Richard Parkinson

deutscher Südseeforscher und Kolonist

Richard Parkinson (* 13. November 1844 in Augustenborg auf der Insel Alsen, Dänemark; † 1909 auf Kuradui, Neubritannien) war ein deutscher Südseeforscher und Kolonist.

Richard Parkinson

BiographieBearbeiten

Herkunft und AusbildungBearbeiten

Angeblich war Parkinson der Sohn des englischen Gestütsleiters des Hauses Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg auf Schloss Augustenburg Richard H. R. Parkinson und der Schustertochter Luise Brüning (laut anderer Quellen: Sophie Caroline Brüning[1]). Die Eltern hatten erst kurz vor der Geburt Parkinsons am 9. Oktober 1844 geheiratet. Gerüchten zufolge soll Parkinson allerdings ein uneheliches Kind des Herzogs von Augustenburg gewesen sein.

Nachdem der Herzog nach der fehlgeschlagenen Schleswig-Holsteinischen Erhebung in die Verbannung gehen müsste, verlor auch Parkinsons Vater seine Anstellung und kehrte nach England zurück. Die Prinzessinnen von Augustenburg, Parkinsons vermutliche Halbschwestern, ermöglichten ihm daraufhin eine Schulbildung und die Ausbildung zum Lehrer auf dem Seminar in Tondern, die er um 1866 abschloss.

Frühe Jahre und Wechsel in die SüdseeBearbeiten

Anschließend arbeitete er in seinem Beruf auf der zu der Zeit britischen Insel Helgoland. Er war sehr musikalisch, gründete einen Gesangsverein und schrieb Theaterstücke, die er in dem kleinen Theater der Insel selbst inszenierte und auch Rollen übernahm. Auf Helgoland lernte Parkinson den Hamburger Kaufmann Johan Godeffroy und seinen Agenten Johann Kubary kennen und erhielt durch sie eine Anstellung als Plantagenleiter auf Samoa.

1875 ging er als Vertreter des Hamburger Handelshauses J.C. Godeffroy & Sohn nach Samoa, wo er 1879 Phoebe (bzw. Phebe) Coe (1863–1944) heiratete. Diese war die Schwester von Emma Forsayth-Coe, später bekannt als Queen Emma. Ab Ende 1881 unterstütze Parkinson seine Schwägerin von ihrem Anwesen auf der Insel Mioko aus beim Landkauf von örtlichen Häuptlingen auf der Gazelle-Halbinsel und bei der Einrichtung einer großen Kokos- und Kakaoplantage um Kokopo (damals Herbertshöhe). 1882 übernahm er auch die Leitung ihrer Unternehmungen auf der Insel und siedelte mit seiner Frau selbst nach Neupommern (Neubritannien) über, wo sie selbst Pflanzungen von Kokospalmen und Baumwolle anlegten. Das Paar hatte insgesamt zwölf Kinder, darunter Helene Blanche (Nellie) Parkinson (1883–1933), die am 12. Januar 1901 den deutschen Carl Wilhelm Heinrich Diercke (1872–1915) ehelichte, den Sohn des Pädagogen und Kartographen Carl Diercke (1842–1913), der als Herausgeber des Diercke-Schulatlas Bekanntheit erlangte.[2]

Hinwendung zur WissenschaftBearbeiten

 
Richard Parkinson mit einem seiner Söhne

Im Oktober 1891 gab Parkinson seine Tätigkeit als Pflanzer auf und betätigte sich von da an als Ethnologe, Forscher und Autor. 1893 kehrte er kurzzeitig nach Deutschland zurück, um Kontakte zu Museen und wissenschaftlichen Sammlungen zu knüpfen, um seine Sammelobjekte aus dem pazifischen Raum vermarkten zu können. Bei dieser Gelegenheit traf er auch mit Mitgliedern des Augustenburger Hauses zusammen.

In der Folge unternahm Parkinson größere und kleinere Reisen durch den Bismarck-Archipel, den Salomon-Inseln, nach Neuguinea und Bougainville, die zu dieser Zeit als Kolonien Teil der Deutschen Schutzgebiete in der Südsee waren. Unter anderem begleitete er 1899 Robert Koch auf seinen Forschungsreisen zur Malaria und Frambösie in Neuguinea.

Kurz darauf erkrankte Parkinson, was seine Reise-, Forschungs- und Sammleaktivitäten zunehmend einschränkte, sodass seine Frau diese Tätigkeiten immer mehr in Eigenregie übernahm. Die Korrespondenz verfasste er allerdings weiterhin, sodass der Beitrag seiner Frau zunächst nicht bekannt wurde.[3] Parkinson starb schließlich 1909 und wurde auf dem Familienfriedhof in Kuradui beigesetzt, wo sein Grab erhalten ist.

