Hauptmenü öffnen

Nationalparks in Deutschland

Wikimedia-Liste
Karte Nationalparks in Deutschland

Nach den international anerkannten Kategorien der IUCN ist ein Nationalpark ein Schutzgebiet der Kategorie II, das hauptsächlich zur Sicherung großflächiger natürlicher und naturnaher Gebiete und großräumiger ökologischer Prozesse eingerichtet wird (Prozessschutz). Diese Schutzgebiete sollen nach § 24 Abs. 2 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) die ökologische Unversehrtheit eines oder mehrerer Ökosysteme sichern, gleichzeitig aber auch Naturerfahrungs-, Forschungs-, Bildungs- und Erholungsangebote fördern.

Der Nationalpark gehört in Deutschland zu den Möglichkeiten des gebietsbezogenen Naturschutzes. In § 24 BNatSchG wird festgelegt, dass Nationalparks (auch Nationalparke genannt) dem großräumigen Schutz von Gebieten von besonderer Eigenart dienen sollen. Diese Gebiete müssen in einem überwiegenden Teil die Voraussetzungen eines Naturschutzgebietes erfüllen und sich großteils in einem vom Menschen nicht oder wenig beeinflussten Zustand befinden oder zumindest dafür geeignet sein.

Grundsätzlich sind in Nationalparks alle Handlungen, Eingriffe und Vorhaben verboten, die dem Schutzzweck zuwiderlaufen. Für Ausnahmen von dieser Regelung gilt die Eingriffs-Ausgleichs-Regelung des Bundesnaturschutzgesetzes. Nationalparks sind bei der Bauleitplanung zu berücksichtigen und müssen in Bebauungsplänen dargestellt und beachtet werden. Man spricht hier von einer nachrichtlichen Übernahme. Es handelt sich um verbindliche Festlegungen, die nicht etwa aufgrund eines übergeordneten Allgemeinwohls in der Abwägung überwunden werden können.

Neben dem Nationalpark kennt das Bundesnaturschutzgesetz weitere Schutzmöglichkeiten, die mehr oder weniger rigide sind und unterschiedliche Zweckbestimmungen haben:

Inhaltsverzeichnis

Gegenwärtige SituationBearbeiten

Die Fläche der 16 Nationalparks in Deutschland beträgt 1.047.859 ha (Stand: Juli 2016). Ohne die marinen Gebiete von Nord- und Ostsee sind es aber nur 214.588 ha, was lediglich 0,60 % der terrestrischen Fläche Deutschlands entspricht.[1] Demgegenüber gab es Ende 2015 in Deutschland 8.743 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 1.382.673 Hektar; das entspricht 3,9 % der Fläche Deutschlands.[2]

Übersicht der deutschen NationalparksBearbeiten

Name Land Gründung Größe [ha][1] Bemerkung Karte Ansicht
Nationalpark Bayerischer Wald Bayern  BY 1970 24.217 vor 1997: 13.042 ha
 
Nationalpark Berchtesgaden Bayern  BY 1978 20.804
 
Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer Schleswig-Holstein  SH 1985 441.500
 
Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer Niedersachsen  NI 1986 345.000
 
Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer Hamburg  HH 1990 13.750
 
Nationalpark Jasmund Mecklenburg-Vorpommern  MV 1990 3.070
 
Nationalpark Müritz Mecklenburg-Vorpommern  MV 1990 32.200
 
Nationalpark Sächsische Schweiz Sachsen  SN 1990 9.350
 
Nationalpark Unteres Odertal Brandenburg  BB 1995 10.323
 
Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft Mecklenburg-Vorpommern  MV 1990 78.600
 
Nationalpark Hainich Thüringen  TH 1997 7.513
 
Nationalpark Eifel Nordrhein-Westfalen  NW 2004 10.770
 
Nationalpark Kellerwald-Edersee Hessen  HE 2004 5.738
 
Nationalpark Harz Niedersachsen  NI
Sachsen-Anhalt  ST
2006 24.732 Vorgänger 1990/94
 
Nationalpark Schwarzwald Baden-Württemberg  BW 2014 10.062
 
Nationalpark Hunsrück-Hochwald Rheinland-Pfalz  RP
Saarland  SL
2015 10.230
 
Summe: 1.047.859

Weitere PlanungenBearbeiten

Weitere Projekte scheitern in Deutschland weitestgehend an wirtschaftlichen Interessen bzw. am Widerstand von Teilen der örtlichen Bevölkerung.

