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Mußbach an der Weinstraße

Ortsbezirk der Stadt Neustadt an der Weinstraße

Mußbach, das als Winzerdorf seit 1935[2] den Namenszusatz „an der Weinstraße“ trug, wurde 1969 als Ortsteil in die rund 3 km südwestlich gelegene kreisfreie Stadt Neustadt an der Weinstraße (Rheinland-Pfalz) eingemeindet.[3] Seither erhöhte sich die Zahl der Einwohner auf über 4000. Damit ist Mußbach bezogen auf die Einwohnerzahl der drittgrößte Ortsteil der Stadt.

Mußbach an der Weinstraße
Ehemaliges Gemeindewappen von Mußbach
Koordinaten: 49° 22′ 9″ N, 8° 10′ 28″ O
Höhe: 140 m ü. NHN
Fläche: 14,6 km²
Einwohner: 4184 (12. Jan. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 287 Einwohner/km²
Eingemeindung: 7. Juni 1969
Postleitzahl: 67435
Vorwahl: 06321
Karte
Mußbach (rot) innerhalb des Stadtgebiets von Neustadt
Landschaftsbild im Bereich von Mußbach
Landschaftsbild im Bereich von Mußbach

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

 
Das Weinbiet westlich von Mußbach

Mußbach liegt in der Vorderpfalz im rebenbestandenen Hügelland auf etwa 140 m ü. NHN. Nach Osten und vor allem nach Südosten hat es sich allmählich weiter in die Ebene ausgebreitet. Südöstlich des Ortes erstreckt sich außerdem der Ordenswald.

NachbarorteBearbeiten

Nachbarorte sind im Südwesten die Kernstadt von Neustadt, im Westen bzw. Nordwesten die Neustadter Stadtteile Gimmeldingen und Königsbach, im Norden die Stadt Deidesheim, im Nordosten die Ortsgemeinde Meckenheim, im Osten die Gemeinde Haßloch und im Süden der Stadtteil Lachen-Speyerdorf.

KlimaBearbeiten

Die Lage des Ortes am Rand der Vorderpfalz, die Teil der von Mittelgebirgen umgebenen Rheinebene ist, bedingt ein mildes Klima. Die Temperaturen betragen im Jahresmittel etwa 10 °C, im Winter 0 °C und im Sommer 20 °C. Im Lee des 554 m hohen Weinbiets, das zum Ostrand des Pfälzerwalds gehört, beläuft sich der durchschnittliche Jahresniederschlag auf maximal 500 mm; damit liegt Mußbach in einer der niederschlagsärmsten Gegenden Deutschlands.

GewässerBearbeiten

 
Der Mußbach an der Grenze von Gimmeldingen zum Nachbarort
 
Mußbacher Baggerweiher, im Hintergrund das Weinbiet

Der Ortsname stammt vom knapp 12 km langen Mußbach. Dieser fließt, aus dem Pfälzerwald kommend, zunächst durch Gimmeldingen, dann durch Mußbach und mündet schließlich 2 km südöstlich der Wohnbebauung von links in den Rehbach, den nördlichen Mündungsarm des Speyerbachs.

Im Mittelalter wurden mit dem Wasser des Mußbachs zwölf Mühlen betrieben, deren Standorte heute über einen Mühlenwanderweg verbunden sind.[4][5] Im 19. und bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Bach als Abwasserkanal verwendet. Mittlerweile ist er teilweise offengelegt und renaturiert, teilweise aber auch noch verrohrt.

Bis in die 1960er Jahre diente das Wasser des Bachs, in großen Betonbecken mechanisch geklärt, zur Befüllung des Mußbacher Freibads.

1 km östlich der Wohnbebauung erstreckt sich in West-Ost-Richtung der Mußbacher Baggerweiher. Er ist rund 500 m lang und 150 m breit, seine Wasserfläche bedeckt 7,5 Hektar.

GeschichteBearbeiten

MittelalterBearbeiten

Um das Jahr 780 wurde der Ort erstmals als Muosbach im Inventar des Klosters Fulda erwähnt.[6] Der mittelhochdeutsche Ausdruck für den Wasserlauf und danach auch für den Ort bedeutet soviel wie „moosiger Bach“ im Sinne von „sumpfig“; denn naturbelassene Wasserläufe mäandrierten damals und bewirkten in der Umgebung einen hohen Grundwasserspiegel. Im Jahr 985 wurde der Ort außerdem Opfer des Salischen Kirchenraubs.

