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Wärmedämmung

wird benutzt um den Heizwärmebedarf von Gebäuden zu minimieren

Wärmedämmung ist die Reduktion des Durchganges von Wärme durch eine Hülle, um einen Raum oder einen Körper vor Abkühlung oder Erwärmung zu schützen. Sie hat sich im Rahmen der Evolution bei warmblütigen (endothermen) Tieren entwickelt, findet aber auch, mit Hilfe natürlicher oder künstlich hergestellter Materialien, auf vielen Gebieten der Technik Anwendung.

Andere, eher umgangssprachliche Bezeichnungen für Wärmedämmung sind Wärmeisolierung und Wärmeisolation englisch: thermal insulation oder building insulation.

Ein Sonderfall ist Kältedämmung, um eine möglichst geringe Temperatur aufrechtzuerhalten, z. B. um Kondensatanfall zu vermeiden, Leistungsverluste von Anlagen zu minimieren oder Kühlhäuser zu ermöglichen (siehe dazu auch Dämmtechnik).

GeschichtlichesBearbeiten

Im Zuge der Entwicklung von Kältetechnikverfahren wurde auch die Entwicklung der Wärmedämmung vorangetrieben und 1918 das Forschungsheim für Wärmeschutz (heute: Forschungsinstitut für Wärmeschutz e. V. München, Abk. FIW) in München gegründet.[1] Führende Persönlichkeit hierbei war Professor Carl von Linde, der ab 1868 für mehrere Jahrzehnte an der Technischen Hochschule lehrte und 1879 die Gesellschaft für Lindes Eismaschinen Aktiengesellschaft (heute: Linde AG) im Süden Münchens gründete.

GrundlagenBearbeiten

WärmeübertragungBearbeiten

Wärme ist in der Physik die Energie, die zwischen zwei thermodynamischen Systemen durch Wärmestrahlung, Wärmeleitung oder das Mitführen innerer Energie in einem strömenden Medium (Konvektion) übertragen wird. Lebewesen erkennen diese Wärmeübertragung mithilfe von Rezeptorzellen in der Haut (Thermorezeption) als Temperatur­empfindung.

WärmeinhaltBearbeiten

Die einem Stoff innewohnende thermische Energie beruht auf der ungeordneten Bewegung der Atome oder Moleküle, aus denen dieser Stoff aufgebaut ist. Gemäß der Molekularen Theorie der Wärme sind die Atome und Moleküle aller festen, flüssigen oder gasförmigen Stoffe in ständiger unregelmäßiger Bewegung (Brownsche Molekularbewegung). Am absoluten Nullpunkt findet keine Bewegung der Atome oder Moleküle statt. Je höher die Temperatur steigt, desto heftiger wird die Bewegung.[2] Je mehr Bindungen ein Molekül aufweist (chemische Bindungen, Wasserstoffbrückenbindungen), desto mehr Wärme kann das Molekül speichern (Wärmekapazität), die Wärmeaufnahmefähigkeit hängt aber auch von anderen Zustandsgrößen wie etwa intermolekularen Abständen ab.[3]

 
Abhängigkeit emittierter (Wärme)Strahlung von der Wellenlänge bei unterschiedlichen Temperaturen (Skalen logarithmisch). Die Kurve für die Sonnenstrahlung an der Sonnenoberfläche ist beige, für die Umgebungstemperatur an der Erdoberfläche rot. Man beachte die starke Zunahme der Intensität mit der Temperatur und die Verschiebung des Maximums zu kürzeren Wellenlängen.
 
Bestimmung der Wärmeabstrahlung einer ungedämmten Fassadenwand mithilfe der Bauthermografie

Entstehung von WärmestrahlungBearbeiten

Wegen der Schwingungen werden in den Atomen die mitschwingenden Elektronen aus ihrer an sich stabilen Bahn (siehe Atomorbital) geworfen. Fallen die Elektronen in die stabile Bahn zurück, so wird die freiwerdende Energie als thermische Strahlung, sogenannte „Wärmestrahlung“, abgegeben. Jeder Stoff emittiert deshalb (oberhalb des absoluten Nullpunkts) zu jedem Zeitpunkt Wärmestrahlung, deren Wellenlänge hängt von der Stärke der Schwingung, also von der Temperatur des Stoffes ab. Aus der Wellenlänge der Strahlung, die beispielsweise von einer Hauswand, einem Körperteil oder einem fernen Stern ausgestrahlt wird, kann die Oberflächentemperatur bestimmt werden (Thermografie).

Genauso nimmt jeder Körper von anderen Körpern zu jedem Zeitpunkt ausgesandte Wärmestrahlung höherer Schwingung durch Absorption auf, siehe dazu Strahlungsaustausch. Werden Molekülbindungen zerstört, werden frei werdende Bindungsenergien ebenfalls als Strahlung abgegeben (siehe dazu auch Flamme). Bei einer Verbrennung in einem Ofen, bei der komplexe organische Verbindungen zu CO2 und H2O reagieren trifft die entstehende Wärmestrahlung auf die Metallatome des Heizkessels und "erwärmt sie", das heisst sie bringt sie in höhere Schwingung.

WärmeleitungBearbeiten

Stoffe können nun Wärmestrahlung reflektieren („spiegeln“), transmittieren („durchlassen“) oder absorbieren („aufnehmen“). Die Schwingung kann aber auch in Kontakt oder in Bindung mit anderen Molekülen weitergegeben werden, das nennt man Wärmeleitung. Atome mit stärkerer Schwingung geben dabei ihre Schwingungsenergie an umliegende schwächer schwingende Atome ab, so wird erklärt, dass ein Wärmefluss immer nur von warm zu kalt erfolgen kann und nicht umgekehrt (langsamere Schwingungen können keine schnelleren Schwingungen bewirken).

KonvektionBearbeiten

In Flüssigkeiten oder Gasen wird Wärme auch durch Konvektion (Wärmeströmung) übertragen. Eine Sonderform so einer Strömung ist die Thermodiffusion. Die Moleküle der Flüssigkeiten oder Gase strahlen aber auch Wärmestrahlung ab und geben Wärme durch Wärmeleitung ab.

Latent gespeicherte WärmeBearbeiten

Wärme wird also in einem Stoff gespeichert, indem dessen Atome oder Moleküle zu schwingen beginnen. Die spezifische Wärmekapazität einzelner Verbindungen hängt im Wesentlichen davon ab, welche (sonstigen) Molekülbindungen schwingungsfähig sind (siehe dazu Molekülschwingung und Wärmeinhalt). Die hohe spezifische Wärmespeicherkapazität von Wasser beruht auch auf schwingungsfähigen Wasserstoffbrückenbindungen (siehe dazu Eigenschaften des Wassers).

