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Landesrabbiner Levinson links im Bild mit Hans Heinz Altmann, jüdischer Emigrant aus Nazi Deutschland nach Südamerika vor Ausbruch des WKII., Autor des bewegenden Buches „Muttersprache, Heimat der Heimatlosen“. Foto aufgenommen in der Katholischen Akademie Freiburg 1985

Nathan Peter Levinson, gebürtig Nathan Peter Lewinski (geboren 23. November 1921 in Berlin-Prenzlauer Berg, Weimarer Republik; gestorben 27. Oktober 2016 in Berlin, Bundesrepublik Deutschland) war ein deutsch-jüdischer Emigrant, amerikanischer Militärrabbiner, Rabbiner und Landesrabbiner in Deutschland, Autor religionswissenschaftlicher Schriften und Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse.

Inhaltsverzeichnis

Familie und HerkunftBearbeiten

Die Familie von Nathan Peter Levinson trug ursprünglich den Familiennamen Lewinski. Sie stammte aus Berlin. Seit ihrer Emigration in die USA, im Jahre 1941, führt sie den Familiennamen Levinson. 1950 kehrte die Familie erstmals wieder nach Berlin, in das befreite Deutschland, zurück.

Jugend und GymnasialzeitBearbeiten

Nathan Peter Levinson wuchs in Berlin auf. Er begann seine Gymnasialausbildung als Schüler des Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster. Nachdem er an diesem Gymnasium von nationalsozialistisch orientierten Mitschülern verprügelt worden war,[1] schickten ihn seine Eltern zur weiteren Gymnasialausbildung auf die Jüdische Privatschule zur Orthodoxen Austrittsgemeinde Adass Jisroel in Berlin.

Nach den Novemberpogromen 1938 wurden alle jüdischen Privatschulen aufgelöst. Infolgedessen existierte nur noch das Gymnasium der Jüdischen Gemeinde in der Wilsnacker Straße. Dort konnte Nathan Peter Levinson im Jahr 1940 noch sein Abitur ablegen. Er hielt aus diesem Anlass eine Abiturrede, die ihm so viel bedeutete, dass er sie fast sein ganzes Leben bei sich führte.

Studium in BerlinBearbeiten

1940, nach dem Abitur begann Nathan Peter Levinson seine Studien an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Hier entfaltete sich seine tiefe Verehrung für Rabbiner Leo Baeck, die für ihn ein Leben lang prägend wirken sollte.[2]

Emigration und Studium in CincinnatiBearbeiten

1941 gelang es der Familie Levinson in allerletzter Stunde Deutschland zu verlassen, und damit der sicheren Vernichtung in der Zeit des Nationalsozialismus durch die Schergen Adolf Hitlers zu entgehen. Über Polen, Russland, Korea und Japan gelangten die Levinsons in die Vereinigten Staaten nach Cincinnati.[3]

Am Hebrew Union College in Cincinnati absolvierte Levinson einen sechs Jahre dauernden Rabbinatsstudiengang, den er mit dem Magister in Hebräischer Literatur und der Ordinierung zum Rabbiner abschloss.

Rückkehr nach DeutschlandBearbeiten

1950 entsandte die Weltunion für das progressive Judentum Nathan Peter Levinson nach Berlin. Von 1950 bis 1953 bekleidete Nathan Peter Levinson das Amt des Landesrabbiners von Berlin. Im selben Jahr kehrte Levinson noch einmal in die USA zurück, um einen Lehrgang zur Ausbildung zum Militärrabbiner zu absolvieren. Levinson wollte als Militärrabbiner eigentlich nach Berlin zurückkehren, wurde dann aber, Absprachen zum Trotz, 1955 als Militärrabbiner erst einmal nach Japan verpflichtet.

Nach seiner Dienstzeit als Militärrabbiner in Japan, wurde Levinson als Militärrabbiner nach Ramstein Air Base in die Bundesrepublik Deutschland versetzt. 1961 schied Levinson aus dem Militärdienst aus.

Rabbiner in DeutschlandBearbeiten

Levinson ließ sich in Heidelberg nieder und wurde 1961 Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Mannheim.[4] 1964 wurde Nathan Peter Levinson Landesrabbiner von Baden und Landesrabbiner von Hamburg und Schleswig-Holstein.

Levinson wurde 1964 zum Vorsitzenden der Rabbinerkonferenz der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Seit dem Jahr 1965 war Levinson für fast 20 Jahre Vorsitzender des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, gemeinsam mit dem Katholiken Willehad Paul Eckert und dem Protestanten Martin Stöhr.

Zu dieser Zeit setzte er sich – zusammen mit seiner Frau Pnina Navè[5] – vehement für die Gründung der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg ein. Im Rundfunk war Levinson mit wöchentlichen Predigten zum Sabbat zu hören. 1976 wurde er zum Präsidenten des Internationalen Rates der Christen und Juden gewählt.