Tätigkeit als AutorBearbeiten

Parkinson verfasste zu seinen Forschungsgebieten, zum Beispiel auch zum Kannibalismus, ein umfangreiches schriftliches Werk.

 
Phebe Parkinson übersetzt für ihren Mann

Sein Hauptwerk, Dreißig Jahre in der Südsee, erschien in mehreren Auflagen (zuerst 1907 und 1911 herausgegeben von Bernhard Ankermann, dann 1926 bearbeitet von August Eichhorn). Es beschreibt ausführlich Neupommern mit den Inselgruppen Neulauenburg (Duke-of-York-Inseln), Neumecklenburg (Neuirland) und Neuhannover (Lavongai), St.-Matthias-Inseln, die Admiralitätsinseln und die deutschen Salomon-Inseln, sowie Geheimbünde, Totemismus, Masken und Maskentänze, Sagen und Märchen der Region und die Sprachen der einheimischen Bevölkerung. Ein Großteil der Recherche zu diesem Werk hing von Parkinsons Frau Phebe und ihren erworbenen Sprachkenntnissen ab, da Parkinson selbst keine der Sprachen der Ureinwohner beherrschte.[3]

BenennungenBearbeiten

Auf Buka wurde eine Bergkette im Westen der Insel Parkinson Range benannt.[4] Weiterhin heißt ein kleines Kap etwa 5 km nordwestlich von Kokopo Parkinson Point.[5]

WerkeBearbeiten

  • Im Bismarckarchipel. Brockhaus Verlag, Leipzig. 1887 (online; Repr. 2006 im Verlag Fines Mundi, Saarbrücken).
  • Beiträge zur Kenntnis des deutschen Schutzgebietes in der Südsee. Mitt. Geogr. Gesellschaft Hamburg, Hamburg. 1887/88.
  • Beiträge zur Ethnographie der Matty- und Durourinseln. Internat. Archiv für Ethnographie, Leiden IX. 1896.
  • Zur Ethnographie der Ongtong, Java- und Tasmaninseln. Internat. Archiv für Ethnographie, Leiden X. 1897.
  • Die Volksstämme Neupommerns. Abhandlungen u. Berichte des Zoologischen Museums Dresden, Dresden. 1899.
  • Zur Ethnographie der nordwestlichen Salomo Inseln. Berlin, 1899.
  • Papuaalbum (zusammen mit A. B. Meyer, 2 bändig), Dresden. 1894 und 1900.
  • Dreißig Jahre in der Südsee. Land und Leute, Sitten und Gebräuche im Bismarckarchipel und auf den deutschen Salomoinseln. Herausgegeben von Dr. B. Ankermann, Direktorial-Assistent am königlichen Museum für Völkerkunde zu Berlin. Strecker & Schröder, Stuttgart. 1907. (online; Neuausgabe ebd. 1911; 2. Auflage bearbeitet und herausgegeben von Prof. Dr. August Eichhorn, ebd. 1926)
  • Aberglaube und Zauberwesen der Südseeinsulaner. Ensslin & Laiblin, Reutlingen 1932.

LiteraturBearbeiten

  • Golf Dornseif: Deutschlands Fehlgriff nach den Salomonen. online (Zur Verfügung gestellt von Yumpu.com, abgerufen am 15. März 2021).
  • H. Gründer: Traum von der Südsee. Damals. Das Magazin für Geschichte und Kultur, Heft 9/2008, S. 23
  • Stichwort Parkinson, Richard. In: Heinrich Schnee (Hrsg.): Deutsches Kolonial-Lexikon. Quelle & Meyer, Leipzig 1920, Band III, S. 24 (online).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Arthur Haag: Richard H.R. Parkinson. Sönderjysk MÂnedsskrift, 47. Jahrgang 47, 1971. Nr. 4. S. 126–131.
  2. Gerhard Drebes und Falk Ritter: Der "Atlas" - Diercke und seine Familie in Schleswig und in der Südsee. Veröffentlicht in: Beiträge zur Schleswiger Stadtgeschichte, Ausgabe 2005, Seiten 121–133. Schleswig. Dezember 2005.
  3. a b Damon Salesa: Emma and Phebe: Weavers of the Border. Veröffentlicht in: The Journal of the Polynesian Society, 2014. Band 123. 2. Ausgabe. Seiten 155–156. online
  4. Hugh L. Davies: The Geology of Bougainville. Veröffentlicht in: Anthony J Regan, Helga M Griffin (Hrsg.): Bougainville before the conflict. ANU Press, 2015. Seite 20. ISBN 978-1-921934-24-7.
  5. Parkinson Point auf GeoNames.org