Werden durch Zufuhr von Energie Moleküle aus einem Feststoffverband gelöst, so wird die Substanz flüssig. Die dafür nötige zusätzliche Energie wird Schmelzenthalpie genannt. So wird trotz Energiezufuhr aus 0 °C kaltem Eis nur 0 °C kaltes Wasser. Friert umgekehrt Wasser zu Eis wird derselbe Wärmebetrag der Kristallisationswärme frei (das wird beispielsweise bei Frostschutzberegnung genutzt). Durch die Schmelzenthalpie wird zusätzliche Wärme in frostkalten feuchten Mauern gespeichert oder bei Abkühlung freigesetzt. Deshalb ist die Thermische Energie, also der gesamte Wärmeinhalt, nicht in einfacher proportionaler Weise von der Temperatur abhängig.

Werden durch Zufuhr von Energie Moleküle aus einer Flüssigkeit gerissen, so wird die Substanz gasförmig. Die nötige zusätzliche Energie wird dabei Verdampfungsenthalpie oder Verdampfungswärme genannt. So wird trotz Energiezufuhr aus 100 °C heißem Wasser nur 100 °C heißer Dampf. Kondensiert umgekehrt Dampf zu Wasser wird derselbe Wärmebetrag der Kondensationswärme frei (das führt dazu, dass Verbrühungen mit 100 °C heißem Dampf der Haut mehr Wärme zuführen als Verbrühungen mit 100 °C heißem Wasser). Durch die Verdampfungsenthalpie wird zusätzliche Wärme in feuchter Raumluft gespeichert und dieser versteckte Wärmeinhalt geht beim Lüften meist verloren (beispielsweise bei feuchter Gewächshausluft sind das rund ein Drittel der Wärmeverluste eines Gewächshauses[4]).

Weitere Energiezufuhr zu einem Gas führt zu Überhitzung oder Plasma (die Energieabgabe beim Wiederabkühlen eines Plasmas wird beim Plasma-Schmelzschneiden genutzt).

Arten der Wärmedämmung (allgemein)Bearbeiten

 
Mondlandefähre Orion von Apollo 16 auf dem Mond; Sonnenschutzfolie soll die Aufheizung im ungefilterten Sonnenlicht bremsen (1972)

Bei Wärmedämm-Maßnahmen sind die Wärmeströme zu berücksichtigen, wo Wärme in ein System eindringt und gespeichert wird und wo Wärme das System verlässt. Wärme verlässt ein System entweder durch Abstrahlung, durch Wärmeleitung oder durch Konvektion in Flüssigkeiten oder Gasen oder durch Verluste latenter Wärme.

Wärmedämm-Maßnahmen bestehen nun darin:

Trugschlüsse

  • Fensterglas eines Gewächshauses (oder Wohnhauses) lässt die Wärmestrahlung der heißen Sonne eindringen aber die Wärmestrahlung des gering erwärmten Gewächshausinhalts (mit nunmehr anderer Wellenlänge) nicht nach außen dringen; dies führt zum Trugschluss, dass ein Gewächshaus Wärme nicht durch Wärmestrahlung verlieren könne. Die ausgehende Wärmestrahlung wird zwar nicht transmittiert, sondern im Glas absorbiert (oder vom Glas reflektiert), erwärmt aber somit das Glas, das seinen Wärmeinhalt dann wieder über Wärmestrahlung oder Wärmeleitung (an den Glasrahmen oder die umgebende Luft) abgibt. Wärmestrahlen reflektierende Wärmeschirme als Wärmedämmung können diese Wärmeverluste vermindern.
  • Es gibt keine Heizungen oder Wärmedämmungen, die nur auf einer Art von Wärmeübertragung basieren.
    • Heizelemente von Wärmestrahlheizungen geben Wärme auch durch Konvektion ab,
    • Heizkörper von Konvektionsheizungen strahlen auch Wärme ab und erwärmen über die Konvektion auch Möbelstücke und Wandoberflächen, die ihrerseits dann wieder Wärmestrahlung abgeben,
    • Wärmedämmende Schäume und Geflechte leiten Wärme sowohl durch Wärmestrahlung von innerer Porenoberfläche zu Porenoberfläche, Wärmeleitung in den Schaumgerüsten und Konvektion innerhalb der Gasinhalte von Poren.

KennwerteBearbeiten

Dies bezeichnet die spezifischen wärmedämmenden Eigenschaften eines Stoffes unter der Annahme, dass kein Luftzug (Konvektion) auftritt. Je kleiner der Wert, desto besser ist die wärmedämmende Wirkung.

Dieser bezeichnet die spezifischen wärmedämmenden Eigenschaften eines Bauteils unter Einbeziehung der Wärmeübergangswiderstände zu den angrenzenden Luftschichten. Das Bauteil kann aus mehreren Stoffen bestehen, die hintereinander oder nebeneinander angeordnet sind. Ein Beispiel wäre die Außenwand eines Gebäudes oder ein Fenster. Je kleiner der Wert, desto besser ist die wärmedämmende Wirkung. Der Kehrwert ist der Wärmedurchgangswiderstand.

Dieser entspricht dem Wärmedurchgangskoeffizienten, jedoch ohne Einbeziehung des Wärmeübergangswiderstands zu den angrenzenden Luftschichten. Der Kehrwert ist der Wärmedurchlasswiderstand.

In Nordamerika werden Bauteile üblicherweise mit dem R-Value charakterisiert und Baustoffe mit dem R-Value per Inch. Dies entspricht dem Wärmedurchlasswiderstand mit angloamerikanischen Maßeinheiten. Der Wärmedurchlasswiderstand in der metrischen Variante wird dort als RSI oder R(SI) bezeichnet. Ein RSI-Value [m²·K/W] entspricht etwa dem 0,176-fachen Umrechnungsfaktor für R-Value nach RSI-Value beispielsweise bei: eines R-Value [h·ft²·°F/Btu]

Der 0,144-fache Kehrwert des R-Value per Inch [h·ft²·°F/(Btu·in)] bzw. der 0,0254-fache Kehrwert des RSI-Value per Inch [m²·K/(W·in)] eines Stoffes ergibt die Wärmeleitfähigkeit λ [W/(m·K)].
[Der Umrechnungsfaktor 0,144 wird aus dem Faktor 0,176 für den R-Value nach RSI-Value und dem Faktor 0,0254 für Inch nach Meter wie folgt berechnet: 1 / (0,176 / 0,0254) = 0,144]

Wie schnell sich eine Temperaturänderung in einem Material ausbreitet, hängt nicht nur von seiner Wärmeleitfähigkeit, sondern auch von seinem Wärmespeichervermögen ab. Maßgeblich hierfür ist die Temperaturleitfähigkeit.

