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Freies Gymnasium Bern

Private Mittelschule in der Stadt Bern, Schweiz

Das Freie Gymnasium Bern (fgb.) ist eine vom Kanton Bern subventionierte Privatschule in Bern für rund 350 Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse bis zur Maturität. Die Schule wird vom Verein Freies Gymnasium Bern getragen, ist konfessionell und politisch neutral.

Freies Gymnasium Bern
Nordansicht FGB.JPG
Nordansicht des Freien Gymnasiums Bern mit Sportplatz und Logo im Vordergrund
Schulform Gymnasium
Gründung 1859
Adresse

Beaulieustrasse 55
3012 Bern

Ort Bern
Kanton Bern
Staat Schweiz
Koordinaten 599666 / 200970Koordinaten: 46° 57′ 35″ N, 7° 26′ 3″ O; CH1903: 599666 / 200970
Träger Verein Freies Gymnasium Bern
Schüler 350
Leitung David Lingg
Website www.fgb.ch

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Treppenbereich im Südflügel. Die beiden Treppen führen aufs Dach und in den zweiten Stock.

Das Freie Gymnasium Bern wurde 1859 aus einer Haltung der Opposition heraus als evangelische Schule unter dem Namen Lerberschule gegründet und ist damit das drittälteste Gymnasium im Kanton Bern.[1] Der Gründer, Theodor von Lerber, aus patrizischer Familie stammend, befürchtete den Verlust der humanistischen und religiösen Bildungsinhalte in der Schulpolitik der damaligen radikal-liberalen Regierung. Die Schule wurde 1892 in Freies Gymnasium umbenannt, als von Lerber sich von ihr abwandte und ihr verbot, seinen Namen zu tragen: Er hatte sich vergeblich gegen die Modernisierung seiner Schule gewehrt, die der Mathematik und den Naturwissenschaften mehr Raum gewährte. 1895 wurde die erste Maturität extern abgenommen; seit 1909 ist die Hausmaturität kantonal und eidgenössisch anerkannt. Bereits 1901 traten die ersten Mädchen in die ursprünglich als «Knabenschule» gegründete Institution ein; es dauerte aber bis 1984, bis die erste Frau als Hauptlehrerin gewählt wurde. Seit 1964 erhält das Freie Gymnasium Bern Staatsbeiträge des Kantons Bern, die in Leistungsvereinbarungen geregelt sind. 1972 zog die Schule vom Standort an der Nägeligasse in ihr neues Gebäude am heutigen Standort im Neufeld.[2]

Das Freie Gymnasium Bern versteht sich nicht als konfessionelle Schule. Die Werteorientierung bezieht die Institution gemäss ihrer Schulkonvention und ihrem Leitbild zwar aus der jüdisch-christlichen Tradition, die Schule lässt aber ausdrücklich andere Quellen individueller Werte zu. Religionskunde ist obligatorisches Schulfach und im Gymnasium promotionswirksam.

Schulisches AngebotBearbeiten

Das Freie Gymnasium Bern stellt sich als «achtjähriges Langzeitgymnasium» vor: Dem vierjährigen eigentlichen Gymnasium (Schuljahre 9 bis 12) sind das Untergymnasium (Schuljahre 7 und 8) sowie die Vorbereitungsklassen (Schuljahre 5 und 6) vorgelagert. Die Schule besitzt ihren eigenen Lehrplan, der die kantonalen Lehrpläne einhält.

Volksschule, VorbereitungsklassenBearbeiten

In der Regel werden je eine 5. und 6. Klasse geführt. Der Besuch ist für jene Schüler gedacht, die bereits früh eine gymnasiale Laufbahn anstreben.

UntergymnasiumBearbeiten

Analog zur Bezeichnung im Gymnasium werden die 7. und 8. Klasse Sexta und Quinta genannt (in der Regel je zwei Parallelklassen). Andere Zweige werden am Freien Gymnasium Bern nicht geführt. Wer die sechste Klasse mit einer Sekundarempfehlung abschliesst, kann ohne Prüfung ins Freie Gymnasium eintreten. Das Zeugnis des ersten Semesters wird als Standort bestimmend und nicht als promovierend gewertet. In der Sexta hat man im Freien Gymnasium je ein halbes Jahr Informatik und Hauswirtschaft. Zudem ist es für alle Schüler der Sexta obligatorisch den Lateinunterricht zu besuchen. In der Quinta kann man dann wählen, ob man noch ein weiteres Jahr Latein machen will oder ein Jahr angewandte Mathematik. Den Klassen ist es während der Mittagspause untersagt die Schule zu verlassen.

GymnasiumBearbeiten

Das Gymnasium beginnt im Kanton Bern mit dem 9. Schuljahr (Quarta) und endet mit dem 12. Schuljahr (Prima). Im Gegensatz zu den anderen Gymnasien treten im Freien Gymnasium Bern fast alle Schüler in die Quarta und nicht erst in die Tertia ein (je drei Parallelklassen). So kann das Freie Gymnasium Bern einen vierjährigen Lehrgang (auch im Schwerpunktfach) führen. Die Hausmaturität ist seit 1909 kantonal und eidgenössisch anerkannt.

 
Blick vom Naturwissenschaftstrakt in die Halle, der Hauptversammlungsplatz der Schülerschaft.

