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Büste

voll- oder reliefplastische Skulptur einer in der Regel individuellen Person
antike Büste der Antonia d. J. (um 50 n. Chr.)

Die Büste ist ein voll- oder reliefplastisches Bildnis oder eine Plastik einer in der Regel individuellen Person, das den „Kopf mit Oberkörperanschnitt“[1] zeigt, oder allgemeiner eine „Darstellung eines Menschen, die nach unten durch Schulter, Brust, Leibes- oder Körpermitte [...] begrenzt wird“.[2]

EtymologieBearbeiten

Die Etymologie des Begriffs lässt sich nicht weiter als bis ins 18. Jahrhundert, als er aus dem gleichbedeutenden italienischen Wort busto übernommen wurde, sicher zurückverfolgen.[3] Ein Zusammenhang mit lat. bustum = „Leichenbrandstätte“, ist wegen der Namensähnlichkeit vermutet worden,[4] mit „Brust“ oder „Busen“ hat das Wort jedenfalls wohl kaum etwas zu tun.

GeschichteBearbeiten

 
Gorbatschow-Büste (Mangin, 2010)

Ältere Kulturen wie Babylonien oder Assyrien kennen die Büste nicht, auch in Ägypten ist die Büste der Nofretete ein Bildhauermodell und somit eine Ausnahme. In der Griechischen Kunst sind Büsten vor allem des Gottes Hermes in Form einer Herme bekannt. Die meisten „griechischen Büsten“ sind jedoch Fragmente oder Teilkopien vollständiger Bildwerke. Aus etruskischen Anregungen erwuchs die hochentwickelte Kunst der römischen Porträtbildnerei. Aus der römischen Spätantike stammt auch der Typus der „Schildbüste“; bei ihr ist der Büstenabschnitt so in einen senkrechten, kreisrunden Rahmen gesetzt, dass der Dargestellte wie aus einem Rundfenster hervorschaut.

Das Mittelalter brachte seit dem 11. Jahrhundert Büstenreliquiare hervor, eine Ausnahmestellung nimmt unter ihnen der Cappenberger Barbarossakopf (um 1160) ein. Büsten, die einen Typus (der Fürst, der Baumeister), nicht ein Individuum wiedergeben, schuf die gotische Bauskulptur. Solche Realitätsnähe schuf erst Peter Parler mit den Büsten am Triforium des Prager Veitsdoms. Doch Bedeutung bekam die Gattung Porträtbüste erst in der Renaissance mit dem Rückgriff auf die römisch-antike Porträtkunst. In Deutschland wird sie oft nur im kleinen Format realisiert. Erst im Barock kann man von weiter Verbreitung sprechen. Für Italien sind hier Pietro und Gian Lorenzo Bernini und Alessandro Algardi zu nennen, in Frankreich Antoine Coysevox und vor allem Jean-Antoine Houdon (1741–1828).

Natürlich hatte der Klassizismus eine besondere Affinität zur antiken Bildnisform der Büste, die nun auch auf Grabmälern und Epitaphen den Toten repräsentiert. Christian Daniel Rauch und Johann Gottfried Schadow gelten als die bedeutendsten Porträtisten dieser Zeit in Deutschland. Vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart sind unzählige Büsten in allen möglichen Materialien und Größen geschaffen worden.

BedeutungBearbeiten

Seit den Anfängen sind Büsten Teil der Erinnerungskultur, sie haben oft Denkmalcharakter, drücken private Wertschätzung aus, stehen an den Stätten des Wohnens oder Wirkens eines bedeutenden Menschen oder dienen einer ideologischen Identifikationspolitik, wie dies die weltgrößten Monumente ihrer Art in Chemnitz (Karl-Marx-Monument) und Ulan-Ude (Lenin) überdeutlich machen. Diese überdimensionalen von einem Bildhauer geschaffenen Büsten von mehrfacher Lebensgröße werden auch „Kolossalbüsten“ genannt.

WalhallaBearbeiten

Als Ruhmestempel zur Förderung des Nationalbewusstseins entstand in den Jahren 1830–1842 die Walhalla bei Regensburg mit ihrer Sammlung von 128 Büsten bedeutender Deutscher.

LiteraturBearbeiten

  • Harald Keller: Büste, in: Reallexikon zur Deutschen Kunst, Bd. 3, 1951, Spalte 255–274.
  • Dieter Brunner (Hrsg.): Die obere Hälfte : die Büste seit Auguste Rodin; [anlässlich der gleichnamigen Ausstellung Städtische Museen Heilbronn, 9. Juli–9. Oktober 2005, Kunsthalle in Emden, 22. Oktober 2005–15. Januar 2006, Museum Liner Appenzell (Schweiz), 29. Januar–23. April 2006]

WeblinksBearbeiten

 Wiktionary: Büste – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  Commons: Büste – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Lexikon der Kunst. Band 3, Herder Verlag, Freiburg 1987, ISBN 3-451-20663-3, S. 41–43.
  2. Lexikon der Kunst. Band 1, E. A. Seemann Verlag, Leipzig 1987, ISBN 3-363-00044-8, S. 740–741.
  3. Der große Duden. Band 7: Etymologie. Mannheim 1963, S. 92.
  4. Kluge-Goetze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 11. Auflage. 1934, Spalte 89.