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Paul Achleitner

österreichischer Bankmanager

LebenBearbeiten

Paul Achleitner stammt aus kleinbürgerlichen Verhältnissen in Oberösterreich. Sein Vater war Bankangestellter einer Regionalbank, seine Mutter Hausfrau.[1] Im Alter von 17 Jahren lebte Paul Achleitner für ein Jahr im US-Bundesstaat Michigan.[2] Im Anschluss an die Matura studierte er von 1976 bis 1980 mittels Stipendium Rechts- und Sozialwissenschaften an der Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in St. Gallen (seit 1994 Universität St. Gallen).[2] Während des Studiums verstarb sein Vater im Alter von 48 Jahren. Die Familie ermöglichte Paul Achleitner, der als Erster der Familie studierte, das Studium fortzusetzen.[3] Achleitner war als wissenschaftlicher Assistent tätig und wirkte am 1979–1981 von der European Foundation for Management Development finanzierten Forschungsprojekt European Societal Strategy Project (‚Europäisches Projekt zur gesellschaftlichen Strategie‘) von Harry Igor Ansoff am European Institute for Advanced Studies in Management in Brüssel mit.[4][5] Durch einen Forschungsaufsatz wurde die Harvard Business School auf ihn aufmerksam und lud ihn von 1982 bis 1984 als Gaststipendiant (Visiting Fellow) ein. 1985 wurde er in St. Gallen mit Dissertation zum Thema Sozio-politische Strategien multinationaler Unternehmungen promoviert.[6] Es deutete sich eine akademische Karriere an, bis die Bostoner Unternehmensberatung Bain & Company ihn als Berater (Consultant) für strategische Unternehmensberatung anwarb.[3]

Bei Bain & Company war er von 1984 bis 1988 als Unternehmensberater tätig. Es schlossen sich von 1988 bis 1994 verschiedene Positionen bei der Investmentbank Goldman Sachs in den Bereichen Mergers & Acquisitions (M&A) und Investment Banking an. 1994 wurde er Partner der Goldman Sachs Group und Geschäftsleiter der deutschen Niederlassung der Investmentbank. Im Jahr 2000 wechselte er in den Vorstand der Allianz AG (seit 2006 Allianz SE). Er verantwortete dort das Ressort Finanzen und Beteiligungen. Mit seiner Berufung zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank zum 31. Mai 2012 (gewählt bis 2022)[7] schied er aus dem Vorstand der Allianz aus.

Neben Konzernmandaten der Deutschen Bank nimmt Achleitner Aufsichtsratsmandate bei der Bayer AG (seit April 2002; gewählt bis 2022)Vorlage:Zukunft/In 3 Jahren[8] und der Daimler AG (seit 2010, gewählt bis 2020)[9] wahr. Seit 30. April 2001 ist er Mitglied des anstelle der Hauptversammlung neben dem Aufsichtsrat als Kontrollgremium bestehenden Gesellschafterausschusses der Henkel AG & Co. KGaA.[10] Bis zu seinem Rücktritt aus dem Aufsichtsrat der RWE AG zum 18. April 2013, dessen Vorsitz er Ende 2011 ausschlug,[11] war er dort Mitglied. Als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank hat Achleitner in den Jahren 2016 und 2017 ein jährliches Festgehalt in Höhe von 800.000 Euro erhalten,[12] im Jahr 2018 stieg dieses auf 858.333 Euro.[13] Zusammen mit den Aufsichtsratsposten bei Bayer und Daimler soll er mit insgesamt 1,18 Millionen Euro im Jahr 2017 Spitzenverdiener unter Deutschlands Aufsichtsratsvorsitzenden gewesen sein.[14]

Achleitner hat von 1988 bis 1999 an der Wirtschaftsuniversität Wien gelehrt. 2001 wurde er zum Honorarprofessor an der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar bestellt, nachdem er dort bereits ab 1999 als externer Dozent für International Mergers & Acquisitions tätig war, und hält dort die Vorlesung Investment Banking.[4][15] Achleitner gehörte von 2002 bis 2009 der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex als Mitglied an.[16] In den Jahren 2015 bis 2017 nahm er an der jährlichen Bilderberg-Konferenz teil.

Seit 1994 ist er mit der deutschen Wirtschaftswissenschaftlerin Ann-Kristin Achleitner (* 1966 als Koberg) verheiratet, die er während des Studiums in St. Gallen kennengelernt hat. Das im Münchener Stadtteil Bogenhausen lebende Paar hat drei Kinder.[17][18][19]

SchriftenBearbeiten

Achleitner hat unter anderem in namhaften nationalen und internationalen Zeitschriften publiziert. Eine Auswahl seiner Veröffentlichungen (sortiert nach Jahren):

