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Rohrleitung

dienen dem Transport von Fluiden (Gase, Flüssigkeiten oder riesel- bzw. pumpfähige Feststoffe)
Rohrleitungen in einem Industriebetrieb
Großteils wärmegedämmte Rohrleitungen in einem Heizungskeller

Rohrleitungen dienen dem Transport von Fluiden (Gase und Flüssigkeiten) und riesel- oder pumpfähigen Feststoffen sowie der Übertragung von mechanischer und thermischer Energie.

Inhaltsverzeichnis

GrundlagenBearbeiten

 
Rohrleitungsteile und Formstücke aus rostfreiem Stahl
 
Gerät zur Reinigung von Rohrleitungen

Bestandteile sind insbesondere Rohre, Rohrformteile, Ausdehnungsstücke, Armaturen, Dichtungen, Verbindungselemente wie Flansche, Fittinge, Verschraubungen, Muffen sowie die Befestigungselemente (Rohrunterstützung).

Im weiteren Sinne gehören auch noch die Pumpen, eventuelle Wärme- oder Kältedämmung sowie Überwachungssysteme zu dieser Zusammenstellung. Diese Einzelteile unterliegen häufig einer Normung. So ist es möglich, eine Rohrleitung wie aus einem Baukasten zusammenzustellen. Einzelne Rohrleitungen können zu ganzen Netzen zusammengefügt werden, die einzelnen Netzteile werden gegeneinander durch Erstabsperrungen abgesichert.

Rohrleitungen werden in der Nennweite (Durchmesser) von wenigen Millimetern bis zu einigen Metern ausgeführt und können im Falle einer Pipeline die Länge von Tausenden von Kilometern erreichen. Die Nenndruckstufen können vom Vakuum bis zu einigen hundert bar reichen. Hydraulikrohre haben Außendurchmesser 4–80 mm und sind für Berechnungsdrücke zwischen 120 und 750 bar ausgelegt (nach EN 13480 für Werkstoff P235TR2).

Die Wahl der Werkstoffe einer Rohrleitung richtet sich nach statischen und dynamischen Belastungen (Nenndruckstufe, Verkehrslasten, Erddrücke, Drücke von innen oder außen, Druckstoß), mechanischen Beanspruchungen (beispielsweise Fließgeschwindigkeiten, Geschiebestoffe), korrosiver Beanspruchung sowie Art und Temperatur des zu transportierenden Materials.

Bestimmte konstruktive Festlegungen für Rohrleitungen wie Nenndruckstufe, Werkstoffe, Flanschausführungen, Dichtungen usw. werden in sogenannten Rohrklassen definiert. Je nach Temperatur des zu transportierenden Materials oder der Umgebungstemperatur kann eine Wärmedämmung, eine Rohrbegleitheizung oder -kühlung, aber auch eine Lecküberwachung der Rohrleitung erforderlich sein. Rohrleitungen mit einem zulässigen inneren Betriebsdruck von über 0,5 bar sind gemäß der Druckgeräterichtlinie 97/23/EG ein „Druckgerät“ und dürfen nur in Übereinstimmung mit dieser Richtlinie in Verkehr gebracht werden.

Historische RohrleitungenBearbeiten

Bereits in der Antike wurden Rohrleitungen zur Wasserversorgung verwendet, so bei Pergamon oder in Köln (siehe Eifelwasserleitung). Sie waren meist Bestandteil von Aquädukten, um als Druckleitungen Höhenunterschiede zu überwinden. Ein Beispiel einer Druckrohrleitung (Siphon) aus dem Mittelalter ist der Tiergartentunnel in Blankenheim.

Historische Wasserleitungsrohre aus Holz werden als Deichel oder Teuchel bezeichnet. Zur Herstellung von Wasserleitungen wurden ausgebohrte Baumstämme aneinandergefügt. Deichelwasserleitungen waren vielerorts noch im 20. Jahrhundert in Betrieb.

PlanungsunterlagenBearbeiten

Bei der Konstruktion, Planung und dem Bau von Druck-Rohrleitungen in Großanlagen wie Kraftwerken, Raffinerien und Produktionsstätten der chemischen Industrie laufen die einzelnen Planungsschritte mit der Erstellung der folgenden Planungsmittel ab:

Mit Hilfe dieser Planungsunterlagen ist es möglich, ein von Rohrleitungen bestimmtes Gebilde, wie beispielsweise ein Großkraftwerk, zu planen und zu bauen.

