Hauptmenü öffnen

Schepsdorf ist ein Ort im Landkreis Emsland in Niedersachsen. Er gehört politisch zur Stadt Lingen (Ems). Zum ehemaligen Kirchdorf Schepsdorf gehörten die Orte und Bauerschaften Darme, Rheitlage, Lohne mit Nordlohne und der Gutsbezirk Herzford. Alle sechs bildeten zusammen auf einer Grundfläche von 9454 ha die Kirchen- und Schulgemeinde Schepsdorf. Die politische Gemeinde Schepsdorf-Lohne bestand hingegen nur aus Lohne (mit Nordlohne) und Schepsdorf. Heute sind Darme, Herzford und Rheitlage ebenfalls Ortsteile der Stadt Lingen, während Nordlohne und Lohne seit der Gebietsreform zur Gemeinde Wietmarschen im Landkreis Grafschaft Bentheim gehören.

Schepsdorf
Koordinaten: 52° 30′ 34″ N, 7° 17′ 44″ O
Höhe: 23 m ü. NN
Einwohner: 1679 (31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahlen: 49808, 49811
Vorwahl: 0591
Schepsdorf (Niedersachsen)
Schepsdorf

Lage von Schepsdorf in Niedersachsen

Heiligenfigur an der Emsbrücke an der Bundesstraße 213

Inhaltsverzeichnis

Herkunft der Ortsnamen und GeschichteBearbeiten

Der Name Schepsdorf (alt: Scepesdorpe) soll Schiffsdorf bedeuten. Dementsprechend zeigt das Kirchensiegel von Schepsdorf auch ein Schiff. Der Ort verdankt danach seine Entstehung und Bedeutung der Emsfähre, die an dieser Stelle Norddeutschland mit den Niederlanden verband. Die Bedeutung der Fährverbindung für Pilger und Kaufleute ist unstrittig.

Nachdem Wildeshausen bei Oldenburg im Jahr 851 Reliquien des Märtyrers Alexander erhalten hatte, stieg der Ort zu einer vielbesuchten Pilgerstätte auf. Besonders viele Wallfahrer kamen aus der Twente (heute niederländisch). Diese stauten sich oft vor der Emsfähre als einziger Überquerungsmöglichkeit. Daher wurde an dieser Stelle eine Kapelle gebaut, teils um die Frömmigkeit der Pilger zu mehren, möglicherweise aber auch, um an dem Geschäft mit den Pilgern teilzuhaben. Die Kirche in Schepsdorf war anfänglich eine Filiale von Emsbüren. Ob aber der älteste bekannte Name Scepesdorpe etwas mit Schifffahrt zu tun hat, ist nicht sicher. Das Kirchensiegel dürfte erst nach der Errichtung der Kapelle erstellt worden sein. So verwendete man ein markantes Zeichen, mit dem das Siegel dieses Ortes sofort erkennbar war. Schepsdorf wurde nach dem Werdener Heberegister zum Bursibant gerechnet.

Rheitlage (auch Reitlage) wird 1273 erstmals im Urbar des Klosters Werden als Retlage (dtsch. Riedfläche, Schilffläche) erwähnt. Die Lage am linken Emsufer erklärt den Ursprung des Namens. Es soll sich ursprünglich um einen Herrensitz gehandelt haben.

Lohne (alt: Loen auch Lone) wird 1152 in den Wietmarscher Stiftungsurkunden genannt. Der alte Name steht für ein großes, weit sichtbares Gehölz. Der Ort ist heute ein Ortsteil von Wietmarschen.

Darme (alt: Darum) wird erstmals 1384 schriftlich erwähnt. Der Ort muss aber wesentlich älter sein. Im Bestimmungswort steckt ein sehr altes Wort, mit der Bedeutung Weide Grasung. Die Endigungen -um, -un, -ene, -en kommen in zahlreichen Ortsnamen anstelle eines abgeschlissenen Grundwortes vor. Darin ist ein allgemeines Grundwort mit der Bedeutung „Siedlung“ verborgen. So bedeutet Darum: Siedlung in einem dürren Gebiet.

Herzford (alt: Hriasforda, Herzevorth) soll für Hirschfurt stehen. 1337 erbaute Bischof Ludwig von Münster an diesem Ort die Burg tor Slips bi Herzevorth, um seine emsländischen Besitzungen vor den Tecklenburgern und den mit ihnen verbündeten Bentheimern zu schützen.

Entwicklung der OrtschaftBearbeiten

Einwohnerzahl 1880 1900 1925 1933 1939 1950 1961 1970 2008 2009 2015[2]
Schepsdorf 1.069 1.264 1.730 2.022 2.131 2.820 922 1.194 1.974 1.953 1.913
Darme 255 300 609 719 824 1.290 4.190 4.165 4075

Bis 1950 sind unter „Schepsdorf“ sowohl die Einwohnerzahlen Schepsdorfs als auch des damaligen Ortsteils Lohne der Gemeinde Schepsdorf-Lohne zusammengefasst. Die Daten ab 2008 beinhalten auch die Einwohner mit Nebenwohnsitz und weichen daher von den Daten des Statistischen Landesamts ab.

LiteraturBearbeiten

  • Lehrerverein der Diözese Osnabrück: Der Kreis Lingen. Beiträge zur Heimatkunde des Regierungsbezirks Osnabrück Heft I. Verlag R. van Acken, Lingen/Ems 1905.
  • Werner Kaemling: Atlas zur Geschichte Niedersachsens. Gerd J. Holtzmeyer Verlag, Braunschweig 1987, ISBN 3-923722-44-3.
  • Hermann Abels: Die Ortsnamen des Emslandes, in ihrer sprachlichen und kulturgeschichtlichen Bedeutung. Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 1929.
  • Christoph Oberthür, Franz Busche, Franz Barth, Heinrich Dünheuft: Heimatkarte des Kreises Lingen mit statistischen Angaben. Verlag R. van Acken, Lingen/Ems 1953.
  • Hans Behrens: Landwirtschaftliche Geschichtstafel für Weser-Ems, Daten aus 300 Jahren Verbandsarbeit. Isensee Verlag, Oldenburg 2000, ISBN 3-89598-681-X.
  • Frank van Es: Regionen in europäischer Perspektive. Beigefügtes Werk: Landschaft und Region / Hans Grosse Beilage. Vorträge auf der 44. Landschaftsversammlung der Oldenburgischen Landschaft am 14. März 1998 in Thüle. Hrsg. von der Oldenburgischen Landschaft. Isensee Verlag, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-548-1.
  • Ernst Förstemann, Hermann Jellinghaus (Herausgeber): Altdeutsches Namenbuch, Band II, 1 und 2: Ortsnamen. Bonn 1913/1916 (Nachdruck: Band II, 2, Hildesheim 1967/1983, ISBN 3-487-01733-4).
  • Statistik des Deutschen Reichs, Ergebnisse verschiedener Volkszählungen, Berlin 1883–1944
  • Niedersächsisches Amt für Landesplanung und Statistik: Statistisches Jahrbuch 1950. Hannover 1950.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Schepsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten