Hannemarie Kühler

deutsche Juristin, Richterin, Gerichtspräsidentin

Hannemarie Kühler (geboren 8. Februar 1927; gestorben 8. Januar 2017) war eine deutsche Juristin, Richterin und Gerichtspräsidentin. Am 1. August 1979 wurde die Juristin zur Präsidentin des Landesarbeitsgerichts Niedersachsen berufen. Damit stand sie als erste Frau an der Spitze eines oberen Gerichts eines Bundeslandes.

AusbildungBearbeiten

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften legte Hannemarie Kühler das erste und nach dem anschließenden Referendariat das zweite Staatsexamen ab. Eine Promotion schloss sich an.

KarriereBearbeiten

Es folgten berufliche Stationen als Richterin am Arbeitsgericht, anfangs noch unter dem bis 1972 üblichen Titel Arbeitsgerichtsrätin.[1]

Präsidentin des Landesarbeitsgerichts NiedersachsenBearbeiten

Mit Hannemarie Kühler stand erstmals eine Frau an der Spitze eines oberen Gerichtes eines Bundeslandes: Am 1. August 1979 wurde die Juristin zur Präsidentin des Landesarbeitsgerichts Niedersachsen berufen. Dieses Amt bekleidete sie bis zum Erreichen der Altersgrenze im Februar 1992.[2]

Mitglied und Vizepräsidentin des Niedersächsischen StaatsgerichtshofsBearbeiten

Seit April 1987 war Hannemarie Kühler außerdem hauptamtliches Mitglied des Niedersächsischen Staatsgerichtshofs.[2] Von Dezember 1988 bis März 1992 hatte sie dort das Amt der Vizepräsidentin inne.[3][4]

Auszeichnungen und EhrungenBearbeiten

Ämter und MitgliedschaftenBearbeiten

PersönlichkeitBearbeiten

Hannemarie Kühler war, so das ZDF, „eine entschiedene Verfechterin des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und eine kritische Ratgeberin für das ZDF“.[5] Sie setzte dort wichtige Impulse für Wirtschaftlichkeit und Haushaltsführung.[5]

Wie die Vorgänge im Zusammenhang mit ihrer Verabschiedung zeigen, war die Juristin eine sehr selbstbewusste Person. Da sie mit den Umständen der Feier ihrer Verabschiedung angesichts ihrer großen Verdienste und des bei solchen Gelegenheiten Üblichen unzufrieden war, lehnte sie die Teilnahme an der Amtseinführung ihres Nachfolgers ab. Im Niedersächsischen Landtag gab es deswegen eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Horst Engstler zum Verhältnis der Landesregierung zu den Repräsentanten der Justiz.[2]

Bei der Verleihung des Karnevalsordens Humoris Causa der Funkenartillerie Blau Weiß, einer der größten Karnevalsgesellschaften in Norddeutschland, stellte der Laudator 1985 launig fest, die Juristin sei „eine von Humor geradezu durchtriebene Person“.[8][9]

Publikationen (Auswahl)Bearbeiten

  • Hannemarie Kühler: Aufbau der Arbeitsgerichtsbarkeit in Sachsen-Anhalt. Ein zwangsläufig hintergründig-fragmentarischer Tatsachenbericht aus vornehmlich rechtspolitischer Sicht. In: Walter Remmers, Jürgen Goydke (Hrsg.): Vertrauen in den Rechtsstaat : Beiträge zur deutschen Einheit im Recht : Festschrift für Walter Remmers. Köln, C. Heymann, 1995, S. 269–282.
  • Kühler, Hannemarie: Aus ihrer Abschiedsrede als Landesarbeitsgerichtspräsidentin. In: Recht der Arbeit. Zeitschrift für die Wissenschaft und Praxis des gesamten Arbeitsrechts.. München Verlag C. H. Beck, 1992, S. 195

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b 55 Jahre Bundesvorstände - PDF Kostenfreier Download. Abgerufen am 10. Januar 2021.
  2. a b c Niedersächsischer Landtag: Antwort auf eine Kleine Anfrage. Drucksache 12/4593, Antwort auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Dr. Engstler (CDU) (Drucksache 12/4240). (PDF) 22. März 1992, abgerufen am 9. Januar 2021.
  3. NIedersächsischer Landtag; Ausschuss zur Vorbereitung der Wahl der Mitglieder des Staatsgerichtshofs: Wahlvorschlag. (PDF) 8. Dezember 1988, abgerufen am 9. Januar 2021.
  4. Niedersächsischer Landtag: Stenographischer Bericht der 69. Sitzung. (PDF) 4. Januar 1989, abgerufen am 9. Januar 2021.
  5. a b c d Traueranzeigen von Hannemarie Kühler | trauer-anzeigen.de. Abgerufen am 10. Januar 2021 (deutsch).
  6. Deutscher Arbeitsgerichtsverband: Geschäftsbericht 2014–2017. (PDF) 2017, abgerufen am 9. Januar 2021.
  7. Zeitschrift für Arbeitsrecht: Verzeichnis des 16. Jahrgangs 1985. (PDF) 1986, abgerufen am 9. Januar 2021.
  8. Funkenartillerie Blau-Weiß e. V.: Ordensritter 1963–1992. Abgerufen am 9. Januar 2021.
  9. gogol medien GmbH & Co KG: Damals in Döhren: Als eine Gerichtspräsidentin blau-weiße Ordensritterin wurde. Abgerufen am 10. Januar 2021.