Mommy ist ein 2014 erschienenes kanadisches Filmdrama. Regie führte Xavier Dolan, der auch das Drehbuch schrieb. Der Film hatte im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Cannes 2014 Premiere[2] und gewann dort den Preis der Jury.[3] Außerdem kam er 2015 als kanadischer Beitrag in die Vorauswahl für den Oscar als bester fremdsprachiger Film.[4][5]

Filmdaten
Deutscher TitelMommy
OriginaltitelMommy
ProduktionslandKanada
OriginalspracheFranzösisch
Erscheinungsjahr2014
Länge134 Minuten
AltersfreigabeFSK 12[1]
Stab
RegieXavier Dolan
DrehbuchXavier Dolan
ProduktionXavier Dolan,
Nancy Grant
MusikNoia
KameraAndré Turpin
SchnittXavier Dolan
Besetzung

HandlungBearbeiten

Der fiktionale Ausgang der kanadischen Wahlen führte zum Erlass eines Gesetzes, dass es Eltern mit schwer erziehbaren Kindern in einer Notlage ermöglicht, ihren Nachwuchs ohne juristische Schwierigkeiten in einem Krankenhaus einzuliefern.

Die verwitwete Diane Després holt ihren 15-jährigen Sohn Steve, der an ADHS und gewalttätigen Ausbrüchen leidet, aus einem Heim ab. Dort hatte Steve ein Feuer gelegt, bei dem ein anderes Kind starke Brandwunden erlitt. Diane versucht nun, mit ihrem Sohn unter starken finanziellen Schwierigkeiten über die Runden zu kommen. Nach einem Streit würgt Steve seine Mutter, Diane kann sich nur mit Gewalt aus dieser Lage befreien. Die Nachbarin Kyla kann die Situation wieder beruhigen und kümmert sich um Steves Wunde.

Die stotternde Kyla ist Lehrerin, macht nach eigenen Angaben aber gerade ein Sabbatical. Beeindruckt von der beruhigenden Wirkung, die Kyla auf Steve offenbar ausübt, bittet Diane sie, Steve Unterricht zu erteilen, damit er einen Abschluss erhalten kann. Kyla willigt ein. Die erste Unterrichtseinheit verläuft allerdings wenig erfolgreich, weil Steve ihr gegenüber aufdringlich wird. Am selben Abend entschuldigt sich Steve jedoch und bittet sie, ihn weiter zu unterrichten. Die drei freunden sich an und verbringen viele Abende miteinander. Auch Kyla scheint die gemeinsame Zeit gut zu tun, in Gegenwart der Després stottert sie deutlich weniger als gegenüber ihrer eigenen Familie. Das Leben aller scheint eine Wendung zum Guten zu nehmen, als plötzlich ein Anwaltsschreiben der Eltern des Kindes eintrifft, das durch das von Steve gelegte Feuer verletzt wurde. Dianes Versuch, einen Anwalt in der Nachbarschaft auf den Fall anzusetzen, der ihr in der Vergangenheit bereits Avancen machte, scheitert jedoch.

Als die Situation nach einem Suizidversuch Steves zunehmend ausweglos erscheint, beschließt Diane, das eingangs erwähnte Gesetz in Anspruch zu nehmen und Steve in eine Psychiatrie einzuliefern. Während eines Ausflugs zu dritt mit Kyla täuscht Diane eine Toilettenpause vor. Steve sieht seine Mutter mit drei Pflegern wieder zum Auto zurückkommen und versucht zu fliehen, schafft es aber nicht und wird letztlich unter Einsatz eines Tasers ruhiggestellt.

Einige Zeit später ruft Steve von der Psychiatrie aus bei seiner Mutter an. Er spricht ihr auf die Mailbox und gibt sich einsichtig darin, was er ihr angetan hat. Kyla besucht Diane kurz darauf und teilt ihr mit, dass sie mit ihrer Familie nach Toronto zieht. Diane gibt sich überschwänglich euphorisch und beglückwünscht Kyla. Als sie wieder allein ist, verliert sie jedoch ihre Contenance und weint. In der letzten Szene sieht man Steve, der sich von einem Pfleger losreißt und auf ein Fenster zurennt.