18. und 19. JahrhundertBearbeiten

 
Durchgangsverbot (1807)

Bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort zur Kurpfalz. Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Musbach – so die damalige Schreibweise – in den Kanton Neustadt (Donnersberg) eingegliedert und besaß eine eigene Mairie. 1815 wurde der Ort Österreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später wechselte der Ort wie die gesamte Pfalz in das Königreich Bayern. Von 1817 bis 1862 gehörte die Gemeinde dem Landkommissariat Neustadt an; aus diesem ging das Bezirksamt Neustadt hervor.

An einer Hausmauer (An der Eselshaut 47) ist eine Tafel aus rotem Sandstein erhalten, die im Jahr 1807, in Reimen und noch ohne genormte Rechtschreibung, sehr eindeutig das Durchgangsrecht eines Hinterliegers, der hier „Durchzug“ genannt wird, reglementiert:

„Die Mauer gehert zu meinem Haus
von vorne an bis hinden naus.
Der Dorgzug hat kein Recht,
der hinder mir lcht.
1807 P. I. H.“

Im Wort lecht fehlt ein e, kein i; denn liegt wurde in der örtlichen Mundart etwa lächt ausgesprochen und reimte sich somit auf Recht. Ins Hochdeutsche übertragen heißt die gesamte Inschrift:

„Die Mauer gehört zu meinem Haus
von vorne an bis hinten ’naus.
Der Durchzug hat kein Recht,
der hinter mir liegt.
1807 P. I. H.“

 
Früher Rathaus, heute Sitz der Ortsverwaltung

Mußbach wuchs schon im 19. Jahrhundert mit dem westlichen Nachbarort Gimmeldingen zusammen und besaß mit ihm eine auf 500 m gemeinsame Straße, welche eine ungewöhnliche Grenze bildete: Die Häuser auf der Nordseite gehörten als Mußbacher Straße zu Gimmeldingen, die auf der Südseite als Gimmeldinger Straße zu Mußbach. Die Straßenfläche lag vollständig auf der Gemarkung Mußbachs, das die Straße auch zu unterhalten hatte. Seit beide Orte nach Neustadt eingemeindet wurden, heißt die gemeinsame Ader einheitlich Kurpfalzstraße, die unsichtbaren Gemarkungsgrenzen existieren allerdings weiterhin.

20. JahrhundertBearbeiten

Ab 1939 war Mußbach Bestandteil des Landkreises Neustadt an der Weinstraße. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des Regierungsbezirks Pfalz im damals neu gebildeten Land Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde Mußbach am 7. Juni 1969 in die kreisfreie Stadt Neustadt an der Weinstraße eingemeindet.

BevölkerungBearbeiten

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

1815 hatte der Ort insgesamt 1400 Einwohner. Mußbach gewinnt zunehmend Bedeutung als Wohnvorort von Neustadt. Zur Zeit der Eingemeindung 1969 hatte es etwa 3500 Einwohner. Aufgrund der Ausweitung der Wohnbebauung vor allem nach Südosten stieg die Zahl allmählich auf über 4000, im Jahr 2008 hatte sie mit 4255[7] ihren Höchststand. Im Juni 2011 hatte Mußbach 4063,[8] im Januar 2012 4184[1] Einwohner.

ReligionBearbeiten

Vor Ort existierte einst eine jüdische Gemeinde, die seinerzeit zum Bezirksrabbinat Dürkheim-Frankenthal gehörte. Am 22. Oktober 1940 wurden mit einer einzigen Ausnahme[9] alle in Mußbach lebenden Juden im Zuge der Wagner-Bürckel-Aktion nach Südfrankreich deportiert; wer die Deportation überlebt hatte, starb 1942 im Konzentrationslager.

PolitikBearbeiten

OrtsvorsteherBearbeiten

Ortsvorsteher ist seit 2014 Dirk Herber (CDU). Er setzte sich bei den Kommunalwahlen 2014 und 2019 mit 60,8 % bzw. 59,6 % der Wählerstimmen gegen seinen Mitbewerber Roland Ipach (FWG) durch.[10][11] Bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 2016 gewann Herber das Direktmandat für den Wahlkreis 42 (Neustadt an der Weinstraße).[12]

OrtsbeiratBearbeiten

Die seit 2004 unveränderte parteipolitische Sitzverteilung im Ortsbeirat wurde bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 um ein Mandat verschoben: Die CDU ist weiterhin mit sechs Sitzen stärkste Partei, gefolgt von der FWG, die fünf Sitze innehat. Auf die SPD entfallen noch zwei Sitze, auf die GRÜNEN nun ebenfalls zwei. Für weitere Informationen siehe die Ergebnisse der Kommunalwahlen in Neustadt an der Weinstraße.