Auslegung einer RohrleitungBearbeiten

Bei der Auslegung von Rohrleitungen werden verschiedene Festlegungen getroffen:

  • Auswahl des Werkstoffs je nach erwarteter mechanischer und korrosiver Beanspruchung
  • Dimensionierung
    • der Nennweite entsprechend der gewünschten Fließgeschwindigkeit (Rohrweitenbestimmung)
    • der Wanddicke entsprechend dem erwarteten Nenndruck
  • Verlegung und Verlauf (Trassierung), unter Berücksichtigung
    • der Befestigung (Fest- und Loslager), sowie gegebenenfalls
    • der Dehnungskompensation bei Temperaturschwankungen und des
    • Gefälles (etwa bei Abwasserleitungen)

RohrklasseBearbeiten

Zu Beginn der Planung wird eine Spezifikation erstellt, die in diesem Fall Rohrklasse genannt wird. Sie ist für die Auswahl der Rohrleitungskomponenten entscheidend und bestimmt sich in der Regel nach folgenden Betriebsbedingungen:

  • Medium
  • Temperatur
  • Druck
  • Massendurchsatz
  • Wirtschaftlichkeit
  • Ersatzteilverfügbarkeit

NennweiteBearbeiten

Abhängig vom gewünschten Massenstrom und dem maximal akzeptierten Druckverlust (bei maximal vorgesehener Strömungsgeschwindigkeit) wird ein bestimmter Rohrquerschnitt errechnet. Bei der Auswahl des Rohres wird der berechnete bzw. – falls nicht standardmäßig vorhanden – der nächsthöhere Nenninnendurchmesser gewählt. Nenndurchmesser sind eine normierte – und optimierte – Stufung von Rohrinnendurchmessern, um die Variantenvielfalt der eingesetzten Rohre zu minimieren.

Der Druckverlust ist ein wesentliches Kriterium für die Auslegung einer Rohrleitung. Der Druckverlustwert reagiert sehr empfindlich auf Änderungen des Rohrleitungsinnendurchmessers. Der Strömungsdruckverlust einer Rohrleitung ändert sich bei gegebenem Durchsatz mit der vierten Potenz des Durchmessers.

Die wirtschaftliche Abmessung mit minimalen Kosten ist erreicht wenn die folgenden Eigenschaften optimal ausgeglichen sind. So ergeben sich aus einer größeren Abmessung sowohl

StrömungsgeschwindigkeitBearbeiten

Um den Druckverlust durch Rohrreibung, lokale Druckstöße und Fließgeräusche zu beschränken und Kavitation bei Flüssigkeiten zu vermeiden, sollten bestimmte Strömungsgeschwindigkeit in Rohrleitungen nicht überschritten werden.

Richtwerte Strömungsgeschwindigkeiten Öl-, Wasser-, Dampf- & Gasleitungen  
Öl Quelle
Schweröl, beheizt, Druckleitungen 1 – 2 m/s Steinmüller
Schweröl, beheizt, Saugleitungen 0,5 – 1 m/s Steinmüller
Schmieröl 0,5 – 1 m/s Dubbel
Benzin, Kerosin: DN 25 5 m/s *) Steinmüller
Benzin, Kerosin: DN 100 2,5 m/s *) Steinmüller
Benzin, Kerosin: DN 200 1,8 m/s *) Steinmüller
Wasser Quelle
Saugleitungen, je nach Länge und Temperatur 0,5 – 2,0 m/s Steinmüller
Saugleitungen von Kreiselpumpen 1,0 – 1,5 m/s Dubbel
Saugleitungen von Kolbenpumpen 0,8 – 1,0 m/s Dubbel
Druckleitungen, bei ständigem Betrieb 1,5 – 5,0 m/s Steinmüller
Druckleitungen, bei Not oder Umgehungsbetrieb 4,0 m/s Steinmüller
Druckleitungen bei Korrosionsgefahr durch O2 5,0 m/s Steinmüller
Druckleitungen von Kreiselpumpen 2,5 – 3,0 m/s Dubbel
Druckleitungen von Kolbenpumpen 1,0 – 2,0 m/s Dubbel
Gebrauchswasserleitungen 4,0 – 6,0 m/s Steinmüller
Kühlwasserleitungen 1,5 – 2,5 m/s Steinmüller
Kondensatleitungen 1,0 – 2,0 m/s Steinmüller
Dampf Quelle
Sattdampf für Fabrikationsleitungen 25 – 30 m/s Steinmüller
Heißdampf, 40 bar im Kraftwerk 30 – 40 m/s Steinmüller
Heißdampf, 80 bar im Kraftwerk 16 – 22 m/s Steinmüller
Heißdampf, 120 bar im Kraftwerk 15 – 20 m/s Steinmüller
(für kurze Leitungen bis zu 50 % höhere Werte) Steinmüller
Frischdampfleitungen großer Kesseleinheiten 40 – 60 m/s Steinmüller
Turbinen, Heißdampf, kleine Leistung 35 m/s Dubbel
Turbinen, Heißdampf, mittlere Leistung 40 – 50 m/s Dubbel
Turbinen, Heißdampf, große Leistung 50 – 70 m/s Dubbel
Turbinen, Sattdampf 25 m/s Dubbel
Turbinen, Abdampf 15 – 25 m/s Dubbel
Kolbendampfmaschinen, Heißdampf 40 – 50 m/s Dubbel
Kolbendampfmaschinen, Sattdampf 25 – 30 m/s Dubbel
Gas Quelle
Niederdruck, lange Leitungen 5 – 10 m/s Steinmüller
Hochdruck, kurze Leitungen 20 – 30 m/s Steinmüller
*) Richtwert zur Vermeidung elektrostatischer Aufladung bei leichtentzündlichen Mineralölprodukten

Quellen:

  • Dubbel = DUBBELs Taschenbuch für den Maschinenbau; Band 1; 1956.
  • Steinmüller = STEINMÜLLER Taschenbuch Rohrleitungstechnik; 1988.
  • Bosy = Richtwerte für die Wahl der Geschwindigkeiten, nach zulässigem Geräuschpegel und Druckverlust[1]
Richtwerte Strömungsgeschwindigkeiten Luftleitungen und -kanäle  
Luft Aufenthaltsräume Industrie Quelle
Druckluft in Betriebsnetzen 2 – 10 m/s Steinmüller
Warmluft zu Heizzwecken 0,8 – 1,0 m/s Steinmüller
Kolbenverdichter, Saugleitung 16 – 20 m/s Dubbel
Kolbenverdichter, Druckleitung 25 – 30 m/s Dubbel
Turboverdichter, Saug- und Druckleitung 20 – 25 m/s Dubbel
Außenluftgitter 2 – 3 m/s 4 – 6 m/s Bosy
Hauptkanäle 4 – 8 m/s 8 – 12 m/s Bosy
Abzweigkanäle 3 – 5 m/s 5 – 8 m/s Bosy
Abluftgitter 1,5 – 2,5 m/s 3 – 4 m/s Bosy
Quellen:
  • Dubbel = DUBBELs Taschenbuch für den Maschinenbau; Band 1; 1956.
  • Steinmüller = STEINMÜLLER Taschenbuch Rohrleitungstechnik; 1988.
  • Bosy = Richtwerte für die Wahl der Geschwindigkeiten, nach zulässigem Geräuschpegel und Druckverlust[1]

Ausschlaggebend für die Dimensionierung ist die wirtschaftliche Geschwindigkeit. Sie ergibt sich aus dem Optimum der Summe aus den Investitionskosten für die Rohrleitung, den Investitionskosten der Maschinenanlage (Pumpen, Verdichter) und den Energie- und Wartungskosten über die gesamte Betriebszeit.

Neben Eigenschaften des Mediums, Rohrprofil, -verlauf und Oberfläche der Rohrwandung ist die Strömungsgeschwindigkeit entscheidend für die Ausbildung einer laminaren oder turbulenten Strömung.

NenndruckBearbeiten

Für die Rohrleitungskomponenten gibt es viele für die Hersteller verpflichtende Normen. Die Ermittlung der notwendigen Wandstärke (nach der Kesselformel) ist in diesen Normen berücksichtigt.

Für die Planung muss ein Nenndruck gewählt werden, der natürlich immer über dem maximal auftretenden Betriebsdruck sein muss. Hohe Betriebstemperaturen müssen berücksichtigt werden, weil hierdurch die Materialfestigkeit herabsetzt wird. So kann die Erhöhung des Nenndruckes um ein oder mehrere Stufen notwendig sein.

