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Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz

Album des deutschen Musikers Marius Müller-Westernhagen
Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz
Studioalbum von Marius Müller-Westernhagen

Veröffent-
lichung(en)

30. Oktober 1978[1]

Label(s) WEA Records

Format(e)

LP, MC, CD (ab 1987)

Genre(s)

Deutschrock, Bluesrock

Titel (Anzahl)

10

Laufzeit

38 Min 27 Sek

Besetzung

Produktion

  • Lothar Meid

Studio(s)

Chronologie
Ganz allein krieg ich's nicht hin
(1977)
Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz Sekt oder Selters
(1980)

Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz ist das vierte Studioalbum des deutschen Musikers Marius Müller-Westernhagen, das bei seiner Veröffentlichung 1978 zwar nicht erfolglos war, aber sich erst im Laufe der Jahre zum Kultalbum und Verkaufserfolg entwickelte.

Inhaltsverzeichnis

ProduktionBearbeiten

Das Album wurde vom 25. bis 30. Juni sowie am 8. Juli 1978 in den Musicland Studios unter der Leitung von Peter Lüdemann aufgenommen und vom 14. bis 15. August 1978 im Union Studio in München unter der Leitung von Zeke Lund (unter anderem The Smoke, Rondo A Tre) abgemischt. Westernhagens neuer Produzent Lothar Meid, beide hatten sich bei Dreharbeiten kennengelernt, verpasste ihm ein ganz neues Image, was sich auch in der Musik widerspiegelte. Die vorhergehenden Platten unter der Produktion des Gitarristen Peter Hesslein (unter anderem Lucifer’s Friend) hatten dem Musiker Westernhagen in die Ecke der populären Liedermacher der 1970er gestellt. Zusammen mit den von Westernhagen geschriebenen Songs schuf Meid ein eher „dreckig-schmutziges“ Rock-’n’-Roll-Bild, was auch im Cover angedeutet wird. 1987 wurden die Aufnahmen überarbeitet und auf CD veröffentlicht.

StilBearbeiten

Musikalisch hat das Album vor allem im Bluesrock und Rock ’n’ Roll seine Wurzeln. Es zeichnet sich durch freche, ab und an auch frivole, Texte aus, die von Westernhagen sehr leidenschaftlich, teils schreiend urwüchsig vorgetragen werden. Die Texte und Rhythmen fordern oft zum Mitsingen auf. Während der Konzerte und Auftritte der späten 1970er-Jahre verhielt sich Westernhagen auch diesem neuen rauen Rock-Image entsprechend.[2] Bei den großen Stadientouren Westernhagens in den 1990er gehörten Songs wie Dicke, Johnny W., Mit 18 oder der Titelsong des Albums immer zum Repertoire. Sie wurden (und werden) von den Fans erwartet und textsicher mitgesungen. Die Platte gilt mittlerweile als Kultalbum sowohl des Interpreten als auch des Genres Deutschrock.[3]

Textbeispiele und KontroversenBearbeiten

 
Westernhagen 2008

Einige Songs sorgten für mediale Aufmerksamkeit. Das von Müller-Westernhagens Publikum gerne mitgegrölte und damit qua Performanz als konsensfähig erachtete Lied Dicke wurde als heftige Verunglimpfung angesehen,[4] obwohl der Text angeblich eine satirisch-ironische Intention haben soll, so die Selbstinterpretation Müller-Westernhagens 1989, d. h. nach einem Jahrzehnt nach Veröffentlichung des Liedes 1978.[5] Die unintendierte Rezeption des Liedes und die begeisterte Aufnahme beim Publikum hinderte Müller-Westernhagen nicht daran, das Lied bis heute immer wieder vorzutragen. Der selbst schwergewichtige Musiker "Herman D German" coverte die Nummer 2003. Das dabei entstandene Musikvideo zeigte eindeutiger als das Original, dass der Song nicht als Skandallied gedacht war.[6]

...Dicke haben Blähungen
Dicke ham 'nen dicken Po
Und von den ganzen Abführmitteln
Rennen Dicke oft aufs Klo

Und darum, ja darum bin ich froh, dass ich kein Dicker bin
Denn dick sein ist 'ne Quälerei
Ja ich bin froh, dass ich so'n dürrer Hering bin
Denn dünn bedeutet frei zu sein“

Dicke

Als provokant wurde auch Grüß mir die Genossen empfunden. In dem Text werden auf ironisch überspitzter Weise die umstrittenen Fahndungsmethoden im Kampf gegen die RAF-Terroristen während des Deutschen Herbst thematisiert.[7]