WappenBearbeiten

Blasonierung: „Gespalten, rechts von Silber und Blau gerautet, links in Schwarz ein linksgewendeter rotbewehrter, -bezungter und -bekrönter goldener Löwe.“
Wappenbegründung: Die beiden im Wappen enthaltenen Motive verweisen auf die einstige Zugehörigkeit zur Kurpfalz

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Sehenswürdigkeiten und KulturBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

Kulturdenkmäler

Das Johanniterviertel und der Ortskern sind als Denkmalzonen ausgewiesen.

Hinzu kommen zahlreiche Einzeldenkmäler, darunter folgende Objekte:

Im Ortszentrum liegt die in hochgotischem Stil erbaute alte Johanneskirche. Ihr Chor überstand während des Dreißigjährigen Krieges eine Feuersbrunst, als 1621 Truppen des spanischen Generals Córdoba den Ort verwüsteten; das Kirchenschiff brannte aus und wurde später – etwas niedriger als vorher – neu errichtet. Bereits 1689, als während des Pfälzischen Erbfolgekrieges französische Truppen die Pfalz verheerten, wurde die Johanneskirche erneut schwer durch Feuer beschädigt; anschließend wurde sie mehrmals teilrestauriert. 1707 wurde zwischen dem Chor und dem Schiff eine Trennwand eingebaut; der Chor wurde den Katholiken, das Schiff den Protestanten zugeteilt.

Der katholische Kirchenteil wird seit einem gleichnamigen Neubau 1959 nicht mehr genutzt und wurde im Lauf der Zeit sehr renovierungsbedürftig. Mittlerweile gehört das gesamte Gotteshaus der Evangelischen Kirche, die derzeit um einheitliche Restaurierung bemüht ist.

Die alte Johanneskirche gehörte ursprünglich zum benachbarten Herrenhof (An der Eselshaut 18). Dieser stellt eine weitläufige Hofgutanlage dar, die einst dem Johanniterorden gehörte, dessen katholisch gebliebener Teil sich später in Malteserorden umbenannte. Das Hofgut lässt sich bis ins 7. Jahrhundert zurückverfolgen; damit ist der Herrenhof das älteste Weingut der Pfalz, das bis heute ununterbrochen betrieben wurde, und möglicherweise auch der älteste derartige Betrieb in ganz Deutschland.[13] Mit seinen zahlreichen repräsentativen Räumen und seinem riesigen gepflasterten Innenhof dient das ausgezeichnet restaurierte Ensemble der Stadt und dem Ortsteil als Kulisse für Kultur- und Festveranstaltungen und ermöglicht große Kunstausstellungen. In einem der Gebäude befindet sich das Weinbaumuseum Getreidekasten.

Seit Dezember 2004 fehlte der neuen Johanneskirche, die 1959 als Rundbau am Südostrand des ausgedehnten Herrenhof-Areals errichtet wurde, der ursprünglich 30 m hohe Turm. Dieser musste, nur 45 Jahre nach Fertigstellung, wegen Baufälligkeit abgebrochen werden, weil der Beton den Schwingungen der vier Glocken nicht standgehalten hatte und brüchig geworden war. Der Turm wurde 2015 als 17 m hohe Stahlkonstruktion neu errichtet und trägt nun zwei Bronzeglocken. Diese hatten kurz vor ihrer Aufhängung Schlagzeilen gemacht, als sie vor den Augen von zahlreichen Bauarbeitern durch zwei Diebe entwendet wurden; nach einem halben Monat wurden die Glocken unversehrt aufgefunden.[14]

Das Weiße Haus (Kurpfalzstraße 77–79) besteht aus einem sehr großen gründerzeitlichen Haupthaus von 1890 am östlichen Rand einer viel älteren burgartigen Anlage, die um einen großen gepflasterten Innenhof herum gruppiert ist und auf den mittelalterlichen Ritter Erhardt von Rammingen zurückgeht. Von ihm, der aus einem württembergischen Adelsgeschlecht stammte, kündet noch ein schlecht erhaltenes Wappen aus dem Jahr 1600 an der wuchtigen und mit Zinnen versehenen Mauer.