Wärmedämmung von GebäudenBearbeiten

Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.
 
Wärmedämmung bei einer Gebäudefassade
 
Steinwolle zur Wärmedämmung innerhalb einer Leichtbauwand in Kanada

Wärmedämmung wird eingesetzt, um die Auskühlung beheizter Gebäude zu minimieren. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts hatte die Wärmedämmung von Gebäuden einen geringen Stellenwert. Man behalf sich durch wärmende Bekleidung und das Zusammenrücken in wenigen, tagsüber beheizten Räumen oder man fror (aus Geld- und Kohlemangel). Viele Menschen arbeiteten körperlich und kühlten dadurch weniger aus, als es bei Schreibtischtätigkeiten der Fall wäre.

In den 1960er Jahren wurde Heizöl erschwinglich und konkurrierte mit der Steinkohle. Zahlreiche neue Wohnungen und Häuser wurden gebaut, bei deren Bau selten auf energetische Aspekte geachtet wurde. Im Zuge der ersten Ölkrise 1973/74 vervierfachte sich der Ölpreis; 1979/80 verdreifachte er sich neuerdings. In den 1970er und 1980er Jahren entstand – auch im Zusammenhang mit der Diskussion um Klimaerwärmung und Nachhaltigkeit sowie mit dem Waldsterben (mit Verzicht deswegen auf schwefelhaltige Brennstoffe wie etwa Braunkohle) – ein Bewusstsein für die Notwendigkeit und Rationalität von energiesparenden Maßnahmen wie z. B. Wärmedämmung.

In Deutschland trat im November 1977 die erste Wärmeschutzverordnung für Gebäude in Kraft; Anfang 2002 wurde sie von der Energieeinsparverordnung (EnEV) abgelöst.

Hauptproblematik: Wärmedämmung und FeuchtigkeitBearbeiten

Der menschliche Körper scheidet beim Atmen Wasserdampf aus (und noch rund 3000 flüchtige Verbindungen[6]). Daneben entsteht Wasserdampf beispielsweise auch durch Verdunstung beim Kochen, heiß Duschen, Wäsche trocknen, Boden wischen oder durch Verdunstung bei Zimmerpflanzen (siehe dort). Diese Feuchte in der Raumluft sollte aus (Wohn)Räumen abgeführt werden.

Feuchtetransport, Hygroskopische Speicherfähigkeit und KapillaritätBearbeiten

Die Raumluft steht mit Bauteilen und die Bauteile mit der Außenluft theoretisch in einem Feuchtegleichgewicht durch Absorption (mit daraus resultierender Gleichgewichtsfeuchte des Baustoffs).[7] Je nach Standort werden sich das Feuchtegleichgewicht und die Höhe des Wassergehalts anders schnell einstellen.[8] In der Praxis ändern sich jedoch die Feuchtegehalte von Raumluft und Außenluft stetig, darum bilden sich Feuchtegradienten (Konzentrationsgefälle) aus. Innerhalb der Bauteile bewegt sich die Feuchte durch Diffusion (Ausgleich von Konzentrationsunterschieden als natürlich ablaufender physikalischer Prozess) oder in Kapillaren und Rissen durch Kapillarität. Bei Diffusion der wasserdampfhaltigen Raumluft oder des Wasserdampfs durch Bauteile oder Wärmedämmungen (siehe dazu auch Wasserdampfdiffusionswiderstand) kann dieser Dampf bei Abkühlung und Unterschreitung des Taupunkts kondensieren und die betroffenen Bauteile mit Kondenswasser vernässen (siehe dazu auch Atmende Wand).

 
Taupunktkurve in blau. Je kälter das Bauteil ist, desto weniger Feuchte enthält die Luft, die relative Feuchte steigt dabei auf 100 %, damit wird der Taupunkt unterschritten und flüssiges Tauwasser fällt aus

Die Fähigkeit, Wasser kurzzeitig aufzunehmen und so bei Situationen wie (waagrechten) Schlagregen oder Kondensatbildung eine kritische Durchfeuchtung zu vermeiden, wird als hygroskopische Speicherfähigkeit bezeichnet (siehe auch w-Wert = Wasseraufnahmekoeffizient). Kapillaraktive Baustoffe (siehe zum Beispiel kapillaraktive Kleidung) sorgen dann für den Abtransport von Feuchtigkeit innerhalb der Konstruktion. Baustoffe, die beide Eigenschaften vereinen, sind unter anderem Ziegel, Gips, Holzfaserwerkstoffe, Lehm oder Calciumsilikat-Platten. Porenbeton besitzt zwar eine hohe Speicherfähigkeit, ihm fehlt aber die Eigenschaft, das Wasser wieder schnell abzugeben. Wichtig hierbei ist bei den Konstruktionen, dass sie den Wassertransport nicht durch ungeeignete Wandbeschichtungen (Dispersionsfarben, Tapeten, Dampfsperren) behindern.

Wird eine Baukonstruktion über einen längeren Zeitraum durchfeuchtet, kann dies Pilzwachstum (Schimmelpilze, vor allem Schwarzschimmel) begünstigen und Fogging- und Schwarzstaub-Effekte fördern, mit entsprechenden Gefahren für die Gesundheit der Bewohner sowie der Funktionstüchtigkeit und Werthaltigkeit der Bausubstanz. Feuchte Bauteile speichern mehr Wärme und leiten Wärme besser. Vernässte Bauteile im Frostbereich können durch Frostsprengung Schäden erleiden. Durch geeignete Materialien, Konstruktionsweisen und zusätzliche Maßnahmen können diese unerwünschten Auswirkungen verringert oder vermieden werden.

Tauwasseranfall durch InnenluftBearbeiten

Wärmedämmung vergrößert die Temperaturunterschiede innerhalb einer bestimmten Strecke. Wenn wasserdampfhaltige Innenluft oder Wasserdampf in entsprechend kalte Bereiche eindringt, wird am kältesten Punkt, genauer an einer dreidimensionalen Kältefront, der Taupunkt unterschritten (siehe dazu Taupunkt#Bauphysik). Mit einer luftdichten Abdichtung, einer sogenannten Dampfsperre, kann das unmittelbare Einströmen von Innenluft sowie die Wasserdampfdiffusion erschwert oder verhindert werden. In aller Regel werden weitere zusätzliche Vorkehrungen getroffen (etwa eine "Hinterlüftung"; siehe dazu hinterlüftete Fassade), damit die trotzdem eingetretene Feuchtigkeit wieder abgelüftet wird oder bis zu einem gewissen Grad unschädlich aufgenommen werden kann.

