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Lesbisch-schwules-Stadtfest im Nollendorfkiez

Der Nollendorfkiez (auch Fuggerkiez oder Motzstraßenkiez genannt) ist eine Wohnlage im Berliner Ortsteil Schöneberg im Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Die Bezeichnung des Nollendorfkiezes stellt keine Verwaltungseinheit dar und hat somit keine fest definierten Grenzen. Im Allgemeinen umfasst der Kiez das Gebiet vom namensgebenden Nollendorfplatz mit der davon abgehenden Motzstraße bis zum Viktoria-Luise-Platz und den abgehenden Stichstraßen und nahen Seitenstraßen bis zur Kleiststraße im Norden und der Hohenstaufenstraße im Süden.[1]

Die Gegend verfügt über einen hohen Anteil historischer Bausubstanz aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Aufgrund der Nähe zum Neuen Westen und dem Generalszug, sind die Bauten größtenteils für gehobenes Wohnen angelegt worden, mit großen Etagenwohnungen und repräsentativen Treppenhäusern.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Eldorado, 1932

Spätestens seit den 1920er Jahren konnte sich hier ein Lesben- und Schwulenviertel etablieren, eine Stadtteilgegend mit einer Infrastruktur speziell für queere Menschen. Ein frühes literarisches Zeugnis dieser Zeit, ist der autobiografische Roman Goodbye To Berlin von Christopher Isherwood, der von 1929 bis 1933 in der Nollendorfstraße 17 lebte und arbeitete, bis er sich gezwungen sah, in Folge der „MachtergreifungHitlers Berlin zu verlassen. Der Roman diente unter anderem als Vorlage für das Musical Cabaret.

 
Gedenktafel am Nollendorfplatz

An die Verfolgung und Ermordung Homosexueller während der Nazi-Diktatur erinnert eine Gedenktafel am Zugang zum U-Bahnhof Nollendorfplatz.

Der Zweite Weltkrieg und das Nazi-Regime beendeten eine queere Sichtbarkeit im Nollendorfkiez. Erst Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre erlebte das Viertel eine Renaissance, nachdem 1977 die Bar Anderes Ufer eröffnete. Es war das erste Lokal der Nachkriegsjahre, das sich offen schwul präsentierte.[2]

Einige Jahre zuvor hatte Romy Haag das Cabaret Chez Romy in den Räumen des ehemaligen Eldorado in der Motzstraße eröffnet, in Anlehnung an die Cabarets der Zwischenkriegsjahre. Das Chez Romy blieb über viele Jahre ein beliebter Treffpunkt für Berliner Künstler. Unter anderem verkehrte dort David Bowie, der in diesen Jahren eine Beziehung mit Haag führte.

Seit 1993 findet in der Motzstraße alljährlich das Lesbisch-schwule-Straßenfest statt. Für queere Menschen befinden sich heute wieder zahlreiche Angebote im Kiez; Bars und Kneipen, Frühstückspensionen, Arztpraxen sowie Beratungsstellen und die Geschäftsstelle des LSVD Berlin-Brandenburg.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Neues SchauspielhausBearbeiten

Das Neue Schauspielhaus ist ein Theatergebäude aus dem Jahr 1906. Mit seiner üppigen Ausstattung sollte gezielt das reiche Bürgertum aus dem Neuen Westen und dem Kaiserhof aus der historischen Mitte ins Viertel am Nollendorfplatz gelockt werden. Ab 1912 wurde der Theatersaal auch als Kino genutzt und in den 1920er Jahren fanden hier zahlreiche UFA-Premieren statt. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Gebäude weitgehend unbeschadet und wurde bis 1977 ausschließlich als Kino genutzt. Anschließend diente es als Diskothek und Veranstaltungsort mit wechselnden Betreibern, unter anderem unter dem Namen Goya, der sich mittlerweile als alternativer Name für das Neue Schauspielhaus durchgesetzt hat.

Seit 2014 ist das Gebäude ungenutzt.

St. Matthias KircheBearbeiten

Die Pfarrkirche St. Matthias ist ein katholisches Kirchengebäude auf dem Winterfeldtplatz. Das Gebäude wurde 1885 als katholische Hauptkirche Schönebergs fertig gestellt, das damals noch ein Vorort der Kaiserstadt Berlin war. Im Zweiten Weltkrieg brannte die Kirche aus, wurde aber in den Folgejahren mit vereinfachter Innenausstattung und verkürztem Turm wieder hergestellt. Während der deutschen Teilung diente sie aufgrund ihrer Größe und zentralen Lage als Kathedralkirche für offizielle Gottesdienste und Begräbnisse in West-Berlin.

Prominente AnwohnerBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Nollendorfplatz – Der Nollendorfkiez ist unser Zuhause. In: Nollendorfkiez … wir sind Kiez. (nollendorfkiez.de [abgerufen am 24. März 2017]).
  2. Birgitt Eltzel: Im Nollendorfkiez ist Berlins homosexuelle Community zu Hause: Unter dem Regenbogen. In: Berliner Zeitung. (berliner-zeitung.de [abgerufen am 24. März 2017]).

Koordinaten: 52° 29′ 51″ N, 13° 20′ 58,6″ O