Neulich, 6 Uhr früh, tritt man mir die Tür ein
Ich spring' aus dem Bett, da stürmt die Polizei rein
"Los, stellen Sie sich an die Wand, man hat Sie erkannt"
Ein Nachbar rief uns an: "Sie sind ein Sympathisant"
Ich sag: "Das muss ein Irrtum sein, ich bin doch bloß ein Bürger"
Doch die pflügen mir die Wohnung um, als wäre ich ein Würger“

Grüß mir die Genossen

CoverBearbeiten

Auf dem von ihm selbst gestalteten und von Michael Ballhaus fotografierten Cover steht Westernhagen gekleidet in Bluejeans und schwarzer Lederjacke mit hochgeschlagenem Kragen aus falschem Pelz, einer Flasche Johnnie Walker in der Hand und schaut den Betrachter an. Im Hintergrund einer Kneipe finden sich eine laszive Kellnerin, dargestellt vom damaligen Modell und heutigen Autorin Lilli Beck[8], ein einsamer Trinker, ein telefonierender Mann und ein vermutliches schwules Pärchen. Alle Bilder dürften durchaus als Anspielung auf Textstellen des Albums gesehen werden.

RezensionBearbeiten

Oft wird das Album als das eigentliche Debütalbum Westernhagens bezeichnet,[9] da er vorher eher als Schauspieler in Filmen wie Das zweite Erwachen der Christa Klages oder Aufforderung zum Tanz – der Vorgeschichte zu dem erfolgreichen Film Theo gegen den Rest der Welt von 1980 – der Öffentlichkeit bekannt war. Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz verkaufte sich erstmals gut und erreichte nennenswerte Platzierungen. Der Kultstatus entwickelte sich erst langsam, nicht zuletzt wohl wegen der eingängigen Mischung aus rotzfrechen Texten kombiniert mit musikalischen Elementen aus Rock und Blues.

TitellisteBearbeiten

Angaben jeweils für Seite 1 und Seite 2 der Langspielplatte.

Nr. Titel Laufzeit Titel Laufzeit
1 Mit 18 5:09 Mit Pfefferminz Bin Ich Dein Prinz 2:45
2 Zieh' Dir Bloß Die Schuhe Aus 3:00 Dicke 4:05
3 Willi Wucher 4:08 Giselher 5:32
4 Oh, Margarethe 2:85 Grüß Mir Die Genossen 3:45
5 Alles in den Wind 3:40 Johnny W. 3:25

ChartplatzierungBearbeiten

Die Singleauskopplung Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz / Alles in den Wind erreichte keine nennenswerte Platzierung. Allerdings mit Platz 19[10] in den deutschen Albumcharts war die Schallplatte als Ganzes das bis dato erfolgreichste Album Westernhagens, aber auch nicht wirklich ein Verkaufsschlager. Erst nach einigen Jahren erreichte es 1981 mit 250.000 verkauften Exemplaren Goldstatus[11] und verfestigte sich zunehmend als Kultalbum. Nicht zuletzt durch die Wiederauflage als CD konnten mittlerweile über 1,5 Millionen Tonträger verkauft werden, wofür es dreimal Platin gab.[12]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

QuellenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz - Album. GFK Charts, abgerufen am 13. September 2016.
  2. Ich war ein ganz schöner Idiot. Der Spiegel vom 29. August 1994. Abgerufen am 13. September 2016.
  3. SWR3 New Pop Festival: Westernhagen erhält Preis für sein Lebenswerk. SWR. Abgerufen am 1. Oktober 2016.
  4. Interview von Steve Lake mit Westernhagen im Musikexpress vom 1. Oktober 1989
  5. Das Klischee vom gemütlichen Dicken. Die Tageszeitung vom 6. Mai 2012. Abgerufen am 14. September 2016.
  6. Marius Müller-Westernhagen (MMW) Biographie:Leben, Musik, Erfolge, Hits. springbock.de. Abgerufen am 14. September 2016.
  7. Biographie Westernhagen. Internetauftritt von Eventim. Abgerufen am 14. September 2016.
  8. Miriam Kaefert über Lilli Beck: "Früher mit Busen, heute mit Köpfchen" Bild vom 25. August 2015
  9. Albumbesprechung Marius Müller-Westernhagen - Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz. In: rezensator.de. Abgerufen am 13. September 2016.
  10. Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz - Album. GFK Charts, abgerufen am 13. September 2016.
  11. Gold-/Platin-Datenbank. Deutsche Musikindustrie, abgerufen am 13. September 2016.
  12. Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz - Album. Internetauftritt von Westernhagen, abgerufen am 19. September 2016.