Durch wärmedämmende Maßnahmen kann die kälteste Stelle in ungünstigere Bereiche verlagert werden, beispielsweise beim Fenster von der Glasscheibe zur Laibung. Es wird daher angestrebt, in allen der Innenluft zugänglichen Bereichen eine Oberflächentemperatur oberhalb des Taupunktes zu erreichen, die Luftfeuchtigkeit durch Wohnungslüftung zu senken (kalte einströmende Winterluft enthält weniger Relative Feuchte) oder an diesen Stellen weniger problematische Baustoffe zu verwenden.

Tauwasseranfall durch AußenluftBearbeiten

Durch Wärmeabstrahlung ohne schnellen Nachschub von Strahlungswärme durch die Sonne, also in der Nacht, kühlt die Oberfläche von Wärmedämmungen ab. Bei Unterschreiten des Taupunkts kondensiert Feuchte aus der Luft aus, schlägt sich an der Oberfläche nieder und diffundiert durch Dampfdiffusion in das Bauteil oder gelangt durch Risse oder Haarrisse oder Baustoffkapillaren hinein. In den Poren der Baustoffe verteilt sich die Feuchte durch Kapillarwirkung und auch Diffusion. Kann diese Feuchte in der Folge nicht abtrocknen (beispielsweise wegen eines feuchtesperrenden Außenanstrichs oder vorgesetzten aufgeklebten Klinkerriemchen), so saugen sich die Baustoffe voll Feuchtigkeit.

FeuchtigkeitsschädenBearbeiten

Es ist zu prüfen, ob Wasser durch Kondensation der Innenluft, durch Lecks der Wasserversorgung oder Abwasserentsorgung oder von außen anfällt.

Im Sommer enthält Luft mehr Feuchte als im kalten Winter. Beim Lüften mit offenen (Keller)Fenstern wird diese Feuchte an Oberflächen in kalten Räumen (Keller, Kirchen) kondensieren. Schimmel wächst daher eher im Sommer, Modergeruch wird eher im Sommer bemerkt. Im Winter ist die Außenluft "trockener" (enthält weniger Feuchte). Da kondensiert dann Feuchte (beispielsweise aus der Wäschetrocknung im Keller oder wegen Bautrocknung) ebenfalls an kalten (nicht wärmegedämmten) Kellermauern. Nachträgliche Abhilfe schafft nur das Aufkleben von Aluminiumfolie oder anderer Dampfbremsen (als Dampfdiffusionshemmung) mithilfe von (schimmelhemmender) Borax-Lösung, Entfeuchtungsgeräte oder das Ablüften oder nicht-mehr-Zulüften der feuchten Luft.

Kalte Wände können über Messung der Oberflächeninnentemperatur kalter Stellen identifiziert werden (Infrarotstrahlungsmessung). Ist z. B. eine Fensterlaibung in der Nähe des Rahmens großflächig oder an einzelnen Stellen ungewöhnlich kalt, kann die Rahmendämmung Fehler aufweisen. Gegebenenfalls muss an dieser Stelle die Fuge zwischen Rahmen und Mauerwerk zur Überprüfung der Dämmung geöffnet werden. Bei eingebauter Dampfsperre wie Folien ist zuvor zu überlegen, inwiefern dabei diese beschädigt werden kann und gegen die Auswirkungen der Ursachenklärung des Schimmelbefalls abzuwägen. Das kondensierte Wasser kann an anderen Stellen des Mauerwerks an der Wand austreten und Schimmel bilden (tieferliegend, auch tieferliegend seitlich). Eine Sanierung durch das Einbringen von Schaum zwischen Rahmen und Mauerwerk kann bei selbst genutztem Eigentum kostensparend versucht werden. Tatsächlich ist aber eine fachgerechte Sanierung des Rahmeneinbaues mit Dampfsperren notwendig. Bei massiven Dämmfehlern ist zu überlegen, ob dabei auch der Aufbau unter Fensterbrettern und ggf. Außentürschwellen untersucht werden soll.

LuftdichtheitBearbeiten

Die bauphysikalischen Auswirkungen der Wärmedämmung können nicht losgelöst von weiteren Maßnahmen des (baulichen) Wärmeschutzes betrachtet werden. Neben der Wärmedämmung der "Gebäudehülle" (Wände, Decke des obersten Geschosses, Kellerdecke) sollten auch Wärmeverluste durch Luftzug (undichte Fenster, Kaminöfen in Betrieb und außer Betrieb, Absaugeffekt bei Lüftungsschächten durch Winddruck) vermieden werden und eine Verbesserung der Luftdichtheit der Gebäudehülle erreicht werden. Allerdings fehlt dann meist die Zuluft für einen Kaminofen (der dann vermehrt Kohlenstoffmonoxid produziert).

Die Erhöhung der Luftdichtheit der Gebäudehülle verhindert allerdings das Eindringen von kalter (und deshalb meist weniger feuchter) Außenluft, welche feuchtere Luft hinausdrängt.

Mittels einer kontrollierten Wohnraumlüftung kann bei gleichzeitiger Zufuhr von Frischluft die Raumluftfeuchtigkeit verringert werden, bei der Kondensation der Luftfeuchte wird dabei Wärmeenergie zurückgewonnen.

Die Luftdichtheitsebene ist dabei der Innenputz. Daher wird die Luftdichtheit eines Gebäudes nicht durch die Dämmung verändert, sondern in der Regel durch den luftdichten Anschluss neuer fugenfreier Fenster an den Innenputz, einer Maßnahme, die oft mit Wärmedämmung einhergeht. Durch diese Korrelation kommt es bei Laien zur falschen Annahme, die Dämmplatte sei die Ursache für eine veränderte Luftdichtheit (siehe dort).

Arten der WärmedämmungBearbeiten

Bei Gebäuden werden Baustoffe, Bauteile und sonstige konstruktive Methoden eingesetzt, um den Wärmedurchgang aufgrund von Wärmeleitung und Wärmestrahlung durch die Gebäudehülle einzuschränken. In vielen Fällen ist damit auch die Gewährleistung der Luftdichtheit verbunden.

  • Wärmedämmstoffe sind Stoffe, deren spezifische Wärmeleitfähigkeit λ besonders gering ist (kleiner als 0,1 [W/(m·K)]) und deren Hauptzweck die Wärmedämmung ist.
Typische Ausführungsarten der Wärmedämmung in Bezug auf das Gebäudeteil sind: Dachdämmung, Wanddämmung, Fassadendämmung, Perimeterdämmung und Deckendämmung. In Bezug auf die Lage im Gebäudeteil sind typische Ausführungsarten: Innendämmung, Gefachdämmung, Kerndämmung, Außendämmung.

Sonderfall InnendämmungBearbeiten

 
Temperaturverlauf in einer außen gedämmten Kalksandsteinwand im WDV-System

Innendämmungen werden meistens ausgeführt, um eine historische Fassade erhalten zu können, z. B. bei Fachwerkhäusern. Sie bieten sich ebenso an, wenn aus architektonischen Gründen die tragende Wandschale auch die sichtbare Außenfläche bilden soll und eine zweischalige Wand zu aufwändig wäre, beispielsweise bei Naturstein-, Klinker- oder Sichtbetonwänden, sowie bei Blockhäusern.

Innendämmungen sind problematischer, da der Taupunkt nach innen wandert. Die im Winterhalbjahr in die Dämmschicht diffundierende, feuchte Innenraumluft kondensiert; dies kann zu Schäden am Bauwerk führen, wenn der Feuchtigkeitsgehalt dauerhaft bestimmte Höchstwerte überschreitet.

Häufig wird daher die Innendämmung durch eine Dampfbremse vor eindringendem Wasserdampf geschützt. Die Verwendung einer separaten, dünnen Dampfbremsschicht bringt einige Nachteile mit sich:

  • An Übergängen zu Wänden, Decke, Vor- und Rücksprüngen und Wandöffnungen sowie bei Durchdringungen für Steckdosen, Heizungsrohre usw. sind völlig luftdichte Anschlüsse schwierig herzustellen. Dampfbremsfolien sind anfällig für spätere Beschädigungen. Da eindringende Luftfeuchtigkeit durch die Dampfbremse schlecht zur Innenwandseite hin abtrocknen kann, kann es insbesondere bei der Verwendung von leicht durchströmbarem, nicht-kapillarem Dämmstoff wie Mineralwolle zur Ansammlung von größeren Feuchtigkeitsmengen kommen. Kleinere Feuchtigkeitsmengen können durch die Außenwand abtrocknen, wenn ausschließlich kapillaraktive Baustoffe verwendet werden.
  • Die Dampfbremse behindert die Austrocknung von Aussenwänden, die an der Wetterseite häufig von Schlagregen betroffen sind, zur Innenwandseite hin.

Da die Dampfbremse den Feuchtigkeitsaustausch mit der Innenraumluft behindert, sollte vor der Dampfbremse innenraumseitig eine Schicht von wenigstens 2 cm Stärke aus diffusionsoffenem, speicherfähigem Material wie Putz oder Holz vorgesehen werden, um die erwünschte Pufferwirkung der Wandoberfläche zu ermöglichen.

Inzwischen liegen langjährige Erfahrungen mit Innenwanddämmungen vor, die ohne klassische Dampfbremsschicht auskommen. Voraussetzung ist die zügige Ableitung des sich in der Dämmschicht bildenden Tauwassers zur inneren und äußeren Wandoberfläche durch die durchgehende Kapillarität des gesamten Wandaufbaus. Hierzu werden kapillaraktive Dämm- und Wandbaustoffe hohlraumfrei miteinander verbunden. In Feuchträumen und Küchen empfiehlt es sich, die Menge des in die Wand eindringenden Wasserdampfs (siehe dazu "Atmende Wand") zu begrenzen, indem beispielsweise ein kunstharzhaltiger Innenputz mit definiertem Diffusionswiderstand verwendet wird. Erhältlich sind auch Holzfaserdämmplatten mit einer speziellen integrierten mineralischen Dampfbremse, welche die Kapillarität kaum einschränkt. Neben Leichtlehm und Holzfaserdämmstoff wurde eine Vielzahl neuartiger Dämmstoffe entwickelt, die sich als Innendämmung eignen. Dazu gehören Wärmedämmputze, Mineralschaumplatten, Calciumsilikatplatten und Verbundmaterialien mit leichten mineralischen Zuschläge wie Perlite und Blähton.

In jedem Fall sollte eine Innendämmung hohlraumfrei und strömungsdicht gegenüber der Raumluft mit der Wandkonstruktion verbunden werden, um sowohl eine Hinterlüftung als auch Konvektionsströmungen innerhalb des Wandaufbaus zu vermeiden, die im Winter zu lokal erhöhter Kondensatbildung führen würden.

ProblemeBearbeiten

BrandschutzBearbeiten

Zu Brandschutz und entsprechenden Problemen mit Polystyrolschaumstoffen siehe Polystyrol#Brandverhalten und Wärmedämmverbundsystem#Brandverhalten.

Luftdichtheit und ZwangsbelüftungBearbeiten

Mit zunehmender Luftdichtheit der Gebäudehülle zur Vermeidung von Lüftungswärmeverlusten sind sporadisches manuelles Lüften, der vorhandene unkontrollierte Luftaustausch sowie Diffusionsvorgänge kaum mehr ausreichend, um ausreichend Feuchtigkeit aus dem Gebäude abzuführen. Neben dem Aspekt der Frischluftversorgung der Bewohner ist aus diesem Grund eine kontrollierte Wohnraumlüftung ab einer gewissen Höhe des Wärmeschutzes unumgänglich. Da die Erhöhung des Wärmeschutzstandards eine kontinuierliche Entwicklung war, eine kontrollierte Wohnraumbelüftung jedoch eine sprunghafte Veränderung der bisherigen Gebäudetechnologie darstellt, wurde dieser begleitende Entwicklungsschritt nicht immer vollzogen und ist bei nachträglicher Verminderung der Lüftungswärmeverluste meist auch kaum mehr möglich. Auftretende Feuchtigkeitsschäden werden – mangels Kenntnis der Zusammenhänge – der Wärmedämmung zugeschrieben. Kritiker bemängeln hier, dass die Zwangsbelüftung eines Gebäudes ein unnatürlicher Zustand sei, der in der Vergangenheit nie notwendig war. Angeführt wird auch das Argument, dass diffusionsoffene und kapillaraktive Baustoffe eine ansonsten notwendige Zwangsbelüftung entbehrlich machen. Weiterhin, dass Baufehler, wie Undichtigkeiten oder Löcher in der Rahmendämmung, nicht erkannt und Belüftungsfehler verantwortlich gemacht werden.

Algenbefall an Bauteilen im AußenklimaBearbeiten

Je besser die Wärmedämmung, desto geringer sind die Temperaturunterschiede zu den angrenzenden Luftschichten, und je geringer die Wärmespeicherfähigkeit, desto schneller findet die Anpassung der Temperatur statt. Bei Bauteilen, deren Oberflächentemperatur während der nächtlichen Abkühlungsphase nahe der Außentemperatur liegt, kann Tauwasser anfallen und dadurch ein Algenbefall oder Bewuchs von "Mischexpositionen" (Algen, Pilze, Moos, Mikroorganismen)[9] gefördert werden. Besonders anfällig für Algenwachstum sind beschattete Außenwände mit hoher Wärmedämmung und geringer Wärmespeicherfähigkeit eines dünnen Außenputzes auf einer Dämmstofflage. Laut einem Bericht des NDR wären 75 % der wärmegedämmten Häuser davon betroffen, die zugemischten Algizide und Fungizide wären in der Landwirtschaft bereits verboten[10] und werden rasch in die Umwelt ausgewaschen.