  • Das Siebengebirge im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis bei Bonn sollte nach Plänen der NRW-Landesregierung auf einer Fläche von 4.500 Hektar als Nationalpark ausgewiesen werden. Das Projekt scheiterte am Widerstand der Bevölkerung von Bad Honnef (Bürgerentscheid).
  • In Nordrhein-Westfalen gab es Planungen für einen Nationalpark Senne-Egge. Allerdings wird ein Großteil des dafür vorgesehenen Schutzgebietes nach wie vor als Truppenübungsplatz genutzt. Die im Jahr 2012 gewählte Regierung aus SPD und Grünen sowie mehrere Naturschutzverbände wollten einen Nationalpark einrichten. Er sollte nach Beendigung der militärischen Nutzung das Gebiet der Senne umfassen. Weiter wurde im Koalitionsvertrag vereinbart, die regionale Initiative des Kreises Lippe zur Ausweisung eines Nationalparks im Teutoburger Wald und im Eggegebirge zu unterstützen. Nach einer Gegenkampagne von Grundbesitzern, Jagdpächtern, Verbänden und Teilen der Bevölkerung erklärten der lippische Landrat Friedel Heuwinkel und der vom lippischen Kreistag eingesetzte Schlichter Günter Kozlowski am 25. Oktober 2012, dass keine konsensfähige Nationalparkkulisse im Teutoburger Wald und Eggegebirge vorgeschlagen werden könne. Die Entscheidung von Heuwinkel und Kozlowski wird von vielen als das Ende der Nationalparkplanungen im Teutoburger Wald und Eggegebirge angesehen.[3]
  • In Bayern gibt es eine Initiative, den Steigerwald, ein Mittelgebirge in Unter-, Mittel- und Oberfranken, zum Nationalpark zu erklären. Die Umsetzung des Vorhabens scheitert bisher an wirtschaftlichen Interessen. Zuletzt hat sich der Fokus bei der Diskussion um einen dritten Nationalpark in Bayern auf den Frankenwald, die Rhön und den Spessart verlagert.[4][5]
  • Ebenfalls in Bayern soll nach Plänen von Naturschützern das Ammergebirge (Ammergauer Alpen) als Nationalpark dauerhaft erhalten werden. Die Projektfläche im bayerischen Staatsbesitz beträgt über 23.000 Hektar. Ein Erfolg der Bemühungen ist ungewiss; einige Anwohner befürchten Nutzungseinschränkungen und wirtschaftliche Einbußen auf angrenzenden nichtstaatlichen Waldflächen.

Die bestehenden Nationalparks erfüllen nur teilweise das Kriterium der ungestörten und großflächigen Naturentwicklung – dafür sollen in den nächsten Jahrzehnten durch langfristig angelegte Steuerungsmaßnahmen erst die Voraussetzungen geschaffen werden.[1] Die Nationalparkverordnung des ehemaligen Nationalparks Elbtalaue wurde vom Bundesverwaltungsgericht im September 1999 mit der Begründung für nichtig erklärt, dass das Gebiet in erster Linie als Kulturlandschaft zu betrachten sei und damit die Grundvoraussetzungen für einen Nationalpark nicht erfülle.

Naturschutz und TourismusBearbeiten

Da Nationalparks einerseits Wildtieren und Pflanzen ein Leben ohne menschliche Störungen ermöglichen sollen, andererseits aber auch Menschen die Möglichkeit geben sollen, Natur zu erleben, unterliegen menschliche Aktivitäten in verschiedenen Teilen deutscher Nationalparks unterschiedlichen Beschränkungen.[1]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Bundesamt für Naturschutz: Nationalparke (Memento des Originals vom 23. September 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bfn.de, Stand Juli 2016, abgerufen 8. Oktober 2017.
  2. Bundesamt für Naturschutz: Naturschutzgebiete (Memento des Originals vom 6. Juni 2017 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bfn.de, abgerufen am 8. Oktober 2017.
  3. LZ.de: Endgültiges Aus für Teuto-Nationalpark, 25. Oktober 2012.
  4. | mainpost.de | Main-Post. In: mainpost.de. (mainpost.de [abgerufen am 12. Oktober 2016]).
  5. Bayerischer Rundfunk: Dritter Nationalpark in Bayern?: Unterfränkische Naturschützer für den Spessart | BR.de. 6. Oktober 2016 (br.de [abgerufen am 12. Oktober 2016]).