Rüdiger Sterzenbach

deutscher Ökonom

Rüdiger Sterzenbach (* 7. Dezember 1946 in Dernbach (Landkreis Neuwied) bei Dierdorf) ist ein deutscher Wirtschafts- und Verkehrswissenschaftler, Sportfunktionär, Politiker (CDU) und Vertreter einer Unternehmerfamilie. Er war Professor für Economics and Passenger Transport Management an der Hochschule Heilbronn, Präsident des Landessportbundes sowie Vorsitzender der Sporthilfe Rheinland-Pfalz/Saarland und wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU Rheinland-Pfalz.

Leben

Rüdiger Sterzenbach studierte Volkswirtschaftslehre an der Philipps-Universität Marburg und schloss das Studium vorzeitig mit Sondergenehmigung als Diplom-Volkswirt ab. Er war Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsinstitut für Wirtschaftspolitik („Welter Institut“) an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und promovierte zum Thema „Paritätsänderung und Seeschifffahrt“.[1] Von 1977 bis 2012 war er Professor für Volkswirtschaftslehre und Volks- und Betriebswirtschaftslehre des Personenverkehrs an der Hochschule Heilbronn mit den zeitweiligen Funktionen als Dekan, Studiendekan und Fachbereichsleiter.[2] Er führte u. a. als Vorsitzender den Arbeitskreis der betriebswirtschaftlichen Fachbereiche an den Fachhochschulen in Baden-Württemberg und vertrat die Hochschule im Arbeitskreis Forschung an Fachhochschulen im zuständigen Ministerium.

Am 26. Januar 2012 wurde Sterzenbach von der Hochschule in den Ruhestand verabschiedet.[3] Zu seiner Verabschiedung wurde die Festschrift Verkehrswesen – Theorie und Praxis von Frank Fichert herausgegeben. Rüdiger Sterzenbach war u. a. Mitglied des Beirats der Gesellschaft für Verkehrsbetriebswirtschaft (München).

Auf Grundlage einer bundesweiten Untersuchung führte er bereits Mitte der neunziger Jahre den ersten ÖPNV-Marketing-Kongress durch und veröffentlichte das erste grundlegende Buch über ÖPNV-Marketing. Er begleitete die ersten ÖPNV-Marketing-Kongresse des VDV wissenschaftlich – mit bundesweiten Erhebungen – und der Auszeichnung des VDV »König Kunde«. Sterzenbach saß unter anderem in internationalen Gremien wie »VIP Think Tank – Zukunft urbane Mobilität« in Wien.[4]

Er war als Schlichter innerhalb des Verkehrsverbundes Rhein-Mosel (VRM) und des Verkehrsverbundes Rhein-Nahe (RNN) tätig. Sterzenbach begleitet konzeptuell die große Wissenschaftsstudie "ÖPNV-Transparenzregister" über mehrere Jahre. Er war Sprecher des Beirats Fachbereich Verkehrsbetriebswirtschaft und Personenverkehr der Hochschule Heilbronn und ist Mitglied im Beirat Fachbereich Touristik / Verkehrswesen der Hochschule Worms.[5][6] Seine Bücher Luftverkehr (als Gründer und nach der Emeritierung / Pensionierung nunmehr als Mitautor) sowie ÖPNV Marketing (unter Mitarbeit von Jörg Schwarzer) gelten als Standardwerke in ihrem Bereich.

Rüdiger Sterzenbach hat einen Abschluss im Ausbildungsberuf „Berufskraftfahrer – Personenverkehr –“. Er lieferte die „Blaupause“ für den ersten Konzessionswettbewerb im öffentlichen Nahverkehr in Deutschland.

Rüdiger Sterzenbach ist ein Vertreter Erhardscher Wirtschaftspolitik auf Grundlage der sozialen Marktwirtschaft (Müller-Armack) und ordoliberalen Grundprinzipien (Eucken).

