Hauptmenü öffnen

Niedersächsischer Staatsgerichtshof

Landesverfassungsgericht des Landes Niedersachsen
Niedersächsischer Staatsgerichtshof
Eingang
Justizzentrum Bückeburg

Der Niedersächsische Staatsgerichtshof mit Sitz in Bückeburg ist das 1951 gegründete Landesverfassungsgericht des Landes Niedersachsen. Er entscheidet über Organstreitigkeiten zwischen der Niedersächsischen Landesregierung und dem Niedersächsischen Landtag, über die Vereinbarkeit von niedersächsischem Landesrecht mit der Niedersächsischen Verfassung (NV) und über Kommunalverfassungsbeschwerden von Kommunen.

Inhaltsverzeichnis

AufgabenBearbeiten

Die Aufgaben und die Organisation des Staatsgerichtshofs sind in der Niedersächsischen Verfassung festgeschrieben. Demnach besteht der Staatsgerichtshof aus neun Mitgliedern und neun stellvertretenden Mitgliedern. Sie werden vom Landtag für sieben Jahre gewählt. Der Staatsgerichtshof entscheidet beispielsweise bei der Auslegung der Niedersächsischen Verfassung zu Rechten und Pflichten eines obersten Landesorgans, bei Streitigkeiten zu Volksinitiativen, Volksbegehren oder Volksentscheiden sowie über Verfassungsbeschwerden von Gemeinden. Weitere Einzelheiten dazu finden sich im Niedersächsischen Gesetz über den Staatsgerichtshof.

GeschichteBearbeiten

Der Gerichtshof hat seinen Sitz in Bückeburg mit Diensträumen im Gebäude des dortigen Justizzentrums, in dem auch das Landgericht und das Amtsgericht ihren Sitz haben. Die Entscheidung für den Gerichtssitz in Bückeburg war eine Konzession an die Stadt, die bis 1946 Regierungssitz des Landes Schaumburg-Lippe gewesen war, mit der Gründung des Landes Niedersachsen dann jedoch ihre politische Bedeutung verloren hatte. Seinen Namen erhielt das Gericht in Anlehnung an den ehemaligen Oldenburgischen Staatsgerichtshof des seit 1946 zu Niedersachsen gehörenden Landes Oldenburg.

Laut der Vorläufigen Niedersächsischen Verfassung[1] von 1951 war der Staatsgerichtshof ursprünglich vornehmlich für Organstreitigkeiten und Normenkontrollen zuständig. Die Zahl der Verfahren hielt sich daher in Grenzen. Erst 1993 eröffnete der Landesgesetzgeber durch die Reform der – nun nicht mehr „vorläufig“ genannten – Niedersächsischen Verfassung[2] die Möglichkeit der Kommunalverfassungsbeschwerde: Klagen dürfen nur Gemeinden und Gemeindeverbände, die sich durch Landesgesetze in ihrem Recht auf kommunale Selbstverwaltung beeinträchtigt sehen. Bürger haben nicht die Möglichkeit, vor dem Niedersächsischen Staatsgerichtshof eine Verfassungsbeschwerde mit der Behauptung zu erheben, in einem durch die Niedersächsische Verfassung gewährleisteten Grundrecht verletzt zu sein. Ihnen bleibt nur der Gang vor das Bundesverfassungsgericht.

Mitglieder des StaatsgerichtshofesBearbeiten

Mitglieder (Stand: 4. März 2019)[3]
Name Funktion Amtszeit
Thomas Smollich Präsident des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts in Lüneburg; seit 2019 Präsident des Staatsgerichtshofes 2019–2024
Uta Rüping Rechtsanwältin und Fachanwältin für Verwaltungsrecht in Hannover; seit 2013 Vizepräsidentin des Staatsgerichtshofes 2007–2021
Peter-Wedekind Götz von Olenhusen Präsident des Oberlandesgerichts Celle 2007–2021
Eva Hausmann-Lucke Vorsitzende Richterin des Niedersächsischen Finanzgerichts in Hannover 2013–2020
Hannelore Kaiser Präsidentin des Verwaltungsgerichts Hannover 2013–2020
Gabriele Beyer Präsidentin des Sozialgerichts Hannover 2013–2020
Christian Schrader Professor für Rechtsfragen der Technikentwicklung an der Hochschule Fulda 2014–2021
Hermann Butzer Professor für Öffentliches Recht, insbesondere für das Recht der staatlichen Transfersysteme 2018–2025

Präsidenten des StaatsgerichtshofesBearbeiten

Zeitraum Präsident
1957–1960 Bruno Heusinger
1960–1968 Friedrich-Wilhelm Holland
1968–1974 Horst Uffhausen
1974–1976 Werner Groß
1976–1988 Wolfgang Dörffler
1988–1992 Eberhard Stalljohann
1992–2007 Manfred-Carl Schinkel
2007–2013 Jörn Ipsen
2013–2019 Herwig van Nieuwland
2019– Thomas Smollich

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Hilda Widenmeier, Waltraud Wittkugel, Ernst Winkelhake: Die dritte Macht im Land: Der Niedersächsische Staatsgerichtshof. Eine Dokumentation. 1. Auflage. Stadthagen 2001 (archive.org [PDF; 8,7 MB]).
  • Manfred-Carl Schinkel: Der Niedersächsische Staatsgerichtshof – Entstehung und Entwicklung. In: Niedersächsische Verwaltungsblätter (NdsVbl.) – Sonderheft, Ausgabe vom 15. Juli 2005, 12. Jg., S. 23–26.

EinzelnachweiseBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Niedersächsischer Staatsgerichtshof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 52° 15′ 28″ N, 9° 2′ 59″ O