GrundlagenfächerBearbeiten

Die zehn Grundlagenfächer müssen von allen Schülern besucht werden. Sie sind die Basis für eine umfassende Allgemeinbildung und erlauben den Eintritt in jede Studienrichtung an der Hochschule. Am Freien Gymnasium Bern werden folgende Grundlagenfächer geführt und erscheinen im Maturitätszeugnis: Deutsch Erstsprache (mit Maturprüfung), Französisch Zweitsprache (mit Maturprüfung), Englisch Drittsprache (Maturprüfung entweder in Englisch oder im Ergänzungsfach), Mathematik (mit Maturprüfung), Biologie, Chemie, Physik, Geografie, Geschichte, Musik oder Bildnerisches Gestalten (in der Quarta beide Fächer)
Weitere Promotionsfächer: Sport, Religion, Einführung in Wirtschaft (Tertia), Optionsfach (Tertia und Sekunda)

Schwerpunktfächer ab QuartaBearbeiten

Ein Schwerpunktfach muss gemäss eidgenössischer Regelung gewählt und mit einer Maturitätsprüfung abgeschlossen werden:
Physik/Anwendungen der Mathematik (einzige Berner Privatschule), Biologie/Chemie, Wirtschaft/Recht, Pädagogik/Psychologie/Philosophie, Spanisch, Altgriechisch.
Latein wird zusätzlich angeboten mit der Möglichkeit des eidgenössischen Maturitätsabschlusses Latinum Helveticum.

Ergänzungsfächer ab SekundaBearbeiten

Ein Ergänzungsfach muss gemäss eidgenössischer Regelung gewählt werden. Entweder wird dieses Fach oder Englisch mit der Maturitätsprüfung abgeschlossen:
Geografie, Geschichte, Philosophie, Religion

OptionsfächerBearbeiten

Im Freien Gymnasium ist das obligatorische Optionsfach zu besuchen. Jährlich im zweiten Semester finden neue, stufenübergreifende Projekte statt (Tertia und Sekunda). Bevorzugt werden musisch-sportliche Themen, weil sie in den Schwerpunkt- und Ergänzungsfächern nicht berücksichtigt sind.

Besondere UnterrichtsgefässeBearbeiten

 
Südansicht des Gebäudes.

Der Unterricht ist mehrheitlich lehrergestützt. Daneben sorgen alternative Lern- und Arbeitsformen in geeigneten Situationen für die Entwicklung der Verantwortung für das eigene Lernen: Projekt-, Landschul, und Studienwochen, Landdienst, Selbstlernsemester Englisch und Französisch, Blockunterricht, Exkursionen, Naturschutztage, stufenübergreifende Thementage, Pullout-Angebote für begabte oder unterforderte Schüler, Theater- und Chorprojekte sowie Fakultativkurse.

Zweisprachige MaturitätBearbeiten

Ab dem Schuljahr 2014/2015 bietet das Freie Gymnasium Bern neu die bilinguale Maturität an. Das Besondere gegenüber den anderen Berner Gymnasien ist, dass der zweisprachige Unterricht bereits im 2. Semester der Quarta eingeführt wird. Allerdings ist dieses Angebot im Freien Gymnasium nur auf Englisch möglich und zwar in den folgenden Fächern:

  • Mathematik (Quarta bis Prima)
  • Geografie (Tertia bis Prima)
  • Ergänzungsfach Religion und Philosophie (Sekunda und Prima)
 
Kooperationsvereinbarung

PartnerschaftBearbeiten

Seit 1988 besteht eine kulturelle Partnerschaft zwischen dem Freien Gymnasium und der Wilhelm-Löhe-Schule aus Nürnberg (D); die Theatergruppen beider Schulen kommen regelmäßig für eine Aufführung nach Bern bzw. Franken. Am 12. Oktober 2015 unterzeichneten die Leiter des Freien Gymnasiums Bern, David Lingg, und der Wilhelm Löhe-Schule, Michael Schopp einen Kooperationsvertrag, der die Zusammenarbeit beider Schulen intensivieren soll. Über die langjährige Theater-Partnerschaft hinaus soll nun themenorientierte Kooperation im naturwissenschaftlich-technischen Bereich, Schüler- und Lehreraustausch sowie gemeinsame Informationsarbeit ins Auge gefasst werden.

AlumniBearbeiten

Ein Verein der Ehemaligen des Freien Gymnasiums Bern versteht sich als Austausch- und Kontaktforum der Absolventen des Freien Gymnasiums Bern. Er trägt zum ideellen und finanziellen Gedeihen der Schule bei und unterstützt jährlich Maturreisen, Schulkonzerte, die Schulschrift „Weg und Ziel“, Berufsinformationstag, Infrastrukturprojekte und leistet kleinere soziale Beiträge.

Bekannte ehemalige SchülerBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Benedikt Bietenhard: Freies Gymnasium Bern 1859–2009, 150 Jahre Schulgeschichte. In: FGB (Hrsg.): Das Jubiläumsbuch. 150 Jahre Freies Gymnasium Bern. Bern 2009. S. 13–82. Online (PDF-Datei, 476 KB)
  • Fritz Graf: 100 Jahre Freies Gymnasium Bern 1859-1959, Bern 1959.
  • Michael Stettler: Nägeligasse, in: ders. Sulgenbach, Bern 1992, S. 57–69.
  • Albert von Tavel: Siebenzig Jahre Freies Gymnasium in Bern. Im 75. Jahr seines Bestehens als Jubiläumsgabe dargereicht von Albert von Tavel, Bern 1934.
  • Hans Christoph von Tavel: La peinture des "Freigymeler" Bern 1984.
  • Rudolf von Tavel: Theodorich von Lerber. Ein Lebensbild, Bern 1911.
  • Ludwig von Tscharner: Jubiläum des Freien Gymnasiums in Bern (Lerberschule) 1859-1909 (Festbericht) Bern 1909.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Freies Gymnasium Bern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 150 Jahre Freies Gymnasium Bern
  2. Architekt: Daniel Reist, arb