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Reinhold Begas

deutscher Bildhauer und Maler
Reinhold Begas

Reinhold Begas (* 15. Juli 1831 in Schöneberg; † 3. August 1911 ebenda) war der wichtigste Bildhauer des Neobarock in Deutschland. Zu seinen bedeutendsten Werken gehören das Schillerdenkmal, der Neptunbrunnen, das Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal und das Bismarck-Nationaldenkmal in Berlin.[1]

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

 
Der Bildhauer Reinhold Begas mit seiner Frau Margarethe, Gemälde von Anton Romako
 
Ehrengrab von Reinhold Begas in Berlin-Schöneberg

Reinhold Begas war der Sohn des Malers Carl Joseph Begas und erhielt seine erste Schulung durch den Bildhauer Ludwig Wilhelm Wichmann in Berlin. 1846–1851 war er Schüler des Bildhauers Christian Daniel Rauch an der Akademie Berlin, die von 1815 bis 1850 unter der Leitung von Johann Gottfried Schadow stand. 1848 wurde er Mitarbeiter Rauchs. 1852 errang er einen ersten Erfolg mit dem Gips der Gruppe Hagar und Ismael auf der Akademie-Ausstellung Berlin. Dank eines Stipendiums wurde ihm von 1856 bis 1858 ein Romaufenthalt ermöglicht. Dort lernte er Arnold Böcklin und Anselm Feuerbach kennen. Hier entstand 1857 die Marmorgruppe Amor und Psyche, die von einer Skulptur des in Rom tätigen Basler Bildhauers Ferdinand Schlöth beeinflusst ist und in der Nachfolge der klassizistischen Thorvaldsen-Schule steht.[2]

1861 erhielt er einen Ruf an die ein Jahr zuvor gegründete Großherzoglich-Sächsische Kunstschule Weimar, wo bereits Böcklin lehrte und es zur ersten Begegnung mit Franz Lenbach kam. Er blieb dort bis 1863 und kehrte anschließend nach Berlin zurück. Von 1863 bis 1864 war er erneut in Rom, von 1865 bis 1869 wieder in Berlin. 1868 schuf er die lange verschollene, 2009 in Italien wiederentdeckte Skulptur aus Carrara-Marmor Pan als Lehrer des Flötenspiels, die sich heute im Begas Haus in Heinsberg befindet, einem regionalen Museum für die von dort stammende Künstlerfamilie Begas.[3] 1869 und 1870 arbeitete er in Rom und Paris. Danach wirkte er zumeist in Berlin, wo er 1883 in den preußischen Orden „Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste“ aufgenommen wurde.[4] Seine Berliner Zeit wurde nur kurz von einem Aufenthalt in Rom 1892 unterbrochen.

Seine monumentalen Arbeiten waren charakteristisch für das preußische Berlin der Kaiserzeit. Insbesondere Kaiser Wilhelm II. schätzte das Pathos der Arbeiten von Begas und verschaffte ihm nach 1888 eine Vielzahl an repräsentativen Aufträgen. Die bekanntesten Beispiele hierfür sind das Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm I., enthüllt 1897, die künstlerische Oberleitung an der „Siegesallee“ (1895–1901, zerstört), für die er selbst zwei Gruppen beisteuerte, und das 1901 fertiggestellte Bismarck-Nationaldenkmal vor dem Reichstagsgebäude (1938 an den Großen Stern versetzt). Reinhold Begas schuf außerdem von 1886 bis 1891 den Neptunbrunnen am Berliner Stadtschloss (1950 abgeräumt, 1969 vor dem Berliner Rathaus aufgestellt). Er erhielt zahlreiche Aufträge zu Porträtbüsten, Denkmälern und Kleinplastiken. Von 1871 bis zu seinem Tod 1911 war er Mitglied des Vereins Berliner Künstler und Mitglied der Akademie der Künste Berlin, deren Meisteratelier er von 1876 bis 1903 leitete.