Daneben hängt die Fraßaktivität holzzerstörender Insekten auch vom Feuchtegehalt des Holzes ab.[11]

BauschädenBearbeiten

Bei der Installation von Dämmmaterialien muss insbesondere das grundlegende bauphysikalische Prinzip des von innen nach außen abnehmenden Wasserdampfdiffusionswiderstands beachtet werden. Besonders eklatante Bauschäden treten auf, wenn die oft sehr luftdurchlässige Mineralwolle aufgrund von Undichtigkeiten der inneren Bekleidung von feuchter Raumluft durchströmt wird. Mineralwolle ist nicht in der Lage, im Winter in der Dämmschicht kondensierende Luftfeuchtigkeit kapillar abzuführen, so dass unter ungünstigen Umständen eine vollständige Durchnässung erfolgt. Als Folge können angrenzende Baustoffe durchfeuchten und Fäulnis und Schimmelbildung auftreten. Im Falle einer schlecht ausgeführten Innendämmung kann es auch ohne Durchströmung zu einer Auffeuchtung von Mineralwolle kommen, wenn über längere Zeiträume nicht ausreichend gelüftet wird.[12]

Nachtabsenkung der Raumlufttemperatur führt zur Kondensation von Feuchte an der Innenseite kalter Außenwände. Die feuchte Wand hat dann ein erhöhtes Wärmespeichervermögen und kann bei nur kurzen Aufheizphasen am nächsten Tag nur ungenügend erwärmt werden, in der Folge kann die Feuchte nicht mehr abtrocknen.[11]

Wärmedämmung und WirtschaftlichkeitBearbeiten

Es ist äußerst schwierig, eine allgemeine Aussage über die Wirtschaftlichkeit von wärmedämmenden Maßnahmen zu treffen, da es viele Einflussfaktoren gibt. Entscheidend zur Ermittlung des energetischen Einsparpotenzials sind die klimatischen Randbedingungen, das Außen- und Innenklima und der energetische Zustand der Bauteile vor und nach der Sanierung. Aber auch die finanziellen Randbedingungen sind von großer Bedeutung, darunter die tatsächlichen Sanierungskosten, Kreditkosten und Laufzeiten sowie die beabsichtigte Nutzungsdauer. Neben diesen projektspezifischen Angaben sind zudem allgemeingültige, jedoch unstete Parameter wie Energiepreis und Energiepreissteigerung sowie Realzinsentwicklung wichtig.

Aufgrund des starken Einflusses unsicherer Randbedingungen sollte die Amortisationszeit von energetischen Maßnahmen in Zeiträumen angegeben werden. Gemäß einer Studie im Auftrag des Gesamtverbands Dämmstoffindustrie ergeben sich für die an einem Gebäude typischerweise durchgeführten Wärmeschutzmaßnahmen die in der folgenden Tabelle aufgeführten Amortisationszeiten.[13]

Bauteil
Dämmung
Typischer Ausgangs-
U-Wert [W/(m²·K)]
Amortisationszeit [a]
Mittelwert Bereich mit 95%iger
Wahrscheinlichkeit
Außenwand WDVS
(EPS und MW)
energiebedingte Kosten


1,4


6


4 bis 10
Kellerdecke
von unten mit Bekleidung
ohne Bekleidung

1,3
1,3

8
6

6 bis 13
4 bis 10
Steildach (Sanierung von
außen inkl. kompletter
Neueindeckung)
energiebedingte Kosten



0,9



10



6 bis 16
Flachdach
energiebedingte Kosten

0,9

7

5 bis 13
Oberste Geschossdecke
begehbar
nicht begehbar

0,9
0,9

10
3

6 bis 15
2 bis 5

Der Studie im Auftrag des Gesamtverbands Dämmstoffindustrie gegenüber steht eine Studie des Instituts für Technische Gebäudeausrüstung Dresden, dieses verglich 2014 52 verschiedene Varianten zur Erneuerung der Heizanlage und Dämmung der Gebäudehülle. Von den acht untersuchten Varianten der Wärmedämmung amortisiere sich keine einzige unter 30 Jahren. Der Dämmung wird sogar eine negative Auswirkung auf den Heizenergieverbrauch zugeschrieben, weil wärmegedämmtes Mauerwerk die Wärme der Sonneneinstrahlung nicht mehr speichern könne.[14][15]

Bereits 1985 fand das IBP-Institut für Bauphysik der Fraunhofer Gesellschaft heraus, dass ein Heizanlagentausch bei der Gebäudesanierung im Vergleich zur reinen Dämmmaßnahme meist wirtschaftlicher wäre.[16]

In einem Feldtest zur energetischen Sanierung von Wohngebäuden wurden knapp 180 Objekte (Einfamilienhaus/Zweifamilienhaus/Mehrfamilienhaus) untersucht, bei denen nach dem Jahr 2006 der Heizkessel erneuert und/oder die Wärmedämmung verbessert wurde. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie groß die Diskrepanz zwischen dem technischen Potenzial von Sanierungsmaßnahmen und den Erfolgen in der Praxis ist und mit welchen Hebeln die Wirksamkeit von Sanierungen gesteigert werden könnte. Bei der Maßnahmenkombination Dach-Außenwand-Fenster konnten Einsparungen zwischen 21 und 48 Prozent nachgewiesen werden. Auffällig war, dass die Dämmung von Verteilleitungen und Armaturen im unbeheizten Bereich in vielen Fällen zu wünschen übrig lässt. Als Ursachen für ausbleibende Sanierungserfolge werden primär Mängel in der Qualitätssicherung vor, während und nach der Sanierung gesehen. So führten beispielsweise nach Dämmmaßnahmen gerade mal 10 Prozent eine Heizungsoptimierung durch. Mit teils einfachen Optimierungen und Nachbesserungen könnte im Bereich Raumwärme und Warmwasserbereitung zusätzlich ca. 25 bis 30 kWh/m²a gespart werden.[17] (siehe dazu auch Heizkessel#Erfassung und Vermeidung von unnötig hohen Energieverbräuchen)

