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Reifenpanne eines Geländewagens nach zu hohem Reifenverschleiß auf Schotterstraßen in der Namibwüste

Als Reifenverschleiß wird die Abnutzung des Oberflächenmaterials eines Reifens bezeichnet.[1] Der Reifenverschleiß, bei normaler Fahrwerkseinstellung als abnehmende Reifenprofiltiefe zu erkennen, erfolgt durch Abrasion der Gummiteilchen durch die Fahrbahn.[1]

EinflussgrößenBearbeiten

Der geringste Reifenverschleiß ist bei einem geradeaus rollenden Rad festzustellen.[2] Ungleichmäßiger Abrieb wird durch fehlerhafte Fahrwerkseinstellungen – Sturz und Vorspur zu groß – verursacht.[3][4] Da bei geringerem Reifenluftdruck der Reifenschleiß zunimmt und es bei niedrigem Luftdruck und schneller Fahrt zu einem Platzen des Reifens kommen kann,[5] schreibt die Europäische Union für alle neu zugelassenen Fahrzeuge der Klasse M1 ab 1. November 2014 ein Reifendruckkontrollsystem vor.[6]

MessungBearbeiten

Mithilfe der Reifenverschleißanzeige (Tread Wear Indicator – TWI) sowie Reifenprofilmessern kann die nutzbare Profiltiefe abgeschätzt werden. Es gibt auch Reifen, die mit Hilfe eines Farbwechsels in den Reifenschichten den Abnutzungsgrad erkennbar machen. Verschieden Reifenhersteller verwenden die numerische Reifenverschleißanzeige. Hierbei handelt sich um Zahlenwerte, die die Profiltiefe direkt lesbar angeben. Bei zunehmendem Reifenverschleiß werden die Zahlenwerte kleiner.

UmweltwirkungBearbeiten

Der Reifenabrieb ist mit jährlich 111.420 Tonnen in Deutschland (2010) eine der mengenmäßig größten Quellen für Staubemissionen des Straßenverkehrs. Das betrifft vor allem sedimentierbaren Staub, aber auch Feinstaub.[7] Etwa die Hälfte der Emissionen des Verkehrs entfällt nicht auf Abgase, sondern auf entsprechende Abriebs- oder Aufwirbelungsprozesse. Der Abrieb von Reifen, Kupplungen und Bremsen enthält Cadmium, Blei, Zink, Kupfer, Weichmacher und Stabilisatoren. Reifenabriebe sind die Hauptquelle für Mikroplastik in Flüssen und Seen und machen 28 Prozent der Plastikpartikel in den Meeren aus. Die Reifenhersteller gehen nach eigenen Studien davon aus, dass Reifenabriebspartikel keine signifikanten toxischen Wirkungen auf die Umwelt haben.[8][9][10][11] Im Mai 2018 begannen Forscher der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in einem zweijährigen Projekt mit dem Titel „Erfassung und weitergehende Charakterisierung der Fraktion AFS-fein im Zu- und Ablauf von dezentralen Anlagen zur Behandlung des Niederschlagswassers von Verkehrsflächen“ die abfiltrierbaren Stoffe (AFS) zu analysieren.[12]

Laut einer Studie der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt sind in der Schweiz 2018 1,29 ± 0,45 Kilo Gummi pro Kopf aus Reifenverschleiß und Gummigranulat aus Kunstrasen entstanden; Dabei entfielen 97 Prozent auf den Reifenverschleiß. Davon wiederum wurden rund 26 Prozent durch Straßenreinigung und Abwasserbehandlung entfernt. Vom Rest gelangten 74 Prozent in Böden innerhalb von 5 Metern neben den Straßen, 22 Prozent flossen in Oberflächengewässer und die restlichen 4 Prozent in weiter entfernte Böden.[13][14]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b continental-reifen.de Verschleiß/Abrieb (abgerufen am 13. Juni 2014)
  2. Bernd Heissing, Metin Ersoy, Stefan Gies: Fahrwerkhandbuch. Springer Verlag, 4. Auflage 2013, ISBN 978-36580-1991-4, S. 25
  3. Günter Leister: Fahrzeugreifen und Fahrwerkentwicklung. Vieweg und Teubner Verlag 2009, ISBN 978-38348-0671-0, S. 69
  4. Michael Trzesniowski: Rennwagentechnik. Vieweg und Teubner Verlag, 3. Auflage 2012, ISBN 978-38348-1779-2, S. 276
  5. Hermann Winner, Stephan Hakuli, Gabriele Wolf: Handbuch Fahrerassistenzsysteme. Vieweg und Teubner Verlag 2009, ISBN 978-38348-0287-3, S. 393
  6. Art. 9 der Verordnung (EG) Nr. 661/2009
  7. Bundesanstalt für Straßenwesen: Stoffeinträge in den Straßenseitenraum – Reifenabrieb. BASt-Bericht V 188, 2010
  8. Nina Chmielewski: Reifenabrieb: Unterschätztes Umweltproblem. Hessischer Rundfunk, 26. Oktober 2016, abgerufen am 5. März 2017
  9. DPA: Plastikpartikel aus Kleidung und Reifen müllen die Meere zu. (Memento des Originals vom 22. September 2018 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zeit.de In: Die Zeit, 22. Februar 2017, abgerufen am 4. Februar 2017
  10. J. Bertling, R. Bertling, L. Hamann: Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik. Fraunhofer UMSICHT, Juni 2018, abgerufen am 22. September 2018.
  11. L. Van Cauwenberghe et al.: Microplastic pollution in deep-sea sediments. In: Environmental Pollution. Band 182, November 2013, S. 495–499, doi:10.1016/j.envpol.2013.08.013.
  12. Gegen Straßenschmutz im Regenwasser In: hs-owl.de, 21. September 2018, abgerufen am 22. September 2018.
  13. Cornelia Zogg: Mikrogummi. In: empa.ch. 14. November 2019, abgerufen am 14. November 2019.
  14. Ramona Sieber, Delphine Kawecki, Bernd Nowack: Dynamic probabilistic material flow analysis of rubber release from tires into the environment. In: Environmental Pollution. 2019, S. 113573, doi:10.1016/j.envpol.2019.113573.