Sein 2020 veröffentlichtes Buch Soziale Marktwirtschaft – Agenda 2030, Aufbruch in eine bessere ökonomische und ökologische Zukunft ist eine viel beachtete Streitschrift für die Revitalisierung der sozialen Marktwirtschaft. Für ausgewählte Bereiche von zentraler wirtschaftlicher Bedeutung werden Fehlentwicklungen aufgezeigt und Handlungsempfehlungen für eine guten ökonomische und ökologische Zukunft gegeben:

„Wir sollten die Agenda der Revitalisierung des Ordnungsrahmens der Sozialen Marktwirtschaft als großen Aufbruch und zuversichtliche liberale Fortschrittsgeschichte in eine bessere ökonomische und ökologische Zukunft erzählen und dabei, vor dem Hintergrund eines von der höchsten politischen Instanz des Staates festgelegten Verlustes des moralischen Kompasses, wieder mehr Anstand wagen.“

Rüdiger Sterzenbach: Soziale Marktwirtschaft – Agenda 2030, Aufbruch in eine bessere ökonomische und ökologische Zukunft.

Neben seiner Hochschultätigkeit war Rüdiger Sterzenbach Mitgesellschafter der SZ-Verkehrsbetriebe, einem der größten deutschen privaten ÖSPV Anbieter mit Tätigkeitsschwerpunkt in Rheinland-Pfalz und dem südlichen Nordrhein-Westfalen. Die SZ-Verkehrsbetriebe verfügen über eine wesentliche Beteiligung an der Rhein-Mosel Verkehrsgesellschaft Koblenz sowie einer Mehrheitsbeteiligung an der Verkehrsgesellschaft der Stadtwerke Neuwied. Die SZ-Verkehrsbetriebe wurden 2006 an den französischen Verkehrskonzern Transdev veräußert.[7] Die Betriebsführung obliegt den Stadtwerken Bonn.[8]

Rüdiger Sterzenbach war zudem Mitbegründer eines gemeinnützigen Unternehmens zur Integration von Schwerstbehinderten. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

Ehrenamtliche Tätigkeiten

Seit jungen Jahren war Rüdiger Sterzenbach in der CDU aktiv, für die er verschiedene ehrenamtliche Positionen innehatte. Er war Schatzmeister und wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU Rheinland-Pfalz. Er führte ehrenamtlich als Geschäftsführer die Verlags- und Vertriebsgesellschaft der CDU Rheinland-Pfalz und deren Vermögen (Stimme der Union Rheinland-Pfalz). Darüber hinaus war er über mehrere Jahre Kreisvorsitzender der CDU Kreis Neuwied, deren Ehrenvorsitzender er ist.[9] Er saß für die CDU im Kreistag Neuwied und führte die Kreistagsfraktion. Zudem war er Vorsitzender einer Kreisorganisation der Europa Union im Kreis Neuwied.

Neben seinen parteipolitischen Aktivitäten war Rüdiger Sterzenbach in verschiedenen ehrenamtlichen Positionen im Sport tätig. So war er Vorsitzender der Sporthilfe Rheinland-Pfalz/Saarland, die er mit gegründet hatte. Zudem war er Präsident des Landessportbundes Rheinland-Pfalz. Er war unter anderem Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Landessportbünde sowie Mitglied im SWR Rundfunkrat. Er ist Mitglied im Programmbeirat des Deutschen Regional Fernsehen (DRF 1).

In der Zeit seiner Präsidentschaft wird der Studiengang Sportmanagement an der Hochschule Koblenz / Remagen eingeführt und das Aktionsbündnis Schulsport ins Leben gerufen, um die Bedeutung des Schulsports zu betonen. Sport wird in die Landesverfassung aufgenommen, das Qualitätssiegel „Sport pro Gesundheit“ wird eingeführt. Der „Pierre de Coubertin“ – Abiturpreis wird erstmals verliehen, ein Öko-Check im Sportverein wird erstmals angeboten. Es kommt zu Rahmenvereinbarungen zwischen dem LSB und dem Land Rheinland-Pfalz für den Schulsport, das „Dream Team Rheinland-Pfalz“ zur Spitzensportförderung wird ins Leben gerufen. In seiner Verantwortung als Präsident hat der Landessportbund Rheinland-Pfalz als erster Landessportbund in Deutschland Gender Mainstream in seiner Satzung verankert.[10][11]

Sterzenbach förderte im besonderen Maße die Partnerschaft des Landessportbundes mit dem Komitat Komárom-Esztergom in Ungarn. In Würdigung seiner Verdienste verlieh ihm der Minister für Jugend und Sport der Republik Ungarn den Miksa Esterházy.

