Hauptmenü öffnen

Richard Lutz

deutscher Betriebswirt und Manager
Richard Lutz, 2017

Richard Lutz (* 6. Mai 1964 in Landstuhl) ist ein deutscher Betriebswirt und Manager.

Er ist seit April 2010 Mitglied des Vorstands der Deutschen Bahn AG und seit März 2017 dessen Vorsitzender.[1]

WerdegangBearbeiten

Früherer WerdegangBearbeiten

Lutz stammt aus einer Eisenbahnerfamilie.[2] Lutz’ Vater arbeitete in einem Ausbesserungswerk, seine Mutter als Sekretärin für die Bahn.[3] Nach dem Abitur am Sickingen-Gymnasium[4] nahm er an der Universität Saarbrücken ein Studium der Betriebswirtschaftslehre auf.[5] Von 1989 bis 1994 war er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Heinz Kußmaul am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Finanzierung und Investition/Betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Universität Kaiserslautern tätig. 1998 wurde er dort mit einer Arbeit zum Thema Jahresabschlußanalyse bei Einheits- und Konzernunternehmung promoviert.[6][7]

Deutsche BahnBearbeiten

1994 trat Lutz in die Dienste der Deutschen Bahn AG und übernahm nach Aufgaben in den Bereichen Konzerncontrolling und -planung 2003 die Leitung des Bereichs Konzerncontrolling,[5] wobei er fortan direkt dem Vorstand Finanzen und Controlling berichtete. Nachdem der langjährige Finanzvorstand der DB AG Diethelm Sack zum 30. März 2010 sein Amt niedergelegt hatte, wurde Lutz als dessen enger Vertrauter zu seinem Nachfolger ernannt[8] und mit Wirkung zum 1. April 2010 zum Vorstand Finanzen und Controlling der Deutschen Bahn AG und der DB Mobility Logistics AG berufen. Sein bis 2013 laufender Vertrag wurde am 20. Juni 2012 vorzeitig bis 2018 verlängert.[9]

Um 2015 galt er, neben seinen damaligen Mitvorständen Volker Kefer, Berthold Huber und Ronald Pofalla als möglicher Nachfolger des damaligen Bahnchefs Rüdiger Grube.[10][11] Ab dem 1. August 2015 gehörten auch der europaweit tätige britische Bus- und Schienenverkehrsanbieter DB Arriva, der Logistikdienstleister DB Schenker Logistics und die Bereiche Beschaffung und IT zu Lutz’ Verantwortungsbereich.[12][13]

Mit Grubes Rücktritt am 30. Januar 2017 übernahm er dessen Posten als Vorstandsvorsitzender zunächst kommissarisch,[14] bis ihn am 22. März der Aufsichtsrat für fünf Jahre zum Vorstandsvorsitzenden ernannte.[1] Nach sechswöchiger, ergebnisloser Suche nach einem Nachfolger für Grube entschied sich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, Lutz als Kandidaten aufzustellen.[15] Laut einem Pressebericht habe Lutz den Vorsitz nicht unbedingt übernehmen wollen.[16]

Am 7. September 2018 verfasste Lutz mit dem weiteren Vorstand ein später als „Brandbrief“ bezeichnetes Schreiben.[16] In diesem Schreiben ging es um die schwierige Situation der Deutschen Bahn, welche sich in den vorherigen Monaten verschlechtert habe. Das Schreiben war an die Führungskräfte der Deutschen Bahn gerichtet.[17] Lutz verkündete auch große Investitionstätigkeiten, die getan werden müssen und, dass die Reformen eine längere Zeit in Anspruch nehmen werden.[18]

Mit Beschluss des Aufsichtsrats vom 26. September 2018 wird das bislang von Lutz verantwortete Finanzressort zum 1. Januar 2019 an Alexander Doll übertragen, er war vorher Chef der Logistik bei der Deutschen Bahn sowie der DB Cargo.[19][20]

Während eines Krisentreffens, Anfang 2019, zwischen Lutz und Bundesminister Andreas Scheuer (CSU), sowie Staatssekretären, Abgeordnete der Koalitionsparteien, Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla und Finanzvorstand Alexander Doll, verkündete Lutz Maßnahmen zur Verbesserung der Pünktlichkeit und den eventuellen Verkauf von der Tochtergesellschaft Arriva, außerdem auch die mögliche Beförderung der Chefs von Konzern-Töchtern aus dem Personen- und Güterverkehr in den Vorstand.[21] Insgesamt musste Richard Lutz dreimal innerhalb von 2 Wochen kurzfristig zu einem Rapport beim Verkehrsminister antreten, um Lösungen für die schlechte Situation der Deutschen Bahn zu finden.[22]

Vor dem Krisentreffen verkündete Lutz, dass im Jahr 2019 ein Pünktlichkeitsziel im Fernverkehr von 76,5 Prozent mit dem Aufsichtsrat vereinbart worden ist.[23]

PrivatesBearbeiten

Lutz ist verheiratet und hat drei erwachsene Söhne.[24] Er spielt in seiner Freizeit Schach.[25][2] Als Turnier-Schachspieler trat er in den 1980er Jahren in Erscheinung, so erreichte er 1981 bei der deutschen Jugendmeisterschaft den zweiten Platz,[26] gehörte der Sportfördergruppe der Bundeswehr an[27] und spielte mit dem SC Miesenbach in der 2. Bundesliga[28].