FeststoffeBearbeiten

 
Rohrboden in einer modernen Getreidemühle

Rohrleitungen für Feststoffe (z. B. Granulate, Mehl, Stäube) werden oftmals als Schurre bezeichnet. Man findet sie zum Beispiel in der Zementindustrie oder in Mühlen für Getreide. Sie zeichnen sich durch große Radien bei Richtungsänderungen aus, die zugehörigen Rohrbögen sind oftmals aus einem besonders verschleißfesten Material bis hin zu künstlichem Basalt ausgeführt.

Weiterhin können sich Feststoffe während des normalen Betriebes im Inneren von Rohrleitungen ablagern. Diese Ablagerungen können zur Blockade der Strömung bis hin zu einer Verstopfung der Leitung führen und müssen daher regelmäßig durch eine Rohrreinigung beseitigt werden.

BetriebssicherheitBearbeiten

 
Rohrleitungen in einer chemischen Fabrik

Die vorgesehene einheitliche Rohrleitungskennzeichnung erleichtert Wartungs- und Reparaturarbeiten im Störungsfall.

Als wichtiger Bestandteil technischer Anlagen müssen Rohrleitungen im Zuge der Anlagensicherheit (Betriebssicherheit) gewartet werden. Dies gilt insbesondere für Rohrleitungen, die neben der Dichtheit weitere physikalische Eigenschaften wie einen bestimmten Reibungskoeffizienten oder Wärmedurchgangskoeffizienten erfüllen müssen. Besondere Vorschriften gelten für druckbelastete Rohrleitungen und die entsprechenden Durchflussmedien, beispielsweise Rohrleitungen für Wasserdampf in Dampfkraftwerken.

Rohrleitungen mit einem inneren Überdruck von mehr als 0,5 bar für entzündliche, leichtentzündliche, hochentzündliche, ätzende, giftige Gase oder Flüssigkeiten sind überwachungsbedürftige Anlagen im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung und müssen je nach Gefährdungspotential durch zugelassene Überwachungsstellen oder befähigte Personen vor Inbetriebnahme und regelmäßig innerhalb bestimmter Fristen geprüft werden.

Die Wartung umfasst:

Rohrleitungen aus KunststoffenBearbeiten

In den vergangenen Jahren haben Rohrleitungen aus Kunststoffen zunehmend an Bedeutung gewonnen. Sie sind mittlerweile mit 54 % Marktanteil und einem Volumen von 2.500.000 Tonnen/Jahr die wichtigsten Werkstoffe für Rohrsysteme in Europa. Am häufigsten werden Systeme aus Polyethylen (PE), vernetztem Polyethylen (PE-X), Polypropylen (PP) und Polyvinylchlorid (PVC-U) in den Bereichen Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Gasversorgung, Wärmeversorgung (nur PE-X und PP), und Industrierohrleitungen eingesetzt.

Auch für die kommenden Jahre wird für Rohrsysteme aus Kunststoff ein kontinuierliches Wachstum erwartet, das sich vor allem für PE auf die Sanierung bestehender Wasserversorgungsleitungen und für PVC-U und PP auf den Abwasserbereich stützt.

Rohrleitungen aus KupferBearbeiten

In der Gebäudetechnik werden vorwiegend Rohrleitungen aus Kupfer in den Härtegraden weich (R220), halbhart (R250) und hart (R290) verwendet. Weiche Rohre dürfen nicht für Gas- und sollten nicht für Solarinstallationen eingesetzt werden. Kupfer-Pressfittings werden beispielsweise aus Kupfer Cu-DHP Material CW024A gefertigt.[2]

Kupfer korrodiert durch Kontakt mit Ammoniak und Nitrat im feuchten Milieu. Eine Wärmedämmung der Rohre sollte daher frei von diesen Stoffen sein. Insbesondere Kaltwasserleitungen sollten vor Kondensat geschützt werden. Häufig wird das Rohr vor weiterer Umhüllung mit Vaseline (Petrolatum) oder Vaseline-Bandagen vor Korrosion geschützt.[2]

Rohrleitungen aus EdelstahlBearbeiten

In der Gebäudetechnik werden vorwiegend Rohrleitungen aus nichtrostendem Stahl der Qualitäten 1.4520, 1.4521, 1.4571, 1.4401, 1.4404 sowie Cr-Ni-Stahl 1.4301 verwendet.

