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Liedermacher

Sänger, der Musik und Text selbst gestaltet
Reinhard Mey (2014)

Als Liedermacher wird im deutschsprachigen Raum ein Sänger bezeichnet, der Musik und Texte seines Programms überwiegend selbst geschrieben oder originär bearbeitet hat.

Der Vortrag eines Liedermachers basiert im Kern auf eigener Interpretation und musikalischer Begleitung. Auch wenn die Aufführung gelegentlich mit einer Begleitband erfolgt, liegt meist großes Gewicht auf dem anspruchsvollen, oft witzig-kritischen Text.

Inhaltsverzeichnis

Zum BegriffBearbeiten

Der Begriff Liedermacher tauchte vereinzelt bereits lange vor dem 20. Jahrhundert auf[1][2], so bezeichnete sich zum Beispiel die Dichterin Anna Louisa Karsch (1722–1791) in einem Brief selbst als „liedermacherin“.[3] Die heutige Verwendung und Popularisierung des Begriffes entstand jedoch erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und geht auf Wolf Biermann zurück.[4][2][5]

Verhältnis zu Songwriting und ChansonsBearbeiten

Der Singer-Songwriter (englisch) im Verständnis Bob Dylans ist vom Begriff des Liedermachers vor allem regional (nordamerikanischer Raum) und stilistisch abzugrenzen. Es gibt darüber hinaus neben dem deutschen Liedermacher den Chansonnier (französisch), den Cantautore (italienisch) bzw. Cantautor (spanisch) sowie den Bard (russisch). Die Inhalte haben in der Regel Bezug zur Erfahrungswelt des Liedermachers und sind persönlich oder auch politisch geprägt.

Berühmte Chansonniers sind unter anderem Édith Piaf, Juliette Gréco, Charles Aznavour, Jacques Brel, Jacques Dutronc, Maurice Chevalier und Serge Gainsbourg. Zu den bekannten Cantautores gehören León Gieco (Argentinien), Pablo Milanés (Kuba), Violeta Parra, Víctor Jara (beide Chile), Joaquín Sabina (Spanien) sowie Daniel Viglietti und Alfredo Zitarrosa (Uruguay). Die wohl bedeutendsten Bardy aus Russland bzw. der Sowjetunion waren Wladimir Wyssozki und Bulat Okudschawa.

StilrichtungenBearbeiten

Das Genre des Liedermachers enthält wegen der individuellen Ausdrucksform eine Vielzahl unterschiedlicher musikalischer und textlicher Stil-Ausprägungen:

 
Zither-Manä (2010)

Typisch für Liedermacher ist die gleichzeitige Zugehörigkeit zu mehreren dieser Kategorien. So komponieren und singen z. B. Reinhard Mey und Manfred Maurenbrecher sowohl gesellschaftskritische als auch humorvolle Lieder.

Weitere bekannte Liedermacher finden sich in der Kategorie „Liedermacher“.

LiedermachingBearbeiten

Seit den 1990er Jahren hat sich im deutschsprachigen Raum eine neue Form, das so genannte „Liedermaching“, entwickelt. Die Vertreter dieser Gattung setzen sich textlich sowie musikalisch deutlich vom klassischen Liedermacher ab. Als Begründer der Liedermaching-Szene gilt unter anderem das Bonner Liedermacherduo Joint Venture (1993–2000, bestehend aus Götz Widmann und Martin „Kleinti“ Simon).

Weitere Vertreter dieses Genres sind die Monsters of Liedermaching (seit 2003).

Rechtsextreme LiedermacherBearbeiten

Waren seit den 1960er Jahren Liedermacher fast ausschließlich dem linksintellektuellen Spektrum zuzuordnen, so gibt es seit einigen Jahren auch rechtsextreme Liedermacher. Nach Angaben von Blick nach Rechts listete das Bundesamt für Verfassungsschutz 2003 in einer internen Studie unter anderem die folgenden „rechtsextremistischen Liedermacher“ auf: Jörg Hähnel, Veit, Annett Moeck, Michael Müller und Frank Rennicke. Einige davon sind wegen Volksverhetzung vorbestraft und inhaftiert, manche ihrer Aufnahmen sind indiziert.[6]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Liedermacher im deutschen Textarchiv
  2. a b Andreas Rosenfelder: Deutschlands Liedermacher – Wortmörder ahoi!. Frankfurter Allgemeine, 17. Januar 2006
  3. https://www.zeit.de/1981/21/sie-wars
  4. Ulrich Holbein: Fünf ziemlich radikale Naturpropheten. Synergia Verlag, Basel, Zürich, Roßdorf 2016. 978-3-944615-43-1, S. 59f
  5. Matthias Konzett (Hrsg.): Encyclopedia of German Literature. Routledge, 2015, ISBN 9781135941222 , S. 653
  6. Blick nach Rechts 2003 (Memento vom 11. März 2007 im Internet Archive)