Sud-Express, ab 1887, CIWL. (F – anfangs bis Madrid)
  • Parallel zum Simplon-Orient-Express verkehrte ab 1921 als Direct Orient ein normaler D-Zug Paris-Triest, der Sitzwagen führte.[7]
  • TEE Cisalpin, Paris — Mailand, 1961—1984. Zwischenhalte waren Dijon, Vallorbe (ab 1962), Lausanne, Brig und Domodossola.

Zur Verarbeitung des Zugnamens in Romanen, Filmen und ähnlichem beachte den entsprechenden Artikelabschnitt über den Orient-Express.

LiteraturBearbeiten

  • Wilfried Biedenkopf: Quer durch das alte Europa. Die internationalen Zug- und Kurswagenläufe nach dem Stand vom Sommer 1939. Verlag und Büro für Spezielle Verkehrsliteratur Röhr, Krefeld 1981, ISBN 3-88490-110-9.
  • Albert Mühl, Jürgen Klein: Reisen in Luxuszügen. Die Internationale Schlafwagen-Gesellschaft. EK-Verlag, Freiburg im Breisgau 2006, ISBN 3-88255-696-X.
  • Werner Sölch: Orient-Express. Glanzzeit und Niedergang und Wiedergeburt eines Luxuszuges. 4. Auflage. Alba, Düsseldorf 1998, ISBN 3-87094-173-1.

Fernseh-DokumentationBearbeiten

Von Louis Pascal Couvelaire, Regie, erschien 2018 von arte, Straßburg, die 90-Minuten-Dokumentation „Der Orient-Express - Vintage auf Schienen“, die neben der Geschichte und den Werkstätten der Restaurierungen zeigend, mit dem Historiker Arthur Mettetal nach dem Verbleib des Wagenmaterials in ganz Europa forschte.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Albert Mühl: Internationale Luxuszüge. EK-Verlag, Freiburg im Breisgau 1991, S. 106.
  2. vgl. Arthur Mettetal, 2018
  3. W. Biedenkopf: Quer durch das alte Europa. Krefeld, 1981, S. 10 ff.
  4. Chronologie des Orient-Expresses bei trains-worldexpresses.com, abgerufen am 18. März 2019 (englisch).
  5. W. Biedenkopf: Quer durch das alte Europa. Krefeld 1981, S. 10 ff.
  6. Venice Simplon Orient-Express sold to owner of Christian Dior and Louis Vuitton — LVMH acquires Venice’s Hotel Cipriani and Hotel Splendido in Portofino as part of £2.5bn deal. theguardian-online, Meldung im Wirtschaftsteil am 14. Dez. 2018
  7. W. Sölch: Orient-Express, Düsseldorf, 1998, S. 43 ff.