Hauptmenü öffnen

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Okriftel ist auf einer Niederterrasse am rechten, nördlichen Flussufer des Mains gelegen. Der im Taunus entspringende Schwarzbach mündet am östlichen Rand der Ortsbebauung in den Main. Dieser Bach wurde in der Vergangenheit auch 'Okriftel' genannt und verlieh dem Ort seinen Namen. Der Ort entwickelte im Wesentlichen ein Netz von Ortsstraßen, die parallel und rechtwinklig zum Main verlaufen.

NachbargemeindenBearbeiten

Okriftel befindet sich südlich von Hattersheim und östlich des dritten Hattersheimer Stadtteils Eddersheim. Im Osten grenzt Okriftel an den Frankfurter Stadtteil Sindlingen. Ebenfalls östlich, aber auf der gegenüberliegenden Mainseite, liegt die Stadt Kelsterbach.

GeschichteBearbeiten

In das 3./4. Jahrhundert wird die vermutliche Entstehung des Ortes anhand von Bodenfunden aus der Jungsteinzeit in der Forschung datiert.

Die Älteste erhalten gebliebene urkundliche Erwähnung als Acruftele war 1103. Damals erhielt hier das Kloster St. Jakob bei Mainz ein Schiff und zwei Mühlen als Schenkung und zählte zur Kirchenprovinz Mainz. 1478 ging die Gerichtsbarkeit über Okriftel an die Grafen von Isenberg oder Ysenburg. 1545 in den Wirren der Reformation mussten die Einwohner den lutherischen Glauben des Landesherren annehmen. Die Reichsgrafen von Isenburg wurden ab 1560 die Landesherren in Okriftel, nachdem sie zuvor erheblichen Grundbesitz erworben hatten. 1596 wechselte die Landesherrschaft der Isenburg und somit die Einwohnerschaft zur calvinistischen Glaubenslehre.

1803 mit der Säkularisation ging Okriftel an Nassau-Usingen und gehörte zur Zeit des Herzogtums Nassau zum Amt Höchst. 1817 vereinigten sich in Nassau die die lutherischen und die reformierten evangelischen Kirchen. Nach der Annexion durch Preußen wurde es 1867 dem Mainkreis und später dem Landkreis Höchst im Regierungsbezirk Wiesbaden zugeordnet.

Neugliederung 1972Bearbeiten

Anlässlich der Gebietsreform in Hessen schlossen sich am 1. Juli 1972 Hattersheim, Okriftel und Eddersheim durch einen Grenzänderungsvertrag freiwillig zur neuen Stadt Hattersheim (ab dem 1. Januar 1978 Hattersheim am Main) zusammen.[3][4] Die Eigenständigkeit gegenüber der Gesamtstadt beschränkt sich seitdem auf ein eigenes Ortsgericht.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1543: 26 Hausgesesse
• 1587: 22 Hausgesesse
• vor 1618: 28 Hausgesesse
• 1648: 6 Häuser
• 1712: 42 Häuser
• 1805: 35 Gemeindemitglieder und 5 Witwen
Okriftel: Einwohnerzahlen von 1817 bis 1987
Jahr  Einwohner
1817
  
319
1834
  
240
1840
  
355
1846
  
407
1852
  
437
1858
  
470
1864
  
501
1871
  
519
1875
  
539
1885
  
693
1895
  
855
1905
  
1.404
1910
  
1.594
1925
  
1.689
1939
  
1.943
1946
  
2.445
1950
  
2.808
1956
  
3.395
1961
  
3.717
1967
  
4.262
1970
  
4.571
1987
  
6.987
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

ReligionBearbeiten

Katholisch

Bis zur Reformation zählte Okriftel zu Mainz. Danach wurde es evangelisch. Erst während des Ersten Weltkriegs konnte 1916 wieder ein Grundstück erworben werden für das in 1938 Planungen zum Neubau einer ersten katholischen Kirche nach der Reformation begannen. Die Planungen wurde jedoch durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. In den Nachkriegsjahren 1951–1953 wurde der Neubau der heutigen Christ König-Kirche nach den Planungen den Architekten Carl Rummel und Heinrich Horvatin umgesetzt und eingeweiht. Katholische Kirche und das Pfarrhaus befinden sich in der Mainstraße 23

Evangelisch

Die Matthäuskirche steht in der Alte Mainstraße 12/14

Ahmadiyya-Muslim-Gemeinschaft

In Okriftel befindet sich auch ein Gebetshaus der Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

 
Die Evangelische Kirche in Okriftel von 1809

In der Reformationszeit wurde um 1545 der lutherische und 1595 der reformierte Gottesdienst eingeführt.

