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Päpstliche Basilika

römisch-katholische Basiliken unter direkter Jurisdiktion des Heiligen Stuhls
Wappenemblem des Heiligen Stuhls: die Schlüssel Petri und die dreikronige Tiara

Päpstliche Basilika, auch Papstbasilika, lateinisch Basilica pontificia oder italienisch Basilica papale, heißen einige bedeutende der römisch-katholischen Basiliken, die unter direkter Jurisdiktion des Heiligen Stuhls stehen und dem Papst anvertraut sind. Seit 2006 gibt es 12 Papstbasiliken: alle Basilicae maiores und einige Basilicae minores.
Daneben nennt man, weil der Titel Basilika ausschließlich vom Papst verliehen wird, im Deutschen im Prinzip auch alle Basilicae „päpstliche“ Basilika.

GeschichteBearbeiten

Die Päpstliche Basilika ist ein vergleichsweise junger Kirchentitel, während der Titel Basilika selbst bis in das Frühchristentum des 5. Jahrhunderts zurückdatiert. Pontifikalkirchen, also direkt dem Papst (als Pontifex maximus) unterstellte Kirchen, gibt es ebenso lange.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden vier Kirchen[1] in Italien explizit der Jurisdiktion des Heiligen Stuhls unterstellt und Basilica pontificia tituliert: das Santuario della Beata Vergine del Rosario di Pompei, Wallfahrtszentrum der Rosenkranzverehrung und der Marianischen Mission;[2] die Internationalen Heiligtümer Sant’Antonio in Padova (Basilica del Santo), Zentrum der Antonianischen Welt;[3] und die Santa Casa di Loreto mit der Marien- und Heilige-Familie-Verehrung von Loreto;[4] außerdem 1968 die Kirche San Nicola a Bari der Franziskaner, die 1951 zur Basilika minor erhoben worden war.[5] Drei von ihnen sind Basilicae ab immemorabili (Basiliken „von Alters her, seit unerinnerlicher Zeit“), haben den Titel also schon vor den Kanonisierung 1783 geführt, Madonna del Rosario wurde 1901 zur Basilica minor erhoben.

Außerdem wurde 1959 San Miguel in Madrid zur pontifikalen Basilika erhoben (Basilica minor seit 1930),[6] als das Opus Dei die Apostolische Nuntiatur in Madrid übernahm.

Unter den Basilicae minores gilt der Titel Basilica pontificia als der ranghöchste.[1]

2006 wurden dann auch alle sieben Patriarchalbasiliken Roms und Assisis umtituliert, als Papst Benedikt XVI. als Symbol der Ökumene und Einheit der Kirche den Titel Patriarch des Westens niederlegte:

San Francesco in Assisi wurde schon seit dem 18. Jahrhundert Papstbasilika genannt; San Lorenzo fuori le Mura seit 1889, nachdem der Titel der Patriarchalbasilika mit Wiedererrichtung des (Lateinischen) Patriarchats von Jerusalem auf Ss. Sepulchris, die Grabeskirche zu Jerusalem, übertragen worden war. Seit 2006 führen auch die anderen Kirchen die Bezeichnung basilica papale im amtlichen Titel. Die vier Basilica maiores werden als Papstbasilika,[11] oder auch als basiliche pontificie angesprochen.[12]

Liste der PapstbasilikenBearbeiten

Kirche Stadt Staat / Region Bistum Erhebung (+ Baudaten) Titel
(Besonderheiten)
Bild
San Francesco Assisi Italien, Umbrien Assisi – Nocera Umbra − Gualdo Tadino 18. Jh
(Weihe 1253)
Papstbasilika, Basilica maior
(UNESCO-Welterbe)
 
San Lorenzo fuori le Mura Rom Italien, Latium Rom
(Kirche gegr. 3/4. Jh.)
Papstbasilika, Basilica minor (Altehrwürdige Basilika)  
Madonna del Rosario[2] Pompei Italien, Kampanien Pompei   1901
(1876–1901)
Pontifikalkirche, Basilica minor, Internationales Heiligtum, Sitz der Territorialprälatur Pompei  
San Miguel[13] Madrid Spanien, Madrid Madrid   1959
(1739–45)
Pontifikalkirche, Basilica minor, Sitz der Apostolischen Nuntiatur  
San Nicola Bari Italien, Apulien Bari – Bitonto   1968
(1087–1197)
Pontifikalkirche, Basilica minor  
Sant’Antonio Padua Italien, Venetien Padua ?
(1232–14. Jh.)
Pontifikalkirche, Basilica minor, Internationales Heiligtum  
Basilica della Santa Casa[4] Loreto Italien, Marken Loreto ?
(1294–1587)
Pontifikalkirche, Basilica minor, Internationales Heiligtum
(Goldene Rose)
 
[Ss. Salvatore e] Santi Giovanni [Battista ed Evangelista] (Lateranbasilika) Rom Italien, Latium Rom   2006
(Weihe 4. Jh.)
Erzbasilika, Haupt- und Mutterkirche aller Kirchen der Stadt und des Weltkreises, Basilica maior, Papstbasilika, Kathedrale des Bistums Rom
(UNESCO-Welterbe)
 
San Pietro (Vatikanbasilika, Petersdom) Rom Vatikan Rom   2006
(Weihe um 324, heutige Kirche 1506–1626)
Basilica maior, Papstbasilika
(UNESCO-Welterbe, eine der größten Kirchen der Welt)
 
San Paolo fuori le mura Rom Italien, Latium Rom   2006
(Weihe um 324, bis 20. Jh.)
Basilica maior, Papstbasilika
(UNESCO-Welterbe)
 