KritikenBearbeiten

Der Film erhielt überwiegend positive Kritiken. Bei Rotten Tomatoes sind 91 % der Kritiken positiv bei insgesamt 95 Kritiken; die durchschnittliche Bewertung beträgt 8/10.[6] Bei Metacritic erhält der Film eine Bewertung von 74/100, basierend auf 34 Kritiken.[7]

The Guardian beschrieb den Film als „sensationelles, grenzüberschreitendes Vergnügen“ mit „überraschender emotionaler Tiefe“.[8] Der film-dienst bezeichnete den Film als „intensives, berührendes Drama mit kraftvollen Bild-Ton-Kompositionen“. Das quadratische Leinwandformat zeichne dabei „die beengten Verhältnisse ab“ und sorge „für die Konzentration auf die im Bild zentrierten Figuren“. Hervorgehoben wurde außerdem die Musik im Film.[9]

Zeit Online schrieb, nachdem Dolan in I Killed My Mother (2009) halbbiografisch seine schwierige und hasserfüllte Beziehung zu seiner Mutter verarbeitet hatte, versuche er nun, „sie zu rächen“.[10]

Gerhard Midding von epd Film zeigte sich begeistert von Dolans Film, in dem er, „wie in Laurence Anyways, eine nervenaufreibende Utopie des Miteinanders“ beschwöre. „Eine solch mitreißend Folie à trois“ habe „es im Kino noch nicht gegeben: eine nonchalante Mutter, ihr hyperaktiver Sohn und eine traumatisierte Lehrerin verschwören sich gegen die Enge und Zumutungen des bürgerlichen Lebens“.[11]

AuszeichnungenBearbeiten

Mommy erhielt 41 Auszeichnungen und weitere 40 Nominierungen.[12] Neben dem Jurypreis in Cannes gewann der Film den César als bester ausländischer Film und er erhielt zwei Nominierungen bei den Satellite Awards.

In Kanada gewann der Film acht Preise bei den Jutra Awards sowie neun Auszeichnungen bei den Canadian Screen Awards.[12] Der Film wurde im Rahmen des Toronto International Film Festival von Filmschaffenden in die Liste der besten zehn kanadischen Filme des Jahres 2014 gewählt.[13][14]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Freigabebescheinigung für Mommy. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, November 2014 (PDF; Prüf­nummer: 148 031 K).
  2. 2014 Official Selection. In: Cannes. Abgerufen am 17. April 2014.
  3. Awards 2014 : Competition. In: Cannes. Abgerufen am 25. Mai 2014.
  4. Dolan's 'Mommy' Canada's Oscar bid. In: Brampton Guardian. Abgerufen am 19. September 2014.
  5. Oscars: Canada Picks 'Mommy' For Foreign-Language Category. In: The Hollywood Reporter. Abgerufen am 19. September 2014.
  6. Mommy (2015). Rotten Tomatoes, abgerufen am 2. April 2015.
  7. Mommy. Metacritic, abgerufen am 2. April 2015.
  8. Peter Bradshaw: Cannes 2014 review: Mommy - dearest work yet from Xavier Dolan. In: The Guardian, 21. Mai 2014. Abgerufen am 1. Juni 2014.  „[…] a splashy, transgressive treat, from […] surprising emotional depth […]“ 
  9. Kathrin Häger: Mommy. film-dienst, 23/2014, abgerufen am 2. April 2015 (Kurzkritik).
  10. Wenke Husmann: Fuck you, Mommy! Zeit Online, 22. Mai 2014, abgerufen am 2. April 2015.
  11. Gerhard Midding: Kritik zu Mommy. epd Film, 20. Oktober 2014, abgerufen am 30. April 2015.
  12. a b Awards. Internet Movie Database, abgerufen am 2. April 2015.
  13. TIFF Tips Its Toque to the Best in Canadian Filmmaking: Cronenberg, Dolan, and Gunnarson Among Directors Recognized. TIFF. 1. Dezember 2014. Abgerufen am 21. Dezember 2014.
  14. Linda Barnard: TIFF’s Top Ten Film Festival: Spotlight on Canadian film. In: Toronto Star, 1. Dezember 2014. Abgerufen am 21. Dezember 2014.