Er war u. a. Schirmherr der Fair Play Tour d’Europe.[12]

Für seinen Einsatz als Sportfunktionär ist er unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande, dem Certificat für Verdienste für den Sport in Europa, dem Sporthilfe Award der Stiftung Sporthilfe Rheinland-Pfalz und der Ehrenurkunde des Landessportbundes Thüringen für außergewöhnliche Verdienste um die Förderung des Sports in Thüringen, ausgezeichnet worden.[13][14][15]

Rüdiger Sterzenbach war kurzzeitig ehrenamtlicher Geschäftsführer und Präsident der TuS Koblenz, zur damaligen Zeit ein Mitglied der 2. Fußball-Bundesliga.[16]

Ehrungen (Auszug)

  • 2017 Certificat für Verdienste für den Sport in Europa (Europäischer Interregionale Pool des Sports)
  • 2017 Sporthilfe Award der Stiftung Sporthilfe Rheinland-Pfalz
  • 2017 Ehrenurkunde für außergewöhnliche Verdienste um die Förderung des Sports in Thüringen
  • 2008 Ehrenbürger der Heimatgemeinde
  • 2004 Verleihung des „Bundesverdienstkreuz am Bande“
  • 2004 Sport-Obelisk des Innenministers RlP
  • 2001 Verleihung des „Miksa Esterházy“ des Ministeriums für Jugend und Sport der Republik Ungarn
  • 1988 Verleihung des „Mérite Européen“ der Luxemburger Stiftung „Mérite Européen“

Literatur

  • Rüdiger Sterzenbach: Soziale Marktwirtschaft – Agenda 2030, Aufbruch in eine bessere ökonomische und ökologische Zukunft. LIT Verlag, Berlin 2020. ISBN 978-3-643-14615-1
  • Roland Conrady, Frank Fichert, Rüdiger Sterzenbach, : Luftverkehr – Betriebswirtschaftliches Lehr- und Handbuch. 6. Auflage. De Gruyter Oldenbourg Verlag, Berlin, Januar 2019. ISBN 978-3-11-056329-0.
  • Rüdiger Sterzenbach: Ordnungspolitische Geisterfahrer im öffentlichen Nahverkehr. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30. November 2018.
  • Rüdiger Sterzenbach: Zwischen Hoffnung und Fakten: Verkehrswissenschaftler Sterzenbach analysiert die Entwicklung des Flughafen Hahn. Rhein-Zeitung vom 21. August 2016.
  • Verkehrswesen-Theorie und Praxis: Festschrift für Rüdiger Sterzenbach, Frank Fichert (Hrsg.), LIT Verlag, Berlin 2013. ISBN 978-3-643-11178-4
  • Rüdiger Sterzenbach unter Mitarbeit von Jörg Schwarzer: ÖPNV-Marketing, Ein Lehr- und Handbuch, 2. Auflage, HUSS Verlag, München 2001. ISBN 3-931724-46-8

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Erich Welter. Abgerufen am 12. Juli 2016.
  2. Hochschule Heilbronn. Abgerufen am 12. Juli 2016.
  3. Verabschiedung Sterzenbach (Memento vom 24. November 2012 im Internet Archive)
  4. Prof. Sterzenbach lädt zum Fachkongress. Abgerufen am 20. Mai 2021.
  5. Hochschule Worms. Abgerufen am 12. Juli 2016.
  6. Studienprofil HS Heilbronn. Abgerufen am 12. August 2017.
  7. Französisches Nahverkehrsunternehmen TRANSDEV übernimmt SZ Verkehrsbetriebe. Abgerufen am 12. Juli 2016.
  8. SWB Bus und Bahn. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 12. Juli 2016; abgerufen am 12. Juli 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ammanu.edu.jo
  9. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 29. Januar 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cdu-kreis-neuwied.de
  10. Landessportbund Rheinland-Pfalz. Abgerufen am 12. Juli 2016.
  11. Gender Mainstreaming. Abgerufen am 12. Juli 2016.
  12. Fair Play Tour d'Europe. Abgerufen am 12. Juli 2016.
  13. Europäischer Interregionale Pool des Sports. Abgerufen am 12. August 2017.
  14. Sporthilfe Rheinland-Pfalz. Abgerufen am 12. August 2017.
  15. Landessportbund Thüringen. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 12. August 2017; abgerufen am 12. August 2017.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/cms.thueringen-sport.de
  16. TuS Koblenz. Abgerufen am 12. Juli 2016.