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Rudolf Bohren (* 22. März 1920 in Grindelwald; † 1. Februar 2010 in Dossenheim bei Heidelberg) war ein evangelischer Theologe mit dem Schwerpunkt Praktische Theologie aus der Schweiz, der mit seinem pneumatologischen Denkansatz und mit seinen Anregungen zu einer theologischen Ästhetik die Praktische Theologie 50 Jahre lang von 1959 bis 2009 maßgeblich mit prägte.

LebenBearbeiten

Bohren studierte Evangelische Theologie in Bern und Basel vor allem bei Eduard Thurneysen und Karl Barth. Er schrieb bei Oscar Cullmann eine Dissertation über „Das Problem der Kirchenzucht im Neuen Testament“ (1952). Am 16. Mai 1945 wurde er in Bern in die Gemeinschaft reformierter Prediger als Verbi Divini Minister (VDM) aufgenommen.

Von 1945 bis 1958 war er Pfarrer in Bern, im aargauischen Holderbank und in Arlesheim, einem Vorort von Basel. Die Erfahrungen in den verschieden strukturierten Gemeinden haben seine wissenschaftliche Arbeit geprägt. 1958 wurde er als Professor für Praktische Theologie an die Kirchliche Hochschule Wuppertal berufen. 1972 bekam er einen Ruf an die Kirchliche Hochschule Berlin, 1974 an die Universität Heidelberg, wo er eine Predigtforschungsstelle aufbaute.

TheologieBearbeiten

Seine wissenschaftliche Tätigkeit wurde von vier Schwerpunkten bestimmt:

Die Existenz der Gemeinde in der WeltBearbeiten

Die Kasualpraxis wurde von Bohren einer kritischen Reflexion unterzogen in seiner viel diskutierten Schrift: „Unsere Kasualpraxis – eine missionarische Gelegenheit?“ (ThEx 1979, 5. Auflage). Eine Vorlesung, die im Dialog mit seinem Assistenten Grün-Rath zur praktischen Ekklesiologie gehalten wurde, liegt inzwischen gedruckt in der Edition Bohren (Spenner-Verlag 2005) vor. Zur Laienpraxis wie zur Kirchenreform sind einzelne Aufsätze erschienen.

PredigtBearbeiten

Die 1971 erschienene Predigtlehre erlebte inzwischen fünf weitere Auflagen, Übersetzungen ins Koreanische und Japanische, z. T. auch ins Englische. Bohren versucht, einen neuen theologischen Ansatz für das Predigen von der Pneumatologie her zu gewinnen. – Zahlreiche Predigtbände haben die Homiletik begleitet: „Geheimnis der Gegenwart“, 1965; „Prophet in dürftiger Zeit“, 1969; „Wiedergeburt des Wunders“, 1972; „Seligpreisungen der Bibel – heute“, 1974. – Einzelne homiletische Aufsätze wurden gebündelt in „Geist und Gericht. Arbeiten zur Praktischen Theologie“, 1979. – Eine Methode der Predigtanalyse entwickelte Bohren zusammen mit Gerd Debus und stellte sie 1986 in einem internationalen Wissenschaftsforum vor (vgl. R.Bohren/ K.P.Jörns (Hg.), Die Predigtanalyse als Weg zur Predigt, 1989). Aus dem Wissenschaftsforum entwickelte sich eine Societas Homiletica, die sich international zusammensetzt und alle zwei Jahre zu internationalen Tagungen trifft. Ebenso entstand ein Ökumenischer Verein zur Förderung der Predigt, der sein literarisches Forum in dem viermal jährlich erscheinen Blatt „Predigt im Gespräch“ hat.

SeelsorgeBearbeiten

In polemischer Zuspitzung wird Bohrens Bemühen um die Seelsorge im Anschluss an Christoph F. Blumhardt bereits 1960 deutlich: „Seelsorge – Trost der Seele oder Ruf zum Reich?“ Bohren plädiert für eine Fruchtbarmachung der Kirchengeschichte und ihrer seelsorglichen Erfahrung. „Große Seelsorger“ – diese oft gehaltene Vorlesung wurde in zwei Bänden 2007 von Dietrich Stollberg in der Edition Bohren herausgegeben. Mit seinem Lehrer Eduard Thurneysen trat Bohren in ein literarisches Gespräch über Seelsorge ein: „Prophetie und Seelsorge“ (1982). Zwei Schriften Luthers wurden von ihm unter dem Titel „Tröstungen“ 1983 kommentiert. Eine stark biographisch ausgerichtete Schrift erschien 1990: „In der Tiefe der Zisterne. Erfahrungen mit der Schwermut“. Polemisch eine Auseinandersetzung mit J. Scharfenberg: „Psychologie und Theologie – eine Gewinn- und Verlustrechnung für die Seelsorge“ (1996).

ÄsthetikBearbeiten

Bohren suchte schon in seiner Predigtlehre und dann in weiteren Essays das Gespräch mit moderner Literatur (z. B. Johannes Bobrowski, Peter Handke, Nelly Sachs, Kurt Marti, Eugen Gomringer). Lyrische Texte gab Bohren selbst heraus: „bohrungen“ (1967), „heimatkunst“ (1987). „Schnörkelschrift“ und „texte zum weiterbeten“, wofür er 1988 den Literaturpreis des Kantons Bern erhielt.

Das Problem einer theologisch-mystischen Ästhetik durchdenkt Bohren in „Daß Gott schön werde. Praktische Theologie als Ästhetik“ (1975). In der Schrift „Lebensstil“ macht Bohren seine Erfahrungen mit einem Gastsemester in Indien (Bangalore) fruchtbar, während ein kirchlich-kulinarisches Reisetagebuch unter dem Titel „Liebeserklärung an Fernost“ über seine erste Japanreise 1980 handelt. Eine zweite Japanreise folgte 2002.

BibliographieBearbeiten

Bibliografie zu Bohrens Werk bis 1990 in: Jürgen Seim/ Lothar Steiger (Hg.), Lobet Gott. Beiträge zur theologischen Ästhetik. Rudolf Bohren zum 70. Geburtstag, München 1990.

WeblinksBearbeiten