Bei nichttransparenten Gebäudeteilen wird ein Teil der auftreffenden solaren Strahlungsenergie an der außenseitigen Oberfläche reflektiert und ein Teil in Wärmeenergie umgewandelt. Der dadurch bewirkte Temperaturanstieg an der Außenseite verringert den Temperaturunterschied zwischen der (warmen) Innenseite und der (kälteren) Außenseite eines Gebäudes, so dass weniger Wärme aus dem Gebäude abfließe. Kritiker[18] der Wärmedämmung argumentieren hier, dass es energieeffizienter sei, dem solaren Strahlungseintrag einen möglichst geringen Wärmedämm-Widerstand entgegenzusetzen und stattdessen eine ausreichend hohe Wärmekapazität der Außenwand vorzusehen, um genügend solare Energie zu speichern. Es wird auch die Meinung vertreten, der Wärmebedarf eines Hauses könne mit Wärmedämmung sogar höher werden als ohne.[19] Als Beleg hierfür wird eine Erhebung des Hamburger GEWOS-Instituts von 1995[20] angeführt, die jedoch erhebliche Mängel aufweist, beispielsweise die fehlende Überprüfung der Verluste der Heizungssysteme.[21]

Kritik und KontroversenBearbeiten

Dämmwahn ist ein satirisches Synonym für übertriebene Wärmedämmung von Gebäuden, wenn der Aufwand für Wärmedämmung unwirtschaftlich, unsozial und umweltschädigend ist und sich nur für die Wärmedämmindustrie rechnet[22].

Mit dem satirischen Schlagwort Volksverdämmung (Titel des Nachrichtenmagazins Der Spiegel vom Dezember 2014[23]) wird dabei kritisiert, dass Wärmedämmung als Allheilmittel und alleinige Lösung bei zu hohen Energiekosten gepriesen wird, nicht sinnvoll wäre und Mieter und Hausbesitzer dabei um Milliarden betrogen würden.[24]

Ab etwa 1996 machte sich der Architekt Konrad Fischer einen Namen als „Dämmketzer“[25] bzw. als „einer der schillerndsten Dämmgegner in Deutschland“,[26] indem er viele Maßnahmen der Wärmedämmung, insbesondere konventionelle Wärmedämmverbundsysteme an Außenfassaden, als „kostspielige Fehlinvestition“[27] und als „Klimbim der Dämmstoffindustrie“[28] verurteilte.

Er zitierte und übernahm dabei,[29] im Wesentlichen die Thesen des Architekten und Bauphysikers Claus Meier[30][31][32] es »kann bei einer strahlungsintensiveren Heizung die Raumlufttemperatur gegenüber den konvektionsoptimierten Heizungen wesentlich gesenkt werden – die Energieeinsparung ist demzufolge eine gewaltige«.[30] Weil die Luftfeuchtigkeit der Innenraumluft (Quelle: Atmung, Verdunstung, Trocknung, Pflanzen etc.) durch Luftaustausch aus Wohnräumen entfernt werden soll, ginge mit dem Luftaustausch bei Konvektionsheizung (bei der die Raumluft erwärmt wird) mehr Energie verloren als bei Körper- oder Wanderwärmung durch Wärmestrahler (früher waren eher Einzelöfen verbreiteter als Zentralheizungen). Somit wären (nach Fischer) Heizsysteme auf Basis von Wärmestrahlung selbst mit undichten Fenstern effizienter als solche mit Konvektionsheizung samt Wärmedämmung. Unterlassene Luftwechsel der angenehm warmen Luft würden häufig zur Kondensation von Feuchte in Innenräumen und in Folge in Verbindung mit organischen Nährstoffen (aus Bindemitteln, Farbanstrichen, Tapetenklebern, Papiertapeten) zu gravierenden Schwarzschimmelbelastungen führen. Bei Strahlungsheizungen wären aber (laut Fischer[33]) die "Gebäudehüllflächen" durch Wärmestrahlungsaufnahme stets wärmer als die Luft, die Luft würde dort niemals unter den Taupunkt abgekühlt, der Innenputz könnte nicht vernässen und es wüchse kein Schimmel; bei Konvektionsheizungen wäre die Luft stets wärmer als eine Wand, wodurch an einer Wand der Taupunkt unterschritten werden könnte. Um ihrem Haftungsrisiko zu entgehen, empfahl Fischer Planern die Prüfung der Wirtschaftlichkeit jeder Dämmungsmaßnahme durch Berechnung der etwaigen Amortisation der Dämmungskosten eines Bauteils einschließlich der Kosten von Unterhaltung und Entsorgung, bezogen auf einen angemessenen Zeitraum von in der Regel zehn Jahren. In den durch derartige Kosten-Nutzen-Analysen aufzudeckenden Fällen unbilliger Härte, die nach Fischers Ansicht häufiger als gemeinhin angenommen aufträten, sollten Planer und Bauherren die Möglichkeit der Befreiung von Anforderungen der Energieeinsparverordnung und des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes nutzen.[34] Auch andere Bauexperten geben der Strahlungsheizung (als Wandheizung, Fußbodenheizung oder Deckenstrahlungsheizung) den Vorzug.[35][36][37]

Wärmedämmung in der TechnikBearbeiten

AllgemeinesBearbeiten

In der Technik wird Wärmedämmung eingesetzt, um technische Prozesse zu ermöglichen oder aufrecht zu erhalten oder deren laufenden Energiebedarf zu minimieren. Weitere Einsatzgebiete sind beispielsweise die Verhinderung von Frostschäden oder der Schutz von Lebensmitteln, aber auch der Schutz von Raumflugkörpern durch ein Hitzeschild.

AnlagentechnikBearbeiten

 
Wärmegedämmte Rohrleitungen in einem Heizungskeller. Zur Minimierung der Verluste durch Strahlungsaustausch werden die Rohrleitungen speziell gedämmt, um die Oberflächentemperatur zu senken (wirkt mit der 4. Potenz der Temperaturen an den im Austausch befindlichen Oberflächen). Die Oberflächen werden metallisch glänzend (hier die Rohrleitungen) oder zumindest weiß (auch die Kellerdecke) ausgeführt, um die Emissionsfaktoren des Rohres und der Kellerwand abzusenken.

Der Schutz vor Wärmeverlusten bzw. Kälteverlusten durch „Wärmegewinne“ bei Kältemaschinen und ihren Rohrleitungen (Kälteanlagen), ist sowohl für die Energieeffizienz, als auch für die Anlagenfunktion an sich in vielen Fällen betriebsnotwendig. Durch die gestiegenen Kosten fossiler Energieträger kommt ein ökonomischer Anreiz hinzu.

Wärmedämmung bei LebewesenBearbeiten

Die Bandbreite körpereigener Wärmedämmung endothermer Tiere reicht von der natürlich vorhandenen Behaarung bzw. Befiederung, über das Fettgewebe bis zur Speckschicht warmblütiger (endothermer) Wirbeltiere (besonders bei polarer oder mariner Lebensweise). Darüber hinaus verwenden viele Tiere beim Nestbau isolierende Materialien.

