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Naturschutzgebiet Hinrichshagen

Naturschutzgebiet in Mecklenburg-Vorpommern

Koordinaten: 53° 25′ 25,9″ N, 13° 30′ 47,4″ O

Karte: Mecklenburg-Vorpommern
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Naturschutzgebiet Hinrichshagen
Bei Forsthof
Erlenbruchwald

Das Naturschutzgebiet Hinrichshagen ist ein 1124 Hektar umfassendes Naturschutzgebiet in Mecklenburg-Vorpommern. Es umfasst ein großflächiges Buchenwaldgebiet mit eingestreuten Feuchtgebieten südlich der Bundesstraße 198, drei Kilometer südwestlich von Woldegk. Das Gebiet ist nach der unweit nördlich liegenden Ortschaft benannt.

Die rechtliche Festsetzung des Schutzgebiets erfolgte am 25. Oktober 1962 aufgrund seiner herausragenden Bedeutung als Brutplatz zahlreicher Großvogelarten, die heute selten geworden und vom Aussterben bedroht sind.

Das Naturschutzgebiet befindet sich im Naturpark Feldberger Seenlandschaft und ist nach EU-Recht als FFH-Gebiet und Vogelschutzgebiet eingestuft.[1][2] Der südwestliche Teil des Schutzgebiets wird als Naturwaldreservat untersucht.[3]

Der aktuelle Gebietszustand wird als sehr gut angesehen. Durch zahlreiche Eingriffe konnte der Wasserhaushalt der nasseren Flächen wieder stabilisiert werden. Unbefriedigend ist der Zustand der Buchenwälder, da umfangreiches forstliches Nutzungsinteresse am Altholzbestand besteht. Die anvisierte Reduzierung der Althölzer durch Entnahme hat negative Auswirkungen auf die erhaltenswerten Arten, wie die Abnahme der Brutpaarzahlen beim Schreiadler beispielhaft belegt.

Es existieren nur wenige öffentliche Wege im Gebiet. Das Schutzgebiet quert eine Pflasterstraße. Ein Rundwanderweg führt von Hinrichshagen nach Vorheide und Neugarten.

GeschichteBearbeiten

Die Flächen liegen in einem Grundmoränengebiet, welches durch die letzte Eiszeit geprägt wurde. Eine Hügelgrab im südlichen Teil belegt erste menschliche Besiedlung in der Steinzeit. Im Mittelalter existierte eine wendisch-frühdeutsche Siedlung nördlich des Weges nach Grauenhagen, wovon heute nur noch eine Kirchenruine zeugt.[4] Die Siedlung wurde vermutlich im 14. Jahrhundert im Markgrafenkrieg zerstört. Umliegende Äcker bewaldeten anschließend wieder. Die Schmettausche Karte aus dem Jahr 1780 zeigt bereits die heutige Waldgrenze. Da bis auf die erwähnte Siedlung keine weiteren Ortschaften verzeichnet sind, kann beim Naturschutzgebiet Hinrichshagen von einer dauerhaften Waldbestockung der Flächen seit den nacheiszeitlichen Gehölzansiedlungen ausgegangen werden. Die Nutzung des Waldes beschränkte sich zunächst auf Niederholzwirtschaft. Ab dem 19. Jahrhundert wurden die abflusslosen Senken an ein Grabennetz angeschlossen und entwässert. Diese, für das Naturschutzgebiet nachteiligen Eingriffe, wurden erst ab den 1990er Jahren schrittweise wieder rückgängig gemacht.

Pflanzen- und TierweltBearbeiten

Das gesamte Gebiet ist mit Wald bewachsen, der verschiedene Altersstufen bis hin zu 240 Jahre alten Beständen aufweist. Die prägende Baumart ist die Rotbuche. Den Boden bedecken Pflanzen wie Winkel-Segge, Frauenfarn, Wald-Veilchen, Buschwindröschen, Goldnessel und Wald-Segge. Die feuchten Senken werden von vermoorten Kleingewässern eingenommen, stellenweise mit typischem Baumbestand.[5] Rohrkolben und Schilf finden sich. An einigen Stellen treten Torfmoos-Schwingrasen auf. Auch Orchideen wie Breitblättrige Sitter, Bleiches Waldvögelein, Vogel-Nestwurz und Weiße Waldhyazinthe sind – vor allem an Gewässerrändern – anzutreffen.

Das Schutzgebiet wurde aufgrund seiner Bedeutung als Brutplatz zahlreicher Vogelarten ausgewiesen. Hervorzuheben sind die Vorkommen von See- und Schreiadler, Rot- und Schwarzmilan, Sperber, Habicht sowie Wespen- und Mäusebussard. Durch die alten Baumbestände kommen seltene, daran gebundene Arten vor, wie Schwarzstorch, Zwergschnäpper, Schellente, Hohltaube, Kranich, Schwarz- und Mittelspecht.

Säugetiere im Gebiet sind Rothirsch, Wildschwein und Fischotter. Die Amphibienfauna ist mit Rotbauchunke, Laub-, Moor- und Grasfrosch, Kamm- und Teichmolch, sowie Knoblauch- und Erdkröte vertreten. Im Gebiet konnten 19 Libellenarten bestimmt werden, darunter Torf-Mosaikjungfer, Mond-Azurjungfer sowie Große Moosjungfer und Nordische Moosjungfer.

LiteraturBearbeiten

  • Naturschutzgebiet Hinrichshagen 61. In: Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Die Naturschutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern. Demmler-Verlag, Schwerin 2003, ISBN 3-910150-52-7, S. 386 f.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Standarddatenbogen FFH-Gebiet Wald- und Kleingewässerlandschaft Hinrichshagen - Wrechen (PDF-Datei; 53 kB)
  2. Standarddatenbogen EU-Vogelschutzgebiet Feldberger Seenlandschaft und Teile des Woldegker Hügellands (PDF-Datei; 97 kB)
  3. Steckbrief des Naturwaldreservates Hinrichshagen
  4. Rote Kirche mit zahlreichen Fotos - Angabe im KLEKs
  5. Biotopbogen Torfmoos-Birkenbruchwald im nordwestlichen Teil des NSG Hinrichshagen (PDF; 19 kB)