Rudolf Walter Zeitler

Kunsthistoriker

Rudolf Walter Zeitler (geboren 28. April 1912 in Köln; gestorben 8. Februar 2005 in Uppsala) war ein deutsch-schwedischer Kunsthistoriker.

LebenBearbeiten

Rudolf Zeitlers Vater Eugen Zeitler (1880–1922) war Ingenieur, er starb zusammen mit seiner Frau Elsa Kühn (1884–1922) bei einem Bergunfall in Berchtesgaden. Zeitler wuchs danach mit seinen zwei jüngeren Geschwistern bei seinem jüdischen Großvater, dem Obermedizinalrat Moritz Kühn, in Kaiserslautern auf und setzte dort auch den Besuch des Gymnasiums fort. Der Großvater wurde in der Zeit des Nationalsozialismus entrechtet und 1940 in das Camp de Gurs deportiert, seine Tante im KZ Auschwitz ermordet.[1] 1930 begann Rudolf Zeitler ein Studium der Geschichte und Kunstgeschichte in München, Marburg und Berlin. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 musste er in die Tschechoslowakei fliehen, wo er das Studium fortsetzen konnte. 1936 wurde er bei Victor Ehrenberg in Prag mit einer Dissertation über Sophokles promoviert. 1937 floh er angesichts der Sudetenkrise mit einem Stipendium weiter nach Schweden.

Er fand Arbeit als Lehrer an einem Gymnasium in Uppsala und in Gregor Paulsson einen Mentor an der Universität Uppsala, bei dem er über Renaissancemedaillen promoviert wurde. Zeitler schloss sich der Emigrantenorganisation Free German League of Culture an. 1946 publizierte er eine Monografie über Albrecht Dürer. 1947 heiratete er die Historikerin Hannelore Günthert (1919-), sie hatten zwei Kinder. Er habilitierte sich 1954 in Uppsala mit einer Arbeit über „Klassizismus und Utopia“, wurde zum Privatdozenten ernannt und 1964 zum Professor. Er übersetzte Paulsson Werk „Die Soziale Dimension der Kunst“ ins Deutsche (1955) und brachte den deutschen Lesern mit Reclams Kunstführern die skandinavische Kunst nahe. Zwischen 1965 und 1977 gab er die kunsthistorische, wissenschaftliche Zeitschrift Figura[2] heraus. Zeitler arbeitete zur „Neoklassik“ des 19. Jahrhunderts und verfasste 1966 in der Propyläen Kunstgeschichte den Band zum 19. Jahrhundert.

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • Sophokles und die Polis. Prag, 1936 Dissertation ms
  • Albrecht Dürer. Med inledning av Bertil Malmberg. Stockholm : Wahlström & Widstrand, 1946
  • Stig Borglind : en svensk grafiker ; met oeuvrekatalog och 48 planscher. Stockholm : Geber, 1948
  • Klassizismus und Utopia: Interpretationen zu Werken von David, Canova, Carstens, Thorwaldsen, Koch. Stockholm : Almquist & Wiksell, 1954 Diss., Uppsala 1954
  • Die Kunst des 19. Jahrhunderts. Propyläen Kunstgeschichte 11. Berlin: Propyläen Verlag, 1966
  • Dänemark : Kunstdenkmäler und Museen. Stuttgart : Reclam, 1978
  • mit Hans Holländer, Gerd Wolandt: Studien zum Werk von A. Paul Weber. Hamburg : Christians, 1979 ISBN 978-3-7672-0626-7
  • Schweden : Kunstdenkmäler und Museen. Stuttgart : Reclam, 1985
  • mit Henrik Lilius: Reclams Kunstführer Finnland. Stuttgart : Reclam, 1985
  • Skandinavische Kunst um 1900. Leipzig : Seemann, 1990

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gerd Maurer: Moritz Kühn, Alemania judaica. Siehe auch Liste der Stolpersteine in Kaiserslautern
  2. Figura, ISSN 0071-481X