In Ermangelung einer dichten Behaarung, wie sie die meisten anderen Säugetiere aufweisen, bedienen sich Menschen einer Bekleidung oder Umhüllung (Schlafsack, Bettware) aus pflanzlichen oder synthetischen Fasern sowie Tierfellen und Federn (beispielsweise Daunenjacke, Daunenmantel, Daunenoverall), um sich vor Wärmeverlust zu schützen (siehe auch Nacktheit).

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hans-Liudger Dienel: Ingenieure zwischen Hochschule und Industrie. Vandenhoeck & Ruprecht, 1995, ISBN 3-525-36047-9, S. 398.
  2. Taissija I. Trofimowa: Physik. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-322-87254-8, S. 78 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. K. Lucas: Thermodynamik. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-662-10520-7, S. 157 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Energieoptimierte Gewächshausentfeuchtung (pdf-Datei); Energie Schweiz
  5. Friedrich Tabellenbuch Bautechnik, Ferd. Dümmlers Verlag Bonn, Wärmetechnische Grundlagen.
  6. Atemgasanalyse: Über die Atemluft lassen sich Krankheiten diagnostizieren
  7. Ekkehard Richter: Lehrbuch der Bauphysik. Springer-Verlag, 2008, ISBN 978-3-519-55014-3, S. 215 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. Die Kellertrockenlegung und Mauertrocknung sowie die Ursachen der Feuchtigkeit im Mauerwerk.
  9. Algen und Pilze an der Fassade. Hintergründe, Ursachen und Lösungsansätze, Firmenwebsite, (pdf-Datei)
  10. Güven Purtul, Jenny Witte: Häuser-Dämmung: Gifte in der Fassade. TV-Reportage vom 9. Oktober 2012, abgerufen am 4. September 2014.
  11. a b Peter Rauch Ph.D.: Tauwasser und Feuchtigkeit im Mauerwerk. Ingenieurbüro Peter Rauch, 2011, ISBN 978-3-00-036810-3, S. 11 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  12. Vom Sinn und Unsinn der Fassadendämmung. Website der Immowelt AG. Abgerufen am 16. Februar 2015.
  13. F.I.W. München: Bericht FO-2015/02 „Wirtschaftlichkeit von wärmedämmenden Maßnahmen“. April 2015.
  14. Nicht aus dem Bauch. "Die Maßnahmen mit dem besten Energiespar-Investitions-Verhältnis liegen im Bereich der Heizungstechnik", sagt Prof. Bert Oschatz bei zeit.de
  15. Bei der Sanierung geht Heizung vor Dämmung, bei sbz-online.de; (pdf-Datei)
  16. Verdämmung oder Verdummung?, bei bonndirect.com
  17. Studie „Wirksam Sanieren: Chancen für den Klimaschutz – Feldtest zur energetischen Sanierung von Wohngebäuden“. co2online gemeinnützige GmbH, Berlin, August 2015.
  18. Sebastian Knauer: Windige Geschäfte mit dem Klimaschutz. Spiegel Online, 27. Oktober 2006, abgerufen am 10. April 2013.
  19. Richard Haimann: Wärmedämmung kann Heizkosten in Höhe treiben. Die Welt, 8. Oktober 2012, zuletzt abgerufen am 4. September 2014.
  20. GEWOS-Institut für Stadt, Regional- und Wohnungsforschung GmbH: Analyse Heizenergieverbrauch bestehender Mehrfamilienhäuser. Hamburg, November 1995.
  21. G. Hauser, A. Maas und K. Höttges: Analyse des Heizenergieverbrauchs von Mehrfamilienhäusern auf der Basis der GEWOS-Erhebung. Deutsche Bauzeitschrift 3/97.
  22. Frank-Michael Barth: Thermodynamik für Maschinenbauer. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2016, ISBN 978-3-11-041336-6, S. 189 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  23. Energiewende: Wie Mieter und Hausbesitzer um Milliarden betrogen werden, Der Spiegel, Dezember 2014, zitiert bei: Erwin Thoma: Holzwunder. Servus, 2016, ISBN 978-3-7104-5017-4 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  24. Wärmedämmung sinnvoll oder Volksverdämmung
  25. Wolfgang Neustadt: „Wärmedämmung senkt Heizkosten nicht!“ – Der Architekt Konrad Fischer tritt an gegen die staatliche Dämmpolitik. In: Harald Streck (Hrsg.): Neue Stadtbaukultur. Jahrbuch 2013 – Stadtbild Deutschland. Books On Demand, Norderstedt 2014, ISBN 978-3-7322-9770-2. S. 69 (Google Books)
  26. Ulrike Scheffer: Glaubenskrieg ums Dämmen. In: Der Tagesspiegel, 11. April 2016
  27. Sebastian Knauer: Windige Geschäfte mit dem Klimaschutz. In: Der Spiegel, 27. Oktober 2006
  28. Georg Meck: Stoppt den Dämmwahn! In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Mai 2014
  29. Konrad Fischer: Die Temperierung der Gebäude-Hüllflächen 21
  30. a b Meier, C.: Praxis-Ratgeber zur Denkmalpflege Nr. 7, Altbau und Wärmeschutz - 13 Fragen und Antworten. Informationsschriften der Deutschen Burgenvereinigung e.V., Marksburg, Braubach,1999; zitiert bei Die Temperierung der Gebäude-Hüllflächen 21.
  31. Prof. Dr.-Ing. habil. Claus Meier: Dämmen wir uns in die Sackgasse? Wärmeschutz und Energieeinsparverordnung. Widersprüchliches und Absurdes, Vortrag anlässlich der Backsteintage 2001, 30./31.01.2001 in Hildesheim/Westerstede, (pdf-Datei)
  32. Claus Meier: Investitions- und Folgekosten bei Bauvorhaben. expert verlag, 1996, ISBN 978-3-8169-1289-7, S. 153 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  33. Prof. Meiers kontroverse Beiträge zum Energiesparen 5
  34. Alexander Tauchert, Konrad Fischer: Unwirtschaftlichkeit energetischer Sanierungen: Neue Haftungsfalle für Planer. In: Wirtschaftsdienst Ingenieure & Architekten 12/2010, S. 17 ff. (PDF)
  35. Heizung: Konvektionsheizung oder Strahlungswärme?; bei energie-experten.org
  36. Strahlungs- und / vs. Konvektionswärme
  37. Peter Kosack: Bericht zum Forschungprojekt „Beispielhafte Vergleichsmessung zwischen Infrarotstrahlungsheizung und Gasheizung im Altbaubereich“; TU Kaiserslautern, 2009, (pdf-Datei)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Wärmedämmung – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

KontroversenBearbeiten

LiteraturBearbeiten