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Kaltenbrunn (Itzgrund)

Ortsteil von Itzgrund

Kaltenbrunn ist ein Ortsteil der oberfränkischen Gemeinde Itzgrund im Landkreis Coburg und der Sitz der Gemeindeverwaltung.

Kaltenbrunn
Gemeinde Itzgrund
Koordinaten: 50° 7′ 29″ N, 10° 52′ 45″ O
Höhe: 269 m ü. NN
Einwohner: 464 (2017)[1]
Eingemeindung: 1. Mai 1978
Postleitzahl: 96274
Vorwahl: 09533
Gemeindebackhaus von 1869
Gemeindebackhaus von 1869

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Das Pfarrdorf liegt etwa 16 Kilometer südwestlich von Coburg auf einem flachen Osthang des Itzgrunds. Östlich des Ortskernes verläuft die Bundesstraße 4. Die Staatsstraße 2278 führt nach Untermerzbach und die Staatsstraße 2204 nach Bodelstadt.

GeschichteBearbeiten

Schon im Hochmittelalter gab es im Itzgrund eine Geleitstraße, die von Nürnberg nach Erfurt führte. An der Straße lag der Ort Bennendorf, der wohl schon im 8. Jahrhundert existierte. Er wurde im 9. Jahrhundert erstmals in den Traditionen des Klosters Fulda genannt, die auf einer Abschrift im Codex Eberhardi aus dem 12. Jahrhundert beruhen.[2] Eine urkundliche Erwähnung gab es 1227 als „Benindorf“.[3] Zwischen 1320 und 1350 wechselte der Ort seinen Namen zu Kaltenbrunn.[4]

Noch im 16. Jahrhundert hatte die Ansiedlung zwei Ortsteile, Gnendorf, dem Kloster Gleusdorf zehntpflichtig, und das größere Kaltenbrunn, wo schon 1288 das Untermerzbacher Adelsgeschlecht von Rotenhan die Dorfherren waren.[4]

Mit der Erhebung der Untermerzbacher Marienkapelle zu einer Pfarrkirche im Jahr 1439 erfolgte die Einpfarrung Kaltenbrunns dorthin. 1534 führten die Herren von Rotenhan die Reformation ein. 1675 kehrte die Merzbacher Linie zur katholischen Kirche zurück. In der Folge wurde 1691 in Kaltenbrunn eine katholische Pfarrei gegründet und nach Abbruch der Wolfgangskapelle zwischen 1745 und 1749 eine Pfarrkirche errichtet.[5] Die Protestanten gehörten ab 1824 zum Gleußener Kirchsprengel.

Die seit etwa 1700 bestehende Klosterbrauerei Kaltenbrunn kaufte 1890 der Gastwirt Heinrich Pfeuffer. 1932 ging sie an Fritz Feder über, 1966 wurde der Braubetrieb eingestellt. Die Brauerei Schleicher mit angeschlossenem Gasthaus besteht seit der Gründung im Jahr 1880 durch den Gastwirt Andreas Schleicher.[6]

Am 1. Oktober 1913 wurde Kaltenbrunn mit der Bahnstrecke Breitengüßbach–Dietersdorf an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Als einziger Streckenbahnhof war er mit einem Ausweichgleis ausgestattet. Der Personenverkehr wurde am 28. September 1975 eingestellt, am 27. September 1981 erfolgte die Gesamtstilllegung.

1914 wurde ein neues Schulhaus mit zwei Klassenzimmern und einer Lehrerwohnung errichtet. Mit der Eröffnung einer neuen Schule in Bodelstadt wurde die Schule in Kaltenbrunn 1966 geschlossen. In dem Gebäude ist seit 1980 die Gemeindeverwaltung untergebracht.[4]

1925 hatte das Dorf 54 Wohnhäuser und 287 Einwohner, von denen 31 der römisch-katholischen und 256 der evangelisch-lutherischen Kirche angehörten.[7] Im Jahr 1987 hatte Kaltenbrunn 347 Einwohner und 94 Wohnhäuser mit 123 Wohnungen.[8]