Santa Maria Maggiore Rom Italien, Latium Rom   2006
(Weihe 5. Jahrhundert)
Basilica maior, Papstbasilika
(UNESCO-Welterbe)
 
Basilika di Santa Maria degli Angeli Assisi Italien, Umbrien Assisi – Nocera Umbra − Gualdo Tadino   2006
(1569–1679)
Papstbasilika, Basilica maior
(UNESCO-Welterbe)
 

Weitere KirchenBearbeiten

Vereinzelt werden auch alle Basilicae minores als „päpstlich“ bezeichnet.[14] So nennen sich einige Kirchen – ohne kanonischen Bezug – selbst „päpstliche Basilika“, um eine besondere Nähe zum Papsttum auszudrücken. Unter diesen sind etwa:

LiteraturBearbeiten

  • Gabriel Chow Hoi-Yan: Basilicas. Historical and Canonical Development. M.Div. Hons., Toronto, Ontario 2003, 5. Special Categories of Basilicas 5.1 Pontifical Basilicas, S. 54–58 (englisch, Weblink, gcatholic.org [abgerufen am 16. November 2011]).

WeblinksBearbeiten

QuellenBearbeiten

  1. a b John Trigilio Jr., Rev. Kenneth Brighenti, James Cafone: Catholic Mass for Dummies. John Wiley & Sons, 2011, ISBN 978-0-470-76786-3, Part III Tools of the Trade, Abschnitt Minor basilicas, S. 231 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche – noch ohne die Umtitulatur 2006).
  2. a b Benvenuti nella Città della Carità; vergl. Santuario della Beata Vergine del Rosario di Pompei, Italienische Wikipedia
  3. Das offizielle Webportal der antonianischen Welt, basilicadelsanto.org
  4. a b Santuario di Loreto, Homepage; vergl. Santa Casa, Italienische Wikipedia
  5. Pius XII.: Sacris in aedibus. Apostolisches Schreiben vom 5. August 1959; Paul VI.: Basilicae Nicolaitanae, Apostolisches Schreiben vom 11. Februar 1968 (Originaltext la, vatican.va); vergl. Johannes Paul II.: Nuovo ordinamento giuridico della Basilica di San Nicola a Bari. Constitutio Apostolica vom 8. März 1989 (Originaltext it la, vatican.va).
  6. San Miguel, bsmiguel.es (es)
  7. so genannt in: Benedikt XVI.: Antica venerabile basilica (Die altehrwürdige Basilika). Apostolisches Schreiben vom 31. Mai 2005
  8. diese strenge Regelung relativiert mit Paul VI.: Peculiare ius, Apostolisches Schreiben motu proprio vom 8. Februar 1966 (Originaltext la, vatican.va)
  9. Paul VI.: Inclita toto, Apostolisches Schreiben motu proprio vom 8. August 1969 (Originaltext la, vatican.va)
  10. beide vergl. Benedikt XVI.: Totius orbis. Apostolisches Schreiben vom 9. November 2005
  11. Papstbasiliken und Papstkapellen. Website des Vatikan, vatican.va
  12. so etwa im Discorso di Benedetto XVI ai Penitenzieri delle Quattro Basiliche Pontificie Romane. Sala Clementina, 19. Februar 2007 (Originaltext it, vatican.va)
  13. Basílica Pontificia de San Miguel, Homepage; vergl. Basílica de San Miguel (Madrid), Spanische Wikipedia
  14. so etwa „Der Ehrentitel Päpstliche Basilika (lateinisch: «Basilica minor», «kleine Basilika») wird vom Papst an auserwählte, besonders bedeutsame Kirchen außerhalb Roms vergeben.“ in Nachgeschaut / Glaube, Liebe, Hoffnung – 2 Begriffe und Feste – Stichwort: Päpstliche Basilika (Memento des Originals vom 7. Februar 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.glaubeaktuell.net. glaubeaktuell.net
  15. Giuseppe de Vargas Machuca: La Reale Pontificia Basilica di San Giacomo degli Spagnoli. Verlag R. Hermandad de Nobles Españoles de Santiago, 1991
  16. Basilica Pontificia Santa Croce, scroce.org, siehe auch Stoira (Memento des Originals vom 14. März 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.scroce.org, ebenda
  17. Bonner Münster – Päpstliche Basilika minor, bonner-muenster.de
  18. Wallfahrtsort Kevelaer (Memento des Originals vom 26. Dezember 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wallfahrt-kevelaer.de, Wallfahrtsleitung Kevelaer
  19. 50 Jahre Päpstliche Basilika Maria Dreieichen@1@2Vorlage:Toter Link/www.maria-dreieichen.at (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. maria-dreieichen.at, 2007
  20. Die päpstliche Basilika von Herrieden. Video, bistum-eichstaett.de
  21. Geschichte der Basilika Maria Radna (Memento des Originals vom 1. September 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/de.mariaradna.com. de.mariaradna.com, 2011 („Die Päpstliche Basilika Maria - Radna, der bedeutendste Wallfahrtsort der Römisch-Katholischen Diözese Temeswar.“; nicht so auf der rumänischen Version der Seite (Memento des Originals vom 21. Mai 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/ro.mariaradna.com)
  22. Die Ottobeurer Kloster- und Pfarrkirche ist eine Päpstliche Basilika. Pfarrei St. Alexander und Theodor Ottobeuren
  23. Päpstliche Basilika@1@2Vorlage:Toter Link/www.dombauverein-speyer.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Dombauverein Speyer e.V. 2007