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Rotlicht (Prostitution)

Umgangssprache für Prostitution
Typische Rotlicht-Beleuchtung eines Bordells

Rotlicht ist ein Synonym für Prostitution und damit zusammenhängende Sachverhalte wie Rotlichtmilieu, Rotlichtviertel, Rotlichtaffäre und andere.[1]

Inhaltsverzeichnis

Herkunft des BegriffsBearbeiten

Die Verbindung des Begriffs Rotlicht mit der Prostitution geht auf die roten Laternen zurück, die früher über den Eingängen von Bordellen hingen, und auch auf die rote Innenbeleuchtung dieser Lokale.[2] Die Journalistin Dana Grigorcea wies auf die angenehme Ästhetik der traditionellen roten Beleuchtung hin: Das „Objekt der Begierde“ werde durch das Rot „in warme, weiche Konturen gehüllt“.[3] (Andererseits beobachtete Grigorcea 2009 in Zürich, dass Prostituierte auf werbenden Postern neuerdings hell und vor blauem oder weißem Hintergrund zu sehen waren.[3])

WortgebrauchBearbeiten

Im Bedeutungsbereich Prostitution wird Rotlicht laut einer Dissertation von Caroline Kaufmann nahezu immer in einem Kompositum zusammen mit einem angehängten Substantiv gebraucht (Rotlichtlokal, Rotlichtszene etc.), während der selbständige Gebrauch viel seltener vorkommt.[4] In neueren Wörterbüchern wie z. B. Duden, Deutsches Universalwörterbuch (2001)[5] wird der „alleinstehende“ Begriff Rotlicht nicht dem Bereich Prostitution zugeordnet.[4]

Dennoch lassen sich zahlreiche Verwendungen des alleinstehenden Begriffs Rotlicht nachweisen. Einige Beispiele:

  • Soko Rotlicht – Name von Sonderkommissionen, z. B. in Wien[6] und Hamburg[7]
  • Im Rotlicht – Titel eines Buches von Ariane Barth über den Hamburger „Bordellkönig“ Stefan Hentschel (2005)[8]
  • Rotlicht – Titel eines Buches von Nora Bossong über Sex und Prostitution (2017)[9]
  • Zwischen Rotlicht und Randale – Titel einer Fernsehreportage über die Davidwache in Hamburg[10]
  • Neue Rechte helfen Huren nicht: Rotlicht bleibt Rotlicht – Überschrift eines Zeitungsberichts (2006)[11]
  • Rote Karte fürs Rotlicht: Augsburgs Kampf gegen Bordelle – Überschrift eines Zeitungsberichts (2017)[12]
  • Rotlicht statt Zollamt: Wieso es im Innviertel so viele Bordelle gibt – Überschrift eines Zeitungsberichts (2018)[13]

Rotes Licht symbolisiert auch in einigen anderen Sprachen die Prostitution. Beispielsweise kennt die englische Sprache den red-light district und die italienische Sprache das quartiere a luci rosse, jeweils eine wörtliche Entsprechung zu Rotlichtbezirk bzw. Rotlichtviertel.

Semantische AspekteBearbeiten

Die Farbe Rot wird neben ihrer allgemeinen Signalwirkung psychologisch oft in Verbindung mit Liebe und Leidenschaft, aber auch mit Gefahr und Sünde gebracht.[14] Als Farbe der Erotik und Sexualität, und auch der Unmoral, wird die Farbe Rot auch mit Prostitution assoziiert.[15][16] Laut der Schriftstellerin Dana Grigorcea umfasst die Farbsymbolik weitere Aspekte: „Kulturhistorisch ist Rot die Farbe der Frau und wird gern mit Feuer, Blut und reifen Früchten assoziiert. Rot ist die Farbe der Haut an den intimen Stellen des Körpers. Rot ist Signalfarbe, die Farbe der Warnung vor dem Verderben und die Farbe des Verderbens selbst.“[3]

Nach der semantischen Abhandlung von Kaufmann wird das Adjektiv rot im Zusammenhang mit der Prostitution als Verweis auf ein bestimmtes Milieu verstanden. In der Bedeutung von „erotisch, die Prostitution betreffend“ kommt der roten Farbe eine eher negative Konnotation zu, die in der allgemeinen Geringschätzung dieses Bereiches begründet ist.[16] So wird eine Rotlichtaffäre (etwa eines Prominenten) meistens als eine „anrüchige“, besonders peinliche Affäre wahrgenommen.[17] Die negative Konnotation beruht auch auf der Verbindung des Rotlichtmilieus mit der organisierten Kriminalität, die in dem Begriff Rotlichtkriminalität zum Ausdruck kommt.[18] Beispielsweise gilt ein Rotlichtviertel in der Regel als ein „übles“ Viertel.[19]