Lutz gilt als diplomatisch und wenig emotional.[15]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Richard Lutz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Dr. Richard Lutz neuer Vorstandsvorsitzender. In: deutschebahn.com. Deutsche Bahn AG, 22. März 2017, archiviert vom Original am 23. März 2017; abgerufen am 24. März 2017.
  2. a b Übergangskandidat wird Dauerlösung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 15. März 2017, S. 26.
  3. Dieter Fockenbrock: Rasender Stillstand. In: Handelsblatt. Nr. 222, 17. November 2017, ISSN 0017-7296, S. 54–61.
  4. Karl Heinz Wigand: Bauentwicklung und die wichtigsten baulichen Erweiterungen. (PDF) S. 95, abgerufen am 27. April 2019.
  5. a b „Nur wer Gewinne macht, kann investieren“. In: DB Welt, Heft 2/2011, S. 5.
  6. Richard Lutz: Jahresabschlußanalyse bei Einheits- und Konzernunternehmung (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 5, Volks- und Betriebswirtschaft. Band 2514). Lang, Frankfurt am Main 2000, ISBN 978-3-631-34686-0.
  7. Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften gratuliert Dr. Richard Lutz zur Nominierung als künftigen Bahn-Chef. In: Fachbereich Wirtschaftswissenschaften - TU Kaiserslautern. (uni-kl.de [abgerufen am 14. Mai 2017]).
  8. Neuer Finanzmann für Bahnchef Grube. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 6. Dezember 2009, S. 45.
  9. DB-Aufsichtsrat verlängert Verträge von Lutz und Rausch, auf eurailpress.de vom 20. Juni 2012.
  10. Nikolaus Doll: Der Super-Vize. In: Welt am Sonntag. Nr. 29, 19. Juli 2015, ZDB-ID 1123516-0, S. 26 (online).
  11. Ronald Pofalla läuft in den Zielbahnhof ein. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 29. Juli 2015, S. 20.
  12. Neue Cheflokführer für die Deutsche Bahn. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 28. Juli 2015, S. 15.
  13. Investor Relations DB ML AG: Vorstand: Dr. Richard Lutz. (Nicht mehr online verfügbar.) 31. Juli 2015, archiviert vom Original am 5. März 2016; abgerufen am 14. März 2017.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/web.archive.org
  14. Finanzvorstand Lutz soll neuer Bahn-Chef werden. In: Spiegel Online. 14. März 2017, abgerufen am 14. März 2017.
  15. a b Nikolaus Doll: So tickt der neue Mann an der Bahn-Spitze. In: Die Welt. Nr. 63, 15. März 2017, ISSN 0173-8437, S. 10.
  16. a b Claas Tatje: Zug um Zug. In: Die Zeit. Nr. 48, 22. November 2018, ISSN 0044-2070, S. 32.
  17. Deutsche Bahn: Hohe Schulden, sinkender Gewinn – Bahn-Chef Lutz zieht die Notbremse. Abgerufen am 5. März 2019.
  18. Konzernchef Lutz: Weg zur besseren Bahn wird länger dauern. Abgerufen am 5. März 2019.
  19. Alexander Doll übernimmt zusätzlich das Finanz-Ressort • Ende November AR-Klausur über künftige Strategie. In: deutschebahn.com. Deutsche Bahn, 26. September 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  20. Wirtschaftswoche: Logistik-Chef Doll übernimmt: Bahnchef Lutz gibt Finanzressort ab. Abgerufen am 4. März 2019.
  21. Deutsche Bahn: Bundesminister Andreas Scheuer trifft Richard Lutz. Abgerufen am 4. März 2019.
  22. Bahn kündigt fast 50 neue Züge an. In: sueddeutsche.de. 5. Februar 2019, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 5. März 2019]).
  23. Treffen mit Scheuer: Chef der Deutschen Bahn verspricht mehr Pünktlichkeit. Abgerufen am 7. März 2019.
  24. Deutsche Bahn - Bahnchef Richard Lutz ist der falsche Buhmann. Abgerufen am 5. März 2019 (deutsch).
  25. Lutz kommt für Sack, Garber geht. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 10. Dezember 2009, S. 20.
  26. Deutsche Jugendeinzelmeisterschaften 1981. In: TeleSchach. Abgerufen am 23. März 2017.
  27. Porträt: Ein Pfälzer Eisenbahnersohn als DB-Finanzchef. In: Verein zur Förderung des Schienenverkehrs in und um Zweibrücken e.V. 2. Mai 2014, abgerufen am 23. März 2017.
  28. Johannes Eising, Gerd Treppner: Schach-Bundesliga 1984-1988. Joachim Beyer, Hollfeld 1989, ISBN 3-88805-081-2, S. 111,117,121.