Cr-Mo-Ti Stähle ohne Nickel werden im Gegensatz zu „austenitischen Stählen“ auch als „ferritische Stähle“ bezeichnet.[3]

Ebenso wie unverzinktes, sogenanntes C-Stahlrohr und verzinktes Stahlrohr sollte der 18/10 Cr-Ni-Stahl 1.4301 wegen der Korrosionsempfindlichtkeit nicht für Trinkwasser eingesetzt werden. Während gewöhnlicher Stahl immer korrodiert, hängt es von der Zusammensetzung des Wassers ab, ob auch verzinkter Stahl sowie bestimmte Edelstahllegierungen angegriffen werden. Insbesondere die Stahlsorte 1.4301 ist empfindlich gegenüber Chloridionen. Aber auch bei anderen Edelstahlrohren sollte in Kühl- und Trinkwasserinstallationen der Gehalt an wasserlöslichen Chloridionen einen Wert von 250 mg/l nicht überschreiten. Das Material zur Wärmedämmung von Edelstahlrohren darf nach DIN 1988 Teil 7 keinen größeren Massenanteil an wasserlöslichem Chlorid enthalten als 0,05 %. (Isoliermaterial mit AS-Qualität (s. a. AGI Q135) enthält deutlich weniger Chlorid.)[2]

Der Ausdehnungskoeffizient der Sorte 1.4401 liegt mit 0,0165 mm/(m·K) deutlich höher als bei der Sorte 1.4521 mit 0,0104 mm/(m·K), während die Wärmeleitfähigkeit um etwa ein Drittel geringer ist.[4]

Überwiegend werden Edelstahlrohre heute mit Pressfittings verbunden. Die Fittings werden oft aus der Stahlsorte 1.4401 oder aus Rotguss gefertigt. Rotgussfittinge sollten nicht mit Fernwärmeheizungswasser über 120 °C, Sattdampf, aufbereiteten Wässern[5], Grau- und Schwarzwasser mit pH-Wert über 6, Sprinklerleitungen, sowie trockenen Löschwasserleitungen eingesetzt werden.[4] Rohre und Fittinge aus Edelstahl sollen in Sanitär- und Heizungsinstallationen keinen direkten Kontakt zu Rohren und Fittingen aus unlegiertem Stahl (C-Stahl bzw. Schwarzstahl) haben.[6] Der kleinstmögliche Biegeradius von Rohren bis 28 mm Außendurchmesser wird mit dem dreieinhalbfachen Außendurchmesser des Rohres angegeben. Zum Biegen von stärkeren Rohren sind besondere Methoden erforderlich.[2]

Edelstahl-Rohrwerkstoffe in Sanitär- und Heizungsinstallationen[6]  
Werkstoffnummer Legierung Beschreibung Eigenschaften und Einsatzgebiete Hersteller-Kennzeichnung Freigaben
1.4401 (AISI 316) X 5 CrNiMo17-12-2 hochlegierter, rostfreier, austenitischer Cr-Ni-Mo-Stahl universeller Rohr- und Fittings-Werkstoff für Trinkwasser, Gas usw.[2] als Rohr blau (VSH) oder gelb (Nussbaum)[6]
1.4404 X 2 CrNiMo17-12-2) wie 1.4401 mit geringerem Kohlenstoffgehalt ähnlich 1.4401
1.4520 (AISI 439) X 2 CrTi17 rostfreier ferritischer Cr-Stahl Titan stabilisiert nicht geeignet für Trinkwasser; z. B. für geschlossene Kreisläufe (Heizung, Solar, Kühlanlagen), Druckluft, ortsfeste Sprinkleranlagen nach FM oder LPCB, Schiffbau; Alternative zu AISI 304, jedoch ohne Nickel[6] z. B. schwarz (Nussbaum)[6] DVGW GW 541
1.4521 (AISI 444) X 2 CrMoTi18-2 speziell für Trinkwasser, nicht für Gas zugelassen, nur bedingt für Öle und industrielle Anwendungen,[7] nicht empfohlen für Sprinkler-, Löschwasserleitungen oder Sattdampf >120 °C[4] oft grün (Nussbaum)[6]