VolksmundBearbeiten

Anonym: „Nicht immer hält das rote Licht, was es dem Wandersmann verspricht.“

LiteraturBearbeiten

  • Eva Heller: Wie Farben wirken. Farbpsychologie, Farbsymbolik, kreative Farbgestaltung. Erstausg., ill., Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1989, ISBN 3-498-02885-5. (Standardwerk der Farbpsychologie; 2004 ist die 12., unveränd. Aufl. erschienen)
  • Caroline Kaufmann: Zur Semantik der Farbadjektive rosa, pink und rot. Eine korpusbasierte Vergleichsuntersuchung anhand des Farbträgerkonzepts. 1. Aufl., Herbert Utz Verlag, München 2006, Reihe: Münchner Beiträge zur Sprach- und Literaturwissenschaft, ISBN 3-8316-0652-8. (Dissertation, PDF; 1,9 MB)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Marcel Feige: Das Lexikon der Prostitution. Das ganze ABC der Ware Lust. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-89602-520-1, S. 551.
  2. Vgl. Duden: Deutsches Universalwörterbuch. 4. Aufl., 2001, S. 1326.
  3. a b c Dana Grigorcea: Das Ende der Milieufarbe Rot Artikel der NZZ, 14. Juli 2009.
  4. a b Caroline Kaufmann: Zur Semantik der Farbadjektive rosa, pink und rot. Eine korpusbasierte Vergleichsuntersuchung anhand des Farbträgerkonzepts. Dissertation, München 2006 (PDF; 1,9 MB), S. 208 f.
  5. Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 4., neu bearb. und erw. Aufl., Dudenverlag, Mannheim [u. a.] 2001, ISBN 3-411-05504-9, S. 1326
  6. Soko Rotlicht ab sofort im Einsatz wiev1.orf.at, 28. März 2007.
  7. Polizei gründet Soko "Rotlicht" abendblatt.de, 20. März 2008.
  8. Ariane Barth: Im Rotlicht. Das explosive Leben des Stefan Hentschel. Ullstein Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-548-36769-0.
  9. Nora Bossong über Prostitution: Eine Frau dringt ein Rezension auf spiegel.de, 22. Februar 2017.
  10. Polizei-Einsatz in Hamburg: Zwischen Rotlicht und Randale spiegel.tv
  11. Das Prostitutionsgesetz von 2002 ist weitgehend wirkungslos / Neue Rechte helfen Huren nicht: Rotlicht bleibt Rotlicht berliner-zeitung.de, 20. Dezember 2006.
  12. Rote Karte fürs Rotlicht: Augsburgs Kampf gegen Bordelle abendzeitung-muenchen.de, 21. Juni 2017.
  13. Rotlicht statt Zollamt: Wieso es im Innviertel so viele Bordelle gibt nachrichten.at, 6. September 2018.
  14. Heller: Wie Farben wirken. 1989, S. 49–68.
  15. Heller: Wie Farben wirken. 1989, S. 63.
  16. a b Caroline Kaufmann: Zur Semantik der Farbadjektive rosa, pink und rot. Eine korpusbasierte Vergleichsuntersuchung anhand des Farbträgerkonzepts. Dissertation, München 2006 (PDF; 1,9 MB), S. 208.
  17. Beispiel: Hoffnungsträger der SPD stolpert über Rotlicht-Affäre welt.de, 12. Dezember 1998. Zitat: „Sie stürzten [ihn] nach seiner peinlichen Rotlicht-Affäre politisch ins Bodenlose.“
  18. Rotlicht- und Organisierte Kriminalität Artikel aus Die Kriminalpolizei (Zeitschrift der Gewerkschaft der Polizei), Ausgabe Juni 2011.
  19. Vgl. Markus Stupphann: Das Stuwerviertel als neues, studentisches "In-Viertel"? Masterarbeit, Universität Wien, 2017 (PDF), S. 81 f. Assoziationen zum Stuwerviertel in Wien wurden erfasst und kategorisiert. Die Assoziationen „Prostitution/Rotlicht“, „Kriminalität/Drogen“ und „schlechtes Viertel“ wurden zusammengefasst zu „Rotlicht- und Kriminalitätsimage“.