Rabbiner Andreas Nachama würdigte Peter Levinson zu dessen 90. Geburtstag in der Jüdischen Allgemeinen: „Er ist für mich der letzte deutschsprachige Rabbiner seiner Generation, der tatsächlich noch jene Mischung aus höchster wissenschaftlicher Gelehrsamkeit, aus aufgeklärter akademischer Liberalität und jüdisch-traditionellem Wissen darstellt, für das die deutsch-jüdische Rabbinergeneration um Leo Baeck stand.“ Zudem habe er sich als Versöhner um den christlich-jüdischen Dialog verdient gemacht.[6]

PrivatlebenBearbeiten

 
Mazewa für Helga Levinson auf dem Jüdischen Friedhof Heidelberg mit ihren eigenen Abschiedszeilen

Levinson trat 1985 von seinen offiziellen Ämtern zurück. Er lebte danach jeweils ein halbes Jahr in Deià auf Mallorca und ein halbes Jahr in Jerusalem. Nathan Peter Levinson widmete sich nun intensiv religionswissenschaftlichen Forschungen und seinen Arbeiten als Autor. Seit 2002 lebte Nathan Peter Levinson ausschließlich in Berlin.

Nathan Peter Levinson war zweimal verheiratet. 1947 vermählte er sich mit Helga Heimberg in Cincinnati. Dieser Ehe entspross die gemeinsame Tochter Sharon, geboren 1952.

Helga Levinson verstarb nach langer Krankheit im Jahr 1968. Sie ruht auf dem Jüdischen Friedhof in Heidelberg, der dem Heidelberger Bergfriedhof angegliedert ist.

1970 heiratete Levinson die Gelehrte Pnina Navè, sie verstarb nach einer Herzoperation im Jahr 1998[5] und ruht in Israel. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Nathan Peter Levinson im Berliner Altersheim Tertianum, wo er im Alter von 94 Jahren verstarb.

AuszeichnungenBearbeiten

WerkeBearbeiten

  • Martin Buber, ein jüdischer Denker und Humanist. Europäische Verlags-Anstalt, Frankfurt a. M. 1966, DNB 457421924.
  • Ein Rabbiner erklärt die Bibel (= Abhandlungen zum christlich-jüdischen Dialog. Bd. 14). Chr. Kaiser Verlag, München 1982, ISBN 3-459-01449-0.
  • Dem Andenken der Gerechten, Nachrufe (Kaiser-Taschenbücher. Bd. 37). Chr. Kaiser Verlag, München 1988, ISBN 3-459-01767-8.
  • mit Manfred Görg und Hans Meier: Juden und Christen im Gespräch, Bilanz nach 40 Jahren Staat Israel. Friedrich Pustet, Regensburg 1989, ISBN 3-7917-1202-0.
  • Der Messias. Kreuz-Verlag, Stuttgart 1994, ISBN 3-7831-1333-4.
  • Ein Ort ist, mit wem Du bist. Lebensstationen eines Rabbiners (= Schriften der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum). Autobiografie. Ed. Hentrich, Berlin 1996, ISBN 3-89468-206-X.
  • „Ketzer“ und Abtrünnige im Judentum. Historische Porträts. Herausgegeben von Irmgard Zepf. Lutherisches Verlagshaus, Hannover 2001, ISBN 3-7859-0825-3.
  • Widerstand und Eigensinn. Sechs jüdische Lehrer: Jesus – Jeschua, Martin Buber, Franz Rosenzweig, Leo Baeck, Joseph Carlebach, Abraham Joshua Heschel. Vorträge und Aufsätze (= Schibboleth: Forum jüdische Kulturphilosophie. Studien zu Religion und Modern. Band 3). Herausgegeben von Irmgard Zepf. Lit, Berlin/Münster 2006, ISBN 3-8258-8717-0.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Arnulf Scriba: NS-Regime: Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Boykott jüdischer Geschäfte, 1. April 1933. Deutsches Historisches Museum, 23. Juni 2015, abgerufen am 13. November 2018.
  2. Ein Ort ist, mit wem Du bist. Autobiografie. Berlin 1996.
  3. Zit. n. Rabbiner Prof. Dr. Nathan Peter Levinson. In: gcjz-berlin.de. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Berlin, abgerufen am 13. November 2018.
  4. Anke Philipp: Nachruf: Nathan Peter Levinson in Berlin gestorben. Trauerfeier für beliebten Rabbiner. In: Mannheimer Morgen. 2. November 2016, abgerufen am 13. November 2018 (hinter einer Paywall).
  5. a b Gestorben. Pnina Navè Levinson. In: Der Spiegel. Nr. 34, 1998 (online17. August 1998). Zitat: „1982 veröffentlichte die Professorin als erste Frau eine ‚Einführung in die rabbinische Theologie‘.“
  6. (ja): Berlin: Rabbiner Nathan Peter Levinson ist tot. In: Jüdische Allgemeine. 28. Oktober 2016, abgerufen am 13. November 2018 (Nachruf): „Zentralratspräsident Schuster: ‚Jüdische Gemeinschaft verdankt ihm außerordentlich viel‘“
  7. früher auf den Seiten des Bundespräsidialamtes zu finden

WeblinksBearbeiten

  Commons: Feldrabbiner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien