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Pomellen ist ein Ortsteil der Gemeinde Nadrensee im Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern.[2]

Pomellen
Gemeinde Nadrensee
Koordinaten: 53° 20′ 29″ N, 14° 23′ 19″ O
Höhe: 34 m ü. NHN
Fläche: 8,01 km²[1]
Eingemeindung: 15. Oktober 1950
Postleitzahl: 17329
Vorwahl: 039746
Luftbild von Pomellen
Luftbild von Pomellen

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

Das östlichste Dorf von Mecklenburg-Vorpommern liegt 3 Kilometer ostnordöstlich von Nadrensee, 11 Kilometer nordöstlich von Penkun und 14 Kilometer südwestlich von Stettin auf einer welligen Grundmoränenhochfläche. Der südöstlichste Punkt der Gemarkung Pomellen ist zugleich der östlichste Punkt des Bundeslandes und hier befindet sich ein Dreiländereck zusammen mit dem benachbarten Bundesland Brandenburg und Polen. Auf der Gemarkung befinden sich mehrere Gewässer, darunter Krummer See und Pfingstsee sowie ein slawischer Burgwall.[3]

Im Norden und Westen grenzt Pomellen an Orte im Landesinneren, im Süden an Brandenburg und im Osten an Polen. Die Nachbarorte sind Ladenthin im Norden, dann weiter in Polen Barnisław und Smolęcin im Nordosten, Kołbaskowo, Rosówek und das deutsche Neu-Rosow im Südosten, Rosow im Süden, Radekow im Südwesten sowie Neuenfeld und Kyritz im Nordwesten.[3]

GeschichteBearbeiten

Pomellen wurde 1243 erstmals urkundlich mit der Bezeichnung Pomel erwähnt. Bei der Stiftung des Zisterzienserinnenklosters in Stettin stattete Herzog Barnim I. das Kloster mit dem Zehnten und einem Fischwehr aus Pomel aus.[4] Dieser Name geht vermutlich auf das altslawische Wort Mel für eine Sandbank zurück. Zusammen mit der Präposition po könnte also Am Sande die Erklärung sein. Eventuell ein Hinweis auf die hiesige Bodenbeschaffenheit.[5] 1265 übertrug Barnim I. das gesamte Dorf mit 54 Hufen an das Kloster. 1278 bestätigten Herzog Bogislaw IV. die Schenkungen und Bischof Hermann von Cammin den Zehnten von 54 Hufen. Die Kirche des Dorfes kam 1304 mit 4 Hufen an das Krankenhaus des Klosters.[4]

1280 gab das Zisterzienserinnenkloster 18 und eine halbe Hufe dem Bürger Wetzel, wahrscheinlich aus der Familie Wussow, zum Lehen. Auch der Krug wurde als Lehen vergeben. 1362 verkaufte der Prenzlauer Bürger Henning von Brakel den Zisterzienserinnen drei Viertel des Kruges, die er von ihnen als Lehen erhalten hatte. 1441 wurde dem Kersten Vercken (genannt Pomelle) mit dem Schulzenamt und 6 Hufen belehnt. Er musste ein Lehnpferd im Wert von 40 Mark halten und durfte auf dem nördlich des Dorfes gelegenen See fischen und Rohr schneiden. 1505 wurde Achim Wussow zu den gleichen Bedingungen mit dem Schulzenamt belehnt.[4]

Die Wussow waren mit weiteren Ländereien um Pomellen belehnt. Peter Wussow hatte 1480 sein Gut in Pommellen mit seinem Vetter Ludeke gegen Land in Wussow getauscht. 1503 stritten die Wussow mit dem Zisterzienserinnenkloster wegen der Lehngüter. Der Streit endete mit der Feststellung, dass die Wussow laut eines Vertrages vom 3. Juni 1497 18 Hufen als Lehen besaßen, aus den anderen Hufen erhielten sie Bede und Dienste. Dem Kloster standen die Pachteinnahmen und die oberste Gerichtsbarkeit zu.[4]

Bis zu seinem Tode im Jahr 1741 befand sich das Gut Pomellen im Besitz des Pommernmarschalls Adrian Bernhard von Borcke. Anschließend an seinen ältesten Sohn übergegangen, den Major Friedrich Wilhelm, wurde nach dessen Tod im Jahr 1743 sein jüngster Sohn, der Rittmeister und spätere General der Kavallerie Heinrich Adrian von Borcke, der Besitzer.[6]

Ab dem 1. Januar 1818 gehörte Pomellen zum Kreis Randow im Regierungsbezirk Stettin in der preußischen Provinz Pommern. Am 1. Oktober 1892 ging der Bahnhof Rosow auf Antrag der Gemeinde Pomellen und weiterer Nachbargemeinden in Betrieb. Dadurch erhielt das Dorf einen drei Kilometer südwestlich gelegenen Haltepunkt an der Bahnstrecke Berlin–Stettin.[7]