Die evangelische Pfarrkirche wurde 1809 in klassizistischem Stil neu errichtet. Sie trägt einen Haubendachreiter. Dach- und Giebelflächen sind mit Schiefer verkleidet. Im Ortsteil steht außerdem die katholische Kirche St. Martinus Christ-König, die nach Plänen von Heinrich Horvatin und Carl Rummel errichtet wurde. Im Jahr 1953 erfolgte ihre Kirchweihe.[5] Des Weiteren besitzt der Ort ein Gebetszentrum der Ahmadiyya Muslim Jamaat.

Nördlich befindet sich das 1997 als Attraktion für den Regionalpark Rhein-Main eingeweihte Rosarium.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Alljährlich wird in Anlehnung an den Frankfurter Wäldchestag um Pfingsten das Okrifteler Wäldchesfest gefeiert. Im Mai 2018 wurden zur 68. Veranstaltung erstmals alle Zufahrten zum Festgelände zum Schutz vor Terroranschlägen mit Betonbarrieren und LKWs abgesperrt.

SportBearbeiten

Sportvereine Okriftels sind der Turnverein 1886 Okriftel am Main e.V. sowie der Fußballverein FC Germania 1911 Okriftel e.V.

Grünflächen und NaherholungBearbeiten

Im Westen des Ortes befindet sich der Baggersee, ein Teil des Landschaftsschutzgebietes Hessische Mainauen.

Im Norden, zwischen Okriftel und Hattersheim, verläuft die Wasserwerkschaussee zum im Jugendstil erbauten Wasserwerk.

Planetenweg In Okriftel endet auch der Schwarzbach-Planetenweg, der in Kriftel beginnt.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

WirtschaftsstrukturBearbeiten

Bis in das 19. Jahrhundert hinein war Okriftel landwirtschaftlich geprägt. Für die industrielle Entwicklung Okriftels war die Gründung einer Zellstoff- und Papierfabrik, der späteren Cellulosefabrik Phrix, im Jahr 1884 von entscheidender Bedeutung. Von 1885 (bzw. 1886) an wurde sie vom jüdischen Unternehmer Philipp Offenheimer († 1930) betrieben, dessen Familie nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte und 1938 im Rahmen der Arisierung enteignet wurde[6]. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik an die Familie Offenheimer rückübertragen, aber kurze Zeit später an die Phrix-Werke AG verkauft. Im Jahr 1961 beschäftigte die Phrix um die 1000 Mitarbeiter in Okriftel, wurde dann aber 1970 stillgelegt, unter anderem weil die Erfüllung von Umweltauflagen zu hohe Investitionen erfordert hätte.[7] Die Phrix wurde jedoch nicht abgerissen, sondern blieb eine weitgehend ungenutzte Industrieruine.

Größere ortsansässige Industrie-Unternehmen sind heute die Hilscher Gesellschaft für Systemautomation mbH oder die Hessische Bewehrungsstahl GmbH.

Viele Einwohner sind Berufspendler. Zu den wichtigsten Arbeitgebern gehören der Frankfurter Flughafen, Opel in Rüsselsheim oder die Nachfolgeunternehmen der ehemaligen Hoechst AG im Industriepark Höchst.

VerkehrBearbeiten

 
Die Mainfähre ist 1716 nachgewiesen.

Okriftel liegt an der Landesstraße L 6006, die von Eddersheim im Südwesten nach Frankfurt-Sindlingen im Nordosten führt. In Höhe des Ortskerns zweigt von dieser Straße die Landesstraße L 3011 als Mainstraße nach Norden ab in Richtung der Kernstadt Hattersheim.

In Okriftel gibt es seit 1716 die Mainfähre Okriftel über den Main, die nach Kelsterbach führt. Von Walldorf führt die Kreisstraße K 152 als Okrifteler Straße genau zur Fährrampe auf das Okriftel gegenüber liegende Mainufer zu. Allerdings musste diese Straße durch den Ausbau des Flughafens Frankfurt am Main und der Startbahn West erheblich umgebaut und neu trassiert werden.

Am Mainufer verlaufen mehrere Radwanderwege:

WeblinksBearbeiten

  Commons: Okriftel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Okriftel, Main-Taunus-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 9. Februar 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Hattersheim am Main: Einwohnerzahlen (Memento vom 15. September 2016 im Internet Archive)
  3. Der Hessische Minister des Inneren: Gemeindegebietsreform in Hessen: Zusammenschlüsse und Eingliederungen von Gemeinden vom 21. Juni 1972. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972 Nr. 28, S. 1197, Punkt 851 Abs. 1. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,4 MB]).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 370 und 372.
  5. Darstellung zur Kirche St. Martinus Christ-König in Okriftel
  6. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit im Main-Taunus-Kreis e. V. CJZ Main-Taunus, abgerufen am 2. Dezember 2011
  7. Cellulosefabrik Phrix (Memento vom 11. Februar 2012 im Internet Archive), abgerufen am 1. Dezember 2011