Der 1709 im Barockstil erbaute Carl-Theodor-Hof (Kurpfalzstraße 99) ist das letzte Anwesen auf Mußbacher Gemarkung an der Grenze zu Gimmeldingen. Die Anlage erhielt erst nachträglich den Namen des Kurfürsten (1724–1799). Das Hauptgebäude ist ein imposantes quaderförmiges Herrenhaus.

Dem Weißen Haus schräg gegenüber ist man schon in Gimmeldingen. Dort (Kurpfalzstraße 76) liegt das bauhistorisch ebenfalls beachtenswerte Weingut Estelmann, vorm. Hick, dem mittlerweile der (nicht historische) Name Loblocher Schlössel beigegeben wurde und in dem auch eine Weinstube dieses Namens betrieben wird.

Sonstige Bauwerke

Die Eselsburg (Kurpfalzstraße 62) entstand aus einem historischen Winzerhaus, das der Künstler Fritz Wiedemann (1920–1987) ab 1964 in dreijähriger Arbeit restauriert und zu einer Weinstube mit Innenhof umgestaltet hat. Überall, auch an der Außenfassade, hat Wiedemann skurrile Steinskulpturen installiert. Eine Dauerausstellung zeigt Bilder und Plastiken des Künstlers.

SpracheBearbeiten

In Mußbach wird die haardtgebirgische Variante (52-ACB-dfb[15]) des Vorderpfälzischen gesprochen, das zu den pfälzischen Dialekten gehört. Die lokale Sprache dokumentiert seit den 1980er Jahren der 1947 im Ort geborene Pfälzer Mundartdichter Albert H. Keil,[16] mehrmaliger Literaturpreisträger[17] und Gewinner von Mundartwettbewerben.[18]

FesteBearbeiten

Wegen der engen Verflechtung mit Gimmeldingen werden viele Veranstaltungen gemeinsam mit dem Nachbarort begangen. Feste mit Ursprung in Mußbach sind:

Eselshautfest

Das sechstägige Eselshautfest findet im Juni/Juli an zwei Wochenenden statt. In den 1970er Jahren ins Leben gerufen, wird es mittlerweile zu den großen pfälzischen Weinfesten gezählt, die überregionale Ausstrahlung besitzen. Der Name stammt von der Weinlage Eselshaut, das Veranstaltungsgelände liegt innerhalb des seit mehr als 1300 Jahren ununterbrochen als Weingut betriebenen Herrenhofes.[13]

Fest beim Neuen Wein

Das Fest beim Neuen Wein findet seit Anfang der 1980er Jahre am Kelterhaus der Weinbiet Manufaktur statt. Ab dem Beginn der Traubenlese Ende August dauert das Fest mit täglicher Öffnung bis Anfang November. Deshalb wird es scherzhaft beworben als das „längste Weinfest der Welt“.

Weitere Feste

Das Pfälzer Sektfest im Juni trägt dem Umstand Rechnung, dass pfälzische Winzersekte für die ausländischen Schaumweine inzwischen eine ernsthafte Konkurrenz geworden sind. Ebenfalls im Juni wird das Pfälzische Ökoweinfest gefeiert. Mit der Zunahme des Ökologiebewusstseins auch bei den Weinerzeugern befindet sich dieses Fest auf dem Weg, aus dem anfänglichen Nischendasein herauszutreten. Die längste Festtradition besitzt die Mußbacher Weinkerwe im August.

SportBearbeiten

Sportanlagen

Am südwestlichen Ortsrand besitzt Mußbach ein großes Freibad, dem leichtathletische Sportanlagen angeschlossen sind. Im Südosten des Ortes befindet sich ein Fußballplatz. Im Osten der Gemarkung liegt inmitten der Weinberge am Provenceplatz – wo auch eine Eselsskulptur steht – eine kleine Boulebahn.