Am 27. September 1936 wurde der über die Gemarkung Pomellen verlaufende Abschnitt der Reichsautobahn Berlin–Königsberg fertiggestellt. Zum 15. Oktober 1939 kam die Gemeinde zum Landkreis Greifenhagen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Pomellen zu einem Grenzort zu Polen. Bekannt wurde der Name des Ortes im Zusammenhang mit der nahegelegenen Grenzübergangsstelle Pomellen. Zu den Zeiten als der Transitverkehr durch die DDR für Fahrten nach Polen erforderlich war, befand sich hier zudem eine Transitraststätte.

Am 1. Juli 1950 kam das Dorf zum Landkreis Prenzlau. Die Gemeinde Pomellen wurde zum 15. Oktober 1950 in die Gemeinde Nadrensee eingegliedert und dort zu einem Ortsteil. Mit Wirkung vom 25. Juli 1952 kam Nadrensee zum Kreis Pasewalk.[8]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Die Bronzeplastik Großer Reiter, im Jahr 1996 vom Bildhauer Thomas Jastram vollendet, befindet sich am Grenzübergang Pomellen.

Als denkmalgeschützte Bauten sind im Ort der Gutspark, die Kirche und ein Kriegerdenkmal ausgewiesen.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Auf dem südlichen Teil der Gemarkung Pomellen befinden sich sechs Windkraftanlagen vom Windpark Nadrensee. Das Zollamt Pomellen gehört zum Hauptzollamt Stralsund.[3]

Das Dorf ist ausschließlich über kleinere Verbindungsstraßen erreichbar. Die südlich am Ort vorbeigehende Bundesautobahn 11 kann in neun Kilometern Entfernung an der Anschlussstelle Penkun erreicht werden oder auf der polnischen Seite in vier Kilometern über den bei Kołbaskowo (deutsch Kolbitzow und Colbitzow) an die Autostrada A6 vorhandenen Anschluss.[3]

LiteraturBearbeiten

  • Landbuch des Herzogthums Stettin, von Kamin und Hinterpommern; oder des Verwaltungs-Bezirks der Königl. Regierung zu Stettin. Bearbeitet von Dr. Heinrich Berghaus. In: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. II. Theils Band II., enthaltend: den Randowschen Kreis und Allgemeines über die Kreise auf dem linken Oder-Ufer, 5. Der Randowische Kreis. Verlag von W. Dietze, Anklam 1865, S. 1669 ff. (Volltext in der Google-Buchsuche [abgerufen am 19. Februar 2017]).
  • Erwin Schulz: Der Ortsnamen-Detektiv – Mittelalterliche Siedlungsnamen im Kreis Uecker-Randow (1121–1591) – Ursprung, Details, Erklärungen – mit einer Übersicht zu Ortsnamen ab 1600. Hrsg.: Norbert Raulin. Schibri-Verlag, Milow 2007, ISBN 978-3-937895-44-4, S. 70 ff.
  • Georg Dehio: Mecklenburg-Vorpommern. Bearb. von Hans-Christian Feldmann u. a. In: Dehio Vereinigung (Hrsg.): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2016, ISBN 978-3-422-03128-9, S. 446.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Pomellen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Amt Löcknitz-Penkun – SB Liegenschaften (Hrsg.): Flächen des Amtsbereiches. Angaben in ha – Stand 2. Juni 2017. Löcknitz 2. August 2017.
  2. Hauptsatzung der Gemeinde Nadrensee. 29. Juli 2014, § 5, S. 2 (amt-loecknitz-penkun.de [PDF; 2,1 MB; abgerufen am 19. Februar 2017]).
  3. a b c d Geodatenviewer des Amtes für Geoinformation, Vermessungs- und Katasterwesen Mecklenburg-Vorpommern (Hinweise)
  4. a b c d Hermann Hoogeweg: Die Stifter und Klöster der Provinz Pommern. Bd. 2, Stettin 1925, S. 486–487.
  5. Landbuch des Herzogthums Stettin, von Kamin und Hinterpommern; oder des Verwaltungs-Bezirks der Königl. Regierung zu Stettin. 1865, S. 1670.
  6. Landbuch des Herzogthums Stettin, von Kamin und Hinterpommern; oder des Verwaltungs-Bezirks der Königl. Regierung zu Stettin. 1865, S. 1671.
  7. Horst Regling, Dieter Grusenick, Erich Morlok: Die Berlin-Stettiner Eisenbahn. transpress, Stuttgart 1996, S. 73.
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Wiesbaden 1995, ISBN 3-8246-0321-7.