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Schottenstein (Itzgrund)

Ortsteil von Itzgrund

Schottenstein ist ein Ortsteil der oberfränkischen Gemeinde Itzgrund im Landkreis Coburg.

Schottenstein
Gemeinde Itzgrund
Koordinaten: 50° 9′ 11″ N, 10° 53′ 45″ O
Höhe: 315 m ü. NN
Einwohner: 494 (2004)[1]
Eingemeindung: 1. Mai 1978
Postleitzahl: 96274
Vorwahl: 09533
Schottenstein
Schottenstein

GeographieBearbeiten

Schottenstein liegt südwestlich von Coburg, etwa 13 Kilometer entfernt. Der Ort befindet sich im Itz-Baunach-Hügelland und hat eine ausgeprägte Hanglage westlich des Itzgrundes. Die Höhendifferenz beträgt 75 Meter. Im oberen Dorfteil, dem hochmittelalterlichen Siedlungskern, liegen drei ehemalige Ansitze und die Pfarrkirche, der untere Dorfteil, Wölkendorf, befindet sich in der Talaue der Itz und der mittlere, jüngste Teil steht im Unterhangbereich. Durch Schottenstein führt die Kreisstraße CO 5 von Bodelstadt nach Welsberg.

GeschichteBearbeiten

Schottenstein wurde 1126 erstmals als Stein urkundlich erwähnt. Das namensgebende Adelsgeschlecht derer von Schott ist erstmals für 1239 belegt.[2] Die von Schott spalteten sich in mehrere Linien auf, mit jeweils einem Ansitz in Schottenstein.

Eine Kapelle des heiligen Pankratius ist für 1354 erwähnt, eine selbständige Pfarrei für 1358. Im 16. Jahrhundert übernahmen die von Lichtenstein die Dorfherrschaft. 1626 gab es drei Schlossanlagen, das südlich von der Kirche stehende Mittlere Schloss, das westlich befindliche Untere Schloss, von dem es noch Grundmauern gibt, und das Obere Schloss, das als Burgstall noch wahrnehmbar ist. Das Untere und das Obere Schloss und große Teile des Dorfes wurden 1634 im Dreißigjährigen Krieg zerstört.[2]

Ende des 18. Jahrhunderts standen in Schottenstein 64 Häuser. Die Grundherrschaft besaßen bei 23 Höfen das würzburgische Amt Seßlach und bei 29 Höfen die Herren von Greiffenclau-Vollrads. Zwei Höfe gehörten denen von Lichtenstein-Lahm und vier Höfe denen von Hendrich. Vier Häuser und die Schmiede waren Gemeindeeigentum. 1818 lebten in dem damaligen Bauern- und Handwerkerdorf 411 Personen in 84 Wohnhäusern.[2]

1870 wurden vier Brauereien eröffnet, zu denen auch Gasthöfe gehörten. Eine stellte den Brauereibetrieb 1878 ein, die Brauereien Schleicher und Späth 1950 und die Brauerei Tischer 1958. Es existiert noch der Gasthof Schleicher.[3]

1925 hatte das Dorf 497 Einwohner und 110 Wohnhäuser. In der Gemeinde, die auch Bodelstadt und Schenkenau umfasste, lebten 568 Personen, von denen 548 der evangelisch-lutherischen Kirche angehörten.[4] Im Jahr 1987 hatte das Dorf 378 Einwohner und 118 Wohnhäuser mit 138 Wohnungen.[5]

Am 1. Juli 1972 wurde der Landkreis Staffelstein aufgelöst. Seitdem gehört Schottenstein zum Landkreis Coburg. Im Zuge der bayerischen Gebietsreform verlor Schottenstein am 1. Mai 1978 seine Selbstständigkeit als Gemeinde und wurde, wie seine Ortsteile, das Dorf Bodelstadt und die Einöd Schenkenau, ein Gemeindeteil der Gemeinde Itzgrund.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohnerzahl
1818 411[2]
1875 559[6]
1900 514[7]
1925 497[4]
1950 602[8]
1970 451[9]
1987 378[5]
2004 494[1]

DorfstrukturBearbeiten

Das Ortsbild Schottensteins wird durch seine ausgeprägte Hanglage bestimmt. Unbebaute Hangbereiche sind zumeist mit Streuobstwiesen bepflanzt.

Das Zentrum des Dorfes, das Oberdorf, liegt auf der Hangkante. Dort steht bzw. standen die Schlösser. Die Häuser entlang der Straße sind giebelständig angeordnet. Hangabwärts schließen sich im Oberdorf die meisten Gebäude mit besonderen Funktionen an, wie beispielsweise die Kirche, die Obere Schule und das ehemalige Würzburger Hofhaus.

Der meist vorkommende historische Haustyp ist das erdgeschossige Wohnstallhaus oft in Fachwerk, mit Satteldach oder Halbwalmdach, der im Itzgrund für Kleinbauern und Bauern-Handwerker typisch ist. Die oft giebelständigen Fachwerkhäuser sind häufig mit Schiefer verkleidet. Viele Höfe besitzen einen Walnussbaum als Hofbaum.

 
St. Pankratiuskirche

KircheBearbeiten

Die evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Pankratius ist eine Saalbaukirche, deren Kirchenschiff 1703 errichtet und 1842 baulich verändert wurde. Der spätgotische Westturm wird auf das Jahr 1499 datiert und erhielt 1603 einen hohen Spitzhelm mit vier Ecktürmchen. Von der Ausstattung sind die farbig gefasste Kanzel aus dem 18. Jahrhundert und die Kassettendecke erwähnenswert. Besonderheiten sind am Turn zwei Plastiken, ein Ritter mit Standarte und Wappen in voller Rüstung und ein stierähnliches Tier, über dem sich ein menschlicher Kopf mit Antlitz befindet.[10]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Schottenstein (Itzgrund) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Müllers Großes Deutsches Ortsbuch. Saur, München 2007, ISBN 978-3-598-24663-0.
  2. a b c d Thomas Gunzelmann: Denkmalpflegerischer Erhebungsbogen Schottenstein. In: Arbeitshefte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Denkmalpflege und Dorferneuerung. München 1999, ISBN 3-87490-693-0, S. 151–156.
  3. Wolfgang Vatke: Coburger Brauereien Stadt und Land. Veste-Verlag Roßteutscher, Coburg 2008, ISBN 978-3-925431-03-6, S. 208
  4. a b Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern, nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928, München, 1928
  5. a b Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987, München, 1991
  6. Vollständiges Ortschaften-Verzeichnis des Koenigreichs Bayern, ... mit einem General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Decbr. 1875 bearbeitet vom kgl. Statistischen Bureau in München, München, 1876
  7. Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister, München, 1904
  8. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950, München, 1952
  9. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, München 1973
  10. Lothar Hofmann: Denkmale Region Coburg – Neustadt – Sonneberg: Orte der Einkehr und des Gebets. Historische Sakralbauten. Ein Führer durch die Kirchen der Landkreise Coburg und Sonneberg. Verlag Gerätemuseum des Coburger Landes, Ahorn 2007, ISBN 3-930531-04-6, S. 56