Die Wasserversorgung nahm 1957 den Betrieb auf, es folgte der Bau einer Kanalisation. Die Ortsumgehung der Bundesstraße 4 wurde 1964 dem Verkehr übergeben. Von etwa 1973 bis 1985 wurde eine Flurbereinigung durchgeführt.[4]

Zwischen 1959 und 1969 verübte der ortsansässige Manfred W. drei Morde an jungen Frauen und Mädchen in der Umgebung und verletzte eine weitere Frau schwer. Diese Taten führten damals zu einem hohen Bekanntheitsgrad des Ortes in den bundesweiten Medien. 2013 wurde er nach Verbüßung einer 43-jährigen Haftstrafe auf Bewährung in die Obhut einer Sozialeinrichtung für Senioren entlassen.[9]

Am 1. Juli 1972 wurde der Landkreis Staffelstein aufgelöst, die Nachbarorte Herreth und Merkendorf wurden in Kaltenbrunn eingegliedert. Seitdem gehört Kaltenbrunn zum Landkreis Coburg. Im Zuge der bayerischen Gebietsreform verlor es am 1. Mai 1978 seine Selbstständigkeit als Gemeinde und wurde, wie seine Ortsteile, das Pfarrdorf Herreth und der Weiler Merkendorf, ein Gemeindeteil der Gemeinde Itzgrund. Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Kaltenbrunn.[4]

Im Jahr 2017 wurde mit dem Baugebiet Kapellenfeld das Siedlungsgebiet Kaltenbrunns auf die östliche Seite der Bundesstraße 4 ausgedehnt.[10]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohnerzahl
1871 231[11]
1900 253[12]
1925 287[7]
1950 406[13]
1970 337[14]
1987 347[8]
2017 464[1]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Pfarrkirche St. Wolfgang

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Wolfgang wurde zwischen 1746 und 1749 in Anlehnung an Pläne von Johann Jakob Michael Küchel von Thomas Harra, Maurer- und Steinmetzmeister aus Ebern, und nach dessen Tod von Johann Tanzer errichtet. Es ist eine barocke Saalbaukirche mit einer Einturmfassade und einem eingezogenen Chor. Ein freistehender Hauptaltar mit Rokokotabernakel und eine reich ausgestaltete, barocke Kanzel mit Darstellungen von Moses und den Evangelisten schmückt den Innenraum.[5]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kaltenbrunn (Itzgrund) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Coburger Tageblatt, 22. August 2017
  2. Dorothea Fastnacht: Staffelstein - Ehemaliger Landkreis Staffelstein. Historisches Ortsnamenbuch von Bayern, Oberfranken, Band 5: Staffelstein. Kommission für Bayerische Landesgeschichte, München 2007, ISBN 978-3-7696-6861-2. S. 173.
  3. Georg Aumann, Karl-Ulrich Pachale: Die Itz. Schriftenreihe der historischen Gesellschaft Coburg e. V. Band 15, ISSN 0947-0344, S. 32.
  4. a b c d e Wilhelm Heubner: Kaltenbrunn, Bennendorf und Gnendorf im Wandel der Zeit. In Broschüre: 1225 Jahre Itzgrund, S. 20–23.
  5. a b Lothar Hofmann: Denkmale Region Coburg - Neustadt - Sonneberg: Orte der Einkehr und des Gebets. Historische Sakralbauten. Ein Führer durch die Kirchen der Landkreise Coburg und Sonneberg. Verlag Gerätemuseum des Coburger Landes, Ahorn 2007, ISBN 3-930531-04-6, S. 54.
  6. Wolfgang Vatke: Coburger Brauereien Stadt und Land. Veste-Verlag Roßteutscher, Coburg 2008, ISBN 978-3-925431-03-6, S. 202.
  7. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1158. (Digitalisat).
  8. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 299. (Digitalisat).
  9. Artikel "Der Kaltenbrunner Maedchenmoerder ist frei" vom 21. Juni 2013 auf infranken.de, abgerufen am 8. Mai 2016
  10. Bauplätze - Aktuelles - Gemeinde Itzgrund. In: archive.is. 22. September 2018 (archive.today [abgerufen am 22. September 2018]).
  11. kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1123., urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  12. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1121. (Digitalisat).
  13. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 999. (Digitalisat).
  14. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 152. (Digitalisat).