Sportvereine

Die SG 1946 Mußbach befasst sich bevorzugt mit Fußball, der TV Mußbach 1860 mit Leichtathletik. Bundesweit bekannt wurde der TV Mußbach durch den Mußbach Triathlon, den er seit Beginn der 1990er Jahre veranstaltet und der Teil des Triathlon-Cups Rhein-Neckar ist. Die Radstrecke dieses Wettbewerbs führt auf den höchsten Berg des Pfälzerwalds, die 673 m hohe Kalmit.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

LandwirtschaftBearbeiten

 
Weinberge vor der Kulisse des Weinbiets

Hauptzweig der Landwirtschaft ist der Weinbau, da die günstigen klimatischen Verhältnisse die Produktion hochwertiger Weine ermöglichen. Entsprechend gehört Mußbach zum Weinanbaugebiet Pfalz. Bekannteste Einzellage ist die vom Weingut Christmann bewirtschaftete Mußbacher Eselshaut, über deren Namensherkunft nach wie vor spekuliert wird. Der Ort verdankt ihr den Esel als Maskottchen. Weitere Mußbacher Weinlagen sind Bischofsweg, Glockenzehnt, Johannitergarten, Kurfürst, Mandelring, Mandelgarten, Spiegel und Schlössel. Außer Weintrauben reifen im Freiland auch Mandeln, Esskastanien, Feigen und Zitrusfrüchte, Spargel wird ebenfalls angebaut.

UnternehmenBearbeiten

 
Auf dem Gelände des DLR Rheinpfalz: die AgroScience GmbH

Am Ostrand von Mußbach hat seit 1979 das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz (DLR Rheinpfalz) seinen Sitz, das bis 2004 unter dem Namen „Staatliche Lehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft, Wein- und Gartenbau“ bekannt war. Das DLR ist Schulstandort für die Berufs- und Fachschule im Obst- und Weinbau für die Pfalz, in der im Jahr 2014/15 681 Schüler unterrichtet wurden. Seit 2009 hat der neu gegründete duale Studiengang Weinbau und Oenologie Rheinland-Pfalz im DLR seinen Campus. 2015 waren hier etwa 200 Studierende eingeschrieben. Weitere Schwerpunkte sind die staatliche Beratung im Wein- und Obstbau, die Landentwicklung und Ländliche Bodenordnung sowie das Versuchswesen. Das Kompetenzzentrum Weinforschung am DLR koordiniert die landesweite Forschung in der Önologie. Auf dem Gelände arbeitet zudem die RLP AgroScience GmbH. Das DLR ist der größte Arbeitgeber in Mußbach.

In der Ortsmitte von Mußbach liegt die Weinbiet Manufaktur. Sie entstand im Jahr 1968 durch die Fusion von Winzerverein und Winzergenossenschaft; die Umfirmierung zur Weinbiet Manufaktur erfolgte 2018. Zudem besitzt die VR Bank Mittelhaardt vor Ort eine Filiale. Darüber hinaus befand sich in Mußbach zeitweise eine Krappmühle.

TourismusBearbeiten

Mußbach liegt an der Deutschen Weinstraße, die sich am westlichen Rand der Oberrheinischen Tiefebene hinzieht, am Radweg Deutsche Weinstraße und am Pfälzer Mandelpfad. Neben der Landwirtschaft ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden. Vor allem Winzerbetriebe bieten auch Zimmer an, die Gastronomie wirbt mit – teilweise gehobener – Pfälzer Küche.

VerkehrBearbeiten

Schiene

Mußbach liegt an der Pfälzischen Nordbahn, der eingleisigen Bahnstrecke Neustadt–Bad Dürkheim–Monsheim, auf der Nahverkehrszüge in beiden Richtungen im Halbstundentakt („Rheinland-Pfalz-Takt“) unterwegs sind. Der Bahnhof im Oberdorf nahe der „Grenze“ zu Gimmeldingen versorgt diesen Ortsteil mit; aus diesem Grund trug er in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens die Bezeichnung Mussbach-Gimmeldingen.

Straße

Durch Mußbach führen die Landesstraßen 516 und 519. Die Ortsdurchfahrt ist mit der Deutschen Weinstraße identisch und wird von einem Ring aus Einbahnstraßen gebildet, der gegen den Uhrzeigersinn befahren wird. Die großräumige Verkehrsanbindung erfolgt über die Autobahn 65; die Anschlussstelle 12 Neustadt-Nord führt in die Richtungen Ludwigshafen am Rhein und Karlsruhe. Die B 38 verbindet Mußbach mit Neustadt und Meckenheim, die B 271 (zunächst auf die A 65 in Richtung Ludwigshafen, dann Anschlussstelle 11 Deidesheim) mit Bad Dürkheim. Die Landesstraße 532 führt nach Haßloch. Die von Imfeld Busverkehr betriebene Buslinie 514 des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar verbindet Mußbach mit der Neustadter Kernstadt.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter des OrtesBearbeiten

 
Geburtshaus des Herzforschers Albert Fraenkel
  • Albert von Mußbach († 1277): Der Domdekan in Speyer wurde Opfer eines ungeklärten Mordes.
  • Daniel Adolf Weber (1730–1794): Der Sohn eines protestantischen Pfarrers heiratete nach Elberfeld, gründete in dem heutigen Stadtteil von Wuppertal eine Textilfabrik und wurde dort bei seiner siebten Kandidatur zum Bürgermeister gewählt.
  • Karl August von Beckers zu Westerstetten (1770–1832): Der Graf war im Königreich Bayern General der Infanterie.
  • Albert Fraenkel (1864–1938): Der Arzt, Tuberkulose- und Herzforscher lehrte als Professor an der Universität Heidelberg und wurde vor allem durch die Entdeckung und Entwicklung der intravenösen Strophantintherapie bei Herzinsuffizienz bekannt. In der Zeit des Nationalsozialismus verlor Fraenkel als Jude alle seine Ämter. Sein Geburtsort hat ihn mit einer Straßenwidmung geehrt.
  • Georg Stuhlfauth (1870–1942): Der Archäologe, Kunstsachverständige und Kirchenhistoriker arbeitete in Rom und als Professor in Berlin. Er forschte insbesondere auf den Gebieten der christlichen Ikonographie und der Reformationskunst.
  • Johannes Pfeiffer (1886–1965): Der Theologieprofessor an der Universität von Santiago de Chile wurde in Mußbach geboren und lebte dort bis zur Aufnahme seines Studiums.
  • Otto Sartorius jun. (1892–1977): Der Önologe leitete 66 Jahre lang das Weingut Herrenhof und machte sich um die wissenschaftlichen und kulturellen Aspekte von Weinbau und Wein verdient.

Sonstige PersönlichkeitenBearbeiten

  • Der in Mutterstadt geborene Gustav-Adolf Bähr (* 1938) machte sich einen Namen durch zahlreiche Ehrenämter, einerseits als für die Evangelische Kirche aktiver Laie, andererseits als Kulturmanager, und erhielt dafür das Bundesverdienstkreuz und weitere hohe Auszeichnungen.
  • Johannes Bähr (1902–1980), Vater von Gustav-Adolf Bähr, war jahrelang protestantischer Pfarrer in Mußbach. An seinen früheren Tätigkeitsorten setzte er sich während der Zeit des Nationalsozialismus für die Verfolgten des NS-Regimes ein.
  • Der aus Lingenfeld stammende Josef Bürckel (1895–1944) war ab 1927 Volksschullehrer in Mußbach. Bekannt wurde er als NS-Gauleiter und Mitorganisator der Judendeportationen im Rahmen der Wagner-Bürckel-Aktion von 1940.
  • Otto Hoos (1921–2003), SPD-Politiker, war Bürgermeister von 1960 bis 1969 und von 1963 bis 1971 Mitglied des Landtags von Rheinland-Pfalz.
  • Klaus Heinrich Keller (1938–2018), Maler, stellte seine Gemälde unter anderem im Herrenhof aus.
  • Gustav Policella (* 1975), Fußballspieler, spielte in seiner Jugend bei der SG Mußbach.
  • Der in Darmstadt geborene Otto Sartorius sen. (1842–1911) heiratete in das Weingut Herrenhof ein und wurde Abgeordneter des Deutschen Reichstags. Sein Sohn war Otto Sartorius jun. (s. o.).
  • Der im Nachbarort Gimmeldingen geborene Erich Stolleis (1906–1986) führte das Weingut Carl-Theodor-Hof und war in der Zeit des Nationalsozialismus zunächst Bürgermeister von Landau, dann Oberbürgermeister von Ludwigshafen.
  • Der in Ludwigshafen geborene Rechtshistoriker Michael Stolleis (* 1941), Sohn von Erich Stolleis, wuchs in Mußbach auf.
  • Der aus Gimmeldingen stammende Künstler Fritz Wiedemann (1920–1987) wirkte als Gastronom in der Eselsburg und verzierte das restaurierte Winzerhaus mit skurrilen Steinskulpturen.

