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Mußbach (Rehbach)

Gewässer in Rheinland-Pfalz
Mußbach
Der Mußbach am südöstlichen Ortsrand von Gimmeldingen, links die Nordwand der Wiedemannschen Mühle

Der Mußbach am südöstlichen Ortsrand von Gimmeldingen, links die Nordwand der Wiedemannschen Mühle

Daten
Gewässerkennzahl DE: 237982
Lage Deutschland
Rheinland-Pfalz
Pfälzerwald
Vorderpfalz
Flusssystem Rhein
Abfluss über Rehbach → Rhein → Nordsee
Quelle am Hohen Stoppelkopf
49° 24′ 25″ N, 8° 4′ 33″ O
Quellhöhe 360 m ü. NHN [1]
Mündung bei Neustadt-Mußbach von links in den RehbachKoordinaten: 49° 21′ 34″ N, 8° 10′ 58″ O
49° 21′ 34″ N, 8° 10′ 58″ O
Mündungshöhe 124 m ü. NHN [1]
Höhenunterschied 236 m
Länge 11,9 km[2]
Einzugsgebiet 15,238 km²[2]
Linke Nebenflüsse Bach vom Seekopf, Bach von der Quaderhangquelle
Rechte Nebenflüsse Silbertalbach, Bach vom Loosenbrunnen
Durchflossene Stauseen mehrere Stauweiher im Kurpfalz-Park, ein Stauweiher im Gimmeldinger Tal
Mittelstädte Neustadt an der Weinstraße
Kleinstädte Wachenheim an der Weinstraße, Deidesheim
Aufnahme des Wassers von Siebenröhrenbrunnen, Quaderhangquelle, Loosenbrunnen, Loogquelle und Neumühlquelle

Der Mußbach im Osten des Pfälzerwalds und in der Vorderpfalz (Rheinland-Pfalz) ist ein knapp 12 km langer Bach und ein linker Zufluss des Rehbachs. Nach ihm ist das ehemalige Winzerdorf Mußbach benannt, das er durchfließt und das im Jahre 1969 als Ortsteil in die Stadt Neustadt an der Weinstraße eingemeindet wurde.

Inhaltsverzeichnis

VerlaufBearbeiten

Im MittelgebirgeBearbeiten

 
Schwanen-Tretboot auf einem der Stauweiher im Kurpfalz-Park
 
Loosenbrunnen

Zwei Quellen des Mußbachs entspringen, nur 300 m voneinander entfernt, am Nordhang des Hohen Stoppelkopfs (566 m ü. NHN) auf der Waldgemarkung von Wachenheim an der Weinstraße, die rechts gelegene Hauptquelle auf 360 m, die linke auf 350 m Höhe. Nach etwa 500 m fließen die Abläufe zusammen. Sobald der anfangs rasch fließende Mußbach auf 320 m Höhe das Wasser des Siebenröhrenbrunnens aufgenommen hat, tritt er in den Kurpfalz-Park ein, einen 70 Hektar großen Freizeit- und Wildpark. Dort fließt der Bach gut 1 km nach Osten, wobei er mehrere kleine Stauweiher speist, auf denen der Parkbetreiber verschiedene Wasserfahrzeuge anbietet. An der Einmündung eines etwa 800 m langen Bächleins, das von links, vom 532 m hohen Seekopf, kommt und vorher den größten Stauweiher des Parks füllt, biegt der Mußbach nach rechts ab und verlässt 500 m weiter den Park in südlicher Richtung. Im Silbertal, wo ihm von rechts der etwa 1,4 km lange Silbertalbach zufließt, überquert der Mußbach die Grenze zur Waldgemarkung von Deidesheim und schwenkt nach Südost um. Etwa 2 km weiter mündet von links ein 700 m langes Bächlein, das von der Quaderhangquelle kommt.

Im Benjental erreicht der Mußbach nach insgesamt 6 km die Waldgemarkung des Neustadter Ortsteils Gimmeldingen. Bei der Looganlage mündet auf etwa 220 m Höhe von rechts ein Zufluss, der zwar nur 1 km lang, aber wasserreicher ist. Er entspringt, gefasst im Loosenbrunnen, in 460 m Höhe an der Nordflanke des Weinbiets, dessen 554 m hoher Gipfel mit zwei markanten Türmen den Ostrand des Mittleren Pfälzerwalds prägt. Von 1952 bis 1988 wurde Quellwasser aus dem Brunnen als Trinkwasser zum Ausflugslokal Weinbiethaus hochgepumpt. Auf der Sohle des Gimmeldinger Tals fließt der vereinte Bach langsamer. Er nimmt das Wasser der Loog- sowie der Neumühlquelle auf und speist dann einen kleinen Stauweiher, der dem Tourismus dient.

In der EbeneBearbeiten

Mit dem Durchbruch durch die Haardt, den Ostrand des Pfälzerwalds, verlässt der Mußbach das Mittelgebirge und erreicht die Vorderpfalz. Dort durchfließt er in der hügeligen Rebenlandschaft beiderseits der Deutschen Weinstraße die Wohngebiete von Gimmeldingen und Mußbach. Auf dessen Feldgemarkung mündet er 2 km südöstlich der Wohnbebauung, nun in der Rheinebene, auf 124 m Höhe von links in den Rehbach, den nördlichen Mündungsarm des Speyerbachs.