Für Regenwasser, nachbehandeltes Wasser (Teil- und vollentsalztes Wasser, entmineralisiertes, entionisiertes, Osmose- und destilliertes Wasser), Solar- und Kühlsysteme, Wasserdampf, Sprinkleranlagen, Druckluft, Vakuum, Öl, Kohlendioxid, Helium, Ethanol, Aceton, Stickstoff, Formiergas, Edelgas und ammoniakhaltige Luft sind alle vier Werkstoffe geeignet.[6]

Rohrleitungen aus unlegiertem StahlBearbeiten

GewinderohreBearbeiten

Neben Blei- und später Kupferrohren wurden in der Gebäudetechnik vorwiegend sogenannte schwarze Rohre zur Heizungsinstallation und verzinkte Stahlrohre für Trinkwasserinstallationen verwendet. Diese sind als schwere oder mittelschwere, sogenannte Siedrohre normiert. Die Stahlrohre wurden zur Verbindung mit Rohrgewinden versehen. Unverzinkte Rohre wurden auch verschweißt.

C-Stahlrohre bzw. PräzisionsstahlrohreBearbeiten

In der Gebäudetechnik werden vorwiegend sendzimirverzinkte Rohrleitungen verwendet, die unter Umständen zusätzlich einen passivierenden Chromüberzug erhalten.[2] Die Verbindung geschieht meist über Klemm- und Pressfittinge. Pressfittinge werden beispielsweise aus der Stahlsorte RSt 34-2 gefertigt.[2]

Um Maßhaltigkeit zu gewährleisten, wird nur eine dünne Zinkschicht aufgetragen, die unter Einwirkung von Feuchtigkeit nicht sehr dauerhaft ist. Zur Verwendung in dauerhaft feuchter oder korrosiver Umgebung werden Rohre mit einer Schutzschicht aus Kunststoff angeboten (z. B. Polypropylen-Umhüllung bei VSH/ Seppelfricke). Kaltwasserleitungen werden nach DIN 1988 Teil 200 vor Kondensation (und Erwärmung) geschützt.[2]

Rohre für geschlossene Kreisläufe in Heiz-, Kühl- und Solaranlagen sowie für Druckluft werden nur außen verzinkt. Zur Unterscheidung von Edelstahlrohren werden C-Stahl-Rohre von den Herstellern oft mit einer roten Kennzeichnung versehen.

Rohre für Sprinkleranlagen werden innen und außen verzinkt und beispielsweise aus dem Material 1.0031 gefertigt (VSH/ Seppelfricke).[2]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Hans Burkhard Horlacher, Ulf Helbig (Hrsg.): Rohrleitungen. 2. Auflage, Springer Verlag, Berlin Heidelberg 2016, ISBN 978-3-642-39781-3.
  • Heinz W. Richter (Hrsg.): Instandsetzung von Rohrleitungen. Band 1, Vulkan Verlag, Essen 2004, ISBN 3-8027-2730-4.
  • Günter Wossog (Hrsg.): Handbuch Rohrleitungsbau. 2. Auflage, Vulkan Verlag, Essen 2003, ISBN 3-8027-2723-1.

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Rohrleitung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  Commons: Rohrleitungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Bruno Bosy: Pneumatischer Abgleich In: Bosy-Online.de, abgerufen im Mai 2018.
  2. a b c d e f g h i VSH Technisches Handbuch XPress
  3. Technische Anleitung V-Profil Fittinge, In: www.eurotubieuropa.it
  4. a b c Planungshandbuch „Der Geberit“ – Planen mit Geberit Produkten (PDF).
  5. nach TI "Aufbereitete Wässer"
  6. a b c d e f g Produkthandbücher Optipress-Aquaplus, Presssystem mit Edelstahl- und Rotgussfittingen für Edelstahlrohr; Optipress-Therm, Presssystem mit Zink-Nickel-beschichteten Fittingen für C-Stahl- bzw. Präzisionsstahlrohr und Optifit-Press, Presssystem mit Zink-Nickel-beschichteten Fittingen für Gewinderohr und Siederohr, R. Nussbaum AG, Olten, Schweiz
  7. Geberit Planungshandbuch Sanitär (PDF), gültig ab 1. Januar 2016.