Begas war mit Johanna Margarethe Augusta Philipp,[5] genannt „Grete“ oder „Gré“ verheiratet und hatte zwei Söhne, u. a. den Bildhauer Werner und Freddy sowie eine Tochter Molly. Er lebte in einer von ihm im italienischen Stil errichteten Villa mit Atelier in der Stülerstraße 2–4 in Berlin-Tiergarten. 1898 errichtete er für seine an Tuberkulose erkrankte Frau eine Villa in Baden-Baden. Das Haus ist noch erhalten. Begas starb, nur drei Wochen nach seinem 80. Geburtstag, Anfang August 1911 in Berlin. Er wurde auf dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof in Schöneberg beigesetzt (Grabstelle 222-7-13/14).[6] Auf Beschluss des Berliner Senats ist die letzte Ruhestätte von Reinhold Begas seit 1952 als Berliner Ehrengrab gewidmet. Die Widmung wurde im Jahr 2016 um die übliche Frist von zwanzig Jahren verlängert.[7]

„Reinhold Begas war ein eminent genialer Kopf. Er kannte seinen Goethe, Shakespeare, Ariost und Dante wie kein zweiter. Geistreich, wie ich kaum einen Künstler kennen gelernt, war sein Fleiß ganz außerordentlich; er arbeitete eben in der Zwangslage eines beinahe dämonischen Schaffenstriebes und unter ewigem Ansporn seines Genies. Entwürfe reihten sich an Entwürfe, immer schwebten Wolkenzüge von Plänen durch seinen sinnenden Kopf. Und dabei diese enorme Vitalität, dieser Lebenshunger, dieser unerschütterliche Mut, zu genießen, wahrlich ein Mensch der Renaissance, in gewissem Sinne skrupellos, voller Wagnisse für seine fürstlichen Gelüste. Und dabei doch ein Kinderherz, trotz allem.“

Carl Ludwig Schleich: Besonnte Vergangenheit[8]

WerkeBearbeiten

 
Schillerdenkmal (1871) auf dem Gendarmenmarkt, Berlin
 
Alexander-von-Humboldt-Denkmal (1883), Unter den Linden, Berlin
 
Neptunbrunnen (1891) auf dem Schloßplatz, Berlin
 
Sarkophag Friedrichs III. (1892), Kaiser-Friedrich-Mausoleum, Potsdam
 
Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal (1897) auf der Schloßfreiheit (zerstört), Berlin
 
Bismarck-Nationaldenkmal (1901) am Großen Stern, Berlin

DenkmälerBearbeiten

Durch das Preußische Denkmal-Institut in Neuss können folgende Denkmäler nachgewiesen werden, die von Bildhauer Reinhold Begas geschaffen wurden:

SkulpturenBearbeiten

  • 1857 Amor und Psyche, Berlin, Alte Nationalgalerie
  • 1858 Pan tröstet Psyche, Berlin, Alte Nationalgalerie
  • 1868 Pan als Lehrer des Flötenspiels, Erstfassung in Marmor und Bozzetto von ca. 1858 im BEGAS HAUS, Museum für Kunst und Regionalgeschichte Heinsberg – Leihgaben der Ernst von Siemens Kunststiftung
  • um 1875/1876 Büste Adolph von Menzel, Berlin, Alte Nationalgalerie
  • 1881 Kentaur und Nymphe, Berlin, Skulpturengalerie SMPK
  • 1885 Borussia, Kopie im Preußenpark, Berlin
  • 1874 Grabmal Arthur Strousberg, Berlin, Städtischer Friedhof Reinickendorf
  • 1893 Büste des Generalpostmeisters Heinrich von Stephan, Frankfurt am Main, Museum für Kommunikation Frankfurt
  • 1901/02 Der gefesselte Prometheus, im hinteren Bereich des Gebäudes der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin

LiteraturBearbeiten

  • Alfred Gotthold Meyer: Reinhold Begas. Vermehrte Ausgabe, Velhagen & Klasing, Bielefeld / Leipzig 1901. (= Künstler-Monographien, Band XX.) (ZDB-ID 1066095-1)
  • Eberhard Ruhmer: Begas, Reinhold. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 746 f. (Digitalisat).
  • Ursel Berger: Von Begas bis Barlach. Bildhauerei im wilhelminischen Berlin. Georg-Kolbe-Museum, Berlin 1984
  • Elke Messer (Hrsg.): Neptuns Reich an der Spree. Berliner Brunnen von Begas bis Bonk. Transit-Buchverlag, Berlin 1986, ISBN 3-88747-035-4. (Katalog zur Ausstellung des Kunstamts Neukölln in der Galerie im Körnerpark in Berlin vom 12. August bis 21. September 1986)
  • Peter Bloch, Sibylle Einholz, Jutta von Simson (Hrsg.): Ethos und Pathos. Die Berliner Bildhauerschule 1786–1914. (Katalog zur Ausstellung der Skulpturengalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz vom 19. Mai bis 29. Juli 1990 im Hamburger Bahnhof in Berlin) Gebr. Mann, Berlin 1990, ISBN 3-7861-1597-4, S. 26–39.
  • Knut Brehm, Bernd Ernsting, Wolfgang Gottschalk, Jörg Kuhn: Stiftung Stadtmuseum Berlin. Katalog der Bildwerke 1780–1920. Letter Stiftung, Köln 2003, ISBN 3-930633-15-9. (= Letter-Schriften, Band 14.)
  • Esther Sophia Sünderhauf (Hrsg.): Begas. Monumente für das Kaiserreich. Eine Ausstellung zum 100. Todestag von Reinhold Begas (1831–1911). (im Auftrag der Stiftung Deutsches Historisches Museum, unter Mitarbeit von Wolfgang Cortjaens, mit einem Werkverzeichnis von Jutta von Simson) Sandstein, Dresden 2010, ISBN 978-3-942422-15-4. (Katalog zur Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in berlin vom 25. November 2010 bis 6. März 2011)
  • Rita Müllejans-Dickmann, Wolfgang Cortjaens (Hrsg.): Die Sammlung Begas. (= Begas Haus Heinsberg, Band 2.) Köln 2013.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Reinhold Begas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Brockhaus Enzyklopädie. 21. Auflage. Band 3. F. A. Brockhaus, Leipzig/Mannheim 2006, S. 487.
  2. Stefan Hess: Zwischen Winckelmann und Winkelried. Der Basler Bildhauer Ferdinand Schlöth (1818–1891), Berlin 2010, S. 110.
  3. Philipp Demandt: Mailand, Berlin, Heinsberg. In: Ars pro toto, Nr. 1/2012, Seite 20 ff., mit Abbildung des Kunstwerkes
  4. DER ORDEN POUR LE MERITE FÜR WISSENSCHAFT UND KÜNSTE, Die Mitglieder des Ordens, Band II (1882–1952), Seite 16, Gebr. Mann-Verlag, Berlin, 1978
  5. Heiratsurkunde des Sohnes Reinhold Gottfried August mit der Antonie Essa Eberhardine Thies vom 26. November 1906 in Berlin
  6. Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 748–749.
  7. Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: Ehrengrabstätten des Landes Berlin (Stand: November 2018) (PDF, 413 kB), S. 5 (Zugriff am 13. März 2019). Anerkennung und weitere Erhaltung von Grabstätten als Ehrengrabstätten des Landes Berlin (PDF, 205 kB). Abgeordnetenhaus von Berlin, Drucksache 17/3105 vom 13. Juli 2016, S. 1 und Anlage 2, S. 1 (Zugriff 13. März 2019).
  8. Schleich, Carl Ludwig: Besonnte Vergangenheit. Berlin 1921, S. 305–321
  9. Uta Lehnert: Der Kaiser und die Siegesallee. Réclame Royale. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-496-01189-0, S. 123, 124