  • Rechtliche und wirtschaftliche Beurteilung des Bankgeheimnisses in Österreich, Deutschland und der Schweiz (= Vierteljahres-Schriftenreihe; Heft 3/1981). Herausgegeben vom Österreichischen Forschungsinstitut für Sparkassenwesen. Sparkassenverlag, Wien 1981, 98 Seiten.
  • mit Harry Igor Ansoff: Die Bedeutung soziopolitischer Strategien. In: Harvard Manager, 5. Jg., Heft 4, 1983, S. 74–82.
  • Sozio-politische Strategien multinationaler Unternehmungen (= Veröffentlichungen der Hochschule St. Gallen für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften: Schriftenreihe Betriebswirtschaft. Band 13). P. Haupt, Bern/Stuttgart 1985, ISBN 3-258-03490-7 (zugl.: Dissertation, Universität St. Gallen, 1984).
  • Bewertung von Aquisitionen. In: Arnold Picot, Andreas Nordmayer, Peter Pribilla (Hrsg.): Management von Akquisitionen. Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2000, ISBN 3-7910-1660-1, S. 93–104.
  • mit Tilo Dresig: Unternehmensbewertung, marktorientierte. In: Wolfgang Ballwieser, Adolf G. Coenenberg, Klaus von Wysocki (Hrsg.): Handwörterbuch der Rechnungslegung und Prüfung (= Enzyklopädie der Betriebswirtschaftslehre. Band 8). 3., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage. Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2002, ISBN 3-7910-8046-6, Sp. 2432–2445.
  • mit Daniel Wichels: Abschied von der „Deutschland AG“. In: Jürgen Krumnow, Ludwig Gramlich, Thomas A. Lange, Thomas M. Dewner (Hrsg.): Gabler Bank Lexikon. 13. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Gabler Verlag, Wiesbaden 2002, ISBN 978-366-30765-1-3, S. 661–664.
  • mit Daniel Wichels: Management von Kapitalmarkterwartungen. In: Bernhard Ebel, Markus B. Hofer (Hrsg.): Investor Marketing. Gabler Verlag, Wiesbaden 2003, ISBN 3-409-12199-4, S. 51–62.

AuszeichnungenBearbeiten

KritikBearbeiten

Das Magazin Der Spiegel sieht im April 2018 in Achleitner die maßgebende Ursache für einen Niedergang der Deutschen Bank. Unter anderem habe er die Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden „dilettantisch“ betrieben.[22]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Winand von Petersdorff: Paul Achleitner – Der Aufseher. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 20. November 2011, abgerufen am 27. April 2019.
  2. a b Paul Achleitner. In: Munzinger, abgerufen am 27. April 2019.
  3. a b Uwe Jean Heuser: Paul Achleitner: Die Bank ist sein Schicksal. In: Die Zeit, Nr. 21/2016, 12. Mai 2016, online editiert am 28. Mai 2016, abgerufen am 27. April 2019.
  4. a b Hon.-Prof. Dr. Paul Achleitner. Website der WHU – Otto Beisheim School of Management, abgerufen am 27. April 2019.
  5. Vgl. u. a.: Nicola Berg: Das European Societal Strategy Project (1982). In: Dies.: Public Affairs Management: Ergebnisse einer empirischen Untersuchung in multinationalen Unternehmungen. Gabler, Wiesbaden 2003, ISBN 3-409-12387-3, S. 48–49 (zugl. Dissertation, Universität Dortmund, 2002).
  6. Vgl. u. a.: Nicola Berg: Die Studie sozio-politischer Strategien von Achleitner (1985). In: Dies.: Public Affairs Management: Ergebnisse einer empirischen Untersuchung in multinationalen Unternehmungen. Gabler, Wiesbaden 2003, ISBN 3-409-12387-3, S. 50–52 (zugl. Dissertation, Universität Dortmund, 2002).
  7. Aufsichtsrat. Website der Deutschen Bank, abgerufen am 27. April 2019.
  8. Der Aufsichtsrat der Bayer AG: Dr. Paul Achleitner. Website der Bayer AG, abgerufen am 27. April 2019.
  9. Dr. Paul Achleitner. Website der Daimler AG, abgerufen am 27. April 2019.
  10. Gesellschafterausschuss auf der Website der Henkel AG & Co. KGaA, abgerufen am 27. April 2019 (mit CV: Prof. Dr. oec. HSG Paul Achleitner. PDF; 133 kB).
  11. Dietmar Student: Achleitner sagt RWE ab. In: Manager Magazin, 21. Dezember 2011, abgerufen am 27. April 2019.
  12. Das sind die bestbezahlten Konzernwächter. In: Spiegel Online, 26. April 2018, abgerufen am 26. April 2018.
  13. Vergütung der Mitglieder des Aufsichtsrats für das Geschäftsjahr 2018. In: Geschäftsbericht 2018. Deutsche Bank, S. 216 (PDF).
  14. Rekordvergütung für Aufsichtsräte – doch Chefs verdienen bis zu 30mal mehr. In: Manager Magazin, 26. April 2018, abgerufen am 27. April 2019.
  15. WHU: Honorarprofessur für Dr. Paul Achleitner. Pressemitteilung der WHU beim Informationsdienst Wissenschaft, 29. März 2001, abgerufen am 27. April 2019.
  16. Ehemalige Mitglieder der Regierungskommission. Website der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, abgerufen am 27. April 2019.
  17. Andrea Rexer: Wider das Klischee von den Wegbeißerinnen. In: Süddeutsche Zeitung. 26. November 2014, abgerufen am 14. April 2018.
  18. Martin Dowideit, Sebastian Ertinger: Ehepaar Achleitner: Die Deutschland-WG. In: Handelsblatt, 14. Dezember 2012, abgerufen am 27. April 2019.
  19. Sebastian Jost: Mächtig wichtig. In: Die Welt, 14. Juni 2015, abgerufen am 27. April 2019.
  20. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  21. Paul Achleitner ist der Auslandsösterreicher 2013. nachrichten.at, 6. September 2013. Abgerufen am 10. September 2013.
  22. Tim Bartz, Martin Hesse: Das letzte Aufgebot. In: Der Spiegel. Nr. 16, 2018, S. 70–72 (online). (Volltext bei Spiegel Online, 16. April 2018, abgerufen am 27. April 2019.)