LiteraturBearbeiten

  • Karl Bauer: Die ländliche Verfassung der Vorderpfalz. Dargestellt am Beispiel des Weindorfes Mussbach und seines Herrenhofes (= Sonderdrucke aus den Mitteilungen des Historischen Vereins. Band 52). Historischer Verein der Pfalz, Speyer 1954.
  • Johannes Lutwitzi: Aus Mußbachs Vergangenheit. Beiträge zur Förderung der Heimatliebe. Selbstverlag, Mußbach 1929.
  • Otto Sartorius: Mussbach. Die Geschichte eines Weindorfes. Historischer Verein der Pfalz, Speyer 1959.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Mußbach an der Weinstraße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Neustadt in Zahlen. Stadt Neustadt, abgerufen am 18. Juli 2014.
  2. Deutsche Weinstraße. In: NSZ Rheinfront. Ludwigshafen 21. Oktober 1935.
  3. Amtliches Gemeindeverzeichnis (= Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz [Hrsg.]: Statistische Bände. Band 407). Bad Ems Februar 2016, S. 173 (PDF; 2,8 MB).
  4. Mühlenwanderweg. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) Stadt Neustadt, archiviert vom Original am 30. März 2012; abgerufen am 15. Februar 2011.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.neustadt.eu
  5. Eselsweg, Stabenberg und Mandelblüte. Wandern in der Pfalz, abgerufen am 15. Februar 2011.
  6. Die Ortsgeschichte. Fördergemeinschaft Herrenhof, abgerufen am 15. Juli 2015.
  7. Neustadt in Zahlen. Stadt Neustadt, abgerufen am 30. August 2008.
  8. Allgemeine Daten zum Dienstbezirk Neustadt an der Weinstraße. (Nicht mehr online verfügbar.) Polizei Rheinland-Pfalz, archiviert vom Original am 5. Januar 2012; abgerufen am 16. April 2012.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.polizei.rlp.de
  9. Albert H. Keil: „Zu Hilfe kam [uns] niemand.“ Mußbach und die „braune Pest“. In: Marita Hoffmann und Bernhard Kukatzki (Hrsg.): „Im Morgengrauen des 18. März 1945 herrschte noch Totenstille.“ Zum Ende des Zweiten Weltkriegs in der Pfalz. Themenheft (= Pfälzisch-Rheinische Familienkunde. Band XVIII). Heft 8/9. Verlag Llux, Ludwigshafen 2016, ISBN 978-3-938031-72-8, S. 98–103 (online).
  10. Bekanntmachung des Ergebnisses der Kommunalwahlen der Stadt Neustadt an der Weinstraße am 25. Mai 2014. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) In: Amtsblatt der Stadt Neustadt an der Weinstraße. Stadt Neustadt, 2. Juni 2014, S. 27, archiviert vom Original am 28. Juli 2014; abgerufen am 17. Juli 2014.
  11. Amtsblatt Nr. 32-2019. (PDF 5,4 MB) In: Amtsblatt der Stadt Neustadt an der Weinstraße. Stadt Neustadt, 6. Juni 2019, S. 52, abgerufen am 19. Oktober 2019.
  12. Dirk Herber in den Landtag gewählt! (Nicht mehr online verfügbar.) CDU Neustadt/Weinstraße, 16. März 2016, archiviert vom Original am 23. April 2016; abgerufen am 11. April 2016.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cdu-nw.de
  13. a b Otto Sartorius: Mussbach. Speyer 1959.
  14. Anke Herbert: Glocken an Mußbacher Kirche hängen wieder. In: Die Rheinpfalz, Lokalausgabe Mittelhaardter Rundschau. Ludwigshafen 21. Juli 2015 (online).
  15. David Dalby: The Linguasphere Register of the world’s languages and speech communities. Linguasphere Press, Hebron (Wales) 2000, ISBN 978-0-9532919-1-5, S. 430 (englisch).
  16. Jürgen Bich: Vom Weinjahrgang der Knochenrappler. Neu-Dirmsteiner Albert H. Keil schreibt in der Mundart seines Heimatortes Neustadt-Mußbach. In: Die Rheinpfalz. Ludwigshafen 8. Januar 1993.
  17. Literarische Preise von Albert H. Keil. Verlag PfalzMundArt, abgerufen am 19. Oktober 2015 (Preise Nr. 15, Mannheim, und Nr. 47, Landkreis Südwestpfalz).
  18. Literarische Preise von Albert H. Keil. Verlag PfalzMundArt, abgerufen am 19. Oktober 2015 (Preise Nr. 5, 11, 28 und 44).