Im Osten und Südosten der Wohnbebauung von Mußbach gibt es zwei Wehre, an denen in der Vergangenheit unzulässigerweise ein Teil des Bachwassers nach links in den sogenannten Langgraben abgeleitet wurde, um Kleingartenanlagen zu bewässern. Deshalb ließ die Stadt Neustadt im März 2015 am nördlichen Wehr eine Metallplatte anbringen, um das Ableiten von Wasser zu verhindern. Da jedoch Unbekannte während der nächsten zwei Monate die Platte mehrmals entfernten, wurde das Verbindungsrohr mit einem Bagger ausgegraben und die Zuleitung zugeschüttet.[3]

Der rechte Mündungsast des Langgrabens erreicht 500 m unterhalb der Mußbachmündung das ehemalige Bachbett des Rehbachs; dieser wurde nämlich in den 1980er Jahren beim Ausbau des dortigen Teilstücks der Bundesstraße 38 von deren Nord- auf die Südseite verlegt. Nach etwa 100 m wird der alte Rehbach unter der Bundesstraße hindurch zum neuen Bachbett geführt. Der linke Ast des Langgrabens mündet in den Rehbach etwa 1,5 km unterhalb der Mußbachmündung.

250 m nordöstlich der Mußbachmündung erstreckt sich am Stentenwehr westlich der Landesstraße 532 ein 100 m langer und 30 bis 60 m breiter Stauweiher. Das Feuchtgebiet hat keine Verbindung zum Mußbach oder anderen Fließgewässern und wird nur vom Grundwasser gespeist.[4]

GeschichteBearbeiten

NameBearbeiten

Bereits im Mittelhochdeutschen hieß der Wasserlauf und nach ihm auch der am Unterlauf durchflossene Ort „Muosbach“, was so viel wie „moosiger Bach“ im Sinne von „sumpfig“ bedeutet; denn Wasserläufe, die naturbelassen waren, mäandrierten damals und bewirkten in der Umgebung einen hohen Grundwasserspiegel.

MühlenBearbeiten

Im Mittelalter diente das Wasser des Baches zum Betrieb von zwölf Wassermühlen und Triebwerken, deren Standorte über einen Mühlenwanderweg verbunden sind.[5][6] Dazu gehören, von der Mußbachquelle zur Mündung hin aufgelistet:[7]

  • Lagebedingt trug die oberste Mühle am Mußbach den Namen Obere Mühle.
  • Das heutige Forsthaus Benjental war früher eine Wappenschmiede, die sich des Mußbachwassers bediente, um den Eisenhammer anzutreiben. Bis hierher lagen alle Mühlen und Triebwerke auf Deidesheimer Gemarkung.
  • Die Untere Mühle im äußersten Nordwesten Gimmeldingens wurde 1718 erbaut und ist seit einem Großbrand im Jahre 1886 Ruine.
  • Die Platsche Mühle wurde 1821 erbaut und 1900 stillgelegt. Ein Mühlstein ist erhalten.
  • Gebäudemäßig am besten erhalten ist die Talmühle, die zur Gaststätte umgebaut wurde.
  • Bereits zu fränkischer Zeit lag südlich der Nikolauskirche auf der Gemarkung des früheren Dorfes Lobloch eine Mühle, die von den Historikern für die Keimzelle des Dorfes gehalten wird, das 1751 im Nachbarort Gimmeldingen aufgegangen ist.
  • Die Wiedemannsche Mühle im äußersten Südosten Gimmeldingens an der Grenze zu Mußbach war bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts in Betrieb und wurde dann zu einem Weinbaubetrieb umgestaltet. Das ehemalige Mühlrad konnte noch in den 1960er Jahren besichtigt werden.

ÖkologieBearbeiten

Im 19. und bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Bach in Gimmeldingen und in der tiefergelegenen Osthälfte Mußbachs als Abwasserkanal verwendet. Auf dem Abschnitt dazwischen wurde das Bachwasser bis in die 1960er Jahre am Südwestrand von Mußbach in Betonbecken geklärt, um zum Betrieb des Mußbacher Schwimmbads verwendet zu werden.

Mittlerweile ist der Bach teilweise renaturiert, teilweise aber auch noch verrohrt.

LiteraturBearbeiten

  • Erich Metz, Alfred Sitzmann: Die ehemaligen Mahlmühlen am Mußbach. In: Reinhard Kermann, Alfred Sitzmann (Hrsg.): Gimmeldingen – Leben im Weindorf. Neustadt an der Weinstraße 2008.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (LANIS-Karte) (Hinweise)
  2. a b GeoExplorer der Wasserwirtschaftsverwaltung Rheinland-Pfalz (Hinweise)
  3. Wolfgang Kreilinger (wkr): Mußbach: Mit dem Bagger gegen Wasserdiebe. In: Die Rheinpfalz, Lokalausgabe Mittelhaardter Rundschau. Nr. 106. Ludwigshafen 8. Mai 2015, S. 13.
  4. Feststellungen vor Ort durch Benutzer Grünspecht2014 im Jahr 2014.
  5. Mühlenwanderweg. Stadt Neustadt/Weinstr., abgerufen am 15. Februar 2011.
  6. Eselsweg, Stabenberg und Mandelblüte. Wandern in der Pfalz, abgerufen am 15. Februar 2011.
  7. Erich Metz, Alfred Sitzmann: Die ehemaligen Mahlmühlen am